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Full text of "Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. Hrsg. vom Brandenburgischen Provincialverbande"

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Die 
Kunſtdenkmäler 


der 


Provinz Brandenburg. 


Di Hunſtdenkmäler 


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Herausgegeben 
vom 
Brandenburgiſchen Provinzialverbande. 


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Band VI, Teil 3 


Weſtſternberg. 


Berlin. 
Im Kommiſſionsverlage der Voſſiſchen Buchhandlung. 
1913. 


Die Hunſtdenkmäler 
des Hreiſes Meſeſternberg. 


m 


Unter der Schriftleitung 
des 
Provinzialkonſervators Theodor Goecke 
bearbeitet 


von 


Architekt Dr. phil. Wilhelm Jung und Profeſſor Dr. Willy Spatz. 


> * 


Mit 2 Karten, 10 Tafeln, 216 Abbildungen im Text. 


Berlin. 


Druck von Meiſenbach Riffarth & Co. 
1913. 


Bisher find erſchienen: 


Band J. Teil 2 Oſtprignitz 1907. 
„ I. „ 1 Weſtprignitz 1909. 
WI. 1 Lebus 1909. 
„ II. „ 3 Stadt und Dom Brandenburg 1912. 
„ VI. „ 2 Stadt Frankfurt a. O. 1912. 
1 


„ , Weſthavelland 1913. 


In Vorbereitung: 


Band I. Teil 3 Ruppin. 
„ II. „ 2 Oſthavelland. 
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Inhaltsüberſicht. 


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Seumftgeichichtliche Überfichte: 2 une 2 0 XIV 
Beſchreibung der Kunſtdenkmäler 1 
Ortſchaftsverzeichnis . 221 
Verzeichnis der Textabbildungen. 222 
Verzeichnis der Karten und Tafeln . 225 
Verzeichnis der Familien, Stifter uſw. 226 
Meiſterverzeichnis 230 


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Vorwort. 


Ziemlich gleichzeitig mit dem 1. Teile des II. Bandes folgt der den Kreis Weſt— 
ſternberg umfaſſende Teil 3 des VI. Bandes, auch dieſer zunächſt unter Verzicht auf die 
geographiſch-geologiſche Einleitung, die dem Teil Oſtſternberg vorbehalten bleibt, da 
Herr Profeſſor Dr. Solger erſt im Laufe des Jahres aus Peking zurückkehrt. Die 
kunſtgeſchichtliche Überſicht ſowie das eigentliche Denkmalverzeichnis und die zuge— 
hörige baugeſchichtliche Darſtellung, die Zeichnungen und die photographiſchen Auf— 
nahmen einſchließlich der farbigen Tafeln ſind wieder vom Architekten Dr. phil. Jung 
geliefert worden, während die geſchichtlichen Einleitungen der Feder des Herrn 
Profeſſor Dr. Spatz entſtammen. Für die überaus eifrige Mitarbeit auch an dieſem 
Bande ſei Herrn Hoffmann in Frankfurt a. O., gedankt, insbeſondere für die ſorg— 
fältige Durchforſchung der Archive, vornehmlich des Regierungsarchivs in Frankfurt a. O. 
ſowie der Archive zu Droſſen und Reppen. 

Ferner ſei den Behörden und Körperſchaften, namentlich dem Landrat Herrn 
Grafen v. Finckenſtein, ſowie den Herren v. Kaphengſt CH), v. Pappritz, Pfarrer Koll— 
mann u. a. m. für die vielfache freundliche Unterſtützung vielmals gedankt. 

Druck, Broſchur und ſämtliche Kliſchees zu den Textabbildungen ſowie die 
Lichtdrucke und farbigen Tafeln ſind von der Firma Meiſenbach Riffarth & Co. 
in Berlin-Schöneberg ausgeführt worden. 


Berlin, im März 1913. 
Goecke 


Provinzialkonſervator. 


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Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. VI. 3. Weststernberg. 


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ORTE vor 10- 50000 Einwohnern Vorwerk 
Orte wn 5-10000 5 Schloß od, Gut 
Ziegelei 
Orte unter 5000 u 
SD Dörfer mit Kirche Bergwerk 
0 5718 Windmühle 
Filinlkirchdörfer N 
Dörfer ohne Kirche, Bauernschaften Schleuse 
Provinzial - Chaussee Zweigleisige Hauptbahr. 
Kreis- Chaussee, Eingleisige Hauptbahn 
Gebaute Straße Neben-oder Kleinbahn 
Gebesserter Weg projektierte Eisenbahn 


Feldweg mie: Provinz - Grenze 
RE KHreis- Grenze 


1:200 000. 
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Lith.Anstx. Bogdan Gisevius, Berlin W. 


Quellen. 


Archivalien (Urkunden, Akten u. dgl. m.). 


Die bodenſtändigen Archivalien ſind, zum Teil auch infolge feindlicher Einfälle 
und verheerender Brände, nur geringfügig: Urkunden und Akten in Droſſen reichen 
knapp bis ins 16. Jahrhundert zurück; auch in Reppen, Göritz, ſowie in den 
Dörfern ſind keinerlei nennenswerte Beſtände vorhanden. In den Pfarrarchiven 
finden ſich nur vereinzelt Materialien aus der Zeit der Reformation (jo zu Reppen)z 
über die Kriege — beſonders 1756 bis 63 — enthalten mehrere Kirchenbücher Auf— 
ſchlüſſe (Pinnow, Tornow, Ziebingen). In den Gutshäuſern lagern nur ausnahmsweiſe 
Urkunden aus dem 16. oder gar dem 15. Jahrhundert (Radach, Matſchdorf). 

Von auswärtigen Archiven kommen vornehmlich in Betracht: 

J. Stadtarchiv zu Frankfurt a. O.: 

Reicher Beſtand an mittelalterlichen Urkunden (die von den Markgrafen im 
14. Jahrhundert hier niedergelegten wurden 1912 an das Geh. Staatsarchiv abge— 
liefert); Annalen des Pfarrers Heinſius (Mitte des 17. Jahrhunderts). 

II. Regierungsarchiv zu Frankfurt a. O.: 

Akten und Pläne der früheren Kriegs- und Domänenkammer zu Cüſtrin, 18. Jahr— 
hundert (3. B. „Nachrichten von den Dörfern u. ſ. f. des Kreiſes“ von 1785); Beſtand— 
teile des fruͤheren Johanniterordensarchivs zu Sonnenburg, 16. bis 19. Jahrhundert, 
betr. z. B. Ordensamt Rampitz (vgl. v. Pflugk-Harttung, Anfänge des Johanniterordens 
in Deutſchland, Berlin 1899, S. 136 ff.); Akten der nach 1810 neugebildeten Regierung 
63. B. Indaganda von 1814). 

III. Geh. Staatsarchiv zu Berlin: 

1. Urkunden aus dem 13.— 17. Jahrhundert; 
a) Templerurk., 1229 —1311, 
b) Johanniterurk., Anfang des 14. bis Anfang des 19. Jahrhunderts, 
c) Urk. märkiſcher Ortſchaften, betr. z. B. Hochſtift Lebus, ferner einzelne 
Orte wie Groß-Gandern u. a. m. 
Kurmärkiſche Lehnskopiarien (Rep. 78) und Kopiarbücher des Johanniter— 
ordens (Prov. Bröbg., Rep. 9), 15.—18. Jahrhundert; 
3. Landbuch Kaiſer Karls IV., um 1375; 
4. Catastrum ecclesiae Lubucensis: Kataſter der Lebuſer Kirche, begonnen um 
1405 (Verzeichniſſe der Kirchen, Regiſter des Landes Sternberg von 1161); 
5. Aktenvolumina in Rep. 21, 16.— 18. Jahrhundert (betr. z. B. Droſſen); 
6. Aktenvolumina in Rep. 22 (Lehnſachen der adligen Familien); 


4 


Kunſtdenkm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. II 


Il Weſlſlernberg. 


7. Beſtandteile des früheren Johanniterordensarchivs zu Sonnenburg (vgl. 
Überſicht bei v. Pflugk-Harttung, a. a. O., S. 136 f.); 

S. Rep. 92, Beckmanns Nachlaß, etwa 1713—1756 (mit den vornehmlich 
durch die Geiſtlichen erfolgten Beantwortungen der durch die beiden 
Beckmann geſtellten Fragen). 

Damit iſt bei weitem noch nicht die Fülle des Materials erſchöpft. So enthält 
Prov. Brobg., Rep. 16 (II. c, y 1) Philippis Nachrichten von den Städten im 
Regierungsbezirk Frankfurt; ferner betreffen Akten des Generaldirektoriums Neumark 
Amterſachen des 18. Jahrhunderts (Amt Frauendorf u. a. m.). 

IV. Königliches Konſiſtorium zu Berlin: 

Kirchenbauſachen in Balkow (1815), Bottſchow (1853), Döbbernitz (1815), Lau— 
bow (1833), Sandow (1812), Wildenhagen (1817) u. a. m. 


Lileralur. 


Wie für die geſamte Mark iſt auch für Weſtſternberg Riedels Codex diplo— 
maticus Brandenburgensis von größter Bedeutung; der 19. Band (Berlin 1860) 
bringt auf S. 124— 173 die wichtigſten Urkunden aus der Zeit von 1241-1539; 
ferner verdienen der 20. und 23. Band wegen der Frankfurter und Oſtſternberger 
Urkunden beſondere Berückſichtigung. 

Die in Sonderheit das Land Sternberg betreffende Literatur iſt nicht reich. Noch 
immer die beſten, auf Urkunden zuverläſſig gegründeten Angaben finden ſich in Wohl— 
brücks Geſchichte des Bistums Lebus (3 Bände, Berlin 183032), umfaſſend das 
11.— 16. Jahrhundert; hier ſind auch die ſpätmittelalterlichen Chroniken wie Dlugoß, 
Historia Poloniae, und Krantz, Vandalia, berückſichtigt. Wedekind, „Sternbergiſche 
Kreis-Chronik“ (Zielenzig 1853, 367 Seiten) und W. Freier, „Das Land Sternberg“ 
(Zielenzig 1892, 780 Seiten) bieten nur hie und da verſtreut zweckdienliche Daten. 
Die Epoche der Koloniſation behandelten neuerdings ausgezeichnet Breitenbach „Lebus 
unter den Piaſten“, und, in weit umfaſſendem Rahmen, P. v. Nießen, „Die Neumark, 
im Zeitalter ihrer Entſtehung und Beſiedlung (vgl. auch Kunſtdenkmäler, „Frankfurt“, 
S. VI). Zur Geſchichte des Johanniterordens vergleiche man A. v. Winterfeld, Geſchichte 
des Ordens mit befonderer Berückſichtigung der Ballei Brandenburg (Berlin, 1859). 

Eine Fülle von geſchichtlichem und ſtatiſtiſchem Material bieten Büſching, Erd— 
beſchreibung, 8. Bd. (1791), S. 575 f.; Bratring, Beſchreibung der Mark, 3. Bd. 
(Berlin 1809), S. 259— 295; Berghaus, Landbuch der Mark, 3. Bd. (Brandenburg 
1856), S. 242— 308; Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Statiſtika betr. 
die neueſte Zeit verdanke ich den Mitteilungen des Kgl. Landratsamts zu Reppen. 

Eine Karte des Sternbergſchen Kreiſes entwarf D. F. Sotzmann (Berlin 1795). 

Eine Sammlung von Siegelabdrücken befindet ſich im Geheimen Staatsarchiv 
in den Kollektaneen Hupps, des Verfaſſers von „Die Wappen und Siegel der deutſchen 
Städte“ (Provinz Brandenburg, im 1. Bd., 1. Heft, 1894, Frankfurt a. M.). 


III 


Geſchichtliche Einleitung. 


Grenzen und Bodengeſtaltung. 


Der Kreis Weſtſternberg gehört mit einem Umfang von 1142 qkm = 20,8 Quadrat- 
meilen ſeiner Flächenausdehnung nach zu den mittleren Kreiſen der Provinz; in der 
Dichtigkeit ſeiner Bevölkerung, die knapp 40 Einwohner auf den Quadratkilometer be— 
trägt, bleibt er hinter dem Durchſchnitt von über 80 Einwohnern weit zurück. Die 
Grenzen des in ſeinen Umriſſen — abgeſehen von einer Ausbuchtung im Südweſten — 
einem unregelmäßigen Viereck vergleichbaren Gebiets ſind nach Weſten hin das Oder— 
tal, im Norden der Warthebruch im weiteſten Sinne des Wortes. Im Süden jenſeits 
der Pleiske ſchließt ſich das vom Mittelalter an im großen und ganzen eine ge— 
ſchloſſene Einheit bildende Herzogtum Croſſen an, dagegen verdankt die Grenze nach 
Oſten erſt der modernen Verwaltung ihre Entſtehung. 

Im Kreiſe wechſeln fruchtbare Striche mit unergiebigen Sandflächen. Zu Körner— 
und Rübenbau ſind infolge der Eindeichung der Oder die Niederungen geeignet, die 
ſich die Oder entlang von Rampitz bis nach Göritz hinaufziehen. Ferner iſt auch die 
waldarme Hochfläche um Kohlow herum nahe Droſſen ertragreich. Geringeren Boden 
dagegen weiſen beſonders die Feldmarken im Südoſten (FLeichholz u. a. m.) in der Nach— 
barſchaft von Oſtſternberg und Schwiebus auf, ebenſo wie auch das Höhenland, das 
die Oderniederungen begleitet, vornehmlich im Süden vielfach nur ſandig, mit niedrigem 
Holz beſtanden iſt. Für Fiſcherei eignet ſich beſonders die Oder mit ihrem vielfachen 
Wandlungen unterworfen geweſenen Bett, ſowie der an Seen und Bächen reiche 
Einſchnitt, der ſich in der Oſthälfte des Kreiſes von Norden an (Lenzeniederung 
mit Droſſen) über Reppen (Eilangtal) bis zum Pleiskegebiet bei Sandow hinzieht. 


Alteſte Geſchichte. 


Ein Blick auf die Zwillingskreiſe Weſt- und Oſtſternberg in ihrer Geſamtheit 
erweiſt, daß ſie nach Oſten hin völlig ungeſchützt liegen; nach Weſten dagegen bildet 
das weite, ehedem von Sümpfen und „faulen Waſſern“ angefüllte Odertal eine 
ſehr ſchwer zu überſchreitende Grenzlinie. Das Verhängnis wollte es nun, daß die 
hauptſächlichſten kulturfördernden Einflüſſe von Weſten her kamen, während von Oſten 
her nur allzuoft kulturvernichtende ſich nahten. Erſt die Entwicklung in allerneueſter 
Zeit hat mit Schaffung einer feſten, durch die Provinz Poſen gebildeten Vormauer 
hierin Wandel geſchaffen. 

Aus der Zeit vor dem 12. Jahrhundert liegen keinerlei Sondernachrichten über 
die an der mittleren Oder, füdlich des Einfluſſes der Warthe gelegenen Lande vor. 
Bis zur Zeit der Völkerwanderung wohnten hier deutſche Stämme, vom 5. Jahrhundert 
an erfolgte ſodann eine Überflutung durch die Slawen, die ſich bis zur Zeit der 

. I1* 


IV Weſlſlernberg. 


Ottoniſchen Kaiſer ungeſtört behaupteten. In dieſe Frühzeit der deutſchen Reichs— 
geſchichte hat die legendariſche Überlieferung, im Lande Sternberg von beſonderer 
Zähigkeit, die Anfänge der auf literariſchen Quellen begründeten Lokalgeſchichte zu 
verlegen geſucht; ſchon damals, um und nach 966, ſeien das Bistum Lebus, die 
Städte Droſſen und Reppen emporgewachſen! Dagegen ſei betont: Urkunden und 
Chroniſten jener Zeit berichten nur von der Begründung einer Oſtmark durch den 
gewaltigen Gero, von der Errichtung des Erzbistums Magdeburg und der ihm unter— 
geordneten Bistümer wie Brandenburg, Havelberg, Meißen, und endlich von ein— 
zelnen, wenigen Zügen deutſcher Herrſcher in die Lande zwiſchen Oder und Weichſel — 
wobei genauere Ortsbezeichnungen faſt ganz ausfallen. Feſt ſteht endlich, daß es 
den Deutſchen damals noch nicht gelang, Polenfürſten wie z. B. Miesco (Miſeko), 
der 966 das Chriſtentum angenommen und im Jahre darauf das Bistum Poſen ge— 
gründet hatte, oder gar Boleslav Chrobry gegenüber zu dauernd vorwaltendem Einfluß 
im Lande Sternberg und ſeinen Nachbargebieten zu gelangen. Die polniſche Kirche 
hat hier zu Lande freilich nichts von Bedeutung geſchaffen, und Anklänge an jene 
polniſch-ſlawiſchen Zeiten finden ſich nur auf dem Gebiete der Ortsnamen, in denen 
ſich die gens Sclavorum ultra Albiam, wie es in Urkunden des 10. Jahrhunderts 
heißt, bis auf den heutigen Tag verewigt hat. Die Namen der drei Städte Weſt— 
ſternbergs ſind ſicherlich ſlawiſch, der Dörfer zum überwiegenden Teil. So ſind Otſcher 
(einſtmals Ovezar) und Zweinert (Swynar) von den Bezeichnungen für Schaf und 
Schwein herzuleiten. Ausgeſprochen ſlawiſches Gepräge tragen Balkow, Bottſchow, 
Leiſſow, Lübbichow, Storkow und Tſchernow, Döbbernitz, Grimnitz, Kloppitz, Kunitz und 
Rampitz, ferner die urſprünglich einſilbigen Drenzig, Kohlow, Läſſig, Reipzig, Stenzig und 
Zohlow, endlich Görbitſch, Polenzig, Schmagorei und noch manche andere. Von befonderem 
Intereſſe iſt der dem Deutſchen angepaßte Ortsname Kirſchbaum, früher Cerßboum, ferner 
Gohlitz, früher Goles- oder Bolescoviz. Deutſchen Urſprungs find nur Buchholz, Frauen— 
dorf, Hildesheim, Klauswalde, Kunersdorf, Matſchdorf, Neuendorf und Wildenhagen. 


Deutſche Koloniſation. 


Im Jahre 1133 erſcheint urkundlich der erſte Biſchof von Lebus, Bernardus 
episcopus Lubucensis. Etwa zwei Menſchenalter darauf gelang es ſchleſiſchen Herzögen, 
das Gebiet rechts und links der mittleren Oder bis zur Warthemündung, die „terra 
Lubus“, ihrem Einfluß zu erſchließen. Doch auch ſie mußten um 1250 wiederum 
vor den askaniſchen Markgrafen Johann J. und Otto III. und dem Magdeburger Erz— 
biſchof zurückweichen. Von nun an ergoß ſich ein unwiderſtehlicher Strom deutſcher 
Koloniſten von Oſten her in den rechts der Oder gelegenen Teil des Landes Lebus, 
für den es damals noch keine Sonderbezeichnung gab; zumeiſt nahmen die Zuzügler 
wohl den Weg über das ſeit 1253 unter askaniſchem Schutz immer mehr empor— 
ſtrebende Frankfurt, denn hier allein bot ſich Gelegenheit zum Überſchreiten der Oder. 
Auf faſt jungfräulichem Boden durften die Deutſchen wirken und ſchaffen, denn weder 
die ſchleſiſchen Herzöge noch das ſchleſiſche Kloſter Leubus, ſeit etwa 1236 im Beſitz 


Gejchichtliche Einleitung. V 


von Rampitz, hatten weiterreichenden Einfluß gewonnen, und auch der Templerorden, 
ſo mächtig er ſeit 1235 im Lande Cüſtrin, ſeit 1244 in Zielenzig und Umgegend da— 
ſtand, hatte in Weſtſternberg nur geringfügigen Beſitz, u. a. Buchholz und Laubow. 

In dem halben Jahrhundert von 1250 — 1300 erhielt nun der Weſtſternberger 
Kreis oder auch „das blaue Ländchen“, wie man ihn in ſpäterer Zeit wegen ſeiner vielen 
Waldungen nannte, das Gepräge, das ihm bis auf den heutigen Tag geblieben iſt: die drei 
kleinen, von vornherein beſcheiden zugeſchnittenen und auch noch heute wenig volkreichen 
Städte entſtanden, unter denen das dem Biſchof von Lebus zuſtehende Droſſen zuerſt ge— 
nannt wird, und zwar in einer Urkunde von 1252. Alle noch heute beſtehenden dörflichen 
Ortſchaften wurden angelegt. Etwa in vier Gruppen laſſen ſie ſich ſcheiden: die mit 
gutem Acker ausgeſtatteten Dörfer auf der ebenen Hochfläche um Kohlow-Drenzig 
herum, die Walddörfer mit geringer Ackerfläche im Süden und Oſten (Gräden, Matſch— 
dorf, Reichenwalde, Döbbernitz), die ſehr großen Ortſchaften wie Ziebingen oder 
Tſchernow, dort gelegen, wo der Kreis ſich zur Oder- und Wartheniederung herab— 
ſenkt, mit weit ausgedehnten, z. T. auf der Höhe, z. T. in der Niederung gelegenen 
Ackerflächen. Endlich Oderdörfer wie Aurith, Kunitz, Reipzig, mit einer hauptſächlich 
auf Schiffahrt oder Fiſcherei angewieſenen Einwohnerſchaft. Alle dieſe verſchiedenen 
Abarten von Ortſchaften beſtanden um 1300 und beſtehen noch heute, und wenn 
man von vereinzelten Arbeiterkolonien (Friedrichswille) abſieht, iſt auch keine neue 
hinzugekommen; andererſeits iſt die Zahl der wüſt gewordenen Dörfer auffallend gering: 
zu ihnen find Barſchſee (nahe Leichholz), Wyſtock bei Sandow und Pamezyn bei 
Frauendorf zu rechnen. Wie auch im Kreiſe Lebus und anderwärts in der Mark iſt 
für viele Dörfer die Normalausſtattung mit 64 Hufen — darunter 4 Pfarrhufen — 
charakteriſtiſch, z. B. Bottſchow, Klein-Kirſchbaum, Kohlow, Lieben, Schmagorei, Wilden— 
hagen, Zerbow. Abgeſehen von den Kietzen fehlen die ‚Wendendörfer, slavicales 
villae, gänzlich. 


Die Markgrafen und die Kirche. 


Mit den hochſtrebenden Askaniern, die mit ihren Rittern kraftvoll den Grenz— 
ſchutz von Zielenzig aus gegen die polniſchen Herzöge zu Meſeritz zu wahren verſtanden, 
konnten die Erzbiſchöfe auf die Dauer nicht gleichen Schritt halten. Zu Beginn des 
14. Jahrhunderts waren die Markgrafen die unbeſtrittenen Herren über das ganze 
Land Lebus, links wie rechts der Oder, und nur eine, freilich recht bedeutungsvolle 
Tatſache erinnert noch heute an die Prälaten, nämlich der Name des rechts der Oder 
gelegenen Teiles. Man darf wohl annehmen, daß er auf den Magdeburger Erz— 
biſchof Conrad (1266 —1277), einen geborenen Grafen von Sternberg aus weſtfäliſch— 
lippiſchem Geſchlecht zurückgeht, der vielleicht als Erbauer des Schloſſes Sternberg 
dem ganzen Ländchen den Namen gegeben hat; auch hat Paul v. Nießen mit Recht 
auf die auffallende Namensgleichheit zwiſchen Weſtſternberger Dörfern und Orten 
nahe Magdeburg, z. B. Bergen, Sandow, hingewieſen. 

Die kirchliche Organiſation, im engſten Anſchluß an die Laienkoloniſation ent— 
ſtanden, war in den Grundzügen um 1300 ſchon feſtgelegt, wenn auch erſt ein Lebuſer 


VI Weſlſlernberg. 


Bistumsregiſter aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts hierüber Auskunft gibt. 
Der biſchöfliche Sprengel von Lebus zerfiel in mehrere Bezirke, ſog. „Sitze“. „Ad 
sedem Osnen“ gehörten folgende Kirchen: Goricia, Sebitz, Czernow, Radekow 
(Radady), Grunow, Stentz (Stenzig), Spudlow, Sefelt, Swyner (Zweinert), Czerbow, 
magna Radow, parva Radow (Groß- und Klein-Rade), Leſsk (Läſſig), Frawendorff, 
Belitz, Lissow, Cunradstorff, Ripschitz (Reipzig), Bischovisse, Storkow, Kawl 
(Kohlow), major Lubechyn (Groß-Lübbichow), Drentzk, Czawl Gohlow), Olsna, 
Cirſsbowm, Smogarya, Lybnow (Lieben), Lubna (Xaubow), Clawswalde, Polentzk, 
Bebirtich. Zum Reppener Bezirk gehörten, „Subscripte ecclesie adiacent Rippin“: 
Ryppin, Wildenhagen, Hildbrandfsdorff (Hildesheim), Gorbitz, Gandir, Richin- 
walde, Syrtzik, Czebingen, Balkow, Matzdorff. Von Zielenzig, „Czelentzk“, endlich 
hingen Pynnow, Botczow, Belitz und Tornow ab. Reicher Privatbeſitz eignete dem 
Biſchof von Lebus, denn laut Schutzbrief, den Biſchof Stephan II. am 3. Februar 1317 
von den Markgrafen Johann und Waldemar erhielt, beſaß das Stift außer „Goricz“ 
noch die zehn Dörfer „Golitz, Lesk, Ottezar, Groß- und Klein-Radowe, Sabyz, 
Seveld, Spudlowe, Stanck und Swinar“: alle dieſe Ortſchaften ſind in der oben 
erwähnten Urkunde von 1252 noch nicht genannt, vielleicht war Droſſen von den 
Markgrafen gegen ſie eingetauſcht worden. 


Fluctuat nec mergitur. 


Über die von 1250 bis 1300 feſtgegründeten Gewalten brachen im 14. Jahr— 
hundert verheerende Stürme herein: „heftig ſchwankt das Schiff, doch es geht nicht unter“ 
(fluctuat nec mergitur). Das Jahr 1312 ſah das grauenvolle Ende des Templerordens. 
1320 erloſch das askaniſche Haus, und damit verlor das Land Lebus ſeine unermüd— 
lichen Schirmherren. Die Wittelsbacher Markgrafen waren durch ihren Streit mit dem 
Papſt oft gelähmt, der polniſche König dagegen wurde im Lande öſtlich der Oder immer 
mächtiger. Der Lebuſer Biſchof mußte mit anſehen, wie der markgräfliche Hauptmann 
Wulkow nicht allein ſeine Kathedrale in Göritz, ſondern auch viele aus Stein 
erbaute Kirchen (ecclesias lapideas) gänzlich zerſtörte. Wie ſich die Zeiten geändert 
hatten, erfuhren die Landbewohner 1325, als Polen, Litauer, Reußen und Walachen 
auf Antrieb des Königs Wladislaus Lokietek das Land Lebus diesſeits und jenſeits der 
Oder verwüſteten und dabei 140 Dörfer ſamt ihren Kirchen in Aſche legten. Heftige 
Vorwürfe machte Kaiſer Ludwig 1328 dem Papſte Johann XXII., die Slawen zu 
dieſem Einfall angeſtiftet zu haben, ſodaß noch jetzt, wie er ſagte, die Einwohner der 
Mark die ihnen von fremden Barbaren infolge dieſer Schandtat des Papſtes ge⸗ 
ſchlagenen Wunden beweinten. Die Johanniter, die den Beſitz vieler Templergüter 
angetreten hatten — 1322 überließ ihnen beiſpielsweiſe Herzog Heinrich von Schleſien 
Zielenzig — haben in dieſem Kriege ſich weder zu Gunſten der einen noch der andern 
Partei eingemiſcht. 

Mit neuer Heftigkeit loderten die Kämpfe zur Zeit des falſchen Waldemar auf. 
Damals, 1351, nahm den Lebuſer Biſchof Apetzko einer der Mannen der Wittelsbacher 


Geſchichtliche Einleitung. VII 


Markgrafen, Henzlin v. Waldow, gefangen. Zwei Jahre darauf wurde Waldow mit der 
Vogtei Droſſen betraut und ſomit als Wahrer der Rechte des Markgrafen, als Hüter 
der öffentlichen Ordnung an die Spitze des Gebiets rechts der Oder geſtellt, während 
Heinrich v. Eichendorf zur ſelben Zeit die Vogtei von Lebus verſah. 

In welchem Maße das Land Sternberg ſich zur geſchloſſenen Einheit heran— 
entwickelt hatte, lehrt das um 1375 entſtandene Landbuch Kaiſer Karls IV. Das 
„territorium Sterneberg“, das hier ſcharf von dem Lande Lebus, „territorium 
Lubucense“ geſchieden wird, gehörte zur Mark jenſeits der Oder (Marchia Trans- 
oderana) und zwar bildete „der große Warthefluß“ eine Scheidelinie, die den größeren 
nördlichen Teil dieſer „Marchia“ von dem kleineren nach Oſten — versus orien— 
tem — gelegenen, alſo unſerem Lande Sternberg, abtrennte. 

In Sonderheit in Weſtſternberg werden als feſte, dem Markgrafen gehörige Plätze 
Droſſen und Reppen genannt, zu Sandow ſaß der markgräfliche Lehnmann Johannes 
Sack, zu Rampitz der v. Oinitz. Göritz gehörte dem Biſchof, Drenzig dem mark— 
gräflichen Vaſallen Petz v. Loſſow, ebenſo waren die Loſſow zu Bottſchow und 
Radach anſäſſig. Alſo zählte der Kreis nicht weniger als acht „municiones et opida“, 
die vielleicht zum Teil erſt in den vorhergehenden unruhevollen Zeiten von Rittern 
auf eigene Fauſt, ohne Befragung des Landesherrn, angelegt worden waren. Welche 
Gefahr ſolche Burgen unter einem ſchwachen Landesherrn wie Markgraf Jobſt in fich 
bargen, erwieſen die erſten Jahre des 15. Jahrhunderts, als Petz v. Loſſow von ſeiner 
Burg Bottſchow aus derart die Umgegend beunruhigte, daß die Bürger von Droſſen 
und Reppen ſich mit den Frankfurtern verbündeten, um die „municio“ zu zerſtören. 
Petz gelobte Beſſerung, und ähnlich den Quitzows in der Prignitz hat ſich ſein Geſchlecht 
noch Jahrhunderte lang im Lande Sternberg in anſehnlichem Beſitz behauptet. 


Vaſallen und Johanniterorden im erſten Jahrhundert der Zollernherrſchaft. 


Im Sommer 1412 erſchien Burggraf Friedrich von Nürnberg perſönlich in 
Droſſen und Reppen, um die Huldigung entgegenzunehmen. „Unſern Frieden innen und 
außer Landes ſoll jedermann halten,“ gebot er 1414. Er und ſeine Nachfolger beſaßen 
die Kraft, dieſen Worten Geltung zu verſchaffen. Wenn man von dem Einfall des 
händelſüchtigen Herzogs Hans von Sagan, dem es 1477 vor Droſſen ſchlimm genug 
erging, und von gelegentlichem Aufflackern ritterlicher Fehdeluſt abſieht, durfte ſich 
Sternberg nunmehr über zwei Jahrhunderte lang ungeſtörter Ruhe erfreuen. Jetzt 
beginnt die Zeit, wo Ritterbürtige mehr und mehr bodenftändig wurden und ſich auf 
dem platten Lande ausdehnten. Die meiſten dieſer adligen Geſchlechter ſtammten aus 
den Landen an der mittleren Elbe: ſo die Winning aus Winningen nahe Aſchersleben; 
die aus Schleſien ſtammenden Löben bildeten eine Ausnahme. Manche hatten in mehreren 
Orten Ritterſitze oder Gerechtſame: die Loſſow beiſpielsweiſe außer zu Bottſchow noch 
zu Gandern, Wildenhagen, Drenzig und Kohlow, die Grüneberg zu Klein-Kirſchbaum, 
Radach und Reichenwalde. Weniger umfangreich war der Beſitz der Ihlow (oder Illo) 
zu Buchholz, ſpäter auch Schmagorei, oder der Buntſch zu Biberteich, deren einer, Kaſpar, 


VIII Weſtſlernberg. 


1502 vom Kurfürſten Joachim J. den Auftrag erhielt, mit ſeinen Reiſigen Kaufleute 
und Frachtwagen ſchirmend durch das Land zu geleiten. 

Viele Adlige ſtanden im Lehnverhältnis zum Kurfürſten, einige waren Lehnträger 
des Johanniterordens. Weit veräſtelt war der Beſitz dieſer ritterlichen, mehr auf 
Ausdehnung und Nutzung ihrer Güter als auf Kampf gegen Feinde des Chriſtentums 
bedachten Genoſſenſchaft. Nachdem ſie ſich 1426 in Sonnenburg feſtgeſetzt, erwarb 
ſie 1431 Rampitz, Kloppitz, Melſchnitz, Matſchdorf und Gräden; Johanniter legten 
wahrſcheinlich auch Leichholz an. Kurfürſt Friedrich II. verpfändete dem Orden ſogar 
1447 — ganz ähnlich wie es 1408 Markgraf Jobſt bereits getan — die Vogtei im 
Lande Sternberg, die Stadt Reppen, Einkünfte aus Droſſen, ferner die Berechtigung, 
die zum Patronat des Landesherrn gehörenden geiſtlichen Stellen zu beſetzen. 


Die Reformation und Hans von Cüſtrin. 


Als die Tage der Reformation anbrachen, war der Beſitz des Lebuſer Biſchofs— 
und Domkapitels beſonders im Norden des Kreiſes feſt begründet und abgerundet: 
hatte doch noch beiſpielsweiſe Biſchof Friedrich Seſſelmann 1465 einen Anteil an 
Tſchernow von einem Frankfurter Bürger erkauft. Die neue Lehre fand an dem 
Markgrafen Hans von Cüſtrin einen tatkräftigen, rückſichtsloſen Förderer. Schon 
lange bevor in der eigentlichen Kurmark die neue Richtung zum Siege gelangte, hatte 
der Prediger Mangold 1538 in Droſſen den Kirchenheiligen den Krieg erklärt. Bald 
darauf ordnete Markgraf Hans eine Viſitation „im Lande Sternberg“ an; heftig erhob 
Biſchof Georg v. Blumenthal dagegen Einſpruch. Die Wallfahrten nach der vor dem 
Tor gelegenen Reppener Kreuzkirche, wo noch lange nachher viele Krücken zu ſehen 
waren, hörten jetzt auf. Als Hans erfuhr, daß noch mit dem Marienbilde in Göritz, 
zu dem viel „Zulauf aus Polen“ war, „allerlei Abgötterei“ getrieben wurde, veran— 
laßte er die Droſſener, das Bild nach Güftrin zu ſchaffen. Hierhin wurde auch viel 
Kirchenſilber gebracht, und als der Herrſcher daranging, die Feſte Cüͤſtrin auszubauen, 
mußten die Stiftsuntertanen an dem Wall acht Tage arbeiten. K 

Die Umwandlung der biſchöflichen Güter zum Domänenamt Lebus vollzog ſich nach 
dem Tode des Biſchofs Horneburg 1555 allmählich und ohne Schwierigkeit. Die 
Gemahlin des Markgrafen, Katharina, trug auch noch durch Ankauf verſchiedener 
Dörfer und Vorwerke zur Vermehrung des Domanialbeſitzes bei. Auf ſie geht der 
Erwerb von Neuendorf zurück, wo ſie eine große Brauerei anlegte. Ganz anders wie 
ihr harter Gemahl, ſtand ſie noch jahrhundertelang beim Volke wegen ihrer großen 
„Pietät, Juſtiz und veconomifchen Prudentz“ im beſten Andenken. 

Recht unbequem war dem Markgrafen Hans der Johanniterorden mit feinem 
reichen Beſitz. Doch die Herrenmeiſter wußten geſchickt vorzugehen. Veit v. Thuͤmen 
ſtellte bereits 1538 einen evangeliſchen Prediger in der Sonnenburger Ordenskirche 
an; Joachim v. Arnim ſchwur 1544 dem Markgrafen Johannſen als feinem gnädigſten 
Landesherrn gehorſam und treu zu fein. Der Herrenmeiſter Franz Neumann bekam 
ja freilich die ganze unerbittliche Tatkraft des Hohenzollern zu fühlen, doch trotz allem 


Geſchichtliche Einleitung. IX 


hat der Johanniterorden feinen geſamten Beſitzſtand über die Reformation hinaus ge— 
rettet. Als ſein Lehnsträger ſaß ſeit 1540 zu Matſchdorf der friſch ins Land 
gekommene Kanzler Dr. Wolfgang Kettwig. Da zwiſchen ihm und den Reppenern 
Streitigkeiten ausbrachen, geboten Kaſpar v. Waldow, Hauptmann des Landes Stern— 
berg, und Andreas v. Schlieben, Komtur zu Lagow, als „verordnete Commiſſarien“ 
Stillſtand; die Zeit der Fehden war vorüber! 1608 ſtellte der Landreuter feſt, daß 
nur noch zwei „Schloſſer und Flecken“ vorhanden waren, nämlich „Goritz, ins Ampt 
Lubus gehörig,“ und „Sandow, denen v. Winterfeldt gehörigk.“ 


Kriegsleiden im 17. Jahrhundert. 


Das Vorſpiel zum Großen Kriege war eine verderbliche Münzverſchlechterung, 
und gerade in Droſſen wurden in der ſog. Kipperzeit viele dieſer berüchtigten Geld— 
ſtücke geprägt. 1627 rückten kaiſerliche Völker von Süden her in den Kreis ein, und 
der Amtsſchreiber des Johanniterordens Hille zu Rampitz berichtete von vielen „Schaden, 
Exceſſen und Inſolentien“. Wallenſteinſche Wallonen, „lahmes, böſes, abgeriſſenes 
Geſindel“, niſtete ſich in Droſſen ein. 1630 begannen die Durchzüge der Schweden, 
da Landsberg ſowie Frankfurt für ſie wichtige ſtrategiſche Plätze waren. 1637 richtete 
General Banner auf ſeinem Marſche große Verwüſtungen an; Rathaus und Kirchen 
in Reppen wurden erbrochen und „alle vornehmſten Sachen hinweggeriſſen“. Manche 
Kirchenbücher, z. B. zu Pinnow, berichten ergreifend von Kriegsleiden; in Görbitſch 
kam es dahin, daß alle Bewohner flüchtend das Dorf verließen. Der Peſt fielen 
1634 in Reppen 700 Perſonen zum Opfer. 

Das Sternberger Land war inſofern in einer beſonders ſchlimmen Lage, als 
es auch nach 1648 nicht zur Ruhe kam. 1655 und 1656 überſchwemmten polniſche 
Söldner die Grenze, und nur mit Mühe feste die in Croſſen reſidierende Kurfürſtin— 
Witwe Eliſabeth Charlotte beim König Caſimir einen ſich auch auf Sternberg er— 
ſtreckenden Schutzbrief durch. 


Von 1650 bis 1800. 


Trotz aller Bemühungen von oben her ging es im Kreiſe, ſelbſt nachdem der 
Große Kurfürſt den dauernden Frieden wieder hergeſtellt hatte, nicht recht vorwärts. 
Es fehlte ein Verwaltungsmittelpunkt, ähnlich wie Cüſtrin, oder ein Brennpunkt des 
geiſtigen Lebens, etwa wie Frankfurt. In keiner der Weſtſternberger Städte entwickelte ſich 
die Induſtrie ſo wie in Cottbus. Zudem lag hier kein einziges landesherrliches Schloß. 
So war ein gänzlicher Mangel an bedeutſamen Entwicklungsmöglichkeiten. Der Verkehr 
zu und von den Frankfurter Meſſen flutete freilich hindurch, doch ohne befruchtend 
zu wirken. Dazu kam, daß das Land Sternberg weit über das Durchſchnittsmaß 
hinaus unter dem Siebenjährigen Kriege zu leiden hatte; faſt als einziges Gebiet 
unter allen „Staaten“ des Großen Königs war es ſchutzlos dem Feinde preisgegeben; 
die Ruſſen erdroſſelten, wie Friedrich dem Prinzen Heinrich am 1. September 1758 
ſchrieb, Frauen und Kinder; ähnlich wie die Franzoſen einſt in der Pfalz, ſuchten ſie 


X Weſlſlernberg. 


das Land „inutile“, d. h. nutzlos für den eigenen Herrn zu machen. Mehrfach hat 
Friedrich der Große unſern Kreis berührt: den 19. Auguſt 1758 brachte er in Ziebingen zu; 
ein Jahr darauf war er am 11. Auguſt, kurz vor dem Unglückstag von Kunersdorf, in 
Biſchofſee. Das Reppener Kirchenbuch weiß von dieſem Sommer Schlimmes zu be— 
richten. Schon nach der Niederlage Wedels bei Züllichau am 20. Juli ſchrieb der Pfarrer: 
„Von da an ging es an ein erſchreckliches Brandſchatzen, Plündern und Fouragieren, 
alſo daß das übrige vom Jahre nichts anders als Flüchten, Ach und Weh! Geſchrey 
hierherum geweſen und die armen Einwohner dies Landes inſonderheit von denen 
Coſacken und Calmücken auf eine erſchreckliche Art mitgenommen wurden.“ Und als 
der Große König mit knapp 3000 Mann nach dem Kunersdorfer Tage bei Stſcher 
über die Oder zurückgehen und das Land Sternberg alle Hoffnung auf Hilfe auf— 
geben mußte, verzeichnete er: „Über 6000 Thaler haben wir an Brandſchatzung erlegen 
müſſen, kein Pferd oder Stück Vieh hat niemand behalten, denn was nicht geraubt 
ward, mußte an der vom Feinde mitgebrachten Seuche crepiren; denen armen Ein— 
wohner wurde das letzte bißel Brod aus dem Maule gerißen.“ Frau v. Holle auf 
Pinnow ſchrieb klagend: „Es iſt bekannt, daß der erſte Angriff bei Pinnow ge— 
ſchehen von den Koſacken oder Ruſſen; dort ſtand 2Mal ihre Wagenburg, ich bin 
zu ken Malen ausgeplündert und beraubt und dazu übel tractiret am Leibe. Hier— 
durch bin ich in große Schuld und Armut geraten; ich habe müſſen vor das Dorf 
leiden und bezahlen.“ Des Großen Königs Geſtirn ging auch nach dem Unheiljahre 
nicht unter, doch das Sternberger Land vermochte ſich ſchwer von dieſer Zeit zu erholen! 


Beſitzverhältniſſe um 1800. 

Überſchauen wir die Zuſtände um 1800, ſo ergibt ſich, daß in den anderthalb 
Jahrhunderten nach dem 30 jährigen Kriege der Domanialbeſitzeine weitere bedeutende 
Verſtärkung durch die 1746 erfolgte Erwerbung von Frauendorf erfahren hatte, das 
zum Mittelpunkt des umfangreichſten Amts im ganzen Kreiſe ward; Göritz und viele 
Dörfer des Amtes Lebus wurden dazugeſchlagen. Von geringerem Umfange als 
die Frauendorfer Herrſchaft war das Amt Neuendorf Biſchofſee. 

Dank ſeiner innigen Verbindung mit dem regierenden Hauſe, deſſen Prinzen 
oft die Herrenmeiſterwürde bekleideten, hatte der Johanniterorden recht gut abge— 
ſchnitten. Schon gleich nach dem 30 jährigen Kriege begann fein weiterer Aufſtieg. 
Am 15. Juni 1652 ward Graf Johann Moritz von Naſſau zum Herrenmeiſter erwählt. 
Während ſeiner 27 jährigen Regierung verſammelte er achtmal das Kapitel um ſich 
und ſetzte durch, daß die Ordensgüter wieder bevölkert und angebaut wurden. Beſonderen 
Segen brachte das Wirken des weltkundigen Mannes, der auch als Statthalter um 
das Aufblühen der niederländiſchen Kolonien in Pernambuco ſich vorzüglich verdient 
gemacht hatte, der Stadt Sonnenburg. Rampitz zuſammen mit Schenkendorf war um 
1800 zur Zeit des Herrenmeiſters Prinzen Ferdinand, des juͤngſten Bruders des Großen 
Königs, das kleinſte der ſechs Ordensämter, aus denen der Herrenmeiſter ſeine über 
66000 Taler betragenden Einkünfte bezog; hier belief ſich der Jahresertrag auf 
etwa 3000, beim Ordensamt Sonnenburg dagegen auf weit über 25000 Taler. 


Geſchichtliche Einleitung. XI 


Der Orden und der Staat florierten alſo als Großgrundbeſitzer, doch mit dem 
Landadel ſtand es nicht gut. Bezeichnend iſt, wie ſchon 1644 in der Neumärkiſchen 
Lehnregiſtratur vermerkt wird: von den Löben zu „Radichow“, den Loſſow zu Groß-Gandern, 
Kohlow und Wildenhagen ſei niemand zur Huldigung erſchienen; vielleicht, daß ſie 
ſich in Polen, „weil ſie ſehr umb das ihrige gekommen“, aufhielten. Das Elend 
nach dem Siebenjährigen Kriege erhellt aus den „Originalverzeichniſſen von den Ver— 
mögensumſtänden der Vaſallen von 1767“. Beiſpielsweiſe hatte der Landrat Hans 
Friedrich v. Winning auf Reichenwalde ein Gut im Werte von 17000 Talern, an 
Barvermögen 7232 Taler, an Schulden 18585 Taler 20 Groſchen, und Ernſt Diederich 
Chriſtian v. Slow, deſſen Gut Klein-Kirſchbaum 13000 Taler wert war, hatte faſt 
12000 Taler Paſſiva. Zieht man zu allem noch die furchtbaren Blutopfer in Erwägung, 
die der Adel in den ſchleſiſchen Kriegen gebracht, ſo wird begreiflich, daß kurz vor der 
Franzoſenzeit auch keine einzige der im Mittelalter hier begütert geweſenen adeligen 
Familien mehr anſäſſig war! Selbſt in Oſtſternberg war es beſſer, wo die Waldows 
ſich von 1367 an behauptet hatten, von den Kreiſen der Mittelmark ganz zu ſchweigen. 
Die neuen Beſitzer gehörten z. T. dem norddeutſchen Uradel an, wie die Tauentzien 
zu Balkow, Oppen zu Groß- und Klein-Gandern, Winterfeld zu Görbitſch, Burgs— 
dorf zu Ziebingen, z. T. waren es bürgerliche Staatsbeamte wie Pappritz zu Radach, 
Ordensrat Kuhlwein zu Biberteich, Geheimer Juſtizrat Buſch zu Klauswalde. 

Was endlich den Bauernſtand anbelangt, ſo ergeben die Angaben des Sta— 
tiſtikers Bratring im 3. Bande feiner Beſchreibung der Mark (erſchienen 1809), daß 
doch im allgemeinen eine erfreulich große Anzahl von Bauern und Koſſäten — etwa je 
Sbis 40 — in den meiſten Dörfern ſaß. In manchen Orten war genau der alte Beſtand 
vorhanden, ſo in Tſchernow, wo um 1800 ebenſo wie um 1500 zwölf Bauern waren. 
Die Einwohnerzahl belief ſich durchſchnittlich auf etwa 200 wie bei Döbbernitz, 
einſchließlich der Büdner und Einlieger. Weit über den Durchſchnitt hielten 
ſich die meiſten Dörfer nahe der Oder, wo Seelenzahlen wie 559 bei Aurith keine 
Seltenheit waren. Beſonders klein waren Bergen, Biſchofſee, Hildesheim, Klein— 
Lübbichow, Zerbow, Zweinert mit nur etwa 100 Einwohnern. Neue Ortſchaften waren, 
abgeſehen von dem „Etabliſſement“ Friedrichswille mit einigen Einliegern, nicht 
hinzugekommen — recht im Gegenſatz zu dem Oſtſternberger Lande mit ſeinem 
Warthebruch. 

Wenig Veränderungen hatten ſich im großen und ganzen in den Städten zu— 
getragen. Droſſen und Reppen hatten um 1800 noch nicht 3000 Einwohner, Göritz 
unter 1000. Die Stadt Frankfurt befand ſich wie von altersher im Beſitz der Dörfer 
Kunersdorf, Kunitz, Reipzig und Trettin. 


Wandlungen in der Zeit nach den Befreiungskriegen. 


Viele Tafeln, die man in den Kirchen zur Erinnerung an die 1813, 1814 und 
1815 Gefallenen aufgehängt hat, erweiſen, wie die vaterländiſche Begeiſterung auch 
die Bewohner unſeres Kreiſes ergriffen hatte; der Schmuck der Schützengilde zu 


XII Weſtſlernberg. 


Droſſen, gehenkelte Goldſtücke, war dem Vaterlande dargebracht worden, in mancher 
Gemeinde wie z. B. Laubow traten ſämtliche Männer der Landwehr bei. 

Die Zeit vor und nach dem Kriege ſah einen Umſchwung in den Beſitzver— 
verhältniſſen von nie erlebter Plötzlichkeit und außerordentlichem Umfange. Am 
30. Oktober 1810 wurde der Johanniterorden all ſeiner Güter, von denen ihm einige 
über 57 Jahrhunderte gehört hatten, für verluſtig erklärt, da der Staat der aus dem 
Verkauf oder der Verpachtung zu erzielenden Gelder zur Beſtreitung der Kriegsſchulden 
bedurfte. Ferner verkaufte der Staat ſein wertvollſtes Beſitzſtück, das Amt Frauen— 
dorf mit 11 Dörfern für 312000 Taler an den Baron de la Nivalliere, der ſich um 
das Königshaus in ſchwerer Zeit gewiſſe Verdienſte erworben hatte; 1844 wurde 
dann, nachdem der „Baron von Frauendorf“ bereits 1821 geſcheitert war, die Herr— 
ſchaft zur Bildung eines Familienfideikommiſſes für die Königlichen Prinzen ange— 
kauft. Bifchoffee und Neuendorf, ſowie der Reppener Forſt, den einſt Markgraf 
Hans der Stadt genommen, ſind noch heute fiskaliſch; auch in Aurith, das dem 
1815 ſäkulariſierten Kloſter Neuzelle gehört hatte, iſt eine Domäne. 

An dritter Stelle nach dem Prinzlichen Fideikommiß und dem Staate ſteht die 
Fürſtlich-Hohenzollernſche Familie, die zu dem in Folge einer Heirat bereits gegen 
Ausgang des 18. Jahrhunderts erworbenen Teilgut Leichholz auch noch 1871 Groß— 
Gandern, Döbbernitz und Leichholz hinzukaufte. In feſte Verbindung mit dem Kreiſe 
kamen die auch in Lebus zu Alt-Madlitz und Reitwein begüterten Grafen Finck von 
Finckenſtein, beſonders ſeitdem ſie 1857 Ziebingen endgültig erkauft und 1869 Matſch— 
dorf ererbt hatten: der Begründer des märkiſchen Zweiges dieſer altpreußiſchen Familie 
war der tapfere General Albrecht Conrad, dem Friedrich Wilhelm I. die Erziehung 
des jungen Fritz anvertraut hatte. Seit 1802 ſitzen auf Radach, ſodann auch auf Klein— 
Kirſchbaum die Pappritz (1902 geadelt), ſeit etwa derſelben Zeit zu Sandow die Freiherren 
Senfft v. Pilſach aus ſüddeutſchem Uradel, ſogar ſchon ſeit friderizianiſcher Zeit die 
pauly zu Stſcher. Die 1746 geadelten v. Riſſelmann ſind ſeit 1827 zu Görbitſch 
begütert, die dem Prignitzer Uradel angehörigen v. Kaphengſt ſeit 1836 zu Kohlow, 
die 1660 in den rittermäßigen Reichsadel erhobene Gräflich-Haslingenſche Familie end— 
lich etwa ſeit 1842 in Reichenwalde. Viele Bürgerliche erwarben nach 1810 Groß— 
grundbeſitz, jo die ſeit mehreren Generationen zu Schmagorei ſitzenden Bohtz. 


Weſtſternberg in neueſter Zeit. 

Vom Jahre 1815 an hat der Kreis, wenn man von den Truppenauszügen 1866 
und 1870 abſieht, ein ungeſtörtes Stilleben geführt. Von großer Wichtigkeit wurden 
die beiden 1854 durch den Kreis hindurchgelegten Chauſſeen, von denen die eine dem 
Zuge der alten Poſtſtraße folgte und von Frankfurt über Zohlow nach Droſſen und 
Zielenzig führte, die andere ſich bei Neu-Biſchofſee von dieſer „Steinſtraße“ ab— 
zweigte und über Reppen nach Schwiebus zog. Im Gegenſatz hierzu diente die große 
Bahnlinie Berlin-Poſen, 1869 eröffnet, hauptſächlich nur dem Durchgangsverkehr, da 
ſie keine Stadt unmittelbar berührte. Droſſen, lange Zeit abſeits vom Schienenver— 
kehr gelegen, erhielt 1890 Bahnverbindung, Göritz ſchon etwas früher, dank der den 


Geſchichtliche Einleitung. XIII 


Kreis durchquerenden Breslau-Stettiner Bahn. Als vierte Bahnlinie geſellte ſich 1907 
die Kleinbahn von Kunersdorf nach Ziebingen zu. Die in alten Zeiten wichtigſte 
Verkehrsader, die noch auf der Generalſtabskarte verzeichnete ſog. „Polackenſtraße“, 
die von Frankfurt ſüdlich Kunersdorf über Reppen, Biberteich, Lindow nach Meſeritz 
führte, wird heute nur noch wenig begangen. 

Der neuzeitliche Verkehr hat den Weſtſternberger Kreis, der, ſeit 1873 von dem 
Oſten des Sternberger Landes getrennt, eine beſondere Verwaltungseinheit bildet und 
deſſen Landratsamt ſeit 1904 in Reppen iſt, nicht umzugeſtalten vermocht. Wie im Zeit— 
alter der deutſchen Koloniſation iſt ſein Charakter auch heute noch vorwiegend agrariſch. 
Zahlen führen in dieſem Falle eine beredte Sprache. Mit ſeinen 3 Städten, 62 Land— 
gemeinden und 39 Gutsbezirken zählte der Kreis 1871 43442 Einwohner; dieſe Zahl 
ſtieg bis 1885 auf 45533, bis 1895 auf 45562, um von da an auf 44028 im 
Jahre 1900 und auf 43667 (darunter 691 Katholiken und 80 Juden) im Jahre 1905 
zu ſinken. Bis zum Jahre 1910 vermehrte ſich die Bevölkerung im ganzen auf 44027 
(freilich auch nur infolge der Eröffnung des Provinzialheims in Eilanghof), ſank aber 
in den Städten von 11602 auf 11576. So iſt alſo der ſelbſt in der Mark unge— 
wöhnliche Fall feſtzuſtellen, daß etwa 75%, der Bevölkerung auf dem platten Lande 
wohnen; im Kreiſe Oſtſternberg ſteht es ganz ähnlich. Weſtſternberg beſitzt — ab— 
geſehen von dem Droſſener Lehrerſeminar — keine höhere Bildungsanſtalt, hat auch 
feine Garniſon. Dörfer mit 3—400 Seelen herrſchen vor; vielfach, beſonders im 
Südweſten, zeichnet ſich der Kreis durch wurzelechte bäuerliche Bevölkerung aus. 


it der 
ſation. 


XIV Weſlſlernberg. 


Kunſtgeſchichtliche Überſicht. 


Mag auch die im Jahre 1873 vorgenommene Trennung des Landes Sternberg 
in die beiden Kreiſe Weſt- und Oſtſternberg hauptſächlich aus verwaltungstechniſchen 
Rückſichten erfolgt ſein, ſo zeigt doch ein jedes der beiden Gebiete im Hinblick auf 
ſeinen Beſitz an Kunſtdenkmälern für ſich ſo viele bemerkenswerte Eigentümlichkeiten, 
daß auch bei dieſem Teil des Werkes die Voranſtellung einer zuſammenfaſſenden 
Überſicht geboten erſcheint. Von einer kunſtgeſchichtlichen Entwicklung dagegen muß 
ähnlich wie beim Lebuſer Kreis in erſter Linie deshalb abgeſehen werden, weil 
ſonſt die Gefahr vielfacher Wiederholungen bei den folgenden Bänden nicht zu um— 
gehen ſein dürfte. i 

Wie im Kreis Lebus, ſo ſind auch im Weſtſternberger Kreis als älteſte Reſte 
menſchlicher Bautätigkeit aus der geſchichtlichen Zeit die erſten chriftlichen Kirchen zu 
verzeichnen, die etwa um die Mitte des 13. Jahrhunderts ebenfalls unter dem Einfluß 
der deutſchen Koloniſation errichtet wurden. Waren es jedoch dort die Templerkirchen 
mit dem eigenartigen, im Grundriß halbkreisförmigen Ausbau an der Oſtfront des noch 
romaniſch angelegten Chorteils, die den älteſten Typus der Gotteshäuſer im Kreiſe 
darſtellten, ſo ſteht die Kirche zu Kohlow mit ihrem dem Langhaus breit vorgelagerten, 
das Schiff auf beiden Seiten überragenden Weſtturm und dem eingezogenen, gerade 
geſchloſſenen Chor dem Arensdorfer Kirchengrundriß (vgl. Kreis Lebus) am nächſten. 
Wenn die eben geſchilderte Anlage mit Rückſicht auf den ſchon durchweg verwendeten 
Spitzbogen zeitlich jünger als die noch im Übergangsſtil verharrenden Templerkirchen 
des Lebuſer Kreiſes angenommen wurde, ſo dürfte im Weſtſternberger Kreis zum mindeſten 
das Gotteshaus zu Groß-Rade trotz der ebenfalls großen Verwandtſchaft feiner Grundriß— 
anlage mit dem Arensdorfer Typus zeitlich den Templerkirchen zu Heinersdorf oder 
Tempelberg nahe ſtehen. Läßt doch, außer dem noch völlig romaniſchen Altarraum, der 
mächtige Weſtturm mit feinen etwa 2,5 m ſtarken Umfaſſungsmauern auf eine Erbau— 
ungszeit ſchließen, in der wegen der noch großen Unſicherheit des eben erſt der Koloni— 
ſation erſchloſſenen Gebietes ein ſolcher Schutz geboten war. 

Von anderen älteren Kirchen find, abgeſehen von den beiden ſpäter vollig ver— 
änderten Stadtkirchen zu Droſſen und Reppen, gleichfalls wegen jüngerer, durchgreifend 
vorgenommener Umbauten u.a. bei den Gotteshäuſern von Drenzig und Stenzig nur noch 
wenige ältere Reſte nachzuweiſen, die alle jene für das 13. und die erſte Hälfte des 
14. Jahrhunderts charakteriſtiſchen Merkmale zeigen. In auffallendem Gegenſatz zu 
der mit Rückſicht auf den ſchwer zu bearbeitenden Findling gebotenen größten Einfach— 
heit in der Formbehandlung ſteht der reichere Schmuck der auf der Südſeite des 


Kunſtgeſchichtliche Überjicht. XV 


Chores angelegten Pforte der Kohlower Kirche. Zeigt doch dieſes Portal über dem, 
ähnlich wie bei der Dahmsdorfer Kirche des Lebuſer Kreiſes, den Spitzbogen des 
abgetreppten Gewändes umziehenden einfachen Profil ein aus ſauber bearbeiteten 
Granitfindlingen aufgemauertes Kreuz, das dieſen Eingang vor den übrigen Zugängen 
als Prieſtertür kennzeichnet. Endlich läßt uns u.a. die Kohlower Kirche dadurch, 
daß die mittlere Lichtöffnung ſich weit über das Hauptgeſims bis hinein in den Dach— 
boden erſtreckt, auf eine maſſive Deckenbildung in Geſtalt eines Tonnengewölbes 
ſchließen, wie es u. a. auch die älteſten Bauteile der bereits im Jahre 1225 ge 
weihten Kloſterkirche zu Zinna heute noch in zwei von ihren vier noch romaniſch 
geſtalteten Nebenapſiden beſitzen. So dürfte alſo auch der Kohlower Kirche neben 
dem Gotteshaus von Groß-Rade unter den oben erwähnten Kirchen mit verwandtem 
Grundriß ein weit höheres Alter zuzuſprechen fein, als ſelbſt der Droſſener Jakobi— 
kirche, wenn das uns als Zeit der Fundation dieſer Stadtkirche überlieferte Jahr 
1298 den Tatſachen entſpricht. Über die weitere ehemalige Geſtaltung des Auf— 
baues der Gotteshäuſer aus dem 13. und der erſten Hälfte des 14. Jahrhunderts, 
deren Dachdeckung aus eichenen Schindeln beſtanden haben dürfte, können wir ähnlich 
wie bei dem Lebuſer Kreis wieder Schlußfolgerungen ziehen im Hinblick auf etwa 
gleichzeitige Bauten in anderen, von ſpäteren Zerſtörungen weniger betroffenen Gebiets— 
teilen. Erwähnt ſei nur, daß u. a. die die Satteldächer abſchließenden, ebenfalls aus 
Findlingen aufgeführten Giebel einer großen Anzahl von Kirchen im Luckauer Kreis 
Abtreppungen zeigen, deren Stufenhöhe der Höhe der zum Bau verwendeten Granit— 
findlinge entſpricht. Von dem einzigen noch erhaltenen Ausſtattungsſtück des Kirchen— 
innern gehen die noch vielfach erhaltenen, maſſiv aufgemauerten Altartiſche zumeiſt 
in dieſe frühe Zeit zurück. Auch die älteſten Sakramentsniſchen dürften kaum 
anders ausgeſehen haben, als die entſprechenden Wandvertiefungen in den zwar 
jüngeren, aber noch mittelalterlichen Gotteshäuſern wie z. B. zu Leiſſow. 

Von den inſchriftloſen Glocken, deren ſchlanke bienenkorbartige Form wohl 
gleichfalls auf jene früheſte Zeit der Koloniſation hinweiſt, mögen ſich noch Beiſpiele 
u. a. in den ſpäter völlig umgebauten Kirchen zu Balkow und zu Säpzig bis auf 
unſere Zeit herübergerettet haben. 

Leichter als im Lebuſer Kreis wird die Beantwortung der Frage im Weſtſtern— 
berger Kreiſe nach der Art der Beſchaffenheit der älteſten Profanbauten. Zwar 
haben ſich auch hier irgend welche Reſte aus der früheſten Zeit der Koloniſation wegen 
der Vergänglichkeit des verwendeten Bauſtoffes nicht erhalten; aus den in größerer 
Anzahl jedoch aus ſpäteren Jahrhunderten ſtammenden Fachwerkbauten iſt es möglich, 
mit großer Wahrſcheinlichkeit Rückſchlüſſe zu ziehen auf die urſprüngliche Geſtaltung 
ihrer Vorgänger, andererſeits aber finden ſich in Urkunden mehrfache Hinweiſe, daß 
ſelbſt die älteſten Befeſtigungswerke nicht wie die oben erwähnten monumental 
angelegten älteſten Kirchen aus dem unvergänglichen Granitmaterial erbaut waren. Ein 
Beiſpiel hierfür bietet Droſſen, das noch bis in das 15. Jahrhundert hinein von Mauern 
„aus Lehm“ umgeben war. Vielleicht ſind auch unter den die Stadt Reppen noch 
im 18. Jahrhundert einſchließenden Paliſaden Befeſtigungen zu erblicken, die im engen 


. und 15. 
hundert. 


XVI Weſlſlernberg. 


Anſchluß entſtanden waren an die die Stadt wohl in der älteſten Zeit umgebenden 
Holzwehren. Auch die feſten Herrenſitze, wie das 1402 zerſtörte Schloß des Peter 
v. Loſſow mögen aus dem gleichen vergänglichen Material erbaut geweſen ſein. 
Seltener iſt im Weſtſternberger Kreis die Verwendung des Backſteins, die 
jenſeits der Oder von der Mitte des 14. Jahrhunderts ab anſtelle des ſchwer zu be— 


Abb. I. Nordſeite der Jakobikirche zu Droſſen. 


arbeitenden Granitfindlings nachweisbar iſt. Die Urſache mag darin zu ſuchen ſein, 
daß der für die Koloniſation weniger günſtige Südoſten infolge der geringen Er— 
giebigkeit des Bodens erſt in letzter Linie für die Beſiedelung Berückſichtigung fand. 
Daraus erklärt ſich vielleicht das Überwiegen der Fachwerkbauten anſtelle von monumen— 
taleren Gründungen, Wo man jedoch bei ſpäteren Umbauten, wie z. B. bei der Droſſener 
Jakobikirche zum Backſtein griff, wurde auch hier der ehemals rechteckig angelegte Oſtteil 
polygonal geſtaltet und vermöge der größeren Freiheit in der Formgebung eine reichere 


Kunſtgeſchichtliche Uberjicht. XVII 


Gliederung der Fenſter und Türleibungen, ſowie das Durchbrechen der Mauermaſſen durch 
ſchlanke, häufig wieder in ſich gegliederte Lichtöffnungen durchgeführt. Außerdem hat man 
mit Rückſicht auf das von nun ab bisweilen gewölbte Innere eine Verſtärkung der Um— 
faſſungsmauern durch Strebepfeiler und damit eine reichere Gliederung der Faſſaden vor— 
genommen. Auch unter den kleineren Landkirchen ſind Beiſpiele von Umbauten aus dieſer 


TUE A 


— 


* 
| 
0 


= 
Abb. II. Kirche zu Reipzig. 
Zeit, wie das Gotteshaus zu Polenzig zeigt, vorhanden. Selbſt für die Abänderung der 
zweitürmigen Weſtfront des bei älteren Monumentalanlagen üblichen Grundtypus, 
wie wir ihn ſchon u.a. an der Falkenhagener Kirche im Lebuſer Kreis oder an den 
beiden älteſten Gotteshäuſern zu Frankfurt, der Nikolai- und der Marienkirche, nach— 
Kunftdenfm. d. Prov. Brdbg. VI. 3. Weſtſternberg. III 


XVIII Weitjternberg. 


weiſen konnten, bietet die Jakobikirche ein treffendes Beiſpiel. Zeigt doch dieſes Gottes— 
haus zu beiden Seiten des nachträglich in der Achſe der Weſtfront errichteten, im Grundriß 
rechteckigen Turms noch jene Backſteinverzahnung, aus der ſicher auf einen vor der ganzen 
Weſtfront urſprünglich beabſichtigten doppeltürmigen Baukörper geſchloſſen werden kann 
vgl. Abb. I, rechts oben). Dieſe Neuerungen laſſen ſich bis in die ſpätere mittel— 
alterliche Zeit ſelbſt bei kleineren Stadt- und Landkirchen nachweiſen; ſo ſind z. B. 
die Kirchen von Gohlitz, Kunersdorf, Reipzig (Abb. II), Säpzig, Wildenhagen, Ziebingen 
und nicht zuletzt die Stadtkirche zu Göritz mit einer eintürmigen Weſtfront geſchmückt. 

Wie ſehr die Stiftung Karls IV. an der Frankfurter Marienkirche Bewunderung 
fand und, wenn auch in beſcheidenerem Maße, ſelbſt bei weniger bemittelten Gemeinden 
zur Nachahmung anregte, dafür bietet die von der ehemaligen Reppener Katharinen— 
kirche noch am beſten erhaltene Südkapelle ein treffendes Beiſpiel. 

Wie u. a. in Frankfurt der maſſive Ausbau der Hoſpitalkirchen auf den wachſen— 
den Wohlſtand der Bevölkerung im ſpäteren Mittelalter zurückzuführen ſein dürfte, begann 
man auch in den Städten des Weſtſternberger Kreiſes die Hoſpitalkirchen dem Zeit— 
geſchmack entſprechend und, wie ein Vergleich der Gertraudenkirche zu Droſſen mit 
dem faſt in allen Einzelheiten und Abmeſſungen übereinſtimmenden mittelalterlichen 
Reſt der Kirchhofskapelle zu Reppen zeigt, genau nach denſelben Geſichtspunkten maſſiv 
auszubauen. 

Konnte im Lebuſer Kreis ebenſo wie in der Stadt Frankfurt im Hinblick auf 
den für das 14. Jahrhundert typiſchen, in den charakteriſtiſchen gotiſchen Majuskeln 
abgefaßten Glockenſpruch: „O REX GEORIE CHRISTE VENI Cd PACE“ eine 
ziemlich ſichere Datierung der mit dieſer Inſchrift geſchmückten Glocken vorgenommen 
werden, jo iſt das Vorkommen dieſes Glockenſpruches in der angeführten Schreibweiſe 
im Weſtſternberger Kreis heute nicht mehr zu verzeichnen, dafür ermöglichen die 
Majuskel M, als Hinweis auf den Namen der Himmelskönigin auf den Glocken 
zu Kunersdorf und Klein-Rade, ebenſo wie die von nun ab häufig auftretenden 
kleinen runden Medaillondarſtellungen von Begebniſſen aus dem Leben und Leiden 
des Herrn jeweils eine genauere Zeitbeſtimmung. 

Die von dem Markgrafen Jobſt im Jahre 1403 dem Biſchof von Lebus erteilte 
Erlaubnis, in Reppen ein feſtes Schloß zu bauen, darf vielleicht als Beiſpiel angeführt 
werden für das Beſtehen eines maſſiv ausgebauten Profanbaues, der jedoch in den 
folgenden Zeiten wieder eingegangen iſt. Im übrigen werden wir ſelbſt bei Droſſen 
erſt ſpät über den maſſiven Ausbau der erſt im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts in 
Angriff genommenen Verſtärkung der Befeſtigungswerke, die hauptſächlich 
aus Findlingen beſtanden und mit Weichhäuſern und Türmen aus Backſtein verſehen 
waren, unterrichtet. Zu den wenigen, in dieſer Hinſicht bemerkenswerten Ausnahmen 
unter den mittelalterlichen Städten zählt Reppen, das ſeine uralte, nur aus Holzwehren, 
wahrſcheinlich mit Erdfüllung beſtehende Verſchanzung nach wie vor beibehielt. 

In auffallendem Gegenſatz zu dem heute noch häufigen Vorkommen von beweg— 
lichem Kunſtbeſitz aus dem Jahrhundert vor der Reformation in vielen anderen Kreiſen 
der Provinz ſteht das faſt völlige Fehlen ſpätmittelalterlicher Ausſtattungsſtücke in den 


Kunſtgeſchichtliche Uberſicht. XIX 


verſchiedenſten Kirchen des Weſtſternberger Kreiſes. Wohl laſſen die Gotteshäuſer 
von Grunow (Abb. III), Seefeld und Gohlitz mit ihrem für die angegebene Zeit 
typiſchen Maßwerkgiebel an der Oſtfront oder der durch eine heute zerſtörte Inſchrift 
für das Jahr 1520 beglaubigte Bau der Laubower Kirche mit den reichen Netzge— 


eu lee 


= 


Abb. III. Kirche zu Grunow. 


wölben, ſowie die Erweiterungsbauten an der Droſſener Jakobikirche und nicht zuletzt 

das für das ausklingende Mittelalter charakteriſtiſche ſchlechte Findlingsmauerwerk 

vieler Landkirchen, wie des Wildenhagener Gotteshauſes, den berechtigten Schluß zu, 

daß auch in dem heutigen Weſtſternberger Gebiet im 15. und im Anfang des 16. Jahr— 

hunderts eine rege Bautätigkeit herrſchte; auch geben eingehendere Berichte wie bei der 
III* 


XX Weſlſlernberg. 


Laubower Kirche anſchauliche Schilderungen von der Farbenfreudigkeit bei der 
inneren Ausſtattung der Bauten aus dieſer ſpäten Zeit. Von Ausſtattungsſtücken 
jedoch wie ſpätgotiſchen Flügelaltären, die wir im Lebuſer Kreis noch vielfach 
verhältnismäßig unverſehrt in verſchiedenen Kirchen verzeichnen konnten, ſind uns 
mit Ausnahme des einzigen, durch ſpäteres Übertünchen jedoch beinahe völlig zerſtörten 
Flügelaltars zu Reichenwalde nur noch ſpärliche Figurenreſte in den Kirchen zu 
Klein-Gandern und Kunersdorf erhalten. Andere figürliche Schnitzereien haben 
bei jüngeren Altaraufbauten, wie z. B. in den Kirchen zu Polenzig oder Groß-Gandern 
Verwendung gefunden. Baureſte aus vergänglichem Bauſtoff ſind vielleicht nur 
noch in den ſpätgotiſch profilierten Deckenbalken, z. B. in der Kirche zu Trettin 
nachweisbar. 

Die urkundlich überlieferte Nachricht von der Überführung des vorreformatoriſchen 
Kirchenſchatzes der Droſſener Jakobikirche nach Güftrin läßt vermuten, daß auch viele 
Dorfkirchen frühzeitig ſchon ihres Beſitzes an mittelalterlichen Altargeräten aus Edel— 
metall verluſtig gingen. Es iſt daher nicht zu verwundern, wenn anläßlich der In— 
ventariſation im Weſtſternberger Kreis nur noch vereinzelt vorreformatoriſche Kelche 
wie zu Kohlow und Droſſen aufgefunden werden konnten. Selbſt ſchmiedeeiſerne 
Türbeſchläge ſowie ſämtliche Grabſteine, wie ſie vielleicht noch bis zur letzten In— 
ſtandſetzung die Stadtkirchen zu Droſſen und Reppen beſeſſen haben mögen, find dem 
Vandalismus der ſpäteren Zeiten zum Opfer gefallen. 

Dagegen beſitzt der Kreis noch einen auffallend großen Reichtum an Glocken 
aus der ſpäten Zeit; ſie ſind, wie z. B. bei einer Glocke zu Klein-Kirſchbaum, 
an den nur dekorativ verwendeten Minuskeln oder an dem in der gleichen Schriftart 
abgefaßten, jetzt häufig wiederkehrenden Glockenſpruch: ave maria gracia plena etc. 
(vgl. Glocken zu Reichenwalde und Klein-Lübbichow) zu erkennen und tragen von 
nun ab auch, wie in Zerbow und Seefeld, die in deutſcher Sprache abgefaßte Auf— 
ſchrift: „Maria hilf und berat“. Sicherer jedoch als dieſe Hinweiſe auf die Ent— 
ſtehungszeit ſind die von jetzt ab mehrfach nachweisbaren Datierungen. So trägt 
eine Glocke zu Polenzig die Jahreszahl 1427. Eine Glocke zu Groß-Rade aus dem 
Jahre 1489 iſt überdies noch wegen der eigenartigen Datierungsweiſe bemerkenswert 
(ogl. Seite 150). Zwei ebenfalls noch dem 15. Jahrhundert angehörige Ausſtattungs— 
ſtücke dieſer Art mit den typiſchen ſpätgotiſchen Zahlzeichen hängen in den Kirchen 
zu Zerbow (1471) und Reichenwalde (1490). Nicht weniger wichtig als dieſe Feſt— 
ſtellung iſt der Nachweis von Gießernamen auf Glocken aus dem vorreformatoriſchen 
Jahrhundert. In dieſer Hinſicht übertrifft der Weſtſternberger Kreis den Lebuſer 
Kreis. Denn während hier erſt im Jahre 1567 der Meiſter Michael Keßler ſich auf 
einer Glocke zu Neuendorf nennt, goß ſchon im 15. oder ſpäteſtens im Anfang des 
16. Jahrhunderts nach den ſpätgotiſchen Minuskeln zu urteilen ein Meiſter mit dem 
Vornamen Herrmann eine Glocke zu Bottſchow und ein zweiter mit dem Vornamen 
Lorenz zu gleicher Zeit etwa eine Glocke zu Klein-Kirſchbaum. Leider ſind die beiden 
Zunamen, die offenſichtlich ebenfalls beigefügt ſind, in nicht verſtändlicher Weiſe 
wiedergegeben. Selbſt über Stiftungen von Privaten und Köͤrperſchaften, Elends— 


Kunjfgejchichtliche Uberſicht. XXI 


gilden und Zünften, die zum größten Teil zur Errichtung von Nebenaltären, in größeren 
Stadtkirchen wie z. B. zu Droſſen Verwendung gefunden haben, ſind wir nur durch 
ſpärliche urkundliche Überlieferungen unterrichtet. 

Von dem reichen Kranz der Droſſener Befeſtigungen abgeſehen, die wie er— 
wähnt im 15. Jahrhundert erſt ausgebaut wurden und von denen wir uns neben den er— 
haltenen Reſten an der Hand der Merianſchen Aufnahmen ein anſchauliches Bild machen 
können, würde nichts von der Profanbautätigkeit aus dieſer ſpäten Zeit Zeugnis 
ablegen, wäre uns nicht das Bild des alten Droſſener Rathauſes auf der Schützen— 
ſcheibe vom Jahre 1841 erhalten. So künſtleriſch unvollendet dieſes Bild auch genannt 
werden mag, ſo liefert es uns doch einen deutlichen Beweis dafür, daß die Droſſener 
Bürger bei dieſem Bau ſelbſt mit den Frankfurtern zu wetteifern ſuchten. Einer 
zweiten ſicher weit großartigeren, ſchon im 17. Jahrhundert faſt völlig verſchwun— 
denen Anlage, dem Biſchofsſitz zu Göritz, wird in den Annalen des Frankfurter 
Paſtors Heinſius Erwähnung getan. 

Mit welcher Gründlichkeit man bei der Einführung der Reformation mit allen 
aus der katholiſchen Zeit ſtammenden Erinnerungsſtücken aufräumte, davon legt uns 
nicht nur die geſchilderte Armut, ſondern auch der geſchichtliche Bericht von der Zer— 
ſtörung der Altäre, Heiligenbilder u. ä. m. in der Droſſener Jakobikirche nach der erſten 
evangeliſchen Predigt im Jahre 1538 Zeugnis ab. Was auf der einen Seite zerſtört 
wurde, erſetzte man jedoch auf der anderen Seite durch Neuſchöpfungen. Im allge— 
meinen erübrigte zwar die gegen das Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts 
herrſchende rege Bautätigkeit die Errichtung völlig neuer Gotteshäuſer, ſo daß man 
ſich mit dem Neubau von Vorhallen wie zu Gohlitz oder mit Inſtandſetzungsarbeiten 
wie bei dem auf „italieniſche Art“ ausgebauten Turm der Jakobikirche zu Droſſen 
begnügen konnte. Auch die Beſeitigung der älteren Bilder und ihr Erſatz durch 
Darſtellungen, die den neuen Anſchauungen mehr Rechnung trugen, kann nicht von 
ſo weitreichender Bedeutung geweſen ſein, als die Anderungen, die mit Rückſicht auf 
die in den Vordergrund tretende Predigt vorgenommen werden mußten. An Neu— 
ſchöpfungen, wie Emporeneinbauten und Kanzeln, erinnern daher auch noch die 
von ſolchen Ausſtattungsſtücken ſtammenden Renaiſſancereſte in den Kirchen zu Spudlow 
und Radach. Nicht vergeſſen ſeien die auch ſchon im Lebuſer Kreis nachgewieſenen 
hohen Renaiſſanceaufſätze der Altäre, die anſtelle der vielen Heiligenfiguren 
mittelalterlicher Klappaltäre von nun ab bis tief ins 18. Jahrhundert hinein die faſt 
regelmäßig wiederkehrende, aus der Darſtellung des Abendmahls, der Kreuzigung, der 
Himmelfahrt oder des Auferſtandenen beſtehende Bilderfolge, wie zu Laubow, zeigen. 
An den Kirchen im Weſtſternberger Kreis iſt jetzt ein völlig neuartiger Bauteil zum 
erſtenmal nachweisbar, der jedoch ſicher ſchon in unſerem Gebietsteil ältere Vorbilder 
hatte. Abweichend von dem jenſeits der Oder faſt regelmäßig wiederkehrenden Dachauf— 
bau über der Weſtfront vieler meiſt im 17. Jahrhundert umgebauter Gotteshäuſer findet 
man im Weſtſternberger Kreis häufig einen ſelbſtändigen, oft in einer kleinen Ent— 
fernung von dem Hauptbau errichteten verbretterten Holzturm. Als älteſter nach— 
weisbarer Vertreter dieſer Art von Türmen wurde im Jahre 1546 nach einer Aufzeichnung 


Das Jahr- 
hundert der 
Reformation. 


und un⸗ 


Ibar nach 


1 


Frieden 
1648. 


XXII Weſlſlernberg. 


des Laubower Kirchenbuches der ſpäter wegen Baufälligkeit jedoch wieder nieder— 
gelegte Holzturm der dortigen Kirche errichtet. 

Die meſſingenen Taufſchüſſeln weiſen in der Tiefe, wie zu Kunersdorf 
oder Klein-Rade, meiſt die Verkündigung der Maria auf. Eine Ausnahme bildet 
das Taufbecken zu Drenzig mit Simſon und dem Löwen; ferner möge von den noch 
gotiſch profilierten meſſingenen Altarleuchtern wie zu Biberteich und neben dem 
frühen Renaiſſancekronleuchter zu Polenzig auf den ſpäteſtens dem 16. Jahr— 
hundert angehörigen Altarleuchter zu Säpzig, wegen des am Fuße angebrachten 
Meiſterzeichens, hingewieſen werden. Als bemerkenswerte Taufe endlich ſei der reich— 
verzierte, freilich erſt dem Jahre 1600 angehörige Renaiſſancetaufſtein in der Kirche 
zu Droſſen erwähnt. 

Wenn auch die mit Rückſicht auf die neue kirchliche Lehre jetzt in größerer Menge 
angefertigten heiligen Geräte ſich von den älteren nicht durch eine völlig neue 
Form unterſcheiden, ſo ſind ſie doch wegen der neuartigen, ſchmückenden Beigaben 
erwähnenswert. Denn abgeſehen davon, daß ſich von nun ab, wie z. B. auf dem Kelch 
zu Klein-Kirſchbaum, die Stifter inſchriftlich nennen, oder daß, wie zu Grunow, an 
Stelle der Maria und des Johannes der adlige Patron unterm Stamm des Kreuzes ab— 
gebildet wird, weiſen auch die Spruchinſchriften auf die durch die neue Lehre weſentlich 
veränderten Anſchauungen hin. So trägt der aus dem Jahre 1597 ſtammende, ſilber— 
vergoldete Kelch zu Klauswalde neben der von nun ab typiſchen Kelchinſchrift IN RI 
den auf die Abendmahlshandlung bezugnehmenden Spruch: „Das Blut Jeſu Chriſti 
unſeres Herrn reiniget uns von allen Sünden.“ Nicht unerwähnt ſei, daß auf dem— 
ſelben Kelch auch zum erſtenmal ein Meiſter durch die Anfangsbuchſtaben D. F. 
genannt wird. Nicht ſo günſtige Ergebniſſe wie im Lebuſer Kreis ſind rechts der 
Oder hinſichtlich der Feſtſtellung von Glockengießernamen aus dem Reformationsjahr— 
hundert zu verzeichnen. Eine einzige Glocke zu Wildenhagen, deren ſonſtiger inſchrift— 
liche Schmuck: „JESVS ANNA MARIA OSANNA IN EXCELSIS“ übrigens noch 
an die alte Heiligenverehrung erinnert, nennt uns einen Meiſter namens Huſeler. 

Zu günſtigeren Ergebniſſen dagegen führt die Frage nach Bauten aus dem 
Gebiet der Profankunſt. Zwar ſind wir auch hier vielfach auf urkundliche Über— 
lieferungen oder aktenmäßige, ſpätere Aufzeichnungen angewieſen, und nur ſpärlich 
ſind die Reſte von noch erhaltenen Baudenkmälern. Aufzeichnungen im Frankfurter 
Regierungsarchiv jedoch unterrichten eingehend über die jetzt vollſtändig verſchwundene 
Schloßanlage der Johanniter zu Rampitz. Nach Beckmanns Nachlaß im Geheimen 
Staatsarchiv und Holtzingers Aufzeichnungen zu Droſſen wurde das dortige Rathaus 
in den Jahren 1543 und 1544 umgebaut und 1599 neu gewölbt. Die typifchen 
Merkmale eines Bürgerhauſes aus dem 16. Jahrhundert endlich zeigt heute noch trotz 
der ſpäteren barocken Veränderung neben Fachwerkhäuſern zu Reppen und Droſſen 
vor allem das Gaſthaus zum Löwen in Droſſen. 

Welch hoher kirchlicher Sinn die Bevölkerung im 17. Jahrhundert beſeelte, beweiſt 
die Opferwilligkeit, mit der man ſelbſt während den ſchwerſten Zeiten des Dreißig— 
jährigen Krieges zur Ausſchmückung der Gotteshäuſer bereit war. Beiſpiele wie der 


Kunſtgeſchichtliche Uberficht. XXIII 


völlige Umbau der St. Jakobikirche zu Droſſen und die prächtige Ausſchmückung dieſes 
Gotteshauſes dürfen, wie heute noch trotz ihrer neuerdings vorgenommenen ſchlechten 
Wiederherſtellung die beiden Hauptausſtattungsſtücke beweiſen, ähnlichen Leiſtungen des 
baufreudigen Mittelalters ohne weiteres au die Seite geſtellt werden. Aber auch die 
Landbevölkerung blieb in dieſer Opferwilligkeit nicht zurück. So iſt der Turm von Klein— 
Rade, wie u. a. auch die Jahreszahl 1643 in der Wetterfahne bezeugt, noch während 
der ſchlimmen Kriegsjahre entſtanden. 

des Großen Kurfürſten die Baufreudigkeit auch rechts der Oder in unvermindertem 
Maße an, da von nun ab infolge der fortſchreitenden Ausbildung der abſoluten 
Fürſtengewalt der Einfluß von ſeiten des Staates ſich in ſteigendem Maße Geltung 
verſchaffte. Eine große Anzahl von Turmfahnen aus dieſer Zeit tragen inſchriftlich 
das Jahr der Erneuerung, z. B. bei der Kirche zu Klein-Lübbichow (1669), zu 
Grunow (1672), zu Reppen und Laubow (1693), zu Klauswalde (1699), zu Klein— 
Kirſchbaum (1701) und endlich zu Reichenwalde (1712). Neben jenen bereits ange— 
führten, ſelbſtändigen Holztürmen kommen aber auch im 18. Jahrhundert, wie zu 
Reichenwalde und Radach, die aus Fachwerk errichteten Dachaufbauten vor, wie ja auch 
dieſe beiden eben erwähnten, dem Anfang des 18. Jahrhunderts angehörigen Gottes— 
häuſer noch eine auffallende Verwandtſchaft in ihrer Grundrißanlage aufweiſen, da 
ſie durch eine Reihe von Mittelſtützen gewiſſermaßen in zwei Schiffe geteilt werden. 
Von Baumeiſtern aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird bei der Jakobi— 
kirche zu Droſſen im Jahre 1684 Tobias Hermann und laut Inſchrift im Balkenwerk 
der Kirche zu Klauswalde 1699 Georg Neumann genannt. 

Beſonders charakteriſtiſch für dieſe Zeit iſt von nun ab auch die häufige Verwendung 
einer beſtimmten, ſchmückenden Beigabe bei der inneren Ausſtattung der Kirche. Während 
früher die mit Rollwerk und Kartuſchen geſchmückten, von reichverzierten, die ſchweren 
Geſimſe tragenden Säulchen geſtützten Aufbauten der Altäre und der Kanzeln von 
einem Chriſtus Triumphator oder von einem Pelikan bekrönt wurden, tritt vom An— 
fang des 18. Jahrhunderts ab bei Gotteshäuſern, die dem königlichen Patronat unter— 
ſtanden, an Stelle dieſes bekrönenden Schmuckes das Monogramm des Landesfürſten. 
Vorbildlich hierfür dürften die bisweilen ſchon früher an den Altar- und Kanzelauf— 
bauten angebrachten Wappen und Namen der Patrone, wie zu Klein-Lübbichow, geweſen 
fein. Ein weiteres, jedoch bedeutend jüngeres Beiſpiel dieſer Art mag auch die bereits 
im Jahre 1653 geſtiftete Kanzel der Johanniterkirche zu Rampitz mit dem im 18. Jahr— 
hundert hinzugefügten bekrönenden Namenszug des Ordensmeiſters Prinz Ferdinand bilden. 

Eine Ausnahme von der von nun ab bei den Altaraufbauten üblich werdenden 
Reihenfolge der Darſtellung des Erlöſungswerkes, wie u. a. zu Lieben, zu Groß-Luͤbbichow 
oder zu Klein-Lübbichow, machte einſt, wie noch der Altarreſt in der Kirche zu Läſſig 
zeigt, der dortige Aufbau mit ſeinem im Hauptfeld ſitzenden Abendmahlsbild. 

Der Taufengel, der im Anfang des 18. Jahrhunderts als neuer Aus— 
ſtattungsgegenſtand bereits im Lebuſer Kreis nachgewieſen werden konnte, hat ſich aus 
der Barockzeit u. a. in den Kirchen zu Klein-Kirſchbaum, Matſchdorf, Tſchernow und 


XXIV Weſtſternberg. 


Zohlow herübergerettet. Der prächtige Taufſtein zu Biberteich aus dem Jahre 1733, 
ſowie die hölzerne, etwas ältere Taufe zu Buchholz beweiſen jedoch, daß beide Aus— 
ſtattungsgegenſtände in der erſten Hälfte des 18. Jahrhunderts üblich waren. 
Während das Gotteshaus zu Klein-Rade an feinem Geſtühl in den aufgemalten 
Namen der Bauernfamilien einen eigenartigen Schmuck von ortsgeſchichtlicher Be— 
deutung aufweiſt, ſo beſitzen wieder andere Kirchen, wie die zu Gräden, zu Klein— 
Kirſchbaum oder Ziebingen, in den Epitaphien der Patrone manchen wertvollen Hin— 
weis für die Familiengeſchichte der betreffenden Geſchlechter. Das Bennewitzſche 
Epitaph in der Kirche zu Polenzig bietet ein Beiſpiel für die Ehrung des Geiſtlichen 
durch ſeine Gemeinde. Als einziges Stück von den, wie uns die Aufzeichnungen bei 
Beckmann beweiſen, früher in großer Anzahl in den Gotteshäuſern, vor allem in der 
Jakobikirche zu Droſſen, aufgehängten Votivtafeln hat ſich die von dem Pfarrer Jäger 
und zwei Kirchenvätern im Jahre 1625 geſtiftete Tafel zu Stenzig herübergerettet. 
Das im Lebuſer Kreis nach dem Dreißigjährigen Kriege beobachtete Vor— 
kommen von auffallend vielen zinnernen Altargeräten findet im Weſtſternberger 
Kreis keine Beſtätigung. Wohl mußten auch hier eine große Anzahl der anſcheinend 
abhanden gekommenen älteren Geräte wegen Mangels an Geldmitteln durch ſolche 
aus Zinn zunächſt erſetzt werden, wie z. B. eine zinnerne Deckelflaſche zu Klauswalde 
und Klein-Rade bezeugt; auch Reipzig beſitzt neben einem Zinnkelch aus dem Jahre 
1651 eine ebenſo reich ornamentierte zinnerne Deckelkanne aus dem Jahre 1638, 
daneben aber ſind noch in überwiegender Anzahl ſilbervergoldete Geräte aus dem 
17. und Anfang des 18. Jahrhunderts zu verzeichnen. So ſchenkt die Witwe M. v. Ihlow 
1654 einen prächtigen Kelch der Kirche zu Lieben. Barockkelche aus dem Anfang 
des 18. Jahrhunderts beſitzen Klein-Lübbichow, Reichenwalde, Gohlitz und Zerbow. 
Endlich weiſt der aus dem Jahre 1582 ſtammende, im Jahre 1650 erneuerte Kelch zu 
Reipzig auf die Leiden des Dreißigjährigen Krieges hin. Goldſchmiedenamen aus dieſer 
Zeit ſind uns z. T. durch die Anfangsbuchſtaben ihrer Namen, z. T. aber auch durch ihre 
vollſtändige Namensaufſchrift bekannt. Es arbeitet u. a. der Berliner Meiſter J. C. M. für 
Klein-Lübbichow, der Meiſter B. O. 1693 für Läſſig, der Meiſter O. Tile, deſſen Wirkungs— 
ſtätte nicht verzeichnet iſt, um dieſelbe Zeit etwa für Groß-Rade, und endlich der Berliner 
Meiſter O. M. fuͤr Droſſen. Bemerkenswerte Aufſchriften auf zinnernen Taufbecken 
finden ſich ebenfalls, jo zu Leichholz der Spruch „ecce agnus dei qui tollit peccata 
mundi“; mehrere Bibelſtellen, die auf die Taufe Bezug nehmen, zeigen die beiden aus 
dem Jahre 1693 ſtammenden Taufſchüſſeln zu Droſſen und Seefeld und auf einem 
kupfergetriebenen Taufbecken des Jahres 1640 zu Radach lieſt man die Inſchrift: 
„Kommt her, ihr Geſegneten meines Vaters, ererbet das Reich Gottes“. 
Meſſingene Kronleuchter mit dem für das 17. Jahrhundert typiſchen Doppel— 
adler als Bekrönung finden ſich zu Balkow, Seefeld, Tſchernow und Zweinert. 
Ein ebenſolches Ausſtattungsſtück aus dem Jahre 1667 beſitzt die Kirche zu Meppen. 
Die anſcheinend umfaſſendſte Tätigkeit als Glockengießer übt für den Weſt— 
ſternberger Kreis im 17. Jahrhundert der Frankfurter Meiſter Franz Voillard aus. 
So beſitzen von ihm Arbeiten die Gotteshäuſer zu Gräden, Grunow, Laubow, Neuen— 


Kunſtgeſchichtliche Überſicht. XXV 


dorf und Droſſen. Von anderen Gießernamen ſeien genannt zu Rampitz 1626 M. Pauſt 
aus Prag, zu Gohlitz und Spudlow 1721 und 1722 G. Hofmann aus Frankfurt, zu 
Groß⸗Lübbichow der Berliner C. H. Heintze, zu Radach 1725 Joh. Friedrich Thiele, 
zu Trettin J. F. Schramm 1737. Eine nicht näher datierte Glocke zu Wildenhagen 
iſt von Jacob Zunkel gegoſſen, während für Ziebingen 1710 Joh. Jac. Schultz aus 
Berlin, für Zohlow 1648 Dietrich Besler aus Cüſtrin und 1649 Samuel Fincke und 
Lorentz Köckeritz aus Stettin 1678 Glocken lieferten. Von eigenartigen Sprüchen in 
lateiniſcher und deutſcher Sprache ſeien herausgegriffen zu Groß-Lübbichow: „ad res 
divinas populo pia classica canto soli deo gloria“, zu Neuendorf: „Heller als die 
Zymbeln klingen, will ich meinen Schall erſchwingen“, in Radach neben dem ſchon im 
Mittelalter vorkommenden Spruch: „soli deo gloria“ die Inſchrift: „Ich laſſe meinen 
Schall zu Gottes Ruhm und Ehre und derer Menſchen Nutz in Radach täglich hören“. 
Endlich tragen die Glocken zu Trettin und Zohlow die Inſchriften: „Gott gib Fried 
in deinem Lande, Glück und Heil zu allem Stande“, „aus dem Feiwer flos ich“ 
und „vigilandum et orandum“. 

Dem Vorgehen des Großen Kürfürſten und mehr noch ſeines prunkliebenden 
Sohnes folgte der Landadel bei der Inſtandſetzung ſeiner Herrenhäuſer. Man er— 
kennt die Erbauungszeit dieſer charakteriſtiſchen, meiſt eingeſchoſſigen Bauten ſofort an 
dem gebrochenen Manſarddach und nicht zuletzt an ihren, wenn auch noch ſo beſcheidenen 
Stuckverzierungen im Innern. Vielleicht waren nicht die Berliner Bauten oder die 
Frankfurter Patrizierhäuſer hierfür in erſter Linie vorbildlich, ſondern die von König 
Friedrich auf dem Lande errichteten Jagdhäuſer, wie zu Neuendorf. Eine weitere 
Gruppe dieſer Bauten bilden die Herrenhäuſer zu Bottſchow, Hildesheim und Wilden— 
hagen. Von den Profanbauten in den Städten in dieſer Zeit find uns nur noch 
wegen der ſpäteren häufig ausgebrochenen Feuersbrünſte ſpärliche Stuckdeckenreſte in 
dem Gaſthaus' zur Sonne zu Droſſen erhalten. 

An Stelle dieſer meiſt einfacheren eingeſchoſſigen Gutshäuſer traten bald die zwei— 
ſtöckigen Bauten aus der Zeit Friedrichs des Großen, deren Faſſaden meiſt von 
durchgehenden Liſenen gegliedert waren; das gebrochene Dach verſchwand allmählich, wo 
ein völliger Neubau aufgeführt wurde und machte einem einfachen Satteldache Platz. Cha— 
rakteriſtiſche Beiſpiele hierfür finden ſich u. a. zu Balkow, Görbitſch und allerdings etwas 
früher zu Sandow. Auch die innere Ausſtattung mancher nachträglich umgebauter Herren— 
häuſer geht heute noch, wie verſchiedene Rokokoſchränke zu Kohlow beweiſen, auf jene Zeit 
zurück. Aber auch in den Städten, wie zu Droſſen, treten infolge der durch die Erteilung 
von Bauprivilegien angeregten Bauluſt an Stelle der alten Fachwerkhäuſer mit ihren feuer— 
gefährlichen Strohdächern maſſive Putzbauten der erwähnten Art. Neugründungen 
von Dörfern und deren Beſiedlung mit Koloniſten ſind zwar mit Ausnahme von Fried— 
richswille nicht wie in dem Oſtſternberger Kreis im Weſtſternberger Kreis nachzuweiſen, 
dagegen ſorgte der Große König nach dem Siebenjährigen Kriege für ſeine notleidende 
Bauernbevölkerung durch materielle Unterſtüͤtzung. Daß aber keine umgeſtaltenden Bau— 
vorſchriften für die Landbevölkerung erlaſſen wurden, beweiſt die Tatſache, daß nach wie 
vor die überwiegend den wendiſchen Blockhaustypus zeigende ſüdliche Hälfte des 


Frideri⸗ 
zianiſches 
Barock. 


XXVI Weititernberg. 


Weſtſternberger Kreiſes fich Scharf abhebt von dem Fachwerkbau der nördlichen Hälfte 
mit der über die ganze Giebelſeite nach der Straße ſich hinziehenden Laube. 

Wie die ſtädtiſchen Profanbauten, ſo werden auch die Landkirchen entweder 
glatt verputzt oder durch Putzquader- und Liſenengliederung reicher geſtaltet. Als 
Beiſpiel dieſer Art ſeien die Kirchen zu Hildesheim, Ziebingen, ſowie der im Jahre 1793 
errichtete Turm des Gotteshauſes zu Spudlow genannt. 

Wo eine Erweiterung der Kirche ſich infolge der angewachſenen Gemeinde nötig 
machte, griff man, wie die Beiſpiele zu Reipzig und Göritz zeigen, zu der kreuzförmigen 
Grundrißanlage und führte dieſe unter Hinzufügung zweier Kreuzarme auf der 
Nord- und Südſeite des mittelalterlichen Langhauſes durch. Wo man bei Fachwerk— 
kirchen wie u. a. zu Matſchdorf oder Pinnow bei der alten Bauweiſe beharrte, zeigt 
ſich wenigſtens heute noch in der geſchwungenen Anordnung des Geſtühls oder der 
Emporen die neue Stilrichtung. Bei den Altären kommt jetzt häufig, wie die Beiſpiele 
zu Göritz, Reipzig oder Storkow zeigen, das altteſtamentliche Symbol des Gottes— 
begriffes als Bekrönung des Aufbaus vor. Eine große Anzahl der heutigen Kanzel— 
altäre endlich dürfte, wie die Kanzelaltäre zu Göritz oder Säpzig, damals neu aufgeſtellt, 
oder wie das von dem Tiſchlermeiſter Henze zu Sonnenburg 1786 angefertigte Beiſpiel 
zeigt, nachträglich aus älteren Stücken gewaltſam zuſammengefügt worden ſein. Neben 
dieſer Bautätigkeit auf dem flachen Lande vernachläſſigte man aber auch nicht den 
Kirchenbau in den Städten, wie heute noch der aus jener Zeit ſtammende obere 
Turmteil der Jakobikirche zu Droſſen, ſowie die mehrfachen Berichte von der Inſtand— 
ſetzung der Katharinenkirche zu Reppen beweiſen. 

Wie rückſichtslos die ſpätere Zeit mit der völligen Vernichtung der älteren Gra b— 
ſteine im Weſtſternberger Kreiſe verfuhr, dafür bildet das völlige Fehlen dieſer 
Gegenſtände den beſten Beweis. Während in der Droſſener Jakobikirche bei der In— 
ſtandſetzung in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts mit dem Schließen der alten 
Gruftgewölbe auch die Grabmäler verſchwanden, ſo haben wir unter den Landkirchen 
nur noch in Stentzig und Rampitz Beiſpiele dieſer Art. Nicht viel beſſer ſteht es 
mit den erhaltenen Gedenktafeln, wie u.a. die ſpärlichen Reſte aus Gußeiſen zu 
Biberteich und Wildenhagen oder aus Holz zu Stenzig zeigen. 

Taufbecken und Altargeräte aus Zinn finden ſich auch jetzt noch, ſo zu 
Balkow, Klauswalde, Läſſig, Laubow und Zerbow. Charakteriſtiſche Geräte aus 
Edelmetall beſitzen die Kirchen zu Frauendorf und Trettin. 

In größerer Anzahl ſind uns Glocken aus dieſer Zeit erhalten. So zu Läſſig 
mit dem Glockenſpruch: „gloria in excelsis deo“ und „Ich rufe zum Wachen und 
zum Beten und in höchſten Nöten“. Als anderer gleichzeitiger Glockenſpruch ſei 
noch die Aufſchrift zu Göritz erwähnt: „Gott laß ſein reines Wort zu ſeinem Wohl— 
gefallen und dieſer Glocken Klang bis an das End erſchallen“. 

Endlich ſeien noch von Meiſternamen aus dieſer Zeit genannt: der Erbauer 
des Balkower Herrenhauſes J. C. Scholtz aus Liebthal, der Berliner Zinngießer Liebe, 
der Tiſchlermeiſter Henze aus Sonnenburg, der Goldſchmied Meyer aus Berlin und 
die Glockengießer Gebr. Fiſcher aus Königsberg, ſowie die Berliner Meiſter Meurer, 


Kunjfgejchichtliche Überjicht. XXVII 


Maukiſch und J. F. Thiele. Ferner goß noch die Wwe. des Joh. Friedrich Schramm 
im Jahre 1751 die Wildenhagener Glocke. 

Verhältnismäßig arm iſt der Kreis an Bauten aus der Zeit des Klaſſizismus. Klaſſtzismus— 
Wohl beſaß Ziebingen in dem „Edelhof“ des Herrn von Burgsdorff ein hervorragendes 


Abb. IV. Grabdenkmal des Miniſters von Struenſee auf dem Kirchhof zu Matſchdorf. 


Herrenhaus von der Hand Genellis; dieſes wurde jedoch, wie ſo manche andere Sitze 
der Landedelleute im Kreiſe, leider nicht zu ſeinem Vorteil in neuerer Zeit völlig 
umgebaut. Was ſonſt noch an Neubauten aus dieſer Periode zu verzeichnen iſt, geht, 
wie z. B. der im Jahre 1801 errichtete Turm der Kirche zu Storkow oder das 
Gotteshaus zu Tſchernow ſowie der im Jahre 1794 begonnene Ausbau der Kirche zu 
Drenzig, kaum über das Handwerksmäßige hinaus. Eine bemerkenswerte innere Aus— 


antik und 
enzeit. 


XXVIII Weſlſlernberg. 


ſtattung jedoch aus dem erſten Drittel des 19. Jahrhunderts mit ſchwerer gedrungener 
Säulenarchitektur zeigt u. a. die Kirche zu Lieben. Eine eigenartige Ausnahme macht 
unter dieſen Bauten das Gotteshaus zu Sandow. Denn während das Innere mit 
feinen die Emporen tragenden hölzernen Bündelſäulen noch ſtarke klaſſiziſtiſche Anz 
klänge aufweiſt und auch in der Pilaſterarchitektur der Faſſaden noch völlig von dieſer 
Stilrichtung beherrſcht wird, zeigen ſich in der zinnengeſchmückten doppeltürigen Weſt— 
faſſade ſchon Anklänge der Romantik. Neben den vielfach jetzt in den Kirchen aufgehängten 
Bauern- und Bürgerepitaphien, mit denen auch, wie heute noch die Sammlung im 
Muſeum zu Droſſen erkennen läßt, die Jakobikirche geſchmückt war, gemahnen vielfach 
die Tafeln zur Erinnerung an die Gefallenen aus den Befreiungskriegen, 
wie in der Kirche zu Tſchernow, Drenzig, Droſſen, Kl.-Rade u. a. m., an die ſchwerſte 
Zeit Deutſchlands. Viele von ihnen ſind, ſoweit die Kirchen zu der Domäne Frauen— 
dorf gehörten, wie z. B. die Kirchen zu Läſſig oder Stenzig, von dem Baron von 
Frauendorf, dem Grafen de la Rivalliere geſtiftet, der 1812 in den Beſitz der Domäne 
ſamt den elf dazugehörigen Dörfern gelangt war. Einen charakteriſtiſchen Zinnkelch 
beſitzt die Kirche zu Bottſchow und ein ähnlich aufgebauter Leuchter mit kanneliertem 
Schaft befindet ſich in der Kirche zu Grunow. Das Gußeiſen, das ſchon in der vorher— 
gehenden Periode zur Anfertigung von Grabplatten diente, findet jetzt auch, wie Bei— 
ſpiele aus der Kirche zu Stenzig erkennen laſſen, Verwendung für die Herſtellung von 
Leuchtern und Altarkruzifixen, ſowie für Sonnenuhren, die von nun ab häufig 
in den Parkanlagen der Herrenhäuſer, wie zu Sandow, Aufſtellung finden. Selbſt 
Glocken werden, wie das aus der Peitzer Eiſenhütte ſtammende Geläute zu Drenzig 
zeigt, aus dieſem Material angefertigt. Einen großen Reichtum an Porzellan aus 
der Berliner Manufaktur beſitzt die Sammlung des Grafen Finck von Finckenſtein zu 
Matſchdorf, in der auch eine Wegelyfigur aus der vorhergehenden Stilperiode auf— 
bewahrt wird. Anſtelle des Edelmetalls tritt jetzt das Weißmetall, doch finden ſich 
auch daneben ſilberne Altargeräte, wie z. B. in den Kirchen zu Polenzig und zu 
Droſſen. Hervorragende Grabdenkmäler, die von dem üblichen Schema der monu— 
mentalen Gruftanlagen und den meiſt nach demſelben Geſetz aufgebauten Einzeldenk— 
ſteinen abweichen, beſitzen heute noch die Kirchen zu Frauendorf und zu Matſchdorf. 
Von dieſen ſind die drei Struenſeeſchen Grabmäler deswegen um ſo bemerkenswerter, 
weil ſie von keinem Geringeren als dem Berliner Meiſter Schadow herrühren 
ſollen (ogl. auch Abb. IV ſowie Abb. 122). Von Gießernamen aus dieſer Periode 
ſeien u. a. genannt: zu Balkow 1805 Francke, und zu Hildesheim 1802 der Berliner 
Gießer Meyer. 

Die Geſchmacksrichtung der Romantik zeigt auch ihren der Erhaltung der Denkmäler 
nicht günſtigen Einfluß bis auf die neueſte Zeit noch im Weſtſternberger Kreis. Wo ihr 
nicht ganze Kirchengebäude, wie z. B. bei Reppen, zum Opfer fielen, verſah man die 
alten Gotteshäuſer mit jenen vorwiegend aus Backſtein aufgeführten Vorhallen und 
Sakriſteianbauten, die mit ihrer ſchematiſchen Architektur in hartem Widerſpruch 
ſtehen zu dem Hauptbau. Das Zinkmetall ſpielt ſowohl zur Eindeckung von alten 
Turmhelmen, wie z. B. in Droſſen, als auch zur Anfertigung von Ausſtattungsgegenſtänden, 


Kunſlgeſchichtliche Überjicht. XXIX 


wie u. a. die aus Zinkguß gefertigten Taufen in Läſſig und Kohlow zeigen, eine verderbliche 
Rolle. Daneben aber auch findet man aus Kunſtſandſtein angefertigte Taufen, wie zu 
Groß-Rade, die die alten ſchlichten Vorgänger verdrängt haben. Welch verderblicher 
Einfluß dieſe irregeleitete Geſchmacksrichtung ſelbſt noch bis heute bei der Herſtellung 
von neuen Kirchengeräten ausübte und ſo die alten, würdigen Gegenſtände ver— 
drängte, lehrt ein Vergleich der in der Kirche zu Frauendorf noch aufbewahrten Zinn— 
geräte mit den an ihrer Stelle angeſchafften Erſatzſtücken von geſuchten, wenig 
zweckentſprechenden modern-gotiſchen Formen (Abb. V). 


Abb. V. Altere und neuere Zinngeräte in der Kirche zu Frauendorf. 


Zum Schluß ſei noch darauf hingewieſen, daß die namentlich in neueſter Zeit immer 
häufiger auftretenden Klagen über das unharmoniſche Zuſammenklingen mehrerer 
Glocken meiſt völlig unberechtigt ſind. Der Grund der Disharmonie eines Glocken— 
ſpiels iſt bei vielen Dorfkirchen meiſt darauf zurückzuführen, daß man im Laufe der Jahre 
davon abgekommen iſt, namentlich die für beſondere Zwecke beſtimmte Schulglocke ge— 
ſondert zu läuten und vielmehr verſucht, ſie mit den beſonders abgeſtimmten Kirchen— 
glocken gemeinſam zu benutzen. Eine Folge davon iſt nicht bloß häufig der völlige 
Verluſt der alten, oft jahrhundertelang im Dienſt der Gemeinde ſtehenden guten Glocke, 
ſondern auch der Erwerb eines aufdringlich klingenden Erſatzſtückes aus minder— 
wertigem Glockengut. 


lußwort. 


XXX Weſlſternberg. 


Wie ſich aus der in gedrängtem Rahmen gegebenen Überſicht ergibt, ſind die 
klar zutage tretenden abweichenden Entwicklungsbedingungen nur im Hinblick auf die 
namentlich in den früheſten Zeiten nachweisbaren verſchiedenen Beſitzverhältniſſe zu 
erklären; war doch u. a. für die Weſthälfte des Sternberger Landes im Norden in 
den älteſten Zeiten der Einfluß des Biſchofs von Lebus von weitreichender Bedeutung, 
während die von Frankfurt ſchon im 14. Jahrhundert erworbenen Kämmereidörfer 
ebenſo wie u. a. auch das ſpäterhin zum Beſitz des Kloſters Neuzelle gekommene Dorf 
Aurith davon unberührt blieben. Wenn auch im Weſtſternberger Kreis in der älteſten 
Zeit die Templer und dann die Johanniter mancherlei Beſitz erwarben, ſo äußerte ſich 
ihr Einfluß nicht in gleichem Maße wie in Oſtſternberg, wo die Ordensballei Sonnen— 
burg mit der Kommende Lagow und beſonders der alte Templerort Zielenzig liegen. 
Kriege, und auch im Siebenjährigen Kriege iſt kein größerer Unterſchied in den Schick— 
ſalsſchlägen, die der Oſt- oder Weſthälfte des Landes beſchieden waren, zu verzeichnen, 
obwohl der Oſtſternberger Kreis hauptſächlich als Durchmarſchgebiet für die feindlichen 
Heere in Betracht kam. Was jedoch nach den folgenſchweren Jahren zur Ausbeſſerung 
der Schäden getan wurde, zeugt auch für den Oſten mehr von einem Einfluß der 
unmittelbar benachbarten Gebiete, während für die Weſthälfte auch das Land jenſeits 
der Oder als vorbildlich in Betracht kam. Es verbietet ſich jedoch, um wie bereits 
erwähnt Wiederholungen zu vermeiden, näher auf Einzelheiten in einem ſo kleinen 
Gebietsteil einzugehen, es muß vielmehr dem Schlußband des Werkes vorbehalten bleiben, 
eine Geſamtdarſtellung der Entwicklung der Kunſt in der ganzen Provinz zu geben. 


© 


— 


Kunſtdenkmäler der Provinz Brandenburg. VI. 3. Weſtſternberg. 


Tschernow 
Sapzig 
O 


Göritz 
© Spuglow Grunow 


Stenzi: 
ö 9 


Kl.Kirschbaum 
O 


Ötscher 
0 Seefeld 
Oleg O0 Drossen 


rauendorf I fade Schmagore! 
— 0 


Gohlitz Zei e, Byrehholz 0 


0 
GrRade Zerbow 0 Lieben 


O 


0 8 ; 
leissow Storkow Kohlow Kı.Lübbichow Polenzig 
O 0 0 O O 


Gr.Lübbichow Laubow 
0 


Biberteich 
Drenzig Klauswalde © 0 
O 


Trettin Bischofssee Zyhlow 
O 


75 Bee itz 
Neuendorf ornow O 
0 © 0 


Kunersdorf 
O 
Reppen Bortschow 
börbitsch 
O 
Wildenhagen 


% O 2 x 
Hildesheim 
O 


Matschdorf Gräden 


Reipzig 
N O Reichenwalde 
2 O 


Kl.Gandern 
Bergen ° Döbbernitz jejchholz 
0 (6) 


Aurith 9 
2 Gr.Gandern 


Sandow 
O 


Ziebingen 
25 


Balkow 


Rampitz 
O 


Überſichtskarte der im Verzeichnis erwähnten Orte. 


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Aurith. 


Aurith, Straßendorf 16 km ſüdweſtlich von Reppen. 1197 Einw., 2689 ha. 

„Urat“ gehörte zu den Gütern, welche die Markgrafen Ludwig der Altere und 
Ludwig der Römer 1350 dem Johanniterorden übereigneten (Geh. Staatsarchiv, Job. 
Orden, Urk. vom 24. XII.; vgl. Riedels Codex XIX, 137, ferner XX, 27 f., 95 f.). 1429 
erhielt der Abt von Neuzelle das Dorf „Urad“ mit nur 13 zinspflichtigen Hufen, von 
denen um 1460 laut Schoßregiſter 
des Bistums Lebus 3 wüſt waren 
(Geh. St.⸗A., Rep. 78 a. 11, fol. 
280; vgl. Rep. 8. 236: Akten von 
1628 seg.). Noch heute iſt in dem 
von vielen Schiffern bewohnten 
Ort, der zu den am ſtärkſten be— 
völkerten im Kreiſe gehört und 
zu Beginn des 19. Jahrhunderts 
ſchon 559 Einwohner zählte, ein 2 
Teil der Gemarkung im Beſitz der Abb. 1. Aurith. Grundriß der Kirche. 
insgeſamt 11 Ortſchaften um— 
faſſenden und nach Aufhebung des Kloſters 1817 königlich gewordenen Herrſchaft 
Neuzelle (vgl. Berghaus, Landbuch III, 529). 


Die Kirche (Abb. 1 und 2), ein Fachwerkbau in Saalform mit dreiſeitigem Oſt— 
ſchluß, beſitzt eine Vorhalle vor dem Zugang auf der Südſeite und einen verbretterten 
quadratiſchen Weſtturm, deſſen Laterne in eine geſchweifte Haube endigt. Das Gottes— 
haus wurde an Stelle eines mit dem Dorfe am 14. Auguſt 1802 abgebrannten älteren 
Baues neu errichtet und am 13. Oktober 1816 eingeweiht (Denktafel zur Erinnerung an 
den Brand und den Neubau der Kirche im Innern an der ſüdöſtlichen Polygonwand).9 
Die Fenſter ſind einfach rechteckig. 


) Die nach den Akten im Regierungsarchiv recht wechſelvolle Baugeſchichte der jetzigen Kirche ſei 
nachſtehend auszugsweiſe wiedergegeben: 

Am 6. September 1802 berichtete der Prediger Toepffer zu Matſchdorf an den König, „daß bei der 
am 14ten vorigen Monats, Nachmittags gegen drei Uhr in Aurith entſtandenen großen Feuersbrunſt, durch 
welche das ganze Dorf vernichtet worden, auch die Kirche, von welcher Ew. Königlichen Majeſtät Patronus 
find, nebſt dem Thurm von den Flammen verzehret worden iſt.“ In anderthalb Stunden vernichtete nach, 
demſelben Bericht das Feuer 112 Wohnungen nebſt allen Wirtſchaftsgebäuden. Mit dem Gotteshaus 
wurden auch alle Kirchengeräte, Bücher, die Orgel, die Uhr und die beiden Glocken zerſtört. 

Am 22. Januar 1803 reichte der Zimmermeiſter Schultz aus Reppen einen Koſtenvoranſchlag ein, 
der nachſtehende Beſtimmungen enthielt: „Die Kirche ſoll nach Angabe der dortigen Gemeinde in Bindwerk 
erbauet werden, 72 Fuß lang, 36 Fuß tief, 16 Fuß in Stiehlen hoch, 3 mal geriegelt mit liegenden und 
verſchwelten Dachſtuhl von 25 Gebind mit Ziegeldach und ausgemauerte Fache.“ .. . . „Der Thurm ſoll 
nach Angabe der Gemeinde in Bindwerk mit Spohndach 2 Etagen hoch erbauet werden. Der Kaſten wird 
20 f. lang und breit, die Erſte Etage 30 Fuß von der Schwelle bis zum Glockenboden hoch, und in den 
Umfangswänden 6 mal geriegelt, die zweite Etage 12 f. von Glockenboden an bis zum oberſten Gebälfe 


Kunſtdenkm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. 1 


2 Weſtſternberg. 


Die geſamte innere Ausſtattung (Abb. 3) — der Kanzelaltar, die Taufe, das 
Geſtühl, die Emporen mit ihren Aufgängen auf der Weſtſeite im Innern, und die 
Orgel — gehört ebenfalls der Zeit des Neubaus an und zeigt ſchlichte Formen. 


Abb. 2. Aurith. Kirche von Südoſten. 


hoch, und zweymal geriegelt, und die einwendigen Wände mit einfachen X Verband aus gemauerte Fache 
und Eichen Spohndach.“ 

Bald jedoch ſcheinen zwiſchen der Gemeinde und dem beauftragten Meiſter wegen der Koften Uns 
ſtimmigkeiten zutage getreten zu ſein und als der König infolgedeſſen ſich veranlaßt ſah, in einem Schreiben 
vom 5. April 1804 dem Bürgermeiſter Schroeer in Reppen aufgeben zu laſſen, für „die Bezahlung der von dem 
Rats-Zimmermeiſter Schultz liquidirten . . . Gebühren wegen Aufnahme des Koſtenanſchlages von dem neu 
zu erbauenden Turm und Kirche in Aurith vor der dortigen Gemeinde zu ſorgen“, bittet Schroeer am 
8. Oktober 1804 um „executivische Hülfe gegen die Gemeine Aurith wegen der verweigerten Gebühren 
für Aufnahme des Koſtenanſchlags zum Kirchen- u. Thurmbau“. 

Infolge dieſer Streitigkeiten wurde die Inangriffnahme des Neubaues mehrere Jahre hinausgezögert. 


Aurith. 3 


Außer jener Gedenktafel zur Erinnerung an den Brand und den Neubau der 
Kirche ſind noch zu erwähnen: 

Mehrere Kriegserinnerungstafeln an die Jahre 1813 bis 1815, 1866 
und 1870/71. 

Zwei meſſingene Kronleuchter in Renaiſſanceformen aus neuerer Zeit. 


Abb. 3. Aurith. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten. 


Dann trat die Gemeinde mit dem Zimmermeiſter Berg und dem Maurermeiſter Schober zu Droſſen in 
Unterhandlungen. 

Am 2. Februar 1811 wählte die Gemeinde Aurith 13 ihrer Glieder zu „ihren Bevollmächtigten 
bei dieſem Kirchenbau“. Dieſe ſollten „in ihrem Namen den ganzen Kirchenbau dirigiren, mit den Hand— 
werkern gerichtliche Contracte abſchließen, Gelder, die zu dieſem Bau nöthig ſind, auf ihren Namen auf— 
nehmen, und find fie zufrieden, daß dieſe Männer bei Aufnahme der Capitalien ihre, der ganzen Gemeinde 
Grundſtücke zum Unterpfande ſetzen, und erklärten, daß ſie für dieſes zum Bau der Kirche aufzunehmende 
Capital einer für alle, und alle für einen ſtänden.“ 

Auch mit der im Jahre 1804 gegoſſenen Glocke wollte man ſich begnügen; denn, fo heißt es weiter, 
„da bey den itzigen Zeiten die Glocken nicht angeſchafft werden können, ſo wie es auch nicht möglich iſt, 
das Geld hierzu aufzubringen, . .. fo iſt beſchloßen worden, die Kirche zwar nach dem Anſchlage“ des Zimmer— 
meiſters Schultz zu Reppen „zu bauen, jedoch die Glocken vor der Hand auszuſetzen.“ 

Am 2. Dezember 1811 endlich waren „Kirche und Thurm unter Dach.“ Dennoch zog ſich die Fertig— 


1* 


4 Weſlſternberg. 


Ein kupfernes, innen verzinntes Taufbecken 
trägt die Randinſchrift: „Zum Andenken von 
J. Fendius den 13. Oktober 1816.“ 

Ein Zinnkelch, 25,5 cm hoch, ſtammt aus 
dem Anfang des 19. Jahrhunderts. 

a Ein Zinnkelch, 24, cm hoch, iſt gezeichnet: 
Abb. 4. Aurith. Bauernhaus. Grundriß. „M. I. F F 1808 
Fünf Patenen ſind aus Zinn. 
Zwei Glocken. Die öſtliche von 0,89 m Durchmeſſer trägt am Hals die Inſchrift: 
„Anno 1802 den 14. August sind die Glocken von Feuer zerschmolzen. Gott 


Abb. 5. Aurith. Bauernhaus, Anſicht. 


ſtellung noch mehrere Jahre hinaus und erſt am 10. April 1815 berichtete der Superintendent Schramm 
zu Droſſen, daß er am „Sonntag Quasimodogeniti... die neue Kirche zu Aurith auf Verlangen und 
zur großen Freude der Gemeinde eingeweiht“ habe. Allein auch jetzt iſt der innere Ausbau noch nicht 
fertig. Es fehlen noch Kanzel und Altar, auch ſind die Chöre noch unvollendet. Ja ſelbſt am 
22. Oktober 1816 ordnete noch der Bauinſpektor Zimmermann aus Krieſcht an, daß „das Orgelchor, 
welches ſich (weil es in der alten Kirche fo geweſen war, gegen den Wunſch des Geiſtlichen) neben der 
Kanzel befand, ſogleich abgebrochen und der Kanzel gegenüber wieder errichtet werden ſollte. 

Erſt mit dem Ankauf der Turmuhr im Jahre 1822 und dem ein Jahr ſpater erfolgten Guß der zweiten 
Glocke kann dieſe über zwanzig Jahre währende Kirchenbauangelegenheit als abgeſchloſſen angeſehen werden. 


Aurith — Balkow. 5 


durch Deine Gütte diese Glocke behüte. Ambros. Wenzel aus Marienthal gos 
mich Aurith 1804.“ 

Die weſtliche mit 0,72 m Durchmeſſer iſt 1823 von Großheim Yzu Frankfurt gegoffen. 

Das Bauernhaus Nr. 126 (Abb. 4 u. 5) von 1802, mit Ecklaube, zeigt die für 
den wendiſchen Bau typiſche, die Hälfte des Geſamtgrundriſſes einnehmende Stube 
(Abb. 6) mit Kammern, ſowie den an die innere Schmalwand der Stube angebauten, in 
der Längsachſe liegenden, mächtigen Schornſtein mit Backofen. Ahnliche Bauernhäuſer 
tragen die Nr. 134 und 137. 


Abb. 6. Aurith. Bauernhaus, Inneres. 


Die Bewohner von Aurith bewahren heute noch ihre eigenartige Tracht, die große 
Ahnlichkeit aufweiſt mit den Trachten von Balkow, Grimnitz, Kloppitz, Rampitz, Sandow 
oder Ziebingen (vgl. Tafel 1 und 10). 


Balkow. 
Balkow, Straßendorf 22 km ſüdlich von Reppen. 768 Einw., Landgem. 
1171 ha, Gutsbez. 775 ha. 
Im Jahre 1413 verkaufte Gabriel Birckholtz dem Lebuſer Domkapitel laut Kur— 
märkiſchem Lehnskopiar im Geh. Staatsarchiv 13 Schock Groſchen jährlicher Abgaben 


) Gottlieb Großheim, geb. 1787 in Aſchersleben, kam aus Königsberg Nm. nach Frankfurt a. O., 
wo er als „Glockengießer und Spritzenmacher“ am 28. Auguſt 1821 Bürger ward. 


6 Weſlſternberg. 


„in feinen gutern zu Balkow“ (Rep. 78. 49, fol. 11 u. 17; vgl. Riedel, Codex C I, 60). 
Um 1500 faßen hier die in der Mark alteingeſeſſenen v. Grüneberg, ſeit 1659 die aus Brabant 
ſtammenden v. Weſenbeck; noch um 1761 war hier die Wittib v. Weſenbeck geb. v. Grünberg 
begütert, wie aus Akten im Geheimen Staatsarchiv erhellt (Rep. 22. 3840). Ihr folgten 
die aus dem Lauenburgiſchen ſtammenden v. Tauentzien, deren gräflicher Stamm 1854 
erloſch. Das Gut gehört ſeit kurzem der „Eigenen Scholle“. Das zur Zeit der deutſchen 
Koloniſation mit 36 Hufen ausgeſtattete Dorf zählte zu Beginn des 19. Jahrhunderts 
25 Ganzbauern, 22 Halbkoſſäten und 23 Einlieger (vgl. auch Berghaus, Landbuch III, 292). 


— . 


Abb. 7. Balkow. Blockhaus. 


Die Kirche, ein an Stelle des aus den ſiebziger Jahren des 18. Jahrhunderts ſtam— 
menden Gotteshauſes “) völlig neu errichteter Backſteinbau in neuzeitlichem Rundbogenſtil 


) Auf dieſen älteren Bau beziehen ſich verſchiedene Notizen in den Akten des Regierungsarchivs. So 
ſchreibt Joachim Friedrich Ehrentreich v. Burgsdorff auf Ziebingen am 30. März 1776: „daß die Balckower 
Kirche nur erſt ſeit kurtzer Zeit neu erbauet worden und daß in derſelben weder Chöre noch Bänke fertig”; 
ferner heißt es: „de Anno 1777 bis 1778”. Den Turm baute Zimmermeiſter Mockert; Maurermeiſter 
Wurm aus Neuendorff baute das Fundament zum Turm. Tiſchlermeiſter Sieber aus Tanndorf (Tammen⸗ 
dorf?) machte die Kanzel. — Beihilfe leiſtet „Sr. Exzellenz HErr de Tauenzien zur Aufbauung des 
Balckowfchen Kirch-Thurms und Cantzel benebſt der Reparatur der Thurm-Uhr.“ 

Endlich führt ein Vermerk vom 9. Mai 1782 neben der Notiz, daß die Kirche „neu ſei von Holz 
und mit Ziegeln ausgeflochten gleich wie auch der Turm, auf dem 2 Glocken hängen,“ noch nachſtehendes 


Inventar auf: Kirchen Inventarium und Geräthe 
a.) Ein grünes Altar Tuch, ſo neu. f.) Ein ſilberner vergoldeter Kelch nebſt meſſing— 
b.) ein weißes dito. ner Patene. 
c.) ein buntes Tuch auf dem Pulpet. g.) ein Kranken Kelch. 
d.) ein neuer Klingelbeutel von hellblauen Sammt h.) zwey meſſingne Altar Leuchter. 
mit Gold von der Frau Generalin v. Tauenzien i.) eine zinnerne Kelch Flaſche. 
geſchenckt. k.) ein zinnerner Taufbecken. 


e.) Eine alte Bibel. 


Balkow. 


mit einem Dachaufbau über der Weſtfront und einer Sakriſtei auf der Oſtſeite, 
wurde am 19. Dezember 1852 eingeweiht. Das flachgedeckte Innere beſitzt auf drei 
Seiten Emporen mit Aufgängen auf der Weſtſeite. 

Der Kanzelaufbau iſt aus barocken Reſten und Zutaten der neueren Zeit 
zuſammengeſetzt. 

Eine Taufe, Zinkguß, iſt modern-gotiſch. Ein Taufbecken aus Zinn, laut Inſchrift 
geſtiftet von Eleonora Dorothea v. Stoſch geb. v. Pannewitz am 24. Juli 1765, zeigt die ent— 
ſprechenden Wappen. Zwei mefjingene Altarleuchter, 31,5 cm hoch, 16. Jahrhundert. 
Zwei meſſingene Kronleuchter im Schiff, der kleinere weſtliche mit bekrönendem Doppel— 
adler ſtammt etwa aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der größere öſtliche 
iſt modern. Ein Kelch, 19,5 cm hoch, zeigt die Buchſtaben: C. V. W. ( C. v. Weſenbeck) 
IE. V. W. G. V. G. ( H. E. v. Weſenbeck geb. v. Grünberg). Zweite Hälfte des 18. Jahr— 
hunderts. Eine kleine zinnerne Deckelkanne, zwei Zinnteller, eine zinnerne Patene 
und ein Zinnkelch, 17,5 cm hoch, find Frankfurter Arbeit, erſte Hälfte des 19. Jahrhunderts. 

Eine Bilderbibel mit Ledereinband und Silberbeſchlag trägt die Inſchrift: 
„J. H. E. v. Schafgotsch 1684“ und „E. B. S. G. von Schönbeckin 1684.“ 

Drei Glocken. Die öſtliche hat 0.7 75 m Durchmeſſer und iſt 1805 von Gottfried 
Francke in Sandow gegoſſen. Die mittlere von 0,90 m Durchmeſſer zeigt den Namen 
des Meiſters C. Rubon in Berlin und die Jahreszahl 1853. Die weſtliche von 
0,53 m Durchmeſſer iſt ohne Inſchrift, von ſchlanker Form und anſcheinend noch 
mittelalterlich. f 

Ein altes 
Blockhaus 
(Abb. I am 
Südende des 
Dorfes wurde 
leider vor kur— 
zem durch einen 


Sr 


Neubau ver— Dun gien ae fen 
drängt. 
Das öſtlich 
von der Haupt: — — 
ſtraße im An— Abb. 8. Balkow. Grundriß des Herrenhauſes vor dem Umbau. 


fang der acht— 
ziger Jahre des 18. Jahrhunderts für den General v. Tauentzien-Breslau) durch den 


) Der Königl. Preuß. Rittmeiſter „und nunmehriger Erb-Herr auf Kleingander“ Otto Friedrich 
v. Weſenbeck verkaufte an Se. Exzellenz den Königl. Preuß. General der Infanterie Friedrich Bogislaff 
v. Tauentſien laut „Kaufcontractes d. d. Balckow den 13. Januar 1777“ das demſelben (Weſenbeck) zu— 
gehörige Anteilgut Balckow und Grimnitz nebſt Pertinentien für 20 500 Reichstaler. (Tauentſien beſaß noch 
das Gut Blumberg in der Neumark. Seine Frau entſtammte der Familie v. Kneſebeck.) Ein Anteil in 
Balckow und Grimnitz, welches Frau Hofmarſchallin Dorothee Eleonore v. Stoſch geb. v. Pannewitz 
beſeſſen, iſt sub hasta für / der Taxe dem General Bogislav Friedrich v. Tauentſien Exzellenz „unter denen, 
von denen Creditoribus und dem Herrn Käufer gemachten, in termino d. 25. April 1776 modifieirten 


8 Weſlſternberg. 


Abb. 9. Balkow. Herrenhaus, Anſicht. 


Maurermeiſter Johann Carl Scholtz aus Liebthal!) erbaute Herrenhaus (Abb. 8 und 9) 
iſt ein zweigeſchoſſiger Putzbau mit einer in der Achſe der Faſſade gelegenen Eintrittshalle. 


und von dem HE. Käufer unterm 27ten ejusd. angenommenen Bedingungen, erb- und eigentümlich zu— 
geſchlagen“ worden. 

„Dieſer Contract iſt sub dato Balckow 3ten Juli 1776 mit dem HE. Juſtiz-Direct. Adami, als 
Gevollmächtigten des HE. Gen: v. Tauensien Excell. geſchloſſen und denen vorgedachten Bedingungen, iſt 
ein Genüge geleiſtet, dHE. Curator der Concursmaſſe der Frau p: v. Stosch geb. v. Pannewitz hat 
unterm 17. Aug: 1776 erkläret, daß der Contract dem Licitations-Protocoll und ſonſt Actis völlig gemäß 
geſchloſſen ſei. Unterm 22. August 1776 hat alſo E: p: Regierung, als das Gericht, wo die Güter 
sub hasta geftanden haben, dieſen Contract genehmiget. Durch deren Beſcheinigung vom 24. Febr. 1777 
iſt auch beigebracht, daß das ganze Kaufgeld nach dem Adjudications-Beſcheide berichtiget it.” 

„ . .. daß der Werth, der zuletzt von dieſen Gütern beſcheiniget iſt, in den 24266 rthl. 16 gr. ... 
beſtehet, wofür fie dem HE. Gen: von Tauenzien Excell. laut Sententz vom 30ten May 1776 und Contract 
vom 3. July . . . sub hasta erftanden haben.“ (24266 Rthl. 16 gr. iſt nur der Preis für den v. Stoſch⸗ 
ſchen Anteil.) Beim Kauf des v. Stoſchſchen Anteils vertrat der Generalmajor v. Thiele den v. Tauentſien 
(nach den in den Beſitz der Provinzialverwaltung übergegangenen Hausakten). 

) Der mit dem Maurermeiſter abgeſchloſſene, im Beſitz der Provinzialverwaltung befindliche Vertrag 
lautet: „Nehmlich es übernimmt und verſpricht der Maurermeiſter Johann Carl Scholtz an dem Wohnhauſe, 
welches des Herrn Generals der Infanterie von Tauentsien Excellenz auf dero hieſigem Guthe, Balckow, 
und zwar auf dem ehemaligen Wesenbeckſchen Hofe zu erbauen fo eben angefangen haben, die ſämtlichen 
Maurer- Architectur und Stoccatur-Arbeit dieſes Gebäudes von 140 Fuß lang, 45 Fuß breit, 24 Fuß 
hoch, und in der feſtgeſetzten Mauer-Stärke, nach dem, von Hochvermeldeter Seiner Exellenz unterſchriebenen 
Riſſe zu fertigen, und insbeſondere den Grund und die Kellers auszugraben ... den Grund und die Kellers 


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Balkow — Beelitz. 9 


Über dem Hauptzugang, zu dem mehrere Stufen hinaufführen, bemerkt man das 
Tauentzienſche Familienwappen. In einigen Zimmern des Erd- und Obergeſchoſſes ſind 
noch einfachere Stuckdecken erhalten; von ihnen darf die in dem ſüdlich vom Treppenhaus 
gelegenen Zimmer des zuletzt genannten Stockwerks zum mindeſten eigenartig genannt 
werden. Die einfachen Rokokotüren fertigte der auch mit den übrigen Tiſchlerarbeiten 
betraute Johann Kaspar Wetzſtein aus Neuſalz, während die Zimmerarbeiten dem 
Meiſter Carl Haberkern aus Breslau für 500 Reichstaler übertragen wurden. Endlich 
kommt, wie aus den Akten noch hervorzugehen ſcheint, für die Schloſſerarbeiten der 
„Vordivications Schloßer“ Carl Gottlieb Helling in Breslau in Betracht. 

Die den Vorplatz auf der Süd- und Nordſeite ſäumenden Dfonomiegebäude 
gehören ebenfalls dem Ende des 18. Jahrhunderts an. 

Auf einen in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vorgenommenen Um— 
bau geht namentlich auch die Verlegung der Haupttreppe des Herrenhauſes, ſowie die 
Abänderung der Nebentreppe und endlich der jetzige polygonale Ausbau am ehemaligen 
Treppenhaus zurück. Der gleichen Zeit entſtammen die Biedermeieröfen und das 
ſüdlich an das Herrenhaus angebaute „Sonnen- und Blumenhaus“. 

Das einſt in dem Park auf der Rückſeite des Herrenhauſes dem „vor Breslau“ 
beſtatteten General Friedrich Bogislav v. Tauentzien (geb. 18. April 1710 zu Tauentzien 
in Pommern, geſt. 20. März 1791 zu Breslau) von ſeinem Sohne errichtete, in 
neuerer Zeit auf den Kirchhof nordweſtlich von der Kirche übergeführte Denkmal 
zeigt über einem viereckigen Poſtament einen joniſchen 
Säulenſtumpf, der eine ſchwarze Marmorvaſe trägt. 

Eine Gruppe von Balkower Frauen in ihren 
jetzt immer mehr verſchwindenden maleriſchen 
Trachten zeigt Tafel 1. 


Beelitz. 
Berliß, Angerdorf 8,5 km öftlicd) von Reppen. 
236 Einw., Landgem. 555 ha, Gutsbez. 417 ha. 
Im Zehntregiſter des Bistums Lebus aus dem 
Anfang des 15. Jahrhunderts leſen wir: „Belitz Abb. 10. Beelitz. Grundriß der Kirche. 


ſelbſt nebſt Bogens, . .. ferner die beyden Stockwerke des Gebäudes, von der Zucke an, bis an das Dach 
herauf ... die Brand Giebels, und Kappfenſter, respective zu mauern, zu wölben, und, wo es nöthig iſt 
auszuflaſtern, die Decken in beyden Stockwerken zu berohren, zu bewerfen und abzureiben, die Hohlkehlen, 
Wandgeſimſe, und Quadraturen, in den Stuben, ingleichen die Haupt Geſimſe zu ziehen, die Stoccatur- 
und Architectur-Arbeit an den Geſimſen, Thüren und Fenſtern zu machen, das Dach nebſt den Kappfenſtern 
mit Flachwerk und Hohlziegeln einzudecken und zu belegen, endlich auch das ganze Gebäude inwendig und 
auswendig überall gehörig abzuputzen, kurz alles und jedes an Mauer- Architectur- und Stoccatur-Arbeit, 
fo wie ſolche der, von dem Mauermeiſter Scholtz, unterm 30. Junii a. c. gefertigte, . . . Anſchlag näher 
beſaget, nichts davon ausgenommen, tüchtig und untadelhaft zu vollführen, auch dieſe ganze Arbeit, wozu 
Seine Excellenz die Materialien hergeben, bis Johannis Baptistae 1781. fertig zu ſtellen und zu vollenden, 
alles zuſammen und überhaupt vor ein Arbeits-Lohn von Siebenhundert Reichsthalern Courrant. ... 
Balckow, den 13. October 1779.“ 


Abb. 11. Beelitz. Kirche, Kanzelaltar. 


Beelitz. 11 


habet XLIIII mansos.“ Vier dieſer 44 Hufen 
waren — wohl fchon vom 13. Jahrh. an — dem 
Pfarrer zugewieſen worden (Geh. Staatsarchiv, 
Rep. 78a. 11, fol. 25; auf fol. 178 werden die 
Bauern namentlich aufgeführt). Im 16. Jahr— 
hundert ſaßen hier die v. Schlieben, die mehrfach 
Ordenskomture des Johanniterordens waren, 
ſodann um 1700 die auch zu Lieben begüterten 
v. Selchow. Die Kirche war — und iſt noch 
heute — Filia von Laubow. Ende des 18. Jahr— 
hunderts kaufte ſich hier der Ordensrat Kuhlwein 
an (Bratring, Beſchreibung der Mark III, 276; 
Berghaus, Landbuch III, 300, 302). 


Die Kirche (Abb. 10), die nach einer 
Aufzeichnung im Pfarrhauſe zu Laubow im 
Jahre 1660 vollſtändig aus Bohlen errichtet 
wurde, geht in ihrer heutigen Geſtalt auf einen 
Umbau aus dem erſten Viertel des 18. Jahr— 
hunderts zurück (nach Beckmann 1718). Das 
Langhaus mit dreiſeitigem Oſt- und Weſtſchluß, 
ferner die nördliche Vorhalle mit der Patronats— 
loge (Tür mit ſchönem, urſprünglich verzinntem 
Schloß), endlich der Vorbau vor der Südtür mit 
dem Zugangzu der bis tief unter das Schiff reichen— 
den Gruft, find aus Ziegelfachwerk(das Holz zeigt 
noch rote Farbſpuren). Der vor der weſtlichen Polygonmittelſeite errichtete, im Grundriß 
quadratiſche Turm mit feiner ins Achteck übergeführten Pyramide beſteht heute noch 
aus Holzbohlen. In der Wetterfahne „1834 AKG VK“ (Auguſte Kuhlwein geb. 
v. Kalckreuth). 

Die Beleuchtung des flachgedeckten, einheitlich barocken, jedoch leider gänzlich 
übertünchten Innern mit einem Emporeneinbau auf der Weſtſeite, geſchieht durch oben 
ſtichbogig geſchloſſene einfache Lichtöffnungen. Der Fußbodenbelag beſteht aus qua— 
dratiſchen Ziegelplatten. Die flache Decke beſitzt ein einfaches, barockes Stuckproftl.“) 


Abb. 12. Beelitz. Kirche, Taufe. 


) Altere Beſchreibungen von der Kirche und ihrem Inventarbeſtand geben u. a. nachſtehende Akten— 
auszüge aus dem Regierungsarchiv zu Frankfurt: 

1. Belitz, den 16. Juni 1782 ... „Die . . . Kirche iſt von Holtz mit Mauerſteinen ausgeflochten 
und mit Ziegeln gedeckt, auch inwendig mit einer Gipsdecke verſehen, in und auswendig in baulichen Würden. 
Der Altar-Tiſch iſt gemauert, hat aber keine Altardecke. Im Altar ſtehet die Kanzel mit vergoldeter 
Sculptur-Arbeit. Vor dem Altar iſt der Taufſtein aus Holz gleichfalls mit vergoldeter Arbeit belegt. 
Am Kirchen-Geräth und Inventarium iſt tradirt worden: 


1.) Ein zinnerner Kelch nebſt meſſingner Patene. 3.) 2 alte zinnerne Leuchter. 
2.) Eine übergoldete Patene von Conposition fo 4.) Ein alter Klingelbeutel. 
Pastor verwahret. Der Kelch dazu iſt vor 6 Jah— 5.) Reinbecks Predigten. 


ren geſtohlen worden. 6.) Zwei Neue Geſangbücher. 


12 Weſlſternberg. 


Der barocke Kanzelaltar (Abb. 11), mit reichem Kartuſchen- und Rankenſchnitz— 
werk verziert, zeigt in der Mitte der von Säulen getragenen Verdachung und von 
einer Krone überragt das Wappen des Patrons Selchow und ſeiner Frau. An der 
Kanzeltür hängt ein barocker Kruzifixus aus Holz. 

Die gleichfalls barocke hölzerne Taufe (Abb. 12) mit Deckel iſt kelchförmig 
aufgebaut. 

Das Geſtühl zeigt eine zentrale Anordnung. 

An den Wänden hängen mehrere Totenkronen ſowie je eine Gedenktafel zur 
Erinnerung an die Befreiungskriege und an einen Mitkämpfer. 

Ein achtarmiger meſſingner Kronleuchter iſt 1886 von der Familie Firnhaber 
geſtiftet. 

Zwei Glocken. Die öſtliche hat 0,55 m, die weſtliche 0,66 m Durchmeſſer, beide 
ſind 1906 von Franz Schilling in Apolda gegoſſen. 


Bergen. 
Bergen, Straßendorf 14 km ſüdſüdöſtlich von Reppen. 212 Einw., Landgem. 
102 ha, Gutsbez. 929 ha. 
Zuſammen mit Lagow wurde „Barghe“ 1350 durch die Wittelsbacher Mark⸗ 
grafen dem Johanniterorden verkauft (Geheimes Staatsarchiv, Joh.-Orden, Urk. Nr. 134 
vom 24. Dezember; vgl. Riedel, Codex XIX, 137). 


Ein Zinnkelch, 14 cm hoch, mit zugehöriger Patene wird in der Lehrer— 
wohnung aufbewahrt. 

Biberteich. 

Biberteich, Straßendorf 13 km ojtnordöftlic, von Reppen. 269 Einw., Landgem. 
146 ha, Gutsbez. 1040 ha. 

„Bevertich“, ein großes, wohl ſchon im 13. Jahr— 
hundert mit 54 Hufen, darunter 4 Pfarrhufen, ausge— 
ſtattetes Dorf, in deſſen nächſter Umgebung noch 1852 
zahlreiche Spuren von Biberbauten feſtgeſtellt wurden 
(Berghaus, Landbuch III, 288), gehörte um 1354 
den ſpäter auch in Oſtſternberg anſäſſigen Boncz 
oder Buntſch. 1562 folgten die v. Mandelsloh, die 
v. Selchow und die aus Brabant ſtammenden und erſt 
Mitte des 17. Jahrhunderts nach der Mark über— 
geſiedelten v. Weſenbeck, bis dann 1795 der Ordensrat Kuhlwein das Gut für 


+ som 


Abb. 13. Biberteich. Grundriß der Kirche. 


2. 16. Juni 1782: „Der Thurm, welcher auf einem Fundament von Stein, vom Holz aufgeführt, 
iſt in baulichen Würden.“ 

3. Aus dem Anſchlag des Bauinſpektors M. Zernbach vom 22. November 1794 geht hervor, daß 
die Kirche 45 Fuß lang, 28 Fuß tief ſei, daß fie 2 Vorhallen habe, wovon die eine 16 Fuß lang, 11 Fuß 
tief, die andere 18 Fuß lang, 11½ Fuß tief ſei. Die Gipsdecke in der Kirche war 3 TI Ruten groß. 


Beelitz — Biberleich. 13 


Abb. 14. Biberteich. Inneres der Kirche. 


35000 Taler erkaufte (vgl. Wohlbrück, Lebus III, 472). Die Namen der Bauern zu 
„Bebirtich“ werden bereits im Zehntregiſter des Bistums Lebus von 1405 aufgeführt 
(Geh. Staatsarchiv, Rep. 78a. 11, fol. 175). Die Kirche war von jeher ein Mater. 


Die Kirche (Abb. 13) iſt ein maſſiver, im Kerne aus mittelalterlichem Findlings— 
mauerwerk hergeſtellter, rechteckiger Putzbau mit dreiſeitigem Oſtſchluß. Der einſt vor 


14 Weſlſternberg. 


der Weſtfront errichtete Holzturm mußte am Anfang des vorigen Jahrhunderts wegen 
Baufälligkeit entfernt werden.“) Die den Ecken des Oſtſchluſſes ſowie der Weſtſeite vor— 
gelegten Strebepfeiler find ſpätere Zutaten. Wie noch von außen deutlich erkennbar 
iſt, waren die heute rundbogig geſchloſſenen Lichtöffnungen urſprünglich nach oben 
ſpitzbogig geſtaltet. Ein Spitzbogenportal mit doppelt abgetrepptem, aus Backſtein 
aufgemauertem Gewände, deſſen hölzerner 
Türverſchluß auf der Innenſeite einen Be— 
ſchlag von einfachen gotiſierenden Formen 
zeigt, vermittelt heute noch auf der Weſt— 
hälfte der Südſeite den Zugang zum flach— 
gedeckten Innern. Eine zweite ebenſo ge— 
ſtaltete Tür öſtlich von dem erwähnten Zu— 
gang iſt heute vermauert. Das in den 
Jahren 1789 und 1790 mit einem Koſten— 
aufwand von 618 Reichstaler 22 Groſchen 
S Pfg. durchgreifend umgebaute Innere?) 
(Abb. 14) beſitzt auf drei Seiten Emporen, 
zu denen der Aufgang in der Südweſtecke 
des Kirchenraumes liegt. 

Der Kanzelaltar mit ſeitlicher Ranken— 

etzt verzierung, ſeinen beiden korinthiſierenden, 
SGIENLRETDIESEN NI das Gebälk tragenden Säulen und der den 
88 8 f oberen Abſchluß des Aufbaues bildenden, 

— zwiſchen zwei hölzernen Empirevaſen vor— 
geſehenen bekrönenden Sonne, gehört in 
ſeiner jetzigen Geſtalt der Zeit des vorer— 
wähnten Ausbaues an. 

Die Taufe (Abb. 15) aus Sandſtein 
iſt barock und laut Inſchrift ein Geſchenk 
des königl. preuß. „Obrist-Lieutenants W. 
E. v. Selcho“, Erbherrn auf Beelitz und 
8 Biberteich; ſie zeigt neben dem Jahr der 

Abb. 15. Biberteich. Taufe in der Kirche. Stiftung 1733 noch das Wappen des 
Stifters. 
Die Orgel iſt mit den Emporeneinbauten gleichzeitig. 
Ein Kelch, 23,5 em hoch, Silber, innen vergoldet, mit zugehöriger Patene, 
zeigt einfache Formen und it 1803 von Kammerrat Kuhlwein geſtiftet. Preis für 
Kelch und Patene 53 Reichstaler 12 Groſchen. 


© 


zudagandaakte“ von Biberteich vom Jahre 1814 im Negierungsarchiv 


— 


) Vgl. Beantwortung der 
zu Frankfurt. 
Vgl. Kirchen-Viſitationsprotokoll von 1794. 


Biberleich. 15 


Ein Klingelbeutel aus grünem Sammet mit ſilbernen Franſen und Glöckchen 
zeigt das Monogramm W. v. W. (W. v. Weſenbeck) und die Jahreszahl 1791. 

Zwei gußeiſerne Grabplatten für Otto Friedrich von Weſenbeck, geb. 1738, 
geſt. 1789, und Carl Otto Friedrich Wilhelm von Weſenbeck, geb. 26. Mai 1766, 
geſt. 25. Oktober 1788, liegen nördlich von der Kirche auf dem Friedhof. 


Abb. 16. Biberteich. Glockenturm. 


Der in einiger Entfernung weſtlich von der Kirche an der Dorfſtraße gegenüber der 
nach dem Gute führenden Allee nach 1814 errichtete Glockenturm (Abb. 16) iſt zwei— 
geſchoſſig. Sein auf der Eingangsſeite mit vier Holzſäulen geſchmücktes Untergeſchoß 
wird durch zwei wie der Zugang nach oben rundbogig geſchloſſene Fenſter beleuchtet. 
Eine Treppe führt im Innern nach dem über dem Ziegeldach des Untergeſchoſſes ſitzenden, 
im Grundriß quadratiſchen oberen Stockwerk, das von einer leichtgeſchweiften, kupfer— 
gedeckten, ſchlanken Pyramide bekrönt wird. 


16 Weſlſternberg. s 


Von den beiden Glocken im Innern dieſes Obergeichofles 
zeigt die ſüͤdöſtliche mit 0,78 m Durchmeſſer die Namen des 
Nickel v. Selchow und ſeiner Frau Hedwig, geb. v. Löben, ſowie 
die Jahreszahl 1624. Die nordweſtliche mit 0,65 m Durchmeſſer | 
wurde 1847 von Großheim in Frankfurt gegoſſen. 


f 
Biſchofſee. | 


Bilchofſee, Straßendorf 13 km wejtnordweitlid von 


Reppen. 172 Einw., Yandgem. 128 ha, Gutsbez. 320 ha. f 
Im Zehntregiſter des Bistums Lebus aus dem 15. Jahr— 


hundert wird das mit 30 Hufen ausgeſtattete Dorf genannt (Geh. 
Staatsarchiv, Rep. 78a. 11, fol. 24 und 174). Nach langen 
= Streitigkeiten mit Frankfurt feste ſich nach 1640 der Kurfürſt in 
Abb. 17. Biſchofſee. den Beſitz des Ortes; noch heute iſt hier eine Domäne (vol. l 


Kelch in der Kirche. Spieker, Frankfurt, S. 185, 199 f.5 Berghaus, Landbuch III, 333,772). 


Die Kirche, ein modern-gotiſcher Backſteinbau, N 
wurde am 6. November 1867 eingeweiht.) Sie 
beſitzt im Anſchluß an das rechteckige Langhaus 
einen fünfſeitigen, apſisartigen Anbau im Oſten 
und über dem Weſtgiebel ein maſſives vorgekragtes 
Türmchen. 

Erwähnenswert iſt außer einem verſilberten 
Kelch, aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (Abb. 17), 
noch eine gußeiſerne, entgegen der aufgegoſſenen 
Jahreszahl 1820 erſt im September 1821 in der 
Kgl. Eiſengießerei zu Berlin angefertigte Glocke 
von 0,78 m Durchmeſſer. 


. n 


Bottſchow. 


Bottlchoiv, Straßendorf 8 km öſtlich von 
Reppen. 554 Einw., Landgem. 863 ha, Gutsbez. 
502 ha. 

Im 13. Jahrhundert wurde das in einer 


\ 
Reppener Urkunde von 1329 erwähnte „Bozaw“ * 
mit der Normalzahl von 64 Hufen ausgeſtattet, ‘ 
von denen der Pfarrer 4 erhielt (vgl. Biſchöfl. 5 
) Archiv der Kgl. Regierung zu Frankfurt. Abb. 18. Bottſchow. Kelch in der Kirche. 


Zehntregiſter im Geh. Staatsarchiv, Rep. 78a. 11, 


Biberfeich — Bollſchow. 7 


fol. 25; die Namen der Bauern ebendort fol. 177). Im Landbuch Kaiſer Karls IV. 
wird „Botzſchow“ unter den Schlöſſern und Städtchen, municiones et opida, des 
Territoriums „Sterneberg“ aufgeführt (Ausgabe von Fidicin, S. 37/8). Schon damals 
ſaßen hier die v. Loſſow, gegen welche die Bürger von Droſſen, Reppen und Frankfurt 
laut Urkunde im Frankfurter Stadtarchiv und laut Bericht des Stadtſchreibers Stajus 
1402 eine Heerfahrt unternahmen, die mit völliger Zerſtörung des Ritterſitzes endete 
(vgl. Riedel, Codex XXIII, 140 und 4. Abtlg. I, S. 321). Wie auch aus einem 
Lehnskopiar Friedrichs II. (Rep. 78. II, fol. 169, Geh. Staatsarchiv) erhellt, behaupteten 
ſich die Loſſows weiterhin: nach 1608 ſaßen hier auf 2 Sitzen Balzer und Jacob. 
Im 17. Jahrhundert folgten die v. Slow (oder Illo), in friderizianiſcher Zeit die 
v. Grävenitz (Berghaus, Landbuch III, 306). Seit 1880 gehört das Gut den v. Bonin. 


Die Kirche, ein Backſteinbau in modernem Rundbogenſtil mit Weſtturm und einem 
aus fünf Seiten eines Achtecks gebildeten apſisartigen Oſtanbau wurde im Jahre 1874 
fertiggeſtellt (Jahreszahl in der Wetterfahne). 
Eine Erweiterung wurde 1910 vorgenommen. 

Bemerkenswert iſt das buntfarbige, 1902 
von dem Patron geſtiftete Mittelfenſter des Oſt— 
anbaus mit der Darſtellung Chriſti, darunter 
das Bonin-Finckenſteinſche Allianzwappen. 

Ein Zinnkelch (Abb. 18), 23 cm hoch, 
mit einem im Grundriß quadratiſchen, für 
das Ende des 18. Jahrhunderts typiſch proft— 
lierten Fuß und kanneliertem, rundem Stengel, 
trägt die Stiftungsinſchrift: „Koser Past|or] 
anno 1793“. 

Eine getriebene kupferne Renaiſſance— 
taufſchale, mit einem Johanniterkreuz in 
der Mitte (Abb. 19), wird 1693 im Kirchen- Abb. 19. Bottſchow. Taufbecken in der Kirche. 
buch verzeichnet. 

Zwei Glocken. Die nördliche von 0,95 m Durchmeſſer trägt am Hals in Minuskel— 
ſchrift den nur in ſeiner erſten Hälfte richtig wiedergegebenen Engliſchen Gruß wie 
folgt: © ave maria O gracia O plena O dome ns tecum O benedict k mInlbebi O sbi 
ieh O b vt 00 (Gegrüßt ſeiſt Du Maria, gnadenvolle, der Herr mit Dir . . .). 15. Jahr: 
hundert. 

Die ſüdliche mit 0,68 m Durchmeſſer zeigt am Hals neben Roſetten und anderen 
ſchmückenden Beigaben, z. T. in Spiegelſchrift wiedergegeben, die anſcheinend auf den 
Gießer hinweiſenden Minuskeln hermansag, 15. Jahrhundert. 

Das Herrenhaus, ein Bau aus der Wende des 17. Jahrhunderts mit Manſarddach 
und bemerkenswerter barocker Holztreppe in der Eintrittshalle, wurde in neuerer 
Zeit z. T. umgebaut. Im Treppenflur wird die Barockfigur eines Heiligen in etwa 
Lebensgröße aufbewahrt, der mit feinem verwundeten Knie und dem beigefügten 


Kunſtdenkm. d. Prov. Brdbg. VI. 3. Weſtſternberg. 2 


18 Weſtſlernberg. 


Hund den heiligen Rochus darſtellen ſoll. Verſchiedene ebenfalls vorhandene 
Geräte aus engliſchem Zinn ſowie eine ſechseckige zinnerne Kirchenflaſche dürften 
dem 18. Jahrhundert angehören. 


Buchholz. 


Buchholz, Straßendorf 6 km ſüdöſtlich von Droſſen. 227 Einw., Landgem. 
430 ha, Gutsbez. 855 ha. 

Einer Urkunde vom 27. Oktober 1286 zufolge übertrugen die askaniſchen Mark— 
grafen den Templern zugleich mit „Sulenzec“ auch „Bucholt“ (Geh. Staatsarchiv, 
Templer, Urk. Nr. 22; vgl. Riedel, Codex XIX, 126 f.). In dem zur Zeit der deutſchen 
Koloniſation mit 61 Hufen, darunter 4 Pfarrhufen, 
ausgeſtatteten „Bucholtz“ ſaßen ſchon um 1464 
die v. Winning (gl. Biſchöfliches Zehntregiſter aus 
dem 15. Jahrhundert, Geh. Staatsarchiv, Rep. 78 a. 
11, fol. 176 u. 302; vgl. Wohlbrück, Lebus III, 
532 f.; Berghaus Landbuch III, 283). 


Die Kirche, ein modern-gotiſcher Granitbau 
mit dreiſeitiger Apſis im Oſten und einer Back— 
ſteinvorhalle vor dem Südzugang, iſt im Innern 
flach gedeckt und beſitzt Emporen. Der verbretterte 
Holzturm auf der Weſtſeite ſtammt von der Vor— 
gängerin des heutigen Gotteshauſes und zeigt in 
der Wetterfahne die Jahreszahl 1699.9 

Eine Taufe, aus Holz und vielfarbig bemalt 
(Abb. 20), die heute noch auf dem Boden des Schul— 
hauſes aufbewahrt wird, trägt außer den Bibelſtellen 
„Gal. 3, Mark. 16, Eph. 4, I Joh. 1“ noch die 
Inſchrift: „Anno 1695 Hat Cuno Friedrich 
von Winig Erbherr auff Buchholz, Radach 
v. [nd] Sternneberck nebst seiner Ehe[lie]bsten 
Diese Tauffe gott zu Ehren v. [nd] Ihm zum 
Jedechtnisz auff Richten v. [nd] Mahlen lassen.“ 

Abb. 20. Buchholz. Taufe. Die Abendmahlsgeräte ſtammen aus den 

ſechziger Jahren des 19. Jahrhunderts. 

Zwei Glocken. Die öſtliche hat 0,77 m, die weſtliche 0,65 m Durchmeſſer, 
beide find 1853 von H. Ch. Lange in Frankfurt a. O. gegoſſen. 


) Vgl. Matrikel vom 20 Februar 1694: „Der Thurm iſt anno 1692 eingegangen und muß 
nothwendig, weilen die glocke auff der Kirchen gefährlich undt zum ſchaden hänget, ehiſtens ein neuer 
erbauet werden.“ 


Bottjchow — Drenzig. 19 


Döbbernitz. 


Pübbernik, Straßendorf 20 km oſtſüdöſtlich von Reppen. 301 Einw., Landgem. 
796 ha, Gutsbez. 1528 ha. 

„Dobernitz“ mit ſeiner kleinen Gemarkung von nur 16 Hufen, war laut Zehnt— 
regiſter des Bistums Lebus im Geh. Staatsarchiv um 1405 von einem Schulzen ' 
(scultetus) und 10 Bauern bewohnt (Rep. 78 a. 11, fol. 194). Zu Beginn des 
19. Jahrhunderts ſaßen hier die v. Jena (Bratring, Beſchreibung der Mark III, 2789, 
ſeit 1871 iſt das Rittergut Fürſtlich Hohenzollernſche Domäne. 


Die Kirche, ein einfacher, im Grundriß rechteckiger Backſteinbau in neuzeitlichem 
Rundbogenſtil und ohne Türen, mit einer apſisartig an der Oſtſeite angebauten halb— 
kreisförmigen Sakriſtei, wurde am 8. Juni 1853 eingeweiht. Das Innere tt flach 
gedeckt und beſitzt einen modernen Kanzelaltar. 

Ein Kelch, 20 cm hoch, Silber, trägt die Inſchrift: „14. April 1833“. 

Zwei Glocken ſind in einiger Entfernung von der Kirche in einem beſonders 
dazu errichteten Stuhl aufgehängt. Die öſtliche mißt 0,78 m, die weſtliche 0,60 m 
Durchmeſſer, beide wurden 1875 von W. Geittner in Breslau umgegoſſen. 


Drenzig. 

Drenzig, Straßendorf 5 km nordweſtlich von Reppen. 463 Einw., Landgem. 
1070 ha, Gutsbez. 243 ha. 

Die Ortſchaft wurde im 13. Jahrhundert von deutſchen Koloniſten begründet und 
erhielt eine große Gemarkung mit der Normalzahl von 64 Hufen, von denen von vorn— 
herein dem Pfarrer 4 Freihufen zugewieſen wurden. Laut Urkunde von 1312 gehörte 
„Drenzech“ denen v. Klepzig (Riedel, E 
Codex XIX, 127). Laut Landbuch Kaiſer 
Karls IV. war in „Drentzk“ ſogar ein 
Schloß, municio, auf dem der markgräfliche 
Lehnsträger „Petz de Loſſow“ ap (Landbuch, 
Ausgabe von Fidicin, S. 38). In Urkunden 
der Jahre 1437 und 1438 werden auch 
die v. Loſſow hier erwähnt (Urk. märkiſcher 
Ortſchaften, Gander No. 1 u. 2, Geh. 
Staatsarchiv) und im Schoßregiſter des 
Landes Sternberg von 1461 heißt es 
fol. 291: „Loſſow hot VIII [ Huben! frey zu Abb. 21. Drenzig. Grundriß der Kirche. 
Dinſte.“ 1486 verlieh Markgraf Johann 
ſeinem „lieben Hanßen Loſſow zu Botſchow das Dorff Drenczke mit allen gnaden und 
gerechtigkeit“ (Riedel XX, 168). 1568 gelangte das Dorf durch Kauf an die Landes— 
herrſchaft, die es ſpäter zum Domänenamt Neuendorf legte. Noch heute beſteht hier 
das 236 ha umfaſſende Vorwerk Hinterfelde, auch das Patronat iſt königlich. 


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20 Weſtſternberg. 


Die Einwohnerzahl belief ſich zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf 17 Bauern, 
11 Koſſäten, 9 Büdner und 14 Einlieger (vgl. Bratring, Beſchreibung der Mark III, 278). 


Die Kirche (Abb. 21), ein mit den älteſten Teilen der Umfaſſungsmauern bis 
in die früheſte Zeit der Koloniſation zurückreichender Bau, wurde, abgeſehen von älteren 
Umbauten, namentlich gegen Ende des 18. und in der erſten Hälfte des 19. Jahr— 
hunderts!) mehrfachen Veränderungen unterworfen. Der Oſthälfte der Nordſeite des 
aus ſauber bearbeiteten Granitquadern hergeſtellten älteſten, rechteckigen Oſtteils legt ſich 
ein ebenfalls aus Granitquadern errichteter, noch mit ſeinem urſprünglichen Geſims ver— 
ſehener, gleichaltriger Anbau vor, während die vor der Weſthälfte der Südſeite aus 
Backſtein erbaute jüngere Vorhalle viel— 
leicht erſt im 17. Jahrhundert errichtet 
wurde. An dieſen Oſtteil ſchließt ſich 
der etwas ſchmalere, im Grundriß an— 
nähernd quadratifche und, nach dem 
ſchlechten Findlingsmauerwerk zu ur— 
teilen, wahrſcheinlich erſt dem ſpäteſten 
Mittelalter angehörige Weſtteil. Der 
in der Achſe der Weſtfront ſitzende Back— 
ſteinturm mit ſeinem aus dem Quadrat 
in das Achteck übergeführten, zinkge— 
deckten Pyramidenhelm gehört ebenſo 
wie die gleichfalls aus Backſtein her— 
geſtellte Weſtfront des Langhauſes 
der Mitte des 19. Jahrhunderts an 
(Kirchenbuch). 

Abb. 22. Drenzig. Taufbecken in der Kirche. Von den älteſten Lichtöffnungen ſind 
nur noch drei ſchmale, ſpitzbogig ge— 
ſchloſſene Schlitzfenſter an der Oſtwand erhalten, außerdem gehört der untere Teil 


) 1794, 1. Febr. legte Landbaumeiſter Münchhoff einen neuen Anſchlag vor: „Die Kirche ut 
massiv und mit Ziegeldach, 40 F. lang, 27 F. tief, 22¼ F. hoch; der Turm aber 25 F. lang, 27 F. tief 
und der untere Kaſten 22 ¼ F. hoch und maſſiv; der zweite Kaſten oder Aufſatz aber it im Fachwerk 
erbauet, und mit Dielen verſchlagen, 28 F. hoch; der untere Teil des Daches iſt mit Ziegel, die Spitze 
aber mit Eichen Dachſpohn gedeckt.“ 

Am 20. November 1794 überreichte Münchhoff den mit dem Zimmermeiſter Johann Gottl. Schultze 
zu Reppen geſchloſſenen „Entrepreneur-Contract“ wegen Reparatur der Kirche und des Turmes. 

Im September 1804 war das Dach des Kirchturmes ſchon wieder ſchadhaft. Schultze aus Reppen 
leitete die Reparatur. Während des Reparaturbaues ſchlug der Blitz in den Turm. 

Am 4. Juli 1810 brach ein großes Feuer im Dorfe aus, bei dem auch die Kirche bis auf die 
maſſiven Umfaſſungsmauern zerſtört wurde. Nach einem Anſchlag des Landbaumeiſters Schmidt in Croſſen 
ſoll der Turm auf den Mauern der Vorhalle von Fachwerk 13 Fuß breit, 16 Fuß lang und 24 Fuß 
hoch, vom Kirchenhauptgeſims ab gerechnet, viermal verriegelt und mit einem gebrochenen pyramiden— 
foͤrmigen Dache verſehen werden, wobei die Außenwände mit Brettern verkleidet angenommen wurden, 


Drenzig. a 
eines vierten Chorfenſters auf der Südſeite dem Mittelalter an. In der urſprüng— 
lichen Geſtalt iſt auch die ſpitzbogige, einmal abgetreppte Verbindungstür zwiſchen 
Südvorhalle und Kircheninnern erhalten, während ſich der zweiſtöckige Nordvorbau 
mit der Loge im oberen Geſchoß heute in einem großen Bogen nach der Kirche zu öffnet. 

Der Kanzelaltar mit feinem von zwei Säulen getragenen Aufſatz wurde 1817 
von dem Tiſchler Grund in Sandow angefertigt (Regierungsarchiv zu Frankfurt); während 
nach einer Aufzeichnung im Kirchenbuch die Orgel ſowie die Emporeneinbauten auf 
drei Seiten des Schiffes anſcheinend dem Jahre 1856 angehören. Noch jünger ſind die 
Beleuchtungskörper. 

Erinnerungstafeln an die Kriegsjahre 1866 und 1870/71 hängen an den 
Wänden. 

Vorhanden ſind 
außerdem: ein meſ— 
ſingener Abend— 
mahlskelch, 25cm 
hoch, ein zinnerner 
Krankenkommu— 
nionskelch, 21cm 
hoch, eine Tauf— 
waſſerflaſche aus 
Zinn, 28 em hoch, 
und zwei barocke 
Altarleuchter aus 
demſelben Metall, 
15 cm hoch. Ferner 
befindet ſich noch 
in der Kirche eine Abb. 23. Drenzig. Bauernhaus. 
kupferne, verzinnte 
Taufſchüſſel von 40 cm Durchmeſſer (Abb. 22). In der Vertiefung erkennt man die 


das Dach endlich ſollte mit eichenen Schindeln gedeckt werden. Maurermeiſter Koppin aus Cüſtrin über— 
nahm die Ausführung. Während des Jahres 1813 ruhte der Bau; 1814 ſtarb Koppin, ohne den Bau 
vollendet zu haben. Im Oktober 1815 übernahmen Zimmermeiſter Samuel Schulze und Maurermeiſter 
Birkenhagen aus Reppen den Bau. Am 9. Juli 1816 war noch kein Anfang gemacht. Vom Juli bis 
Dezember 1816 unterſtand der Bau dem Regierungsrat Boumann; es leitete ihn Bau-Inſpektor Siedler. 
Am 18. Dezember 1818 konnte dieſer endlich der Regierung mitteilen, daß der Bau beendet, auch das Geläut 
(2 Glocken) zur Stelle geſchafft ſei. Der Pfarrer ſchenkte der Kirche ein paar meſſingne Kronleuchter. 

Am 26. Mai 1830 teilte der Pfarrer Eick in Drenzig der Königl. Regierung mit, „daß der fürchter— 
liche Orkan vom 25ſten den hölzernen Theil des Thurmes, welches der beträchtlichſte it, von der Mauer, 
worauf er geſtellt war, herabgeworfen hat. Glücklicher Weiſe iſt er neben der Kirche hingeſtürzt und hat 
nur einen kleinen Teil des Daches beſchädigt. Die zwey eiſernen Glocken ſtehen nun ganz frey, können 
zwar geläutet werden, indeß werden ſie doch für immer der Witterung nicht blosgeſtellt ſeyn dürfen. . . .“ 
Der Turm lag öſtlich neben der Kirche. Ein hölzerner Notturm wurde errichtet, der 1837 ſehr reperatur— 
bedürftig war. 


22 Weſlſlernberg. 


Darſtellung Simſons mit dem Löwen, während eine beigefügte, anſcheinend unvollendete 
Randumſchrift lautet: „Alfer... Bes. Heil Anf, 16. Jahrhundert. Ein roſaſeidenes 
Kommunionstuch trägt den Namen Wilhelm Heinrich Schefiſch und die Jahres— 
zahl 1834, ein zweites ebenſolches den Namen Johann Bloch. 

Zwei Glocken ſind im Turm übereinander aufgehängt. Die untere hat 0,95 m, 
die obere 0,78 m Durchmeſſer; beide wurden 1818 in der königlichen Eiſenhütte zu 


Peitz gegoſſen. 


Ein noch gut erhaltenes Bauernhaus (Abb. 23), mit der Hausnummer 41, das 
im Kataſter Band J, Blatt Nr. 24 eingetragen iſt und heute dem Eigentümer Wilhelm 
Pape gehört, zeigt eine auf fuͤnf Stützen ruhende Vorlaube und einen darüber errichteten 
mächtigen Fachwerkgiebel nach der Straßenſeite zu. Es dürfte ſeiner Bauzeit nach 
dem 18. Jahrhundert angehören. 


Droſſen. 


Drollen, Stadt; 5006 Einw., 4841 ha. 


Geſchichkliche Quellen. 

In Droſſen ſelbſt wurden die älteren ſtädtiſchen Archivalien bei dem großen Brande von 1596 
vernichtet; die Kirchenbücher im Pfarrarchiv reichen nur bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Die 
hauptſächlichſten Urkunden birgt daher das Geheime Staatsarchiv zu Berlin, ſo vom 17. VI. 1354, 
14. IV. 1364 (ſ. Urkunden „Lebus“, „Mark als Reichsland“) und die in Sonderheit die Stadt betreffenden 
Urkunden („Droſſen“, Nr. 1f.), deren älteſte vom 28. VIII. 1501 iſt; ferner kommen die Eurmärkifchen 
Kopiarbücher des 15. und 16. Jahrhunderts in Betracht (4. B. Rep. 78. 20/4, fol. 3: Belehnung der Gebrüder 
Lütkenheinrich mit dem Gericht; Rep. 78. 26, fol. 1: Privileg von 1519), die Johanniter-Kopiare (Prov. 
Broͤbg., Rep. 9, z. B. Nr. 1: Leibgeding für die Hausfrau des Richters von 1493), endlich die Dickmannſche 
Sammlung von Abſchriften nicht mehr in Urſchrift erhaltener Urkunden. Faſt die geſamten Urkunden aus 
dem 13. bis 16. Jahrhundert brachte Riedel im 19. und 20. Bde. ſeines Codex diplomaticus Branden- 
burgensis zum Abdruck (S. 132, 139 ff.); die allgemein die Mark betreffenden Urkunden, in denen Droſſen 
auch erwähnt wird, befinden ſich u. a. in der 2. Abteilung (8), II, 308, 465, 495 ff. 

Auch an Akten iſt das Geh. Staatsarchiv verhältnismäßig reich: 

Rep. 21. 44: 1566 betr. das Göritzer Bild, 1584 betr. das vom Markgrafen Hans entzogene 
Silber, 1644 Anweſenheit der Schweden. 

Rep. 78. III. D, Nr. 11: 1641, Gravamina Friderico Guilelmo exhibita. 

Rep. 92: Beckmanns Nachlaß, V. D, Nr. 15 (enthaltend die Kollektaneen der Frankfurter Pro— 
feſſoren aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts) und Wohlbrücks Nachlaß, Nr. 21. 

Chroniken. Über die Zeit vom Ausgang des 16. bis Ausgang des 17. Jahrhunderts berichten zeit— 
genöſſiſche, märkiſche Chroniſten: zuerſt der Frankfurter Jobſt (ſ. Teil „Stadt Frankfurt“ des „Verzeich— 
niſſes der Kunſtdenkmäler“, S. VII), dann Angelus und Haftiz (abgedr. im 1. Bd. der 4. Abteilung des 
Riedelſchen Codex diplomaticus, z. B. S. 328, 351), endlich die handſchriftlich vorliegende Marchia Illu- 
strata von 1680 des Droſſener Pfarrers Lockelius, im Geh. Staatsarchiv (Prov. Bröba., Rep. 16. J. o), 
ferner Holtzingers Aufzeichnungen von 1756 im Pfarrarchiv, heute im Stadtiſchen Muſeum. 

Literatur. 

Schon Bratring brachte im 3. Bd. ſeiner ſtatiſtiſch-topographiſchen Beſchreibung der Mark (1809, 

©. 61 f.) zuverläſſige Daten. Die Grundlagen zu einer wiſſenſchaftlichen Erforſchung der Geſchichte der 


Drenzig — Droſſen. 23 


Stadt legte Wohlbrück in ſeiner „Geſchichte des ehemaligen Bistums Lebus und des Landes dieſes Namens“ 
(3 Bde., Berlin, 1832): vgl. beſonders III, 411417, ferner II, 194, 200 u. a. a. O.); Wohlbrück benutzte 
des David Friedrich Schoenberg unvollendet gebliebene Chronik von der Stadt D. (Züllichau 1735), daneben 
auch Bruckmanns handſchriftl. Chronicon der Stadt Sonnenburg. Berghaus ergänzte in ſeinem „Land— 


buch der Mark“ (1856, 3. Bd., S. 242— 248) Bratring und Wohlbrück. 

Von neuerer Literatur ſei beſonders Knuths Stadtgeſchichte wegen ihrer das 17. bis 19. Jahr— 
hundert betreffenden Daten genannt (3. B. S. 70 f.: Die 1754 eingeriſſene Schule; S. 86 f.: Schrift in 
dem Turmknopf von 1782; S. 60: 1864, Schließung der Gertrudkirche); ferner die Geſchichten des Landes 
Sternberg von Wedekind (1853) und Freier (1892), endlich die anläßlich der Hohenzollernfeier am 
3. VIII. 1912 erſchienene Feſtſchrift. 

Siegel, Münzen. Die Huppſchen Kollektaneen im Geh. Staatsarchiv geben ein Bild von der 
Entwicklung des Stadtwappens (vgl. Urk. im Müncheberger Stadtarchiv, mit Siegel; 2. Bd. der Ver— 
miſchten Schriften des Vereins für Geſch. Berlins mit Siegel des Peter Brafow). 


Geſchichle. 


Die Vermutung liegt nahe, daß ſchon zur wendiſchen Zeit Siedlungen beſtanden: 
dafür ſpricht zuerſt die allgemeine Beſchaffenheit des Geländes, das feucht, fließ—, 
bach- und ſeenreich, daher für Fiſcherei gut geeignet war, ſodann beſonders das Vor— 
handenſein des Kietzes. Ob mehrere Kietze, ähnlich wie z. B. in Rathenow, beſtanden 
haben, bleibe dahingeſtellt. Jedenfalls iſt das Nebeneinander der flawiſchen Urſied— 
lung und der deutſchen Stadt eine in der ganzen Mark — ſo ſei an Cöpenick, Zoſſen 
erinnert — häufig wiederkehrende Erjcheinung. 

Die erſte Erwähnung der an einer vielbegangenen von Frankfurt über Zielenzig 
nach Meſeritz zu führenden Straße emporgewachſenen Stadt ſtammt aus der Zeit, wo 
die Erzbifchöfe von Magdeburg und die Askanier im Wetteifer über die Oder hinaus 
vordrangen. Damals, 1252, ſicherte Erzbiſchof Wilbrand einer Magdeburger Urkunde 
zufolge dem Lebuſer Biſchof Wilhelm zu, daß ihm alle ſeine von altersher zu— 
ſtehenden Beſitzungen verbleiben ſollten, nämlich der Marktort (civitas forensis) 
Osna mit dem Zubehör (cum attinenciis suis) Boriza und Bolescoviz. Die 
noch in der Interdiktsurkunde von 1350 „Osna“ genannte Stadt, die 1369 — in— 
folge der Verſchmelzung mit dem deutſchen Artikel „der“? — in der Namensform 
Droſin und um 1375, laut Landbuch Karls IV., als civitas Drossen erſcheint, hatte 
dem Markgrafen, der fie kraft des zu Croſſen 1354 gefchloffenen Vergleichs als Lehn vom 
Biſchof beſaß, 24 Mark Silber „Orbete“ zu entrichten, d. h. noch mehr als Spandau. 
Im Jahre 1401 wurde jegliche Lehnverbindung mit dem Biſchof dadurch gelöſt, daß 
dieſer zugunſten des Markgrafen Jobſt auf alle Anrechte an „Droſſin“ verzichtete und 
dafür drei Dörfer, Friedrichsdorf, Steinhöfel und Tucheband, eintauſchte; ſchon feit 
dem 14. Jahrhundert führte die civitas Drossen den nach links blickenden märfifchen 
Adler im Wappen. 

Die Stadt hatte ſich inzwiſchen kräftig entwickelt, zumal auch Markgraf Ludwig 
1352 verheißen hatte, Ratmannen und Gemeinde in ihren Rechten zu ſchützen. 1393 
ſchloß ſich „Drotzen“ dem Bündnis der mittelmärkiſchen Städte gegen die Friedebrecher 
an und verſprach, „dry Wepener und twe Schütten“ — ebenſoviel wie Köln — zu 
ſtellen. Für die Pfarrkirche wurden Stiftungen gemacht, jo 1350 ein Petersaltar. 


24 Weſtſternberg. 


Unter den Zollern, denen die Bürger am 23. Juli 1442 feierlich huldigten, erwarb 
die Stadt 1458 das anſehnliche Dorf Grunow von Ywan Slaberndorf, und auch 
Pollenzig gehörte ihr ſchon 1461, dem Schoßregiſter des Landes Sternberg im 
Geheimen Staatsarchiv zufolge. Viele Bürger betrieben von altersher das Bier— 
brauen; nachdem Markgraf Hans am 24. März 1542 feſtgeſetzt, daß im Lande Stern— 
berg nur Droſſener Bier zu ſchenken ſei, wurde die Zahl der jährlichen „Brauen“ 
auf 857 beziffert. Gilden hatten ſich gebildet, ſo die 1483 privilegierten lanitices 
und pannicidae (Weber und Tuchſchneider). Als Entſchädigung für einen Brand— 
ſchaden erhielt Droſſen 1519 vom Kurfürſten ein Privileg zur Abhaltung von 
Jahrmärkten. Häufig wechſelten die Perſönlichkeiten, die die Einnahmen aus dem 
Gericht bezogen: um die Mitte des 14. Jahrhunderts war es Heinrich v. Meydeburg, 
1501 Peter Brackow, der am 28. Auguſt laut Urkunde im Geheimen Staatsarchiv 
dem Werner v. d. Schulenburg auf Locknitz eine jährliche Rente von 10 Schock 
Groſchen für 800 Gulden verkaufte. Der „Stadthof“ diente in alten Zeiten zur 
Abhaltung des Gerichts. Wie angeſehen Droſſens Stellung im Lande Sternberg 
war, geht auch daraus hervor, daß Kurfürſt Joachim J. und König Sigismund von 
Polen bei Abſchluß eines Vertrags wegen der Landbeſchädiger 1514 feſtſetzten, die 
Grenzgerichte ſollten alljährlich zu Droſſen und zu Meſeritz zuſammentreten. 

Vielfach hatten die Bürger äußeren Gefahren mannhaft widerſtanden. 1432 
lagerten vor ihren Lehmwällen die huſſitiſchen Ketzer; 1477 ward der Feind des 
Kurfürſten Albrecht Achilles, Hans von Sagan, durch die vom Oberſten Kuhmeiſe 
befehligten Städter zurückgetrieben, und zwar wie Chroniſten des 16. Jahrhunderts, 
Jobſt, Haftiz, Angelus, berichten, mit heißem Brei. 

Die Reformation wurde ſchon 1538 — alſo früher als z. B. in Frankfurt — 
durch den eifrigen Prediger Johannes Mangold unter dem Schutz des entſchieden 
lutheriſchen Hans von Cüſtrin damit begonnen, daß „viele abgöttiſchen Bilder“ ab— 
geſchafft und alle Altärchen, wie der gut unterrichtete Ortspfarrer Löckel in feiner 
Marchia Illustrata um 1680 berichtet, abgeriſſen wurden. Viel Kirchenſilber ließ 
Markgraf Hans nach Cüſtrin ſchaffen, und 1584 richtete der Rat an den Kurfürſten 
Johann Georg vergebens die Bitte um Wiedererſtattung. 

Unter Kurfürſt Johann Georg wütete 1585, wie der Chroniſt Angelus erzählt, 
die Peſt, und 11 Jahre darauf wurde durch ein ſchnelles, den Hiſtoriſchen Schulnach— 
richten des Diakonus Holtzinger zufolge in der Hintergaſſe entſtandenes Feuer „die 
gantze Stadt, aufgenommen 17 Häuſer, darunter nur zwey Brauerben geweſen, auß— 
gebrand“. Beſondere Schrecken hatte der Dreißigjährige Krieg im Gefolge, in deſſen 
erſten Jahren hier in Droſſen, von jeher der einzigen Münzſtätte im Lande Stern— 
berg, Kipper- und Wippermünzen mit einem Adler und dem Buchſtaben D geprägt 
wurden. 1626 ließ der kaiſerliche General Porkus den Bürgermeiſter Myler, um 
ihm Lieferungen aus feiner Stadt abzupreſſen, 1 Wochen einſperren. Dann kam die 
Zeit, wo um 1630 die Schweden und die Kaiſerlichen an der mittleren Oder gegen— 
einander Krieg führten. Dazu brach die Peſt aus, die dem Bürgermeiſter Beil 1638 
innerhalb 14 Tagen Frau und 6 Kinder raubte. Kaum war der Weſtfäliſche Friede 


Droſſen. 25 


geſchloſſen, da brachen die Polen unter barbariſchen Verwüſtungen 1655 bis 1657 
ein. Verhältnismäßig glimpflich kam die Stadt bei der „Schwediſchen Invaſion“ 
von 1674 und 1675 fort. Sie machte den Verſuch, ſich zur Wehr zu ſetzen, ließ 
Tore und Mauern ausbeſſern, „die Zugbrücke repariren“. Doch dieſer letzte Verſuch, 
ſich ihrer Befeſtigungen zu bedienen, war von keinem Erfolg gekrönt. Generalmajor 
Gieſe rückte, allen Widerſtand brechend, „mit 4 Compagnien Reutern“ und ebenſoviel 
Dragonern ein. 1759 ließ man Kontributionen, — die ruſſiſchen Offiziere meinten, 
Droſſen müſſe als Hauptſtadt des Landes ſehr reich fein —, ſowie alle Art von Miß— 
handlungen ſeitens der Ruſſen über ſich ergehen, ebenſowenig wie man 1806 an eine 
Verteidigung gegen die Franzoſen denken konnte. Dadurch, daß 1815 die Provinz Poſen 
dauernd mit Preußen vereinigt wurde, kamen für Droſſen die Gefahren, die aus ſeiner 
nach Oſten hin ſo ungedeckten Lage bis dahin vielfach erwachſen waren, in Fortfall. 

Die innere Entwicklung der Stadt ſtockte vom 16. Jahrhundert an. Hemmend 
wirkten die allzugroße Nähe der Univerſitätsſtadt Frankfurt, deren Meſſen zudem den 
Handelsverkehr der Städte der Umgegend ziemlich lahm legten, ferner das Aufſtreben 
Cüſtrins, das als Feſtung und dann als Sitz der neumärkiſchen Verwaltungsbehörden 
im 17. und 18. Jahrhundert ſich kräftig entwickelte. Eingeſchnürt zwiſchen dieſen 
beiden Städten konnte ſich Droſſen mit ſeinen kaum 400 Bürgern nur mit Mühe als 
alter Hauptort des Landes Sternberg behaupten; die Tuchmacherei war zum Glück 
noch im Schwunge geblieben, und 1800 wurden von 548 Arbeitern auf 157 Stühlen 
für rund 45000 Reichstaler Waren hergeſtellt; daneben waren Brauerei — der „Krug— 
verlag“ erſtreckte ſich auf 50 Krüge — und Ackerbau Hauptnahrungszweige. Damals 
wohnten 2300 Einwohner in 413 Häuſern, während 1750 nur knapp 2000 Menſchen 
gezählt wurden. 

Noch um 1780 hatte Büſching in ſeiner „Erdbeſchreibung“ (VIII, 575) die 
„gute Nahrung“ der „ziemlich gut gebauten“ Stadt gerühmt, doch nach 1815 ſank 
der Wohlſtand, da Rußland ſich durch Aufrichtung von Zollſchranken gegen die 
Droſſener Tuche abſperrte und der Krugverlag in Wegfall kam; der Betrieb des 
Ackerbaus war bei dem zumeiſt ſandigen Charakter der Feldmark nicht lohnend. 
Trotzdem ſtieg die Bewohnerzahl bis 1850 auf 4632 Seelen; nur die Hälfte der Wohn— 
häuſer war damals maſſiv gebaut. Für die „in dürftiger Lage“ befindliche Stadt 
erwies ſich im September 1852 die Verlegung der landrätlichen Behörde für das 
ganze Land Sternberg von Zielenzig nach hier als förderlich, ferner die Errichtung 
eines Lehrerſeminars 1862 bis 1864. 

Wenn freilich auch das Landratsamt für den ſeit 1873 neugebildeten Kreis 
Weſtſternberg 1904 nach Reppen, das ſich beſſerer Bahnverbindung erfreute, verlegt 
wurde, ſo haben ſich doch in jüngſter Zeit neue Grundlagen gebildet, auf denen die 
Bürgerſchaft aufbauen kann. Neben verſchiedenen Möbelfabriken, neben der Brikett— 
fabrik des Braunkohlenwerks Borufjia bedeutet vornehmlich die Maiblumenkultur viel 
für das wirtſchaftliche Leben der Stadt, denn der teils aus Moor, teils aus Sand 
beſtehende Boden erwies ſich ſo günſtig, daß 100 Morgen mit den Blumen beſtellt 
werden können und alljährlich viele Millionen Keime bis weit in das Ausland hin 


26 Weititernberg. 


ausgeführt werden. Auch die rund 1168 ha große Stadtforſt ift eine beträchtliche 
Einnahmequelle für dieſe wurzelechte, behäbige märfifche Kleinſtadt, deren Bewohnerzahl 
freilich in den letzten Jahrzehnten ziemlich unverändert geblieben iſt. Ahnlich wie in 
Perleberg, der alten Prignitzhauptſtadt, hängt man hier zäh an dem Althergebrachten; 
hier wie dort führt der Hauptſchienenſtrang in einiger Entfernung vorbei. 


Denkmäler. 


Quellen für den kunjfgejchichklichen Teil. 
J. Archivalien. 

a) Regierungsarchiv zu Frankfurt g. O.: Matrikel- und Indagandaakten; Kirchenviſitations— 
protokolle; Bauakten. b) Droſſener Muſeum: Die handſchriftliche Chronik des Diakonus Holtzinger 
aus dem Jahre 1756.) 

II. Literatur. 

D. F. Schoenberg, Chronik der Stadt Droſſen, Fragment 1735. 

Ed. Lud. Wedekind, Sternbergiſche Kreis-Chronik. Zielenzig 1853. 

W. Riehl und J. Scheu, Berlin und die Mark Brandenburg. Berlin 1861. 

A. F. Knuth, Chronik der Stadt Droſſen. Droſſen 1885. 

A. Petri, Kurze Geſchichte der St. Jakobikirche zu Droſſen. Droſſen 1888. 

W. Freier, Urkundliche Geſchichte des Landes Sternberg. Zielenzig 1892. 


Anlage und Befeſligung der Stadt. 

Droſſen (Tafel 3) gehört zu jenen Städten der Provinz, deren urſprüngliche Anlage 
namentlich aus der im Jahre 1725 angefertigten Euchlerſchen Aufnahme (Tafel 2) unſchwer 
zu entnehmen iſt. Wenn auch keine urkundlichen Belege dafür vorgebracht werden können, 
daß bei der engeren Stadt, ähnlich wie z. B. bei Frankfurt, zwiſchen einer älteren 
Marktſiedelung und der im Anſchluß daran nach einem wohldurchdachten Plane vor— 
genommenen Gründung unterſchieden werden muß, jo wird man doch mit Rückſicht 
auf die noch übliche Bezeichnung „alter“ und „neuer Markt“ die Annahme nicht ohne 


) Der genaue Titel lautet: 


Allerley 
Die 
Stadt Droſſen 
Die Kirche, das MINISTERIUM, die 
Die Stadt und Land Physicos, die Schule, die PRAE- 
CEPTORES SchOLAE, und andere Dinge betreffende DOCUMEN- 
TA, OBSERVATIioNES, Merckwürdigkeiten und Nachrichten, welche 
denen Nachkommen zum beſten zuſamlen angefangen 
Samuel Holtzinger, DIACONUS und RECTOR 
SCHOLZE DROsnenfis, mit dem billigen Verlangen, daß die 
RECTORES SCHOL-E DROSSNENSIS dieſe angefangene OBSER- 
VATIONES gütigſt CONTINUIREN mögen, wie denn diefe Nachrichten 
bey der angefangenen SchulBIBLIOTHEC gar beqvem ver— 
wahrlich CON SERVIRET werden können, 
Tomus J 


nebſt einem am Ende befindlichen Regiſter 


A. C. 1756. 


Weſtſternberg. 


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& 
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2 
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8 
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49 


Droffen. 


Weſtſternberg. 


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Tafel 3. 


Anſicht nach Merian. 


Droſſen. 


1 
—1 


Droſſen. 


Abb. 24. Droſſen. Mauer mit Weichhausreſt. 


weiteres von der Hand weiſen konnen, daß die heutige Stadt aus einer Doppelanlage 
herausgewachſen iſt. Die Berechtigung dieſer Vermutung gewinnt noch mehr an 


28 


Weſtſlernberg. 


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Abb. 25. Droſſen. 


Mauerturm. 


Droſſen. 29 


Wahrſcheinlichkeit durch die Tatſache, daß noch jetzt trotz der häufigen Brände die 
füdöftliche Hälfte mit dem neuen Markt in der Anlage ihres Straßennetzes größere 
Regelmäßigkeit aufzuweiſen hat als der nordöſtliche Stadtteil. Im Bereich des 
jüngeren Stadtgebietes liegt die Hauptkirche und wie bei anderen etwa gleichzeitigen 
Gründungen, z. B. bei Müncheberg, das Hauptgebäude für die ſtädtiſche Verwaltung, 
das Rathaus. Wenn demnach 
auch frühzeitig der Schwer— 
punkt des ſtädtiſchen Lebens 
auf die jüngere Gründung 
verlegt worden ſein dürfte, ſo 
blieb doch der Charakter der 
rechtlichen Einheit dadurch ge— 
wiſſermaßen gewahrt, daß beide 
Teile zu ihrem Schutze mit 
einer gemeinſamen Befeſtigung 
umgeben wurden. Dazu ſei 
noch bemerkt, daß auch ſchon 
Schönberg in ſeiner im Jahre 
1735 leider nur als Bruchſtück 
gedruckten Chronik berichtet, 
daß Droſſen anfangs nur ein 
Flecken von wenig Feuerſtellen 
war und eine „leimerne“ (aus 
Lehm) Mauer hatte, die dann 
nach dem Überfall des Hans 
von Sagan im Jahre 1477 erſt 
mit Hilfe des „Heermeiſters“ 
und des Landvolkes allmählich 
maſſiv ausgebaut worden ſein 
ſoll. Der Verlauf des Mauer— 
zuges iſt noch vollſtändig er— 
halten. Er umfaßt bei einer Abb. 26. Droſſen. Mauerturm. 
Länge von 1,35 km mit insge— 
ſamt vierzehn Türmen und Weichhäuſern eine bebaute Grundfläche von etwa 135000 qm 
unter Ausſchluß von Kirche und Rathaus, ſo daß der alte Kern der Stadt mit ſeinen 
330 Feuerſtellen annähernd ſo groß iſt, wie der anderer im 13. Jahrhundert ebenfalls 
emporgewachſener und damals ungefähr gleichbedeutender Städte, z. B. Fürſtenwalde. 
Die durchſchnittlich 0,80 m ſtarke Stadtmauer (Abb. 20 beſteht wie auch bei 
anderen märkiſchen Städten, z. B. bei Jüterbog, überwiegend aus Feldſtein. Ahnlich 
ſind bei entſprechend größerer Mauerſtärke die runden zum größten Teil aus Back— 
ſtein errichteten Verteidigungstürme (Abb. 25 und 26) und die im Grundriß recht— 
eckigen Weichhäuſer aufgeführt. Während aber dieſe an den Schmalſeiten ſpitzbogige 


30 Weſtſternberg. 


Blendniſchengliederung zeigen und, wie man an den noch erhaltenen Giebeln wahrnehmen 
kann, von ſteilen Satteldächern abgedeckt waren, ſind jene ähnlich wie die runden 
Mauertürme von Müncheberg oder Fürſtenwalde mit maſſiven Kegelſpitzen und um— 
laufenden z. T. noch mit Zinnen geſchmückten Kränzen verſehen. 

Zwei Haupttore, die heute leider nur noch an den Mauerdurchbrüchen erkennt— 
lich ſind, fuͤhrten einſt nach dem Stadtinnern; im Südoſten lag das Zielenziger Tor, 
während nordoſtwärts die jetzige Poſtſtraße, einſt Fiſchgaſſe genannt, auf das Frank— 
furter Tor mündete; außerdem befand ſich im Südweſten eine kleinere Pforte, das 
ſogenannte Werdertor, zu dem erſt ſpäter, wie ſchon der Name andeutet, nordoſtwärts 
das Neue Tor hinzukam. Die beiden Durchbrüche beim Stadthof und beim Schützen— 
haus gehören der allerneueſten Zeit an. 

Während, abgeſehen von den an dem Mauergürtel entlang führenden Gaſſen, 
mehr oder weniger ſich rechtwinklig kreuzende Straßen den Kern der Stadt in einzelne 
rechteckige Häuſerinſeln zerlegen, wobei zwiſchen eigentlichen Haupt- und Nebenſtraßen 
kaum ein merklicher Unterſchied gemacht wird, iſt auch hier die auffallende Tatſache 
anzuführen, daß keine unmittelbare Verbindungsſtraße zwiſchen den beiden Haupttoren 
beſteht. Ahnlich wie bei Fürſtenwalde oder Frankfurt muß vielmehr auch bei Droſſen 
das zweite Tor wahrſcheinlich ebenfalls aus verteidigungstechniſchen Gründen über eine 
Quer- und eine Parallelſtraße erreicht werden. 

Wenn auch für das frühzeitige Vorhandenſein der Zielenziger Vorſtadt im Süd— 
oſten und der Frankfurter Vorſtadt im Nordweſten ein urkundlicher Nachweis nicht 
erbracht werden kann, ſo dürften doch auch hier wie anderwärts die Siedelungen 
vor den entſprechenden Stadttoren bis in die Vorzeit der Koloniſation zurückgehen. 
Am wahrſcheinlichſten iſt dies bei der Frankfurter Vorſtadt, deren Kietzer Straße mit 
Sicherheit auf eine ehemals wendiſche Fiſcherniederlaſſung ſchließen läßt. 

Was die Bauart der Häuſer innerhalb des Mauerrings und in den Vorſtädten 
betrifft (vgl. auch S. 69 ff.), fo beſteht die Mehrzahl ſelbſt heute noch aus Ziegelfach— 
werk. Während jedoch im Laufe der Zeit wegen der Feuersgefahr ſämtliche Häuſer 
Ziegeldeckung erhalten haben, zählte man noch vor hundert Jahren zweiundachtzig 
Häuſer mit Strohdächern. 

Endlich hatte durch die gleiche Verordnung, die ſpäter der Große Kurfürſt und 
dann Friedrich Wilhelm J. für andere Städte erließ, ſchon 1548 Markgraf Johann 
für Droſſen beſtimmt, daß ſämtliche Scheunen der Ackerbürger zur Verminderung der 
Feuersgefahr aus der Stadt hinaus verlegt werden mußten. 


Golleshäuſer und Hoſpitäler. 

In vorreformatoriſcher Zeit gehörten zu Droſſen, wie man mit Beſtimmtheit 
annehmen darf, außer der innerhalb des Mauerringes gelegenen Hauptkirche noch zwei 
Hoſpitäler vor den Toren der Stadt mit den dazu gehörigen Gotteshäuſern. Von dieſen 
Kirchen, ſowie von den beiden Hoſpitälern zu St. Gertraud und St. Georg ſind, abgeſehen 
von nur ſpärlichen älteren urkundlichen Nachrichten über das erſtgenannte, dem 
hl. Jakobus geweihte Gotteshaus, keine bemerkenswerten ſchriftlichen Aufzeichnungen 


Droſſen. 31 


aus dem Mittelalter überliefert. Dennoch iſt es unzweifelhaft, daß auch jene gemein— 
nützigen Stiftungen bis in die früheſte geſchichtliche Zeit Droſſens zurückgehen. Während 
ſich aber die Jakobi- und die Gertraudenkirche, wenn auch nicht mehr in ihrer urſprüng— 
lichen Geſtalt, ſo doch trotz mannigfacher Umbauten in mittelalterlichem Kleid bis in 
unſere Tage herübergerettet haben, iſt von den anderen noch angeführten Gebäuden 
das St. Gertraudhoſpital, nachdem es anſcheinend im Dreißigjährigen Krieg zer— 
ſtört worden war, eingegangen. Auf der wüſten Stelle wurde im Jahre 1729 das 
vom „Landreuter“ Mauke geſtiftete Waiſenhaus erbaut, das aber nie zu dieſem Zwecke 
benutzt, ſondern ſtets vermietet wurde. Das St. Georgenhoſpital dagegen, von 
dem uns nur überliefert wird, daß es im Jahre 1565 noch durch Erkenntnis des 
Konſiſtoriums eine Hufe Landes zugeſprochen erhielt, wurde zwei Jahre nach dem 
großen Brande von 1829 an ſeiner jetzigen Stelle in der Kirchſtraße wieder aufgebaut 
und dient heute alten bedürftigen Frauen als letzte Unterkunftsſtätte.) Wechſelvoll 
geſtaltete ſich auch das Schickſal der zugehörigen Kirche und ihres Begräbnisplatzes, 
nachdem beide bei Aufhebung der Selbſtändigkeit und Einverleibung der Vorſtadt— 
gemeinden in Beſitz der Stadt übergegangen waren. Im Jahre 1768 erſt neu auf— 
gebaut, wurde die Kirche im Jahre 1809 von der Stadt käuflich erworben und zu einem 
Spritzenhaus beſtimmt, während man den zugehörigen Kirchhof in einen öffentlichen 
Lagerplatz umwandelte. Vorübergehend dann Privatbeſitz, kaufte die Stadt Platz und 
Kirche zurück, um das Grundſtück 1884 zu Bebauungszwecken zu veräußern, worauf 
dann im gleichen Jahre die Kirche niedergelegt wurde. 

Von einem dritten Gotteshaus, der ſpäteren reformierten Kirche, iſt es heute 
nicht mehr einwandfrei feſtzuſtellen, ob es ebenfalls noch dem Mittelalter angehörte 
oder als Erſatz für die im 16. Jahrhundert vielleicht baufällig gewordene benachbarte 
Georgenkirche errichtet wurde. Sein Schickſal geſtaltete ſich nicht weniger wechſelvoll. 
Im 17. Jahrhundert zum Schütthaus für das Getreide der Landedelleute während der 
Kriegszeiten beſtimmt, wurde es, als ruhigere Zeiten gekommen waren, zu einem 
Salzhaus gemacht, bis es dann Friedrich J. ſeiner urſprünglichen Beſtimmung zu— 
führte, indem er es den Reformierten zum Gotteshaus überwies. Gleichzeitig be— 
willigte er 100 Taler als Beihilfe für die Reparatur der Kirche, die am 29. Juli 1703 

) Die Droſſener Matrikel vom 22. September 1693 (Regierungsarchiv zu Frankfurt) meldet von 
den Hoſpitälern wie folgt: 

„Vor alten zeiten ſeint zu Droßen zwey Hospitalien geweſen, daß erſte zu St: Gertraut, hat geſtanden 
Vor dem Franckfurter thore gegen der Kirchen zu St: Gertraut über, zur lincken handt im hinnausgehen 
zwiſchen Hank Wolborgs undt Hanß Thiemens häufern ein, dieſes iſt gantz eingegangen, doch wirdt noch 
die wüſte ſtelle undt garthen gefunden und vermiethet. 

Daß ander Hospital, genant zu St: Georgij, liegt in der Stadt hart am Zielentziger Thore gegen 
St: Georgij Kirche über, iſt ein ziemliches Gebäude undt hat forne daß erſte geſchoß hoch, eine gantz 
ſteinerne Mauer, auf den ſeiten aber undt in dem andern geſchoße iſt es mit Holtz undt Lehm aufgeführet, 
undt ſeint darein zwey ſtuben undt Kammern. 

Hinter dem Hauſe iſt ein groſſer Hof undt darin ein guter brunn. 

Dieſes Hospital hat eine eigene Landthufe, fo Ao. 1565 wegen Verpflegung eines im Kopfe irrigen 
Menſchen George Großwendts dem Hospital per Sententiam Conſistorii zuerkandt worden, undt jahrlich 
12 Thllr Miethe giebt.“ 


39 Weſlſternberg. 


neu eingeweiht wurde. Der Brand vom Jahre 1829 vernichtete auch dieſes Gotteshaus 
vollſtändig, worauf das 1706 erbaute zugehörige Predigerhaus nach der Union im Jahre 
1834 dem Frühprediger an der Jakobikirche als Amtswohnung überwieſen wurde. “) 

Zum Schluß ſeien hier noch der Betſaal der katholiſchen Gemeinde?) in der Langen 
Straße ſowie die nach dem Brande vom Jahre 1829 erſt 1850 am Eingang in die 
Hinterſtraße wieder aufgebaute Synagoge kurz angeführt. Auf dieſe beiden noch 
vorhandenen Bauten ſoll nicht näher eingegangen werden, da ſie in ihrer Architektur 
zu anſpruchslos ſind. Erwähnt ſei nur, daß ſich im Beſitz der katholiſchen Gemeinde 
verſchiedene Kunſtgegenſtände aus der Barockzeit befinden, darunter ein Holzleuchter, 
drei ziemlich handwerksmäßige Gemälde, eine kleine, jetzt leider braun überſtrichene 
Orgel und vor allem das trefflich geſchnitzte und vielfarbig bemalte Modell eines 
Hochaltars (Tafel 4), der auf einer Sockelplatte von 1,23 m Länge ruht. Über die 
Herkunft dieſer Gegenſtände konnte nichts näheres ermittelt werden. 


Die Sk. Jahobihirche. 
Baugeſchichte. 


Die St. Jakobikirche wurde laut Aufzeichnungen im Turmknopf im Jahre 1298, 
alſo wahrſcheinlich bald nach der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgten 
Neuſiedelung „fundiert“.“) Ein Hinweis auf die Erbauung des ſogenannten Peters— 

) Im Anſchluß an die Erwähnung der reformierten Kirche ſei zum Aufenthalt Schleiermachers 
in Droſſen aus ſeiner Selbſtbiographie und ſeinen Briefen Nachſtehendes kurz angeführt. In erſterer — 
vom Jahre 1794 — heißt es: „Nach ... Beendigung [einer akademiſchen Studien] hielt ich mich bei 
meinem . . . Oheim Stubenrauch auf, welcher unterdeß feine Profeſſur [in Halle] mit der Predigerſtelle 
[an der reformierten Kirche] zu Droſſen in der Neumark vertauſcht hatte, ein einſames Jahr [vom April 1789 
bis Mai 1790), welches ich in dem ſchätzbaren Genuß feines Umganges mit dem Beſtreben zubrachte, den 
fragmentariſchen Kenntniſſen, die ich in den theologiſchen Wiſſenſchaften erworben hatte, hie und da eine 
Ergänzung und überhaupt mehr inneren Zuſammenhang zu geben ...“ Von Droſſen aus ſchrieb er am 
23. Dezember 1789 an ſeinen Vater: „Überhaupt ſind wir hier an einem kleineren Ort in Abſicht auf 
das Neueſte in der Literatur ebenfalls ſehr zurück, und die Nähe von Frankfurt, welches in dieſer Abſicht 
in einem ſchlechten, gar nicht univerſitätsmäßigen Zuſtand iſt, verſchafft uns bei weitem nicht jo viel 
Vorteile, als man denken ſollte . ..“ — Vom 17. Juni bis 24. September 1793 weilte Schleiermacher 
noch einmal in Droſſen, allerdings wurde dieſer Aufenthalt im Auguſt durch eine vierwöchentliche Reiſe 
nach Berlin unterbrochen. Am 22. September, dem 17. Sonntage nach Trinitatis, predigte er an Stelle 
des Onkels in Droſſen. Am 24. September begab er ſich dann wieder nach Berlin, wo er in Gedikes 
Seminar eintrat. Da auch Stubenrauch ſpäter Droſſen verließ, um ein Pfarramt in Landsberg a. W. zu 
übernehmen, dürfte auch Schleiermacher nicht wieder nach Droſſen gekommen fein. — (Vgl „Aus Schleier— 
machers Leben“. In Briefen [anonym erſchienen; aber herausgegeben von L. Jonas und Wilh. Dilthey! 
1. Bd. Berlin 1860, S. 12 f.; 97 f.). 

Am 16. Mai 1854 kauften die Katholiken in Droſſen vom Nagelſchmiedmeiſter Kipferling ein 
Haus in der Herrenſtraße Nr. 247 (Grundbuch vol. T, fol. 366). Im Seitengebäude errichtete man 1857 
einen Betſgal (ein Oratorium). 1894 wurde die katholiſche Parochie von Droſſen nach Zielenzig verlegt 
(ogl. Akten im Negierungsarchiv zu Frankfurt). 

) Pgl. auch Samuel Holtzinger, S. 31. 


Tafel 4. 


Weſtſternberg. 


Droſſen. 


der katholiſchen Gemeinde. 


eſitz 


2 


ochaltars im 


7 
— 


Modell eines 


Droſſen. 33 


altars findet ſich in der Schenkungsurkunde des Markgrafen Ludwig vom 1. Januar 
13500; ſonſt find im Gegenſatz zu der Geſchichte anderer Gotteshäuſer der Provinz, 
wie z. B. der Kirchen zu Frankfurt, bei der Jakobikirche die ſo häufigen urkundlichen 
Nachrichten von kirchlichen Stiftungen aus der Zeit vor der Reformation ſeltener— 
Baugeſchichtlich erwähnenswert iſt eine Aufzeichnung bei Beckmann zum Jahre 15325) 
nach der im genannten Jahre das Gewölbe bei der Orgel eingefallen und hernach von 
einem Mönche aus Frankfurt“) wieder erbaut worden ſei. Sechs Jahre ſpäter hielt der 
Prediger Mangold den erſten lutheriſchen Gottesdienſt in der Jakobikirche ab, worauf 
die erregte Menge im erſten Glaubenseifer ſämtliche Nebenaltäre niederriß und aus der 
Kirche entfernte. Dazu kommt ferner noch, daß ſich bald auch Markgraf Johann, ähnlich 
wie dies ſein Bruder Joachim unter anderem bei der Marienkirche zu Frankfurt 
getan hatte, alle ſilbernen Kreuze, Monſtranzen, Marienbilder u. dgl. m. im Werte 
von 42 Pfd. und 12 Lot aneignete und den ganzen Kirchenſchatz im Jahre 1542 nach 
Cüſtrin bringen ließ. Das Patronat der dem evangeliſchen Gottesdienſt überwieſenen 
Kirche war auf den ſtädtiſchen Rat übergegangen, der dann auch ſpäter bei dem 
Kurfürften Johann Georg die Rückgabe der Kleinodien, jedoch anſcheinend erfolglos, 
beantragte. Dieſen Eingriffen in den vorreformatoriſchen Beſitz und Beſtand der 
Kirche ſtehen aber auch nicht unweſentliche Neuſchöpfungen gegenüber, die jedoch über— 
wiegend veranlaßt wurden durch eine große Anzahl ſeit der Mitte des 16. Jahrhunderts 
auffallend häufig wiederkehrender Brände. So begann man, nachdem im Jahre 1538 
ein Blitz mit dem Turm auch das Geläute zerſtört hatte, ein Jahr ſpäter mit dem 
Wiederaufbau, dem Zeitgeſchmack entſprechend „auf italieniſche Art“, deckte die Spitze 
mit Kupfer und beendete die Arbeit, nachdem auch neue Glocken beſchafft waren, erſt 
im Jahre 1550. Auch ein am 12. Mai 1596 ausgekommener Brand hat nicht unbe— 
deutenden Schaden an der Kirche verurſacht, ſo daß ein abermaliger Umbau des 
Turmes, der nach 12 Jahren erſt fertiggeſtellt wurde, ſowie der Neubau des von 
dem Frankfurter „Mönch“ errichteten Gewölbes erforderlich war.) Bei Beckmann wird 
nach einer zu ſeiner Zeit noch erhaltenen, nahe bei der Orgel auf das Gewölbe auf— 
gemalten Inſchrift als Leiter dieſer Inſtandſetzungsarbeiten Meiſter Greger Suchel von 
„Lübraß“ ) genannt. Im Jahre 1600 war der reichgeſchmückte Taufſtein beſchafft worden. 
Dem Jahre 1619 gehört die Kanzel an und endlich weiſt heute noch der prächtige 
Altaraufbau inſchriftlich durch die Zahl 1627 auf das Jahr ſeiner Vollendung hin, ſo 
daß dieſe Tatſachen gewiſſermaßen einen Beweis bilden für den hohen kirchlichen Sinn, 
der gerade während der ſchweren Kriegsjahre die Bevölkerung beſeelte. Auf dieſe 
ſchweren Zeiten wies auch eine bei Beckmann bezw. von Holtzinger erwähnte lateiniſche 
Inſchrift hin, die ſich an dem gleichzeitig mit der Kanzel erbauten, ehemaligen 


) Vgl. Riedel Codex XIX, S. 132 

) Vgl. Beckmanns Nachlaß im Geh. Staatsarchiv, Rep. 92, V. D, Nr. 15. 

) Unzweifelhaft kommen hier die Frankfurter Franziskaner, ja vielleicht gar Andreas Lange, der 
Baumeiſter der Frankfurter Unterkirche in Frage. Vgl. Kunſtdenkmäler, Stadt Frankfurt, S. XIII u. 15, 16. 

) Vgl. auch die Erinnerungstafel an dieſe Bauzeit auf dem heutigen Bibliothekchor der Kirche S. 52). 

Vgl. auch Holtzinger im ſtadtiſchen Muſeum zu Droſſen S 31. 


Kunſtdenkm. d. Prod. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. 3 


34 Weſlſlernberg. 


Schülerchor befunden haben ſoll. Vielleicht wird die Notwendigkeit ſo weitgehender 
Erneuerungsarbeiten durch die Mitteilung von einem im Jahre 1623 abermals durch 
einen Blitz erfolgten Brand gerechtfertigt. Am 5. April 1674 zerſtörte erneut ein 
Blitzſchlag den oberen Turmteil, deſſen Inſtandſetzung von Meiſter Tobias Herrmann am 
14. Auguſt 1684 beendet wurde. Auf eine weitere Kataſtrophe und die dadurch bedingten 
Erneuerungsarbeiten weiſt die auf der jüngeren von den beiden Gedenktafeln im Chor ent— 
haltene Jahreszahl 1734 hin (vgl. dreimal die genannte Jahreszahl in je zwei Zeilen des 
Chronoſtichons, S. 50). Ferner konnten die Schäden zweier weiterer Brände, deren Ent— 
ſtehung auf die gleiche Urſache zurückzuführen war, hauptſächlich wegen des Siebenjährigen 
Krieges erſt 1784%½ gründlich ausgebeſſert werden. Fünfzig Jahre vorher jedoch hatte man 
ſchon nach einem Bericht des Bürgermeiſters und Rats das ganze Innere abgeputzt und den 
größten Teil der Fenſter erneuert; außerdem war an Stelle der alten, aus dem Jahre 1673 
ſtammenden und 1712 inſtandgeſetzten Orgel 1750 eine neue von dem Orgelbauer Tam 
aufgeſtellt worden. Weniger folgenſchwer war ein Gewitter im Juli 1796, bei dem 
zwar abermals ein Blitz, jedoch ohne zu zünden, den Weſtteil des Gotteshauſes traf 
und nur die Orgel beſchädigte, deren Inſtandſetzung im Jahre 1802 wahrſcheinlich 
infolge unterbliebener ſofortiger gründlicher Ausbeſſerung einen Koſtenaufwand von 
400 Talern erforderte. Dieſe häufigen Beſchädigungen des Weſtteils der Kirche 
ſcheinen trotz der mehr oder weniger umfangreichen Wiederherſtellungsarbeiten den 
Jahrhunderte alten Bau in ſeinem Gefüge allmählich erſchüttert zu haben, ſo daß im 
Jahre 1829 die Gewölbe in der Weſthälfte des Langhauſes zu ſinken begannen. 
Sofort wurde der gefährdete Bauteil bis zur Kanzel für die Beſucher geſperrt, 
worauf man die geſunkenen Gewölbe herunterſchlug. Bei der Armut der Gemeinde 
und der Mittelloſigkeit der Kirchenkaſſe jedoch ſchenkte König Friedrich Wilhelm III., 
nachdem die Regierung ein Unterſtützungsgeſuch abſchlägig beſchieden hatte, fünf— 
zehnhundert Taler zur Kirchenreparatur. Den noch fehlenden Teil der Koſten 
brachte, nachdem im Jahre 1834 die Arbeiten fertiggeſtellt waren, die Gemeinde 
ſelbſt auf. An Stelle der früheren Kreuzgewölbe in der Weſthälfte war ein ſchwer 
maſſives Tonnengewölbe getreten und um ein Ausweichen der Wände zu verhüten, 
hatte man ſtarke, eiſerne Queranker eingezogen. War mit dieſem Umbau, bei dem 
auch die Orgel inſtandgeſetzt und das Innere geweißt worden war, abermals ein weit— 
gehender Eingriff in den alten Beſtand des Bauwerkes vorgenommen worden, ſo 
ſollten, nachdem noch im Jahre 1848 die alte Spliſſendeckung an der Turmkuppel unter 
der Laterne durch Zink erſetzt war, bald weitere umfangreiche Bauarbeiten folgen. 
Durch die beim Abbruch des alten Rathauſes und bei den Arbeiten am Neubau 
hervorgerufenen Erſchütterungen war auch anſcheinend die benachbarte Jakobikirche in 
Mitleidenſchaft gezogen worden; denn gleichzeitig ungefähr zeigten ſich namentlich auf 
der Oſtſeite des Gotteshauſes bedenkliche Riſſe, die man dann im Jahre 1853 durch ein— 


) Die Reparatur koſtete 784 Reichstaler 23 Groſchen. Die Arbeiten führte Zimmermeiſter Joh. Gottf. 
Ewald aus Frankfurt aus. Sein Polier war Gottlieb Hiebel aus Ruhethal bei Micheln in Sachſen. Fahne, 
Knopf, Adler und Sonne fertigte Kupferſchmied Johann Friedrich Specht aus Droſſen Frankf. Reg.-Arch.). 


Weſtſternberg. 


1 


80 


Tafel 5. 


Droſſen. 


Jakobikirche, Anſicht von Süden. 


Droſſen. 3 


gezogene eiſerne Anker, verſtärkte Strebepfeiler, ſowie durch ein neues, leichtes Topfgewölbe 
im Chor zu beſeitigen ſuchte. Als ſich aber bald wieder an anderen Stellen, vor allem 
auf der Nordweſtſeite Schäden am Mauerwerk zeigten, da ſchien, zumal mehrfache, 
noch heute im Regierungsarchiv zu Frankfurt aufbewahrte Gutachten ſich für den 
Abbruch des größten Teils des Bauwerks erklärten, das Schickſal der Kirche beſiegelt. 
Aber auch dieſe größte Gefahr für den Beſtand des Bauwerks ging vorüber, und 
ſelbſt als in den ſiebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bei dem völligen Um— 
bau des größten Teils der Ausſtattung die alte Barockorgel dem jetzigen Werk mit 
ſeinem nüchternen Gehäuſe weichen mußte, und als durch den gleichzeitig vorgenommenen 
unfchönen Neuanſtrich ſogar den beiden Hauptausſtattungsſtücken, dem Altar und 
der Kanzel, jener maleriſche Reiz genommen wurde, der ihnen bis dahin geblieben 
war, hielt man ſich bei dem Umfang der äußeren Inſtandſetzungsarbeiten in aner— 
kennenswerten Grenzen.!) Erwähnt ſei noch, daß die Geſamtkoſten der Inſtandſetzung 
einſchließlich der Beſchaffung der neuen Orgel 46234 Mark 28 Pfg. betrugen. Mit 
dem 22. Dezember 1878, dem Tag der Wiedereröffnung der Kirche endlich, kann die 
ſchickſalsreiche Baugeſchichte des altehrwürdigen Gotteshauſes als abgeſchloſſen be— 
trachtet werden. 


Baubeſchreibung. 


Dadurch, daß der heute abenteuerlich anmutende Plan eines teilweiſen Abbruchs 
des Gotteshauſes zum Glück nicht verwirklicht wurde, blieb Droſſen mit der Jakobi— 
kirche jener Bau erhalten, der dem Stadtbild ſeine eigenartige Note gibt, und der ſich 
ähnlich wie in Frankfurt die Marienkirche gleichſam als hochragendes Wahrzeichen über 
die Häuſermaſſe der Stadt erhebt. Deutlich erkennt man im Grundriß der im Laufe 
der Jahrhunderte mehrfach umgebauten Hallenkirche (Abb. 27, 28 und Tafel 5) einen 


) „Nach den Verhandlungen vom 12. Oktober 1874 follen folgende Thüren der Kirche verbreitert werden: 

1. Die Thür in der Weſtfront des Thurmes . . . ſoll als eine zweiflüglige Tür hergeſtellt werden. 
Es wird zu dieſem Behufe der mittlere Pfeiler und das Mauerwerk im Spitzbogenfelde beſeitigt . . .. 

2. . . . Ferner wird es für wünſchenswert gehalten, die Offnung von der Thurmhalle nach dem 
Kirchenſchiff zu verbreitern . . . . 

3. Auf der Südfront befindet ſich bereits eine 2 flüglige Thür unter dem zweiten Fenſter, welche 
jetzt durch eine rohe Thür verſchloſſen iſt, die nie geöffnet wird; auch hier ſoll eine gangbare 2 flüglige 
Thür hergeſtellt werden, wozu nur nöthig iſt, das Mauerwerk bis zum Scheitel des Spitzbogens auszu— 
brechen und die Thür einzuhängen. 

4. Der jetzige Haupteingang auf der Südſeite .. . . muß verbreitert werden, ebenſo die innere Thür 
dieſer Eingangshalle . .. 

5. Auf der Nordſeite ... ſoll die kleine Thür am Kreuͤgſchiff . . . verbreitert werden. Zu dieſem 
Behufe iſt nur der Ausbruch der Mauer nach dem kleinen Fenſter zu, ſowie die Erhöhung der Offnung 
erforderlich. . 

6. Die letzte Thür gleichfalls auf der Nordſeite unter dem zweiten Fenſter vom Weftgiebel.... mit einem 
kleinen Fenſter in einer gemeinſchaftlichen Niſche . ., wenn die Niſche zu einer Thür umgewandelt würde . .. 

26. Febr. 1875.“ 
3 ** 


Das Gebäude. 


36 Weſlſlernberg. 


älteren Kern, der beſtanden haben dürfte aus den beiden im Anfang des 16. Jahr— 
hunderts anſcheinend mit Stern- bezw. Netzgewölben verſehenen Seitenſchiffen, dem ſie 
gleichſam baſilikal überragenden, in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts tonnen— 
gewölbten Mittelſchiff, einem rechteckigen, anſcheinend gegen Ende des 15. Jahrhunderts 
mit Rippen-Sterngewölben verſehenen, gerade geſchloſſenen Chor von der Breite des 
Mittelſchiffs und dem der Weſtwand dieſes Bauteils vorgelegten, im Grundriß ob— 
longen Turm. Wie aus der an den weſtlichen Stirnwänden heute noch ſichtbaren 
Backſteinverzahnung geſchloſſen werden darf, war urſprünglich vor der ganzen Breite 
der Weſtfront, ähnlich wie bei der Marienkirche zu Frankfurt a. O., ein vermutlich 
doppeltürmiger Baukörper geplant (vgl. Abb. i. d. kunſtgeſch. Überſicht). Wahrſcheinlich 
frühzeitig ſchon errichtete man über dem, der ganzen Südwand des Chores vorgelegten, 
rippenkreuzgewölbten Sakriſteibau den dreijochigen, urſprünglich in ſämtlichen Jochen 
ebenſo nach oben abgeſchloſſenen, gegen Ende des 15. Jahrhunderts jedoch im weſtlichen 
Joche mit einem Sterngewölbe geſchmückten Bibliothekraum. Der dieſem Raum ent— 
ſprechende, zweiſtöckige Anbau auf der Nordſeite dagegen mit den reichen Sterngewölben 
dürfte nicht viel jünger ſein als die von fünf Vieleckſeiten abgeſchloſſene, im 15. Jahr— 
hundert etwa vorgenommene Erweiterung nach Oſten. Erſt dem Anfang des 16. Jahr— 
hunderts ſind dann noch jene beiden wahrſcheinlich zur Aufſtellung von Nebenaltären 
beſtimmten, dem nördlichen Anbau vorgelegten Kapellen zuzuweiſen, von denen die 
weſtliche von einem dreijochigen, die öſtliche jedoch nur von einem einzigen, ſehr lang— 
geſtreckten Kreuzgewölbe überdeckt iſt. Höchſtwahrſcheinlich im Reformationszeitalter 
wurde endlich die Taufkapelle vor dem öſtlichen Drittel des ſüdlichen Seitenſchiffs 
erbaut, deren Decke ein für das ausgehende 16. Jahrhundert typiſches Zellengewölbe 
bildet. Das Kreuzgewölbe im Turmunterbau gehört der neueren Zeit an. 

Faſt finſter, einem trotzigen Wehrturm gleich, nur bisweilen von einer kleinen ſpitz— 
bogigen Lichtöffnung durchbrochen, bauen ſich die untereinander durch horizontale Säge— 
frieſe geſchiedenen mittleren Stockwerke des Turmes auf, der ebenſo wie der größte 
Teil der Kirche aus Backſtein errichtet iſt. Der durch eine Reihe ſchlanker, ſpitzbogiger 
Blendniſchen reicher gegliederte, über einem Granitſockel ruhende Unterbau bildet zum 
Mittelteil einen ebenſo wirkſamen Gegenſatz wie das ähnlich belebte oberſte Turmgeſchoß. 
Überdies wird die Weſtfront des Turmes von einem rechteckig umrahmten, in den Leibungen 
mehrfach abgetreppten, ehemals zweiteiligen, ſpitzbogigen Weſtportal durchbrochen. Vier 
neuere Aufbauten mit Uhrzifferblättern ſitzen mitten über dem Hauptgeſims der Turm— 
ſeiten und ein vielfach geſchweifter barocker Helm mit durchbrochener Laterne ziert das 
ziegelgedeckte Satteldach des Turmes. Über dem Helmknopf endlich erkennt man neben 
dem friderizianiſchen Adler und dem Monogramm des Großen Königs noch die Jahres— 
zahl 1782. Infolge der in der baugeſchichtlichen Überſicht erwähnten letzten Inſtand— 
ſetzung des Außeren iſt trotz möglichſt weitgehender Zurückhaltung wohl nur vorwiegend 
das gemauerte Stabwerk der ſchlanken Chorfenſter in urſprünglicher Geſtalt erhalten 
geblieben; ſtärkeren Veränderungen wurden außer den meiſten übrigen Fenſtern mit 
ihrem neu-gotiſchen Maßwerk auch die ſpitzbogigen lebhaft profilierten Zugänge 
auf der Süd- und Nordſeite unterworfen. Während die gleichfalls in neuerer Zeit 


En 


Droſſen. 


Droſſen. Jakobikirche, Grundriß. 


Abb. 27. 


1 


38 Weititernberg. 


Abb. 28. Droſſen. Jakobikirche, Anſicht von Südoſten. 


mehrfach ausgebeſſerten, ein- oder mehrfach abgeſtuften Strebepfeiler ſonſt nichts be— 
merkenswertes aufweiſen, dürften die ſenkrecht verlaufenden, flachniſchigen Vertiefungen 
an den nur liſenenartig vortretenden Eckverſtärkungen der über der Südwand mit einem 
Niſchengiebel geſchmückten Taufkapelle reicheren Maßwerk- und Figurenſchmuck ent— 
halten haben. Von den ehemaligen Horizontalfrieſen iſt der reich durchgebildete 


Droſſen. 


Abb. 29. 


Droſſen. 


Jakobikirche, Inneres, Blick nach Oſten. 


40 Weſtſlernberg. 


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Abb. 30. Droſſen. Jakobikirche, nördliches Seitenſchiff, Blick nach Oſten. 

Hauptgeſimsfries am Chor noch am beſten erhalten. Kleine ſtichbogig geſchloſſene 
Flachniſchen auf der Außenſeite der Umfaſſungsmauern wie z. B. unter dem Süd: 
fenſter der Taufkapelle mögen einſt Malereien religioͤſen Inhalts aufgewieſen haben. 


Droſſen. 41 


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Abb. 31. Droſſen. Jakobikirche, ſüdliches Seitenſchiff, Blick nach Oſten. 


Näpfchen und Rillen in großer Anzahl und z. T. von ungewöhnlicher Größe und 
Tiefe finden ſich hauptſächlich in der Nähe der Eingänge auf der Südſeite. Je zwei 
geſchweifte Dachluken beleben auf der Süd- und Nordſeite die mächtige Fläche des 


49 Weſlſlernberg. 


ziegelgedeckten Kirchendaches, deſſen Oſtgiebel die Spuren eines ehemaligen Niſchen— 
ſchmuckes aufweiſt. Abgeſehen von dem der neueren Zeit angehörigen hölzernen 
Treppeneinbau in der Vorhalle des Turmes führt noch ein zweiter in die Südweſtecke 
eingebauter, anſcheinend aus dem 16. Jahrhundert ſtammender, im 19. Jahrhundert 
jedoch z. T. abgeänderter maſſiver Aufgang nach dem Dachboden. 

Die Backſteinmaße der verſchiedenen Bauteile ſind, abgeſehen von vielen Unregel— 
mäßigkeiten, aus nachſtehender Zuſammenſtellung etwa wie folgt zu erſehen: 


5 2 Der Verband zeigt in jeder 
auf im Höhe Schicht einen regelmäßigen 


hoch breit lang kommen Wechſel von überwiegend 
e! 0o e e 29 cm 16,5 Schichten 2 Läufern 1 Binder 
am nördlichen Seitenſchiff 9 „ 14 „ 29 „ 18,5 1 2 75 1 A 
ATS) öde „ „ 18,5 7 ſehr unregelmäßig 
am Chor, 1 29 18,5 7 2 Läufern 1 Binder 
an der Sakriſt eff 1 er 18,5 1 2 7 1 1 
an de aufs  Dm 14 „ Dow 17,5 5 1 7 1 7 
am ſüdlichen Seitenſchiff . 9,8 „ 2 29 18,5 1 2 7 1 75 


Das gewölbte Innere der Kirche (Abb. 29, 30 und 31) zeigt ſchöne Verhältniſſe 
und beſitzt auf drei Seiten Emporen.) 


) Die Matrikel vom 22. September 1693, die überichrieben iſt: 
„Die Haubt Kirche zu Drof- 
ſen St: Jacob genant, iſt 
MAT E R.“ 
ſchildert die Kirche einſchließlich der damaligen inneren Platzverteilung, der Unterhaltungsbeiſteuer der 
Bürger u. dergl. m., wie folgt: 

„Selbige iſt ein feines Gebäude von Grundt auf bis an daß Dach Gemauret undt gewölbet, doch 
aber an Vielen Ohrten zerrißen, geborſten undt geſuncken, undt giebt der Augenſchein, daß dieſe Kirche zuerſt, 
nicht fo groß, wie itzo geweſen, ſondern Viel ſtücke mit der zeit fuccesfive hinnan gebauet worden fein. 

Die Kirche hat itzo ein doppeltes Ziegeldach. 

Daß hinter undt Mitteltheill der Kirchen hat unterſcheidtliche gewölbete Schwiebogen, fo auf Sechs 
ſteinernen Pfeilern ruhen. 

Daß Vordertheil nach dem Altar zu, iſt mit einem einigen Gewölbe undt ſcheint, das es lange zeit 
nach der Kirchenerbauung erſt aufgeführet ſey. 

In der Kirchen. 

Iſt eine Steinerne gewölbete Sacristey mit zweyen, alß mit einer Eiſern undt Höltzern Wohlver— 
wahrten Thüren, undt über derſelben noch ein gewölbe, darin vor dieſem die Bibliothec geſtanden. 

Hart bey dieſem iſt noch ein hohes gewölbe, worinnen vor itzo der Tauffſtein ſtehet. 

In der Kirchen ſeindt Vier Höltzerne Chöre oder Bohr-Kirchen. 

Daß erſte nach dem Altar, it daß alte Schüler Chor, davon die eine ſeite nach dem Schoͤppen 
Chore Ao: 1673, denen Tuchmacher Geſellen für 25. fl. verkauffet worden. 

Die ander ſeite nach der Sacristey undt dem Altar zu, iſt mit Sechs Baͤucken bebauet undt der 
Bürgerſchafft ützlich verkauffet worden. 

Doch hat E. E. Rath eine Bancke für Frembde Gäfte undt offieirer, undt herr BurgeMeifter Johan 
Beyl zweene Stände in der andern Bande, gegen dargebung anderer Stände, Ihme frey behalten. 

Daß ander Chor, fo A0: 1619. neuerbauet undt Ao: 1627. gemahlet worden, reichet von der Thüren 
an, fo gleich gegen der Cautzell über iſt, bis an den Glockenthurm undt beſtehet in dreyen Fachen, oder 
unterſchiedenen Chören, fo durch die Kirchen Pfeiler gemachet worden. 


Tafel 6. 


Weſtſternberg. 


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Altar in der Jakobikirche. 


Droſſen. 


Droſſen. 43 


Der Hauptaltar (Tafel 6) bildet mit ſeinem in neuerer Zeit leider übermalten, 
von einem Pelikan gekrönten, fünfgeſchoſſigen, hölzernen Aufbau, deſſen Hauptfelder 
die üblichen Reliefdarſtellungen des Erlöſungswerkes zeigen, den Hauptausſtattungs— 
gegenſtand der Kirche. Seine ſchon ſpäten Schmucformen, die faſt barocken Spangen, 
Obſtgehänge und Engelsköpfchen, die reich durchgebildeten, das Gebälk der mittleren 
Stockwerke tragenden, korinthiſierenden Säulchen, die mit figürlichen Beigaben ge— 


Im erſten Fache ſtehen in denn Förderſten Stühlen die herren Gerichts Perſohnen, hinter denſelben 
die Viertheils Meiſter, undt hinter denen die Schultzen auß den Vorſtädten. 

Im andern Fache ſtehen die Bürger, welche Ihre Stände Von der Kirchen gemiethet, oder gekauffet haben; 

Daß dritte Fach iſt numehr der Schulen übergeben, daß die Kleinen Schüler alda ſitzen Können. 

Daß dritte Chor iſt numehr gahr neu undt Ao: 1674 erbauet worden, darauf ſtehet die Orgell undt 
ſitzen die Schul Collegen ſambt den großen Schülern drauff. 

Daß Vierdte Chor, gegen dem Alten Bürger Chore über iſt noch neuer undt Ab. 1690. erbauet 
worden, undt wirdt den bürgern Vermiethet, wie auch die Stände unten in der Kirche. 

Es hat die Kirche Fünff Thüren, dadurch man hinnein gehen Kan, undt erlanget daß Tage— 
licht durch Zwey undt Zwantzig Fenſter, welche durch die Handtwercks Zunfften undt andere Guth— 
thätige Bürger erhalten werden, laut folgender Specification, fo von E. E. Rathe den Kirchen Vätern 
zugeſchicket worden: 

Daß 1. iſt nächſt dem Glogken Thurme gegen der Fiſchgaße, beſtehet in drey Feldern undt 24 Fachen, 
Muß von der Franckfurtiſchen Vorſtadt in würden erhalten werden. 

Daß 2. nechſt dabey, über der Kirchen Thüre beſtehet in zwey Feldern undt 11. Fachen und Kömbt 
zu den Zimmerleuthen undt Mäurern. 

Daß 3. fo gleich hinter dem Schöppen Chore ſtehet, von 3 Feldern undt 21 Fachen, iſt der Ge— 
richts-Verwandten, Viertheils Leuthen, Apoteckern, undt anderer, fo drauf ſtehen. 

Daß 4 te iſt zwiſchen dem Schüler und Schöppen Chore von 5. Feldern undt 18 Fachen über der 
Kirchthüre, gehöret denen Brauern, Seilern, Weißgerbern, Schwartzfärbern, Hütern, Köchen undt Nagelſchmiden. 

Daß 5. Mitten auf dem Schüler Chore von 4. Feldern undt 10. Fachen, dieſes haben A0. 1664. 
die Kürſchner undt Strumpfſtricker verfertigen laßen. 

Daß 6. Auff dem Schüler Chore gegen daß Rath-hauß von 4. Feldern undt 18. Fachen, ſoll der 
Schützen Brüder geweſen ſein. 

Daß 7. nebſt dem Schüler Chore gegen dem Altare zu Von 4. Feldern undt 46. Fachen, ſolches 
halten die Hüefener in baulichen würden. 

Daß 8. von 2. Feldern undt 21. Fachen, daß halten die Schneider. 

Daß 9. von 2. Feldern undt 22. Fachen, iſt der Becker. 

Daß 10. gleich hinter dem Altar von 2. Feldern undt 22. Fachen; iſt der Garnweber. 

Daß 11. von 2. Feldern undt 22. Fachen, iſt der Schuſter. 

Daß 12. Zur lincken des Altars von 2. Feldern undt 21. Fachen, iſt der Schmiede undt Bötticher. 

Daß 13. ſo hart bey an, hat 4. Felder undt 46. Fach iſt der Tuchmacher. 

Daß 14. Auff der Bibliotheca hinterwerts nach der Kirchgaße zu, von 3. Feldern undt 15. Fach, 
iſt der Glaſer. 

Daß 15. Auff der Bibliotheca nach der Pfarre zu, von 3. Feldern undt 20. Fachen iſt der Möller. 

Daß 16. von 3. Feldern undt 20. Fachen, die herren des Raths. 

Daß 17. ibidem von 3. Feldern undt 20. Fachen der Haacken Krähmer. 

Daß 18. bey der Tauffe gegen die Kirchgaße von 2. Feldern undt 14. Fachen, dieſes haben die Töpffer 
verfertigen laßen. 

Daß 19. Das gegen die Pfarre von 3. Feldern undt 18. Fachen, haben die Rademacher, repariren laßen. 

Daß 20. ibidem gegen die Schule 2. Felder und 12. Fach haben eodem Ao: die Fleiſchhacker aus— 
beßern laßen. 


Junere 
Ausſtattung. 


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Jakobikirche, Kanzel. 


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Abb. 32. 


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Abb. 33. 


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Jakobikirche, Taufſtein. 


46 Weſtſlernberg. 


ſchmückten, von Quadern umrahmten Rundbogenniſchen, die Knöpfchen, Roſetten und 
anderen ſpäten Zierſtücke weiſen deutlich auf die Zeit ſeiner Anfertigung hin, die durch 
die über dem mittleren Stockwerk wiedergegebene Jahreszahl 1627 genau bekannt iſt. 
Hiermit ſtehen auch die faſt ſchon barocken Formen jener, das dritte und vierte Stockwerk 
umfaffenden, Kartuſchen im Einklang mit ihren an den Symbolen leicht erkennbaren 


Abb. 31. Droſſen. Jakobikirche, Taufſchüſſel. 


Daß 21. über der Thüre, wo die Leichen aus- undt eingetragen werden, ſeindt 3. Felder undt 19. Fach, 
werden von den Tuchſcherern, Kupffer Schmieden undt Gerbern gehalten. 

Daß 22. iſt nechſt dem Glocken-Thurme gegen die Pfarre von 3. Feldern undt 18. Fachen, hat die 
Zielentzigſche Vorſtadt verfertigen laßen. 

Der Thurm iſt hart an der Kirchen gebauet, aus lauter gebrandten ſteinen undt von treflicher dicke und 
höhe, hatt aber doch entweder Alters wegen, oder weil Er Zweymahl ausgebrandt iſt, auf beyden ſeiten gegen 
Süden undt Norden, zwey gefährliche riße bekommen, alſo daß Er im Vorigen Jahre hat müſſen geanckert werden. 

Ehe Er abbrandte, war es ein ſchönes gebäude Oben auf Italiänifch durchbrochen, gantz mit Kupffer 
bedeckt, mit Vielen Centner bley begoßen, und mit einem ſchönen Knopffe gezieret, iso iſt Er zwar Wieder 
gufgebauet, aber nur mit Eichen Späne gedeckt.“ 


Droſſen. 47 


Evangeliſtenfiguren, während die Glaube und Liebe verſinnbildlichenden Geſtalten 
zu beiden Seiten des Geſchoſſes über der Predella mit Rückſicht auf die Umrißlinien 
des Werkes eine faſt klaſſiſche Ruhe auszeichnet. 

Die ebenfalls reichgeſchnitzte Kanzel (Abb. 32), deren Anfertigungsjahr 1619 
heute auf der Unterſeite des Deckels anſcheinend nach einer älteren, durch die moderne 
Bemalung zerſtörten Inſchrift wiedergegeben 
iſt, zeigt eine ähnliche, der Durchbildung des 
Altaraufbaues verwandte Formenſprache. In 
den Feldern des von einer Moſesfigur ge— 
tragenen Kanzelkorbes ſtehen von Eckſäulchen 
eingerahmt in umquaderten Rundbogenniſchen 
die Geſtalten des Herrn und der vier Evan— 
geliſten, während Apoſtelfiguren die Brüftung 
des Aufgangs in entſprechender Umrahmung 
ſchmücken. Den mit Spangen, Knöpfen, 
Quadern und Roſetten reich ausgeſtatteten 
und auf der Innenſeite mit der Taube, 
dem Sinnbild des hl. Geiſtes, verſehenen 
hölzernen Deckel krönt die Figur des Auf— 
erſtandenen. 

Die Taufe aus Sandſtein (Abb. 33) 
iſt das älteſte dieſer drei aus dem erſten 
Drittel des 17. Jahrhunderts ſtammenden 
Ausſtattungsſtücke. Über einer im Grundriß 
quadratiſchen Sockelplatte ruht auf rundem, 
mit Löwenköpfen und Obſtgehängen ver— 
ziertem Fuß über wulſtartiger, Bandwerk, 
Quaderſchmuck und Eierſtab aufweiſender 
Überführung der faſt überreich durchgebildete 
achtſeitige Oberbau, deſſen Ecken kleine 
Hermen ſchmücken. In den Seitenfüllungen 
erkennt man auf ornamentiertem Grund die 
figürlichen Reliefdarſtellungen der Perſon 
Chriſti ſowie von ſieben Evangeliſten und Abb. 35. Droſſen. Jakobikirche, Opferſtock. 
Apoſtelfiguren. Durch die jeweils beigegebenen 
uberſchriften „CHRISTVS JOH: 3, S PETRVS. I. CAP. 3; S PAVLVS. 
AD ROM. 6, S PHILIPPVS ACT. (acta apostolorum, Apoſtelgeſchichte) 8, 
S. LVCAS CAP. 3, S MARCVS CAP. 16“ und „S. MATHEVS 6. CAP. 30 
wird auf den Inhalt der Darſtellungen hingewieſen. 

Jünger als der Taufſtein iſt die zugehörige, auf dem achteckigen Rand mit zwei 
beweglichen Griffen und vier geflügelten Engelsköpfchen geſchmückte zinnerne Tauf— 
ſchüſſel (Abb. 34). Sie wurde laut Inſchrift im Jahre 1663 von dem Droſſener 


48 Weſtſternberg. 


Bürgermeiſter und „churfürſtlich-brandenburgiſchen Schöſſer“ Johann Müller und 
ſeiner Frau Margaretha Bobertags geſtiftet. Symmetriſch zu der Stiftungsinſchrift 
ſind noch die Sprüche „MARC. 10 v. 14, 15, MATT IH. 28 v. 19“ und „MARC. 
16 v. 16.“ eingraviert. 

Ein eiſenbeſchlagener hölzerner Opferſtock (Abb. 35) auf der Südſeite des Altars 
mit einem für die Zeit ſeiner Anfertigung typiſch geſtalteten Fuß zeigt die eingeſchnittene 
Jahreszahl 1658. Außer drei Erinnerungstafeln an die Befreiungskriege und an 
das Kriegsjahr 1866 iſt vor allem eine links vom Eingang zur Taufkapelle hängende 
Gedenktafel (Abb. 36) für den Oberbürgermeiſter Johann Ludwig Kleiner, geb. 
15. Mai 1715 zu Zernikow N. M., geſt. 15. Juli 1781, bemerkenswert. Sie zeichnet ſich 
durch ihre ſchönen, in eine Zinkplatte eingravierten, für die Zeit ihrer Anfertigung 
charakteriſtiſchen Schriftzeichen aus. Die Inſchrift ſelbſt lautet: 


Denckmal 
des Herrn 
JOHANN LUDEWIG KLEINER 
Ober Burgemeisters Stadtrichters Salzfactors und Braudirecktors 
der Königl. des Sterneberg Kreises Haupt Stadt Drosfen 
Er ward zu Zernico in der Neumarck den 15% Mai 1715 Gebohren 
Trat feine Emter den 4 September 1737 an 
Verehelichte sich Dreymahl 
DOROTHEA FRIEDERICKE geb. UCKERMANIN 
den 15% April 1739 
nach deren im Jahre 1740 erfolgten Ableben 
JOHANNE CHARLOTTE geb. UCRERMANIN 
eine leibl. Schwester der ersten den 23“ July 1741 
und nachdem auch diefe den 1 November 1761 ftarb 
Fr: DOROTHEA CONCORDIA geb. SIMON den 22 Aug 1764 
als des ehemaligen Königl: Kreis Einnehmers in Sterneberg Kreife 
HERRN J. F. MENSCHNER HINTERLASSENE FRAU WITWE 
in der zweyten Ehe hat Er 6 Kinder 
4 Söhne und 2 Töchter gezuget 
Er ſtarb den 15% July 1781 
nachdem er feinen /Emtern 44 Jahr Rühmlichst Vorgestanden hat 
und gelebet 66 Jahr 2 Mohnath u: 5 Tage 
Leſer 
der du mit Verdrus und Mühleligkeit diefes Lebens Ringest 
Wisfe! 
der verstorbene 
hat diesfen Ihm vorzüglich Beschiednen Kampf 
mit Muth und Standhaftigkeit 
Gekempfet 


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) undnach dem auch Oele den , November 71 RR 2 
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Abb. 36. Droſſen. Jakobikirche, Gedenktafel für den Oberbürgermeiſter Kleiner. 


Zwei hölzerne Inſchrifttafeln an der Südwand des Bibliothekraumes dienen 
dem Andenken an den Wiederaufbau des Gotteshauſes in den Jahren 1784 und 1608. 
Der in lateiniſcher Sprache abgefaßte Inhalt lautet auf der linken Tafel wie folgt: 


Kunftdenfm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weftiternberg. 1 


50 Weſtſlernberg. 


) 22. D . 3 5 1215 [= Quod Deus bene vertat] 


A D PROMOVENDAM SANcTissim.E TRIADOS GLORIAM 


DES H/EC SACRA OLIM SANCTO JAcObO CONSECRATA. 
VETUSTATE TEMPORIS, PULVERIS FULIGINISG, COA DEFORMI, 
ANNO R CHRISTIAN M.DCC.XXXIV. EGREGIA NEC SATIS 
LAUDANDA LIBERALITATE TRIUM STATUUM HiERARCHI, 
CORUM AB OMNI SUA SPURCITIA EST EXPURGATA, EGREGIE 
DEALBATA ET, QVALIS IAM APPARET, RENOVATA= 
CONSERVET PRPOTENTISSIMUM NUMEN INCLUTAM CiviTa, 
TEM DROSNENSEM INN EA Hoc IPSUM TEMPLUM, AMPLISSIMUM 
COLLEGIUM SENATORIUM, VENERANDOS EccLEsi.£ MiNisrROs, 
MODERATORES ORDixis SCHOLASTICI, CIVES ET INCOLAS EORUMQ 
FAMILIAS ADSERAM USQ POSTERITATEM! 
CLAVUM IMPERil TUNC TEMPORIS TENEBANT Viki PR£-NOBILiS$iMi 
SEGVENTES: 
Dni : JOHANN WILHELM HOFFMANN, CONS:DIR. THOMAS GOTTLIEB 
AREL DUS, PRO-CONS. CARL AUGUSTUS SCHULTZ, CONRADUS BiELITZ, 
Conss. JOHANN GEORGE BEiL, CAM. CHRISTIAN FRIEDRICH SiEPMANN, 
Cam. ADI. JOHANN DAvip KuUNTzius, JOHANN FRIEDRICH Beir, Jop. 
JOHANN JACOB HERRMANN, ERNESTUS ToBias KELLER, JOHANN CH?kis, 
IAN TRAUTWEIN, SENATORES. DA vip HiLDEBRAND, SECRETARIUS. 
SACRORUM AUGUSTANORUM ADMINISTRATION E EODEM TEMPORE DEFUN C, 
GEBAN TUR: 
Davib FRIEDRICH WALTHER, PAST. PRiM, ET IN SPECTOR, GEORGIUS 
BENEDICTUS FRIEDERICUS SCHOENBERG, ARCHI-DiACONUS, CHRISTIANUS 
GEORGIUS SCHRAMM, DiACoNUSs. 
EN! Ds REPARATVR EA, ASSISTENTE lEHoVA: 


VERBVM SINCERE SERVET IoVa, PRECOR=- It wei Zeilen dieſes 
5 Chronodiſtichons ergeden 
DROSNENSES CIVEs SERVET VERBIQVE MISISTROS die Janreszanl 1734.) 


ATQVE SENATORES OPTO PRECORQVE PROBE! 
Gott Laß es Dleſer Kirch VoD Rathhave V Vohtergehen 
Die gVten Bürger ſtets In großen Seegen jtehen.- 


— 


Droſſen. 5 
Die Überſetzung lautet: 
Möge es Gott zum Guten wenden. 


Zur Erhöhung des Ruhmes der hochheiligen Dreieinigkeit 

iſt dieſes heilige Haus, einſt dem heiligen Jacobus geweiht, 

durch hohes Alter (Alter der Zeit) [und] durch die Menge des Staubes und des 
Rußes entſtellt, 

im Jahre der chriſtlichen Zeitrechnung 1734 dank der hervorragenden und nicht genug 

zu rühmenden Freigebigkeit der drei chriſtlichen Stände (8) 

von all ſeinem Schmutz gründlich gereinigt, trefflich 

abgetüncht (abgeweißt) und ſo, wie es nunmehr ſich zeigt, erneuert worden. 

Erhalten möge die allmächtige Gottheit die berühmte Ge— 

meinde Droſſen und in ihr dieſen Tempel ſelbſt, das hochanſehnliche 

Ratsherrenkollegium, die ehrwürdigen Diener der Kirche 

die Leiter des Schulweſens, die Bürger und Inſaſſen und ihre 

Familien bis auf eine ſpäte Zukunft. 


Das Steuerruder der Regierung hielten zur damaligen Zeit 
folgende hochangeſehene Männer: 
Die Herren: Johann Wilhelm Hoffmann, Oberbürgermeiſter, Thomas Gottlieb Areldus, 
Erſter Bürgermeiſter, Carl Auguſt Schultz, Conrad Bielitz, Bürgermeiſter, Johann 
Georg Beil, Kämmerer, Chriſtian Friedrich Siepmann, Hilfskämmerer, Johann David 
Kuntzius, Johann Friedrich Beil, Richter, Johann Jacob Herrmann, Ernſt Tobias 
Keller, Johann Chriſtian Trautwein, Ratmannen, David Hildebrand, Sekretär. 


Des Augsburgiſchen Gottesdienſtes Verrichtung 
übten zu derſelben Zeit aus: 
David Friedrich Walther, Erſter Pfarrer und Inſpektor, Georg Benedikt Friedrich 
Schönberg, Archidiakon, Chriſtian Georg Schramm, Diakon. 


Siehe, dies Haus wird erneut unter gnädigen Beiſtand Jehovas 
Rein uns erhalte allzeit, bitt' ich Jehova ſein Wort! 

Schirmend ſchütz' er die Bürger von Droſſen, die Diener am Worte 
Und auch die Herren des Rats! Das iſt mein Wunſch und Gebet. ) 


) Die wörtliche Überſetzung dieſer vier Zeilen des Epigramms lautet: 

Sieh, dies Gotteshaus wird wiederhergeſtellt unter Jehovas Beiſtand 

Rein möge Jehova das Wort erhalten, das iſt mein Gebet lich bitte) 

Erhalten möge er die Bürger von Droſſen und die Diener am Worte (des Wortes) 
Und die Ratsherren, [das] wünſche und erflehe ich in Demut! 


4* 


52 Weſlſternberg. 
Auf der rechten Tafel ſteht folgende ebenfalls lateiniſch abgefaßte Inſchrift: 


IN HONOREM SUMME TRiNIT Aris, Dei 
OpT. Max: PATRIS fTERNI, FiLIi MOI ET Spiki, 
tus SancTi PARACLETI STRUCTURA HUJUS TEMPLI 
QVE ANNO 1596 MENS. Majı Xll. IN CINERES UNA CUM 
TOTA CIVITATE EXCEPTIS PAUCIS /EDICULIS MISERRIME 
REDIGEBATUR, IMPENSIS INCLYTI SENATUS HUJUS 
URBIS ANNO REDEMPTIONIS NOSTRE 1608 ITERUM 
RENOVATA EST. 
SEDEBANT TUNC IN REI PL. ADMINISTRATIONE 
MARTINUS MARTINI, LEONHARDUS STERN, 
COSS. JOHANN MALER, JOHANN Lauß, JuDic. 
MARTINUS MEURER, ESAIAS SCHLEGEL, BARTHOLO, 
M.EUS LEUPOLDT. P. M. BERNHARDUS STELMACHER, 
SENATORES. 
MINISTERIO VERO EVANGELIJ, M. SEBASTIANUS 
WECKER, HUJUS ET VICINARUM ECCLESIARUM 
INSPECTOR ET CASPARUS BocaTius, DiacoNus, 
PR/EERANT=- 

Die Überſetzung lautet: 

Zur Ehre der höchſten Dreieinigkeit, des beſten und größten Gottes, des ewigen 
Vaters, des weſensgleichen (0% 0 Sohnes und des Heiligen Geiſtes, des Tröſters, 
iſt der Bau dieſer Kirche, der im Jahre 1596, am 12. Mai, zuſammen mit der ganzen 
Stadt mit Ausnahme weniger Häuschen elendiglich in Aſche gelegt wurde, auf 
Koſten des berühmten Rates dieſer Stadt im Jahre unſerer Erlöſung 1608 wiederum 
erneuert worden. 

Es ſaßen damals in der Verwaltung (Leitung) des Gemeinweſens 

die Bürgermeiſter Martin Martini, Leonhard Stern, 

die Richter Johann Myler, Johann Laub, 

die Ratmannen Martin Meurer, Eſaias Schlegel, Bartholomäus Leupoldt, 
Bernhard Stellmacher. 

Im wahren Dienſte des Evangeliums ſtanden Magiſter Sebaſtian Wecker, 
dieſer und der benachbarten Kirchen Inſpektor, und Caspar Bocatius, Diakon. 


Droſſen. 53 


Außerdem befinden ſich noch im Bibliothekraum, deſſen Brüſtung nach dem 
Kircheninnern zu ein aus der Barockzeit ſtammendes, hölzernes Prunkwappen (Abb. 37) 
ſchmückt, eine ſpätgotiſche bemalte Holzfigur des hl. Moritz, 0,87 m hoch, ſowie zwei 
0,52 m hohe, barocke, ebenfalls bemalte hölzerne Apoſtelgeſtalten, ferner ein einfacherer 
Tiſch mit ſchönem Beſchlag (Abb. 38) aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts 
und endlich der ſpätgotiſche Bibliothekſchrankh jelbjt mit ſeinem in neuerer Zeit 
hinzugefügten, anſcheinend von der alten Barockorgel ſtammenden und mit dem Branden— 
burgiſchen Adler geſchmückten Aufſatz. Von dem in dem Schrank untergebrachten 
Bücherbeſitz der Kirche ſeien hervor— 
gehoben: . 

1.) Eine geſchriebene Bibel, 
eine Ausgabe der Vulgata, zeigt auf 


) Die Matrikel vom Jahre 1693 (dal. 
Seite 12, Aum. 10 fährt bei der Beſchreibung 
der inneren Ausſtattung folgendermaßen fort: 

Von den Appertinentien, 
oder zubehörungen undt 
geräthe der Kirchen. 

1. In benanter Kirchen ſtehet ein ſchön 
geſchnitzter Altar, ſo zum theil mit Golde 
überzogen, zum theil auch mit ausgehauenen 
Bildern gezieret, undt Ko. 1627. erbauet iſt. 

2. Der Predigtſtuel nebſt dem Deckel 
oder der Crohne iſt gleicher geſtalt von Holtz— 
wercke, mit Golde undt geſchnitzten Bildern 
gezieret, an ſtat deß Fußes iſt das bildtnis 
Moſes in Holtz gehauen, welches die Cantzell 
auf dem haupte undt die Taffeln der 10. ge— 
bothe in den händen trägt undt Ao. 1629 
erbauet und gemahlet worden. 

3. Der Tauffſtein mit dem Fuße iſt aus 
einem gantzen Felßen gehauen, umb undt umb 
mit gehauenen bildern, aber ohne Deckell. Abb. 37. Droſſen. Jakobikirche, Prunkwappen. 

Er hat in ſich ein Zinnern Becken von 
17. pfunden, welches A0. 1663 von herrn Johan Müllern Churfl. Schößern undt Burger Meiſtern alhir 
der Kirchen iſt verehret worden. 

1. Die Orgel iſt ein Neues Werck von 15. ſtimmen ao: 1673 undt 74. durch verehrungen guththatiger 
leuthe erbauet, aber itzo wiederumb ſehr wanderbahr worden. 
5. Sieben Glocken ſeindt vor itzo verhanden, worunter die Zeiger Glocken mit gerechnet ſeint. 
Ein großes Zeiger Uhr iſt auf dem Kirch Thurm, aber untauglich. 
. Drey Meßingen Crohnen hangen mitten in der Kirchen ſeint aber alt undt viel arme abgebrochen. 
2. Große Meßingen leuchter ſtehen auf dem Altar wiegen 27. =: 
1. Meßingen Becken a 5. F: 
1. Altes zerbrochenes Raucherfaß a 2½ @: 
8. An Zinnern Zeug 2 zinnerne Leuchter, a3. =: nebſt einer Lichtputze. 
Ein Großer Zinnern Leuchter 10. 7: welchen 40: 1679. Meiſter Michell Bergman undt deßen Ehe— 
fran Eliſabeth Leubitzin der Kirchen zu Ihrer gedächtnis verehret, 


) 59) = 


2 


54 Weſtſternberg. 


der Vorderſeite des mit ſchönen Meſſingbeſchlägen verſehenen gepreßten Ledereinbandes 
eingedruckt „mit einer Majuskel beginnend“ die Minuskelinſchrift: „Anno d[omijni 
m cccc l 111 (1453).) Auf der Rückſeite des Einbandes erkennt man die Madonna, 
das Lamm mit der Kreuzesfahne ſowie Wappenſchilder mit dem Adler. Die Auf— 
ſchrift auf dem Rücken lautet: „Biblia manuscripta“. Auf einer Seite des Vor— 
ſatzes hat der ehemalige Beſitzer nachſtehende Bemerkung eingetragen: „IJstuſm] 
librulm] legau(v)it dlomilnſuls Magister paulus lutkelius custos eccle[siae] 
lubucen sis! In Fürstenwaldis“ = dieſes Buch ſchenkte der Magiſter Paulus 
Lutkelius, Kuſtos der Lebuſiſchen Kirche zu Fürſtenwalde). Das Titelblatt ſelbſt 
fehlt, während ſich die Regiſterblätter am Ende des Buches befinden. Bemerkt ſei 
endlich, daß heute noch das Buch mit einer Kette an dem Ort ſeiner Aufbewahrung 
angeſchloſſen iſt. 

2.) Hugustini de civitate dei, mit farbig bemalten Initialen Baſel m cccc 
Ixxix VII Rla]l aprilis (= 1479 
den vierundzwanzigſten April). 
Gleichzeitig ſei noch auf die 
Inſchrift der erſten Innenſeite 
des Umſchlags hingewieſen, die 
identiſch iſt mit der entſpre— 
chenden handſchriftlichen Be— 
merkung in der vorſtehend er— 
wähnten Bibel. 

3.) Dr. Hartmann Schedel, 
Liber cronicarum in figuris et 
imaginibus ab initio mundi, 


Abb. 38. Droſſen. Jakobikirche, Beſchlag. Nürnberg, A. Koberger. 12. Juli 
1493, mit vielen Holzſchnitten. 
J.) Opera Joſhlannis Pici, Straßburg 14. März 1504. 2 


5.) Missale gedruckt bei Joh. Prüss in Straßburg, 1505. 

6.) Missale mit ſehr ſchönen Initialen. Anfang des 16. Jahrhunderts. 

7.) Missale Posnanienſ sis]. diocesis mit ſchön bemalten Holzſchnitten und 
Initialen. Poſen, 1. April 1505. 


Eine zinnerne Kanne a5 =: 

Ein zinnern Kelch undt patene a 31 loth. 

9. Es ſeindt in der Kirche zwey Klingebeutell. 

Ein Gottes Kaſten, darin das ſeckell geldt geleget wirdt, 

Ein Lädichen, fo bey der tauffe undt begräbnis gebrauchet wirdt. 

Der Stock beym Altar. 

Zwey Kaſten in der Sacriſtey darin die Kelche undt daß Kirchen geräthe verwahret werden. 

Eine Spinde in der Sacriftey undt oben auf der Bibliothee, darin vor dieſem die bücher ver— 
wahret worden. 

) In der Matrikel von 1693 iſt die Bibel 1467 datiert; vgl. auch „Daheim“, Jahrg. 1887, Nr. 39 
und Nr. 623. 


Droſſen. 515 


8.) Ein viertes Meßbuch dürfte mit vorſtehendem etwa gleichzeitig ſein. “) 

Anläßlich der Inſtandſetzung der Kirche in den achtziger Jahren des 18. Jahr— 
hunderts wurden auch die in großer Anzahl vorhandenen Gruftgewölbe geſchloſſen 
und die Beigeſetzten durch Aufſchriften, die in die Fußbodenplatten des Chorraumes 


) Ein vollſtandiges Verzeichnis des Bücherbeſitzes der Kirche gibt die mehrfach erwähnte Matrikel 
wie folgt: 
Von den Kirchenbüchern. 
Cathalogus Librorum Eceleſiae Droßn: 
In folio 

Theatrum Zuingeri in 4. Bänden. 
Commentarius in Biblia Lyrae in 4. Bände. 
Cosmographia Münsteri aber zerrißen. 
. Sermones Meffreli alias Hortulus animae. 
Biblia Hebr: Graec: et Latin: altera pas a lobo ad Maccabae: 

Daß erſte Theill ift geſtohlen. 
Biblia Latina fcripta ao: 1467. 
. Biblia Latina Hieronymi. 


FT 


9 — 


= 


Conradi Gefzneri Vivipara feu quadrupedia. 
Conradi Gesneri Aquatilia. 
. Introitus feu Misfale Bosnament: Baec: 


Se 


— 
— 


. Introitus Dominicales. 


) 


— 
* 


. Introitus Dominicales Monach: 


so 


. Anacephalaeofis Errorum Wimpinae 2. mahl. 
. Sententiae Johannis Stobaei. 

. Thesaurus Theol: Vogelij. 

. Loci Theologici Szepedini. 


850 K50 850 


f 


— 


Augustinus de Civitate Dei. 
. Wandalia Alberti Crantzii. 

Teutſch aber zerrißen. 
Römiſche Reichs Abſcheide. 
. Commentarius in ius Canonicum. 
. Historia Ecclefiastica Nicephori et Tripartita. 
. Historia aetatum Mundi Hartmanni Schedelij. 
. Chronologia Johann: Funcij et urſpergenſis. 
. Musaeus super Genesin: 


80.80 50 


80 80 080850 


9850 


IS 
= 


. Formula Concordiae. 
. Florentini Commentarius in Epist: ad Romanos. 
. Lutheri Postilla Latina. 
. Lutheri Postilla Germanic: 
. Lutheri Tom: 1. 2. 3. 4. 5. 6. Latin: Wittenberg: 
. Lutheri Tom: 1. Lat. Jenens: 
Lutheri Tom: 1. 2. 3. J. 5. 6. Teutſch. 
. Itinerarium Bintingij. 
. Ofiandri Biblia Germanic. 
. Ehurfl. Br. Kirchen Ordnung. 
. Eine alte zerrißene Teutſche Postilla. 
In quarto. 
Gaeſii undt Praetorii Geſangbuch. 
Die Teutfche Evangelia ſambt der Franckfurth Agenda. 


d n b 0 8 8080 


850 


— 
1. 
2 

2. 


56 Weſtſternberg. 


eingelaſſen wurden, namentlich bezeichnet. Dieſe Inſchriften lauten: „Beils Gewelbe, 
Weitzmann und Waltersche Begräbnilse, A. S. C. F. Kleinerin, F. F. Kleiner, 
Ph. Walterin Begräbnis, Areldusin Begräbnifs, Areldische Begräbniis, Bielitz 
des Sohnes Begräbnils und Bielitz des Vaters Begräbnifs.“') 


Abb. 39. Droſſen. Jakobikirche, Kelch und Taufkanne— 


In octavo, 

D.Linckij Annotationes sup. V. Libros Moſi. 
Novum Testamentum Graec: et Latin: 2. mahl. 
Loci Theol: Philippi Melanchth: 
Loci Theol: Rhegij. 
Loci Communes Hutteri. 
Grammattica Philippi Melanchthonis. 
Grammattica Graeca Metzleri. 
Grammatt: Graeca Losſij. 
9. Vulpii Mufica. 

Erwähnenswert iſt die Bemerkung in der Matrikel von 1693, die Begrabnisgebühren betreffend: 
„Wan Leuthe begraben werden in der Kirchen undt deßwegen ein Neu Gewölbe bauen, ſo bekömbt die Kirche 
von einer erwachſenen Perſon 20 Thllr: Von einer Kleinen die helffte fürg Gewölbe. 

Wan Sie aber in der Kirchen im Sande begraben werden, ſo giebet die große perſon Zwey ſchock, 
oder 2 Thllr. 16 gr. Wan Sie aber auf den Kirchhoff zu St: Jacob begraben werden, fo giebt die große 
perſon Ein ſchock, die Kleine aber halb fo viel.“ 


eee 


De 


Droſſen. 57 


Von den in der Kirche noch vorhandenen älteren Beleuchtungskörpern ſind an— 
zuführen (vgl. Seite 53, Anmerk. 1): 

Ein ſechsarmiger, meſſingener Kronleuchter, mit Doppeladler als Bekrönung, 
wurde laut Inſchrift am 24. Dezember 1709 von den Mitgliedern der Tuchmachergilde 
geſtiftet und zeigt auch das Wappen und die Namen der Mitglieder dieſer Gilde. 
Eine Inſtandſetzung des Leuchters fand 1871 ſtatt. 

Ein zweiter ebenfalls ſechsarmiger, meſſingener Kronleuchter dürfte mit 
jenem etwa gleichzeitig ſein, während ein etwas kleinerer, dritter derartiger Beleuch— 
tungskörper ſeiner ſpäteren Formgebung nach zu urteilen etwa 50 Jahre jünger 


Abb. 10. Droſſen. Kelche in der Jakobikirche. 


anzunehmen iſt. Der auf der Emporenbrüſtung befeſtigte einfachere, geſchmiedete, eiſerne 
Standleuchter für vier Kerzen zeigt im Gegenſatz zu den beiden meſſingenen 
gotiſchen Altarleuchtern ausgeſprochene Renaiſſanceformen. 

Von älteren Kirchengeräten ſind anzuführen: 

Ein Kelch (Abb. 39 links), 12,5 cm hoch, ſilbervergoldet, mit rundem Fuß und 
Stengel ſowie mit eiförmiger Kuppa, zeigt auf dem Fuß aufgenietet Maria und 
Johannes zu Füßen des Gekreuzigten. Die Majuskeln an den Quadern des Knaufes 
ſind z. T. verkehrt wiedergegeben. Späteſtens Anfang des 14. Jahrhunderts. Die 
zugehörige Patene mit Weihkreuz iſt ebenfalls ſilbervergoldet. 

Eine getriebene meſſingene Kirchenkanne (Abb. 39 rechts) mit Deckel, 22, cm 
hoch, mit Pfeifen und Perlſtäben ornamentiert, dürfte der zweiten Hälfte des 17. Jahr— 
hunderts angehören, 


58 Weſtſternberg. 


Ein Barockkelch (Abb. 10 rechts), 23,75 cm hoch, Silber, leicht vergoldet, trägt 
auf der Unterſeite des Fußes die Inſchrift: „Seine Konigl: Magt: (= Majestät) 
in Preüfsen haben auß hohen gnaden diesen Kelch der Reformierten Gemeinde 
Zu Drofsen geschenket: d: 11. Julij Ao 1703“. Meiſter G. F. V. Berliner Arbeit. 
Der zugehörige Brodteller mit 22,75 em Durchmeſſer zeigt die gleiche Schenkungs— 
inſchrift und iſt ebenfalls Berliner Arbeit, trägt jedoch die Meiſterinitialen O. M. 

Zwei ſilberne Kelche, 26 cm (Abb. 10 links) bezw. 31 cm hoch, mit zuge— 
hörigen Patenen, ſind laut Aufſchrift 1801 von G. Bennewitz geſtiftet. 

Eine zinnerne Patene trägt auf ihrer Unterſeite die Jahreszahl 1758.9) 

Fünf größere Glocken und zwei Uhrglocken hängen in der Glockenſtube bezw. 
in der durchbrochenen Laterne des Turmes. 

In der Glockenſtube: Die ſüdöſtliche von 0,67 m Durchmeſſer iſt laut Aufſchrift 
von Johann George Maukiſch in Berlin 1783 gegoſſen. Die nordöſtliche von 0,73 m 
Durchmeſſer zeigt nachſtehende unzuſammenhängende Aufſchrift: „Anno 1673 den 
S. April sind die Glocken Anno 1675 den 6. Oktob, sind die drei grofsen um- 
) Die Matrikel von 1693 fährt fort: 

An Silberzeuge zum 
gebrauche beym Heiligen 
Er Abent-Mahl. 

1. Seint bey der Droßniſchen Kirche 8. Silberne Kelche, von denen 6. gantz Vergüldet, zwene aber 
durch öffteren Gebrauche weiß worden, benebſt 8. Patenichen auch Vergüldet, unter dieſen Kelchen iſt einer, 
welchen Adam Weidicke Bürger undt Schuſter alhir Anno 1631. verehret hat. 

Es wiegen aber dieſe Kelche, 


Der Kelch eus, J flotß 
Der Kelch Jefus mit 

dem Crues ah. 
Der Kelch Maria. . . 23. l. 
Der Kelch Maria Maria. . 7. l. 


Der Kelch ohne nah— 
men mit einem 


Gruen ELBE 
Der Kelch unten 

mit Figure 3 
Der Kelch unten mit 

Büchſtabe n lh 
Der Kleine Kelch für 

die Kranddenzdnzʒ arte 
Die 8. patenen I; 20. l. 


1 Summa: 7 : 5 loth 

2. Zu ſolchen Kelchen hat anno 1658 Herr Siemeon Niglaß Gerichtsverwandter alhir, nebſt Seiner 
Ehefrauen Frau Eliſabeth Vierhuefen eine Silberne Kanne von 1½ quarte Zier Verguldet, für 54 Thllr: 
12 gr. machen laßen undt der Kirchen Verehret, wiegt 3 =: 

3. Jugleichen haben auch herr Christian Müller itzo Burger-Meiſter undt Landt-Steüer Einnehmer 
undt deßen Ehewirthin Frau Eliſabeth Beylin Ao. 1668. eine Büchſe zu den Hoſtien von getriebenen Silber, 
inwendig gantz, auswendig aber meiſtentheils vergüldet, zu Ihrem gedaͤchtnis der Kirchen Verehret. Sie 
wieget 16. loth. 


Droſſen. 59 


gegossen diese aber nebts (= nebst) der kleinen vnd einer Seigerglocke “.“) 
Auf der Südhälfte der Haube erkennt man den Gekreuzigten mit Maria, auf der 
Nordhälfte eine Madonna in der Art der Voillardſchen Gußſtätte. 

Die mittlere von 1,18 m Durchmeſſer weiſt in einer lateiniſchen Umſchrift auf 
die zweimalige Zerſtörung der Glocke in den Jahren 1674 und 1736 ſowie auf die 
dadurch 1675 nötig gewordene Reparatur und den im Jahre 1737 durch den Kgl. 
Preuß. Stückgießer J. P. Meurer in Berlin erfolgten Umguß hin (vgl. auch Beck— 
manns Nachlaß im Geh. Staatsarchiv). 

Die nordweſtliche mit 0,85 m und die ſüdweſtliche mit 1,03 m Durchmeſſer find 
von C. F. Ulrich in Apolda im Jahre 1895 gegoſſen. 

In der Laterne: Beide Glocken von 0,85 m bezw. 0,45 m Durchmeſſer ſind 
laut Aufſchrift von Franz Voillard im Jahre 1676 gegoſſen. Auch hier erkennt man 
die für die Voillardſche Gußſtätte typiſchen Verzierungen, darunter den Gekreuzigten 
mit fliegendem Lendentuch. 


Die Gerkraudenhirche. 
Baugeſchichte. 

Wie in der einleitenden Überſicht über die Gotteshäuſer und Hoſpitäler bereits 
bemerkt wurde, ſteht der Bau der Gertraudenkirche in engem Zuſammenhang mit der 
Errichtung des gleichnamigen Hoſpitals. Die Gründung der Kirche, die wie die ent— 
ſprechenden Gotteshäuſer zu Frankfurt oder Berlin-Köln vor 
den Mauern der Stadt errichtet war, dürfte alſo bis in 
die früheſte geſchichtliche Zeit Droſſens, d. h. bis in das 
13. Jahrhundert zurückgehen. Der heutige Backſteinbau 
jedoch trat, wie die Bauunterſuchung ergibt, erſt etwa um 
die Mitte des 15. Jahrhunderts an Stelle jenes älteren, 
wahrſcheinlich aus Fachwerk errichteten, inzwiſchen aber 
baufällig gewordenen Gotteshauſes. Urkundliche Nach— 
richten über dieſe vorreformatoriſche Bautätigkeit konnten bis Abb. 14. Droſſen. Grundriß der 
jetzt nicht aufgefunden werden, dagegen ſteht es nachweislich Gertraudenkirche. 
feſt, daß in den Jahren 1578, 1668, 1687 und 1773 zum 
mindeſten größere Ausbeſſerungsarbeiten vorgenommen wurden. Im Jahre 1822 
überließ der Magiſtrat die Kirche den Katholiken zur Abhaltung ihres Gottesdienſtes vor— 
behaltlich des Eigentumsrechtes. Als jedoch am 26. Juli 1822 der König gegen dieſe 
Überlaſſung Einſpruch erhob und die Katholiken an die katholiſche Kirche zu Frankfurt 
zurückverwies mit der weiteren Beſtimmung für den Magiſtrat, die den Katholiken durch 
die Neueinrichtung des Gotteshauſes erwachſenen Koſten zu erſtatten, gelangte die katho— 
liſche Gemeinde erſt nach langwierigem Prozeß zu dieſem Gelde. Nach einem in dieſer 
Angelegenheit abgefaßten Bericht des Magiſtrats vom Jahre 1827 hatten die Katholiken 


) Offenbar find die Zeilen vertauſcht; es ſoll anſcheinend heißen: „Anno 1673 den 8. April find 
die drei großen Glocken umgegoſſen. 
Anno 1675 den 6, Okt. dieſe aber nebſt der kleinen und einer Seigerglocke.“ 


60 Weſtſternberg. 


bei ihren Ausbeſſerungsarbeiten auch Abänderungen vorgenommen, wozu ſie angeblich 
nicht berechtigt waren, indem ſie zwei Türen zumauerten, die alten, in gutem Zuſtand 
befindlichen Fenſter herausnahmen, die Offnungen vergrößerten und die herausgenom— 


Abb. 12. Droſſen. Gertraudenkirche, Weſtanſicht. 


menen Fenſter durch neue erſetzten; denn, ſo heißt es in dem Bericht wörtlich, „die 
neuen großen Fenſterſcheiben ſind ſogar unpaſſend zu dem alten gotiſchen Gebäude, und 
machen weit mehr Reparaturkoſten nöthig als die früheren kleinen, ſind mithin der 
Stadt ein Nachtheil . . .“ Bei der letzten umfangreichen Inſtandſetzung im Jahre 1850 
endlich erhielt der Bau abermals neue Fenſter ſowie auch neue Bänke, ſo daß das 


Droſſen. 


Abb. 13. Droſſen. Inneres der Gertraudenkirche, Blick nach Nordoſten. 


62 Weſtſternberg. 


Gotteshaus während des Umbaues der Jakobikirche in den Jahren 1877 und 1878 
zur Abhaltung des Gottesdienſtes mitbenutzt werden konnte. Zum Schluß ſei noch 
bemerkt, daß der Kruzifixus ſowie die zwei Leuchter und die ſchwarze Altarbekleidung 
eine Stiftung des Oberleutnants a. D. Samuel Friedrich Schober darſtellen, der auch das 
heutige Altarbild ſchenkte, eine minderwertige Kopie der Rubensſchen Kreuzabnahme, 
durch die leider das alte aus dem 17. Jahrhundert ſtammende, auf Holz gemalte 
Altargemälde, das heute dem Altartiſch als Deckplatte dient, verdrängt wurde. 


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Abb. 44. Droſſen. Friedhof, Erbbegrabnis der Familie Bennewitz. 


Baubeſchreibung. 

Gebäude. Die Gertraudenkirche (Abb. 41) iſt ein im Grundriß rechteckiger zweijochiger Back— 
ſteinbau mit dreiſeitigem Oſtſchluß. Die auf den Außenſeiten der Umfaſſungsmauern er— 
haltenen einfachen Strebepfeiler laſſen auf eine urſprünglich beabſichtigte Wölbung 
ſchließen, die jedoch, wie man aus mehreren über den abgetreppten ſpitzbogigen Wand— 
bögen ſitzenden, vielleicht für Malereien beſtimmten, flachſtichbogigen Niſchen im Innern 
ſchließen darf, niemals zur Ausführung kam. Der über einem Sägefries errichtete Weſt— 
giebel (Abb. 42) wird nur durch flache Spitzbogenniſchen und einfache fialenartige Aufſätze 
belebt. Der Verband der Umfaſſungsmauern weiſt einen regelmäßigen Wechſel von 
einem Läufer und einem Binder auf. Das Backſteinformat mißt der Höhe nach 10 cm, 
der Breite nach 13 cm und der Länge nach 29 em; auf zwei Meter Höhe kommen 


Droſſen. 63 


ſechzehn und eine halbe Schicht. Ein zweiteiliges, ſpätmittelalterliches Fenſter durch— 
bricht heute noch die mittlere Polygonſeite des Oſtſchluſſes, während zwei ebenſolche 
ehemals auf der Süd- und Nordſeite des Weſtjoches ſitzende Lichtöffnungen heute von 
außen nur noch als vermauerte Niſchen zu erkennen ſind. Urſprünglich vermittelte 
ein jetzt ebenfalls vermauerter, in der Achſe der Weſtfront ſitzender Doppelzugang, der 
von zwei durch einen Pfeiler getrennte Spitzbogenöffnungen mit abgetreppten Leibungen 
gebildet wird, den Verkehr mit dem Innern. Eine über dem Mittelpfeiler zwiſchen 
den Spitzbögen angebrachte Niſche iſt flachſtichbogig geſchloſſen. Eine Wetterfahne 
über dem weſtlichen Firſtende des Ziegeldaches wurde laut Inſchrift im Jahre 1668 
angebracht. Für einen in dieſem Jahr vorgenommenen Umbau ſind ſelbſt heute noch 


Abb. 15. Droſſen. Friedhof, Erbbegräbnis der Familie Krauſe. 


trotz der mehrfachen ſpäteren Inſtandſetzungen manche Anhaltspunkte gegeben. So 
weiſt ein, von Weſten her gerechnet, über den Scheiteln der erſten Wandbögen 
liegender Unterzug mit der Inſchrift: „Anno 1668 den 11. September“ auf den Tag 
der Fertigſtellung der flachen Holzdecke hin (Abb. 43). Auch der Fußbodenbelag 
dürfte, ſoweit er zum Unterſchied von den Backſteinen mittelalterlichen Formats aus 
quadratiſchen Flieſen von 2020 cm und 28728 em beſteht, auf eine jüngere Bauzeit 
zurückgehen. 


Dem Jahre 1668 gehört das alte Altargemälde an, das, wie ſchon erwähnt, 
jetzt auf dem Altar gewiſſermaßen als Deckplatte dient. Von ſeiner größtenteils 
zerſtörten Inſchrift iſt nur noch zu Füßen des handwerksmäßig gemalten Gekreuzigten 
die vorſtehend wiedergegebene Jahreszahl zu entziffern. Auch der Kanzelkorb mit 


Innere 
Ausſtattung. 


64 Weſtſlernberg. 


ſeinen auf kleinen Konſolen ſtehenden Eckſäulchen und den gequaderten Rundbogen— 
niſchen in den Brüſtungsfüllungen, die Weſtempore, ſowie endlich die beiden 
ſechsarmigen von einem Doppeladler bekrönten, ſonſt einfacheren meſſingenen Kron— 
leuchter ſind in dieſe Bauzeit zu ſetzen. 
Der Einbau unter der Empore ſowie 
die in der Südweſtecke nach dem Dach— 
boden führende Treppe gehoren dem 
19. Jahrhundert an. 


Von drei Kirchhöfen iſt in 
der Beantwortung der Indagandaakte 
im Regierungsarchiv zu Frankfurt vom 
Jahre 1814 die Rede. Von ihnen 
befand ſich der damals bereits ge— 
ſchloſſene mitten in der Stadt bei 
der Jakobikirche, während der zweite 
vor dem Zielenziger, der dritte vor 
dem Frankfurter Tore lag; heute iſt 
nur noch der letztere mit ſeiner „Be— 
gräbniskirche“, der vorſtehend beſchrie— 
benen Gertraudenkirche, erhalten. Trotz 
ſeines hohen Alters gehen aber die 
vorhandenen älteſten Grabdenkmäler 
nicht weiter zurück als bis zur Wende 
des 18. Jahrhunderts. Unter ihnen 
find am bemerkenswerteſten die monu— 
mental angelegten Gruftbauten, wie 
die Bennewitzſche Gruft!) (Abb. 41) 
oder das Erbbegräbnis für die Familie 
Krauſe (Abb. 15). Als beſcheideneres 
Einzeldenkmal mit etwas handwerks— 
mäßig modellierter, figürlicher Beigabe 
ſei das Grabmal (Abb. 46) der Frau 
A. M. Hübner geb. Richter, geb. 20. 
Juli 1738, geſt. 21. Februar 1802, hier 


Abb. 16. Droſſen. Friedhof, Grabmal. wiedergegeben. 


Das Rathaus. 
Das Rathaus (Abb. 17), ein nüchterner gotiſierender Putzbau, wurde an Stelle 
eines alten, ſpätgotiſchen Backſteinbaus nach den Plänen des Regierungs- und Baurats 


) Georg Wilhelm Bennewitz, Kaufmann, geb. 31. Dezember 1741, geſt. 16. Februar 1798. 


Droſſen. 65 


Flaminius in den Jahren 1842 bis 181 errichtet. Das angeblich wegen Baufälligkeit im 
Oktober 1841 leider niedergeriſſene alte Gebäude (Abb. 48) war nach Holtzinger in den 
Jahren 1543 und 1544 erbaut worden. Zum Jahre 1599 iſt bei Beckmann der Bau zweier 
Gewölbe am Rathaufe verzeichnet, die jedoch 1646 wieder eingefallen ſeien. Der weitere 
Bericht bei Beckmann: „1655 ward zu Rahthauſe von der Judit geſpielet“ beweiſt, daß 
ähnlich wie ſchon im 17. Jahrhundert im Frankfurter Rathaus auch hier in Droſſen 
von wandernden „Komödianten“ Theateraufführungen veranſtaltet wurden. Derſelbe 
Gewährsmann ſchildert den Bau wie folgt: „Das Rahthauß iſt gantz von Stein 
mitten auf den Markt, Audience Stube oben, vorwerts nach Norden unter welcher die 


Abb. 17. Droſſen. Rathaus und Kirche. 


Accise Stube, ſo gewölbet und vorhin die gerichts Stube geweſen.“ Dieſe Beſchreibung 
wird vervollſtändigt durch die Wiedergabe des Rathauſes auf der Merianſchen Stadt— 
aufnahme und vornehmlich durch eine Abbildung des alten Rathauſes auf einer Schützen— 
ſcheibe aus dem Jahre 1841 in dem im jetzigen Rathaus untergebrachten Muſeum. 
Darnach war das alte Rathaus ein zweiſtöckiger, langgeſtreckter, an den Ecken und 
auf den beiden Längsſeiten mit einfach abgeſtuften Strebepfeilern beſetzter Backſteinbau, 
deſſen mit einem reicher durchgebildeten Backſteingiebel geſchmückte Hauptfront nach 
Norden gerichtet war. Ein in der Achſe dieſer Giebelſeite angelegter Zugang war 
ſpitzbogig geſchloſſen im Gegenſatz zu den meiſt rechteckigen Fenſterausſchnitten des 
Gebäudes. Eine zweite Tür führte von Oſten her nach dem Innern. Auf den Süd— 
giebel, der anſcheinend Renaiſſanceformen zeigte, dürfte ſich eine Notiz bei Beckmann 
bezogen haben, nach der im Jahre 1602 der Giebel am Rathauſe erbaut worden jet. 
Kunſtdenkm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. 5 


66 Weſlſlernberg. 


Trotz der mangelhaften Wiedergabe des alten Rathauſes auf der Schützenſcheibe zeigt 
ein Vergleich unſerer Abb. 48 mit dem Flaminiusſchen Bau zur Genüge, welch 
maleriſches Geſamtbild mit der hochragenden Jakobikirche im Hintergrund durch den 
unglücklichen Erſatzbau zerſtört wurde. 

Das im Rathaus in neuerer Zeit eingerichtete Muſeum birgt, abgeſehen von 


2 
2 
2 


Abb. 48. Droſſen. Altes Rathaus auf einer Schützenſcheibe vom Jahre 1841. 


vorgeſchichtlichen Funden, außer jenem vorerwähnten Schützenſcheibenbild noch eine 
Anzahl weiterer Schützenſcheiben meiſt aus der erſten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Von 
den mannigfaltigen übrigen Muſeumsgegenſtänden ſeien ihrer gegenwärtigen Anordnung 
nach genannt: viele Bruchſtücke von ehemaligen Ausſtattungsſtücken der Renaiſſance— 
und Barockzeit, darunter eine Wetterfahne der früheren Georgenkapelle mit der In— 


- .- iS — . * - 0 — ie — 
ſchrift 68, ſowie mehrere Bauern- und Bürgerepitaphien der erſten Hälfte des 


Droſſen. 


e, Blick nach Oſten. 


+ 
3 


Straf 


Breite 


x 


8 


Droſſen. 


Abb. 49. 


WHOLE oe e 


Apa 


"da 


68 


Weſlſlernberg. 


Droſſen. 69 


19. Jahrhunderts aus der Jakobikirche, endlich verſchiedene neuere Pläne dieſes Gottes— 
hauſes. Ferner ſind zu nennen: eine große Anzahl von Fiſchereigeräten und Innungs— 
truhen; dazu außerdem ein vollſtändiges Verzeichnis der Schützenkönige beginnend mit 
dem Jahre 1645; eine reichhaltige Münzenſammlung, mehrere Siegel und Siegelſtöcke 
der verſchiedenen Gewerke; ein Herbergsſchild der Maurergeſellen; viele Schlöſſer, 
Türklopfer und Schlüſſel; eine Anzahl der verſchiedenſten Maßgefäße. Neben Bau— 
entwürfen der mannigfaltigiten Art find Lehrbriefe u. dgl. m. ausgeſtellt, dazu kommen 
Innungsfahnen ſowie Gildenpokale aus dem 18. Jahrhundert bis zur Neuzeit. Kultur— 
geſchichtlich von Bedeutung ſind auch die Löſch- und Hausgeräte ſowie Waffeleiſen, 
Honigkuchen- und Handdruckformen. In der Mitte des Saales endlich ſind in Schränken 
Aktenſtücke und Urkunden aus dem 16. Jahrhundert bis zur Neuzeit ausgeſtellt, 
ferner die Euchlerſche Aufnahme der Stadt (vgl. Tafel 2) und mehrere z. T. ältere 
Buchdrucke. 


Wohnhäuſer. 

Infolge der vielen Brände, die Droſſen im Laufe der Jahrhunderte heimſuchten, 
dürften nur wenig Wohnhäuſer vorbarocke Reſte aufweiſen; hierher gehört das Haus 
Alter Markt Nr. 5. Sein aus Fachwerk errichtetes Obergeſchoß, das nach der Markt— 
ſeite zu erſt in jüngerer Zeit völlig überpußt wurde, gehört zwar auch anſcheinend erſt 
einer Zeit an, die nach einem der ſpäteren Stadtbrände folgte; im maſſiven Unter— 
geſchoß dagegen läßt unzweifelhaft ſchon das mit Sitzniſchen verſehene, ſtichbogig 
geſchloſſene Hauptportal auf das 16. Jahrhundert als die Zeit ſeiner Entſtehung ſchließen. 
Dieſe Schlußfolgerung wird noch beſtätigt durch die charakteriſtiſche Balkendecke im 
Erdgeſchoß mit den ſchmalen, weißgetünchten Zwiſchenfeldern, die an den Kanten der 
Unterzüge dieſelbe typiſche Frührenaiſſance-Profilierung zeigt wie die frei vorgelegten 
Wandſtützen in dem Erdgeſchoßraum ſüdlich vom Hausflur. 

Auf vorbarocke Reſte in anderen Häuſern ſoll hier, weil ſie kunſtgeſchichtlich 
zu belanglos ſind und auch namentlich im Straßenbild nicht in die Erſcheinung treten, 
nicht weiter eingegangen werden. Die übrigen älteren Wohnhäuſer aber, die Fach— 
werkhäuſer nicht ausgeſchloſſen, tragen überwiegend das Gepräge von Bauten aus 
dem 18. und dem Anfang des 19. Jahrhunderts und ſollen in alphabetiſcher Reihenfolge 
nach Straßennamen geordnet möglichſt unter Hervorhebung der hauptſächlichſten Eigen— 
tümlichkeiten nachſtehend aufgeführt werden: ſo bilden im Gegenſatz zu benachbarten 
ſchematiſchen Backſteinbauten der neueren Zeit die beiden Fachwerkhäuſer Alter 
Markt Nr. 3 und Nr. 4 eine bemerkenswerte, maleriſche Gruppe. Wiederum ein 
abwechslungsvolles Bild zeigt mit ihren Fachwerkhäuſern die Breite Straße (Abb. 19). 
Hier folgen auf die beiden zweiſtöckigen Bauten Nr. 1 und Nr. 3 mit ihrer der Straße 
zugekehrten Traufe Häuſer mit abgewalmtem oder einfachem Giebel wie bei Nr. 8 
und Nr. 10, um dann von den einſtöckigen Bauten Nr. 11 und Nr. 17 oder von dem 
zweiſtöckigen Fachwerkhaus Nr. 21 abgelöſt zu werden. Auch die im Bogen ſich hin— 
ziehende Kirchſtraße (Abb. 50) beſitzt noch mehrere Bauten dieſer Art; erwähnt 
ſeien die kleinen, einſtöckigen Beiſpiele Nr. 5, 6 und 7 ſowie Nr. 13, die jedoch zurück— 


0 Weſlſlernberg. 


Abb. 51. Droſſen. Jakobikirche, Südſeite, im Vordergrund das Pfarrhaus. 


171 


Droſſen. 


— — 


— —— 


eee rn PR eee bung allarg; 


89 9978 


2 Weſlſternberg. 


Abb. 53. Droſſen. Lange Straße, Blick nach Südoften. 


treten müſſen, verglichen mit dem langgeſtreckten, 
zweiſtöckigen, im Jahre 1751 ebenfalls aus Fach— 
werk errichteten Spinnhaus am Kirchplatz ſüd— 
weſtlich von der Kirche. Der bedeutendſte Bau iſt 
endlich das aus dem 17. Jahrhundert ſtammende 
Pfarrhaus (Abb. 51), das die Südſeite des Kirch— 
platzes abſchließt. 

In weſentlichem Gegenſatz zu den Fachwerk— 
bauten ſtehen die Putzfaſſaden, von denen wohl die 
Lange Straße die verſchiedenartigſten Beiſpiele auf— 
zuweiſen hat. Mag auch noch manches Fachwerkhaus 
unter dem Putz verborgen ſein, ſo dürfte die Mehr— 
zahl der Bauten mit maſſiven Umfaſſungsmauern 
aufgeführt worden fein. Einfachere, einſtöckige Putz— 
bauten wechſeln zunächſt mit ebenſo ſchlichten aber 
Abb. 54. Droſſen. Grundriß one zweiſtöckigen, ihrer architektoniſchen Durchbildung nach 

Poſtſtraße Nr. 1. aus dem Ende des 18. Jahrhunderts ſtammenden 


Droſſen. 73 


Häuſern in der Langen Straße Nr. 1 bis 5. Wenn auch das Gaſthaus zur Goldenen 
Sonne, Lange Straße Nr. 6 in dem Dreieckgiebelaufſatz der von Liſenen geglie— 


Abb. 55. Droſſen. Eingang zur Roſenſtraße. 


derten, zweiſtöckigen Faſſade unter dem aus den Buchſtaben E. F. B. gebildeten 
Monogramm die Jahreszahl 1835 zeigt, ſo dürfte doch der Bau, nach ſeiner für die 
erſte Hälfte des 18. Jahrhunderts typiſchen Durchbildung und vor allem nach den 
Reſten ganz einfacher Stuckdecken im erſten Obergeſchoß zu urteilen, etwa 100 Jahre 


74 Weſlſternberg. 


älter ſein. Bemerkenswerte Formenverwandtſchaft zeigen die beiden Häuſer Lange 
Straße Nr. 8 und Nr. 11 mit ihren in der Achſe des Mittelriſalits ſitzenden Zugängen 
und den von Liſenen flankierten Fenſtern des Obergeſchoſſes. Ihre architektoniſche 
Gliederung weiſt ebenſo wie die formale Durchbildung des Meſſingbeſchlags auf den 
Ausgang des 18. Jahrhunderts hin. Auch der ſechsachſige, zweiſtöckige, ebenfalls nur 
über dem Gurtgeſims durch Liſenen gegliederte Bau Nr. 12 dürfte etwa zur gleichen 
Zeit aufgeführt worden ſein, zum Unterſchied von dem Haus Lange Straße Nr. 13, 


Abb. 56. Droſſen. Frankfurter Vorſtadt. 


das mit feinen durchgehenden Liſenen ebenſo wie die benachbarte maleriſch beranfte 
Faſſade Nr. 14 etwas jünger iſt (Abb. 52 im Vordergrund rechts). Ausgeſprochene 
Rokokoformen zeigt u. a. in den als Muſcheln geſtalteten Fenſterſchlußſteinen die 
Faſſade Nr. 16 (Abb. 53 im Vordergrund links), während das aus dem Anfang 
des 19. Jahrhunderts ſtammende Haus Nr. 19 einen bemerkenswerten Meſſingbeſchlag 
aufweiſt. Auch in der Folge reihen ſich Gruppen von zweiſtöckigen Bauten mit 
durchgehenden oder nur im Obergeſchoß vorhandenen Liſenen wie bei Nr. 20 be— 
ziehungsweiſe Nr. 40 an ganz ſchlichte Putzfaſſaden, um wieder abgelöjt zu werden von 
Gruppen mit vorſpringendem oder zurückliegendem Mittelriſalit, z. B. Nr. 29 bis 36 
und Nr. 43 beziehungsweiſe Nr. 42. Von jenen verdient das Haus Nr. 29 noch be— 
ſonders hervorgehoben zu werden wegen ſeines von Pilaſtern eingefaßten, nach oben 


Droſſen. 75 


von einem Rundbogen abgeſchloſſenen, klaſſiſch ſchlichten Balkoneinbaus. So legen 
alle dieſe älteren Bauten der Langen Straße, ſelbſt Nr. 45 mit ſeinem abgewalmten 
Giebel und auch die ganz ſchlichten Putzfaſſaden Nr. 46 bis 52 nicht ausgeſchloſſen, 
Zeugnis ab von der regen Bautätigkeit, die namentlich in dieſer Hauptverkehrsſtraße 
der Stadt im 18. und 19. Jahrhundert herrſchte. 

Späteſtens dem Anfang des 18. Jahrhunderts mag wohl die Häuſergruppe Neuer 
Markt Nr. 7, 8 und 9 angehören, in der ſich der zuerſt genannte Bau durch ſeine ſicher 
aus ſpäter Zeit ſtammende Faſſade mit dem durch Pilaſter geteilten Obergeſchoß hervorhebt. 


0 


HA e 
a 


Abb. 57. Droſſen. Kietzer Straße. 


Von den drei Bauten Poſtſtraße Nr. 1, 19 und 24 zeichnet ſich der erſtgenannte, 
ein zweiſtöckiger Fachwerkbau aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts mit ſeinem ab— 
gewalmtem Giebel durch einen intereſſanten Grundriß (Abb. 54) mit der „ſchwarzen 
Küche“ aus; die beiden anderen gehören trotz des gebrochenen Daches bei Nr. 19 
in ihrem heutigen pilaſtergeſchmückten Gewand, nach den vorhandenen Rokokoformen 
zu ſchließen, dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts an. 

So einfach endlich die nahezu dürftigen Fachwerkhäuſer Roſenſtraße Nr. 5,7 
und 9 ſind (Abb. 55), ebenſo ſchlicht zeigen ſich die überwiegend einſtöckigen Putzbauten 
im Stadthof. 

Zum Schluß ſei noch in der Frankfurter Vorſtadt (Abb. 56) auf die mit 
Vorgarten verſehenen Fachwerkbauten Frankfurter Straße Nr. 54 und 55 ſowie 


76 Weititernberg. 


Abb. 58. Droſſen. Fachwerkhäuſer in der Parkſtraße. 


auf die typiſchen Häuſer in der Kietzer Straße (Abb. 57) hingewieſen, während in 
der Zielenziger Vorſtadt u.a. die maleriſchen Fachwerkhäuſer in der Parkſtraße 
(Abb. 58) Erwähnung verdienen. 


Frauendorf. 


Trauendorf, Straßendorf 5,5 km ſüdlich von Göritz. 592 Einw., Landgem. 
758 ha, Gutsbez. 676 ha. 

Der Name des Dorfes hängt vielleicht damit zuſammen, daß ſich hier zeitweilig 
das ſpäter nach Göritz gebrachte wundertätige Marienbild befand (Wohlbrück, Bistum 
Lebus III, 510). 1367 beſtätigte Markgraf Otto aus dem Hauſe Wittelsbach dem Lebuſer 

g Domkapitel den Beſitz von „Vrouwendorff“, das 
es von den Gebrüdern Sack erkauft hatte (Geh. 
Staatsarchiv, Urk. des Hochſtiftes Lebus; val. 
Riedel, Coder XX, 236). Einem lebuſiſchen 
Kirchenkataſter aus dem 15. Jahrhundert zufolge 
umfaßte die Gemarkung 40 Hufen, „das dorff 
hot NL hüben“, von denen der Pfarrer 3, 
der Schulze 4 Freibufen beſaß. 1563 verkaufte das 
Abb. 59. Frauendorf. Grundriß der Kirche. Domkapitel ſeinen Beſitz dem Markgrafen Johann 


* 


Droſſen — Frauendorf. TR 


Georg. In Urkunden im Radacher Herrenhaus aus der Zeit um 1600 wird Joachim 
v. Winterfeld auf Frauendorf und Sandow genannt. Friedrich Wilhelm J. erkaufte 
das Dorf 1716 vom Oberforſtmeiſter v. Lüderitz. Die Zahl der Einwohner ſtieg hier, 
im Mittelpunkte eines großen Amtes, ſehr an, ſodaß zu Beginn des 19. Jahrhunderts hier 
352 Einwohner, darunter 8 Bauern, 9 Koſſäten und 35 Büdner, ſaßen (Bratring, 
Beſchreibung der Mark III, 279). Das Rittergut, früher Amtsvorwerk, iſt ſeit 1841 
Prinzlich-Preußiſches Fami— 
lienfideikommiß (vgl. Berg— 
haus, Landbuch III, 274). 


Die Kirche (Abb. 59 u. 60), 
ein im Grundriß einfach recht— 
eckiger, von Efeu völlig über- 
wucherter maſſiver Putzbau 
mit Weſtturm und einer dem 
öſtlichen Drittel der Nord— 
ſeite vorgelegten Patronats— 
loge, gehört in ihrer heutigen 
Geſtalt der erſten Hälfte des 
18. Jahrhunderts an.) Der 
Weſtzugang und das Portal 
auf der Nordſeite ſchließen 
im Gegenſatz zu den rund— 
bogigen Lichtöffnungen des 
Gotteshauſes nach oben ſtich— 
bogig. Der Zugang auf der 
Oſtſeite der im Innern flach— 
gedeckten Patronatsloge iſt 
ebenſo wie die Fenſter dieſes 
Bauteils einfach rechteckig ge— 
ſtaltet. Das Kirchenſchiff be— 
ſitzt eine Voutendecke. Der 
Orgelempore im unteren 
Turmgeſchoß entſprechen auf der Nordſeite ſowie auf der halben Südſeite des Kirchen— 
innern Emporeneinbauten. 

Die hinter dem Altar errichtete einfache Barockkanzel mit dem Paſtorenſtuhl 
zeigt über dem Deckel das Monogramm Friedrich Wilhelms J., überragt von einer Krone. 

Die Orgel gehört der Mitte des 19. Jahrhunderts an. 

An den Wänden hängen Erinnerungstafeln an die Kriegsjahre 1813, 1814 
und 1870. 


) Vgl. auch Beantwortung der Indagandaakte vom Oktober 1814 (Regierungsarchiv zu Frankfurt): 
„Das Kirchengebäude ſteht der Angabe nach fünfundſiebzig Jahre.“ 


Abb. 60. Frauendorf. Kirche von Südoſten. 


78 Weſlſlernberg. 


Abb. 61. Frauendorf. Denkmal in der Kirche. 


Frauendorf — Groß-Gandern. 19 


Links vom Altar befindet ſich das am 6. Auguſt 1801 
für die erſte und zweite Frau des Amtsrats Haack aus ver— 
ſchiedenfarbigem Marmor verfertigte Denkmal (Abb. 61). 
Es beſteht aus einem mit Eckakroterien und kleinen 
Giebelaufſätzen über jeder Inſchriftſeite verſehenen vier— 
eckigen Unterbau und einer ebenfalls mit Inſchrift ge— 
ſchmückten halben Säule; die das Denkmal bekrönende 
Vaſe im Empiregeſchmack trägt das Doppelbildnis der 
beiden Frauen. 

Die beiden ſilbernen Kelche (Abb. 62), 22, cm 
hoch, innen ſtark vergoldet, in reichen Rokokoformen 
mit zugehörigen Patenen wurden 1776 von der Familie 
Haack geſtiftet, Berliner Arbeit, Goldſchmied Meyer; auf 
denſelben Stifter gehen vielleicht auch zwei Kommunions— 
tücher aus weißer Seide mit dem Namenszug J. C. H. 
zurück. 

Vorhanden ſind außerdem noch: eine ſechseckige 
zinnerne Deckelflaſche, 25cm hoch, mit der Inſchrift: 
„Kirchenflasche zu Fraundorf 1768“ (Abb. 63 rechts); 
eine gleichfalls zinnerne, gleichaltrige Ziborienſchachtel 


4 : ; ’ 5 Abb. 62. Frauendorf. 
(Abb. 63 links) und ein kleiner, anſcheinend ebenfalls Kelch in der Kirche. 


der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts angehöriger Krankenkommunionskelch mit 
Patene aus demſelben Metall. Die übrigen Kirchengeräte in häßlichen modern— 
gotiſchen Formen wurden im Jahre 1905 angeſchafft. 

Zwei Glocken. Die weſtliche mißt 0,95 m, die öſtliche 0,75 m im Durchmeſſer, 
beide ſind von Guſtav Collier in Zehlendorf 1898 gegoſſen. 


Groß-Gandern. 


Groß-Gandern, Angerdorf 15,5 km ſüdöſtlich von Reppen. 778 Einw., 
Landgem. 1873, Gutsbez. 1647 ha. 

Unter den Dörfern, die im Jahre 1350 laut Urkunde vom 24. Dezember der 
Johanniterorden von denen von Klepzig erkauft hatte, befand ſich auch „Gander“ 
vgl. Abdruck nach der Dickmannſchen Sammlung im Geh. Staatsarchiv bei Riedel, 
Codex XIX, 137). Die Gemarkung umfaßte laut Lebuſer Regiſter aus dem 15. Jahr— 
hundert 54 Hufen, von denen 4 Freihufen dem Pfarrer zuſtanden. „Dy Grenitz zeum 
Gander“ wird in einer Urkunde von 1437 erwähnt; laut Urkunde vom 17. März 1438 
waren „Peter von Loſſow, zu Drenczig geſeſſin, und die Inwonere des Dorffis 
Gander“ im Zwiſt mit den „Lobener zu Thamendorff“ (Geh. Staatsarchiv, Urk. 
märkiſcher Ortſchaften, Gander Nr. 1; vgl. Riedel, B. IV, 1644; Urkunde Gander, 
Nr. 2, mit 5 wohlerhaltenen Siegeln), und in einem Lehnbrief von 1486 für Hans 
Loſſow wird „Gander“ ein Städtchen, „Stettichen“, genannt (Riedel XX, 168). 


80 Weititernberg. 


Vom 16. Jahrhundert bis 
nach 1724 ſind hier viele 
Mitglieder der Loſſows, 
nachweisbar. Zu Beginn 
des 19. Jahrhunderts 
ſaßen im Dorfe die von 
Oppen (Bratring, Be— 
ſchreibung der Mark III, 
278; vgl. Berghaus, 
Landbuch III, 286). Seit 
1871 iſt das Rittergut 
Beſitz der fürſtlich-hohen— 
zollernſchen Familie. Das 
Dorf führt den Zuſatz 
„Groß“ ſchon im 17. Jahr- 
hundert, wie aus einer 
Vaſallentabelle von 1644 
hervorgeht (v. Eickſtedt, 
Beiträge zu einem neueren 
Landbuch, S. 287). 


Einem Viſitations— 
protokoll im Groß-Gan—⸗ 
dernerKirchenrechnungs— 
buch vom 27. Mai 1719 
zufolge war das damalige 
Gotteshaus, das vollſtän— 

Abb. 63. Frauendorf. Taufkanne und Oblatenſchachtel in der Kirche. dig aus Holz hergeſtellt 
war, einen Turm und in 

der Mitte ein kleines „Signirglöcklein“ hatte, ſo baufällig, daß an ſeiner Stelle ein 
Jahr ſpäter die heutige Kirche aus Backſteinfachwerk errichtet wurde. Dieſer Bau, der 
vor drei Jahren abgebrochen wurde, zeigte 5 
eine im Grundriß (Abb. 64) langgeſtreckte 
Anlage mit dreiſeitigem Oſt- und Weſtſchluß, 
während ſich dem mittleren Drittel der Nord— 
und Südſeite je ein Anbau vorlegte. Der 
vor der mittleren Polygonſeite des Weſt— 
ſchluſſes noch bis zum Jahre 1750 erhaltene 
Holzturm mußte dann bis auf den heute 
noch ſtehenden Unterteil wegen Baufälligkeit 
abgetragen werden. Eine Wetterfahne auf 
der weſtlichen Dachſpitze zeigte die an das Abb. 64. Groß-Gandern. Grundriß der Kirche. 


Frauendorf — Groß-Gandern. 81 
BVL 

Patronat derer von Loſſow im 17. Jahrhundert erinnernde Inſchrift 1 7 (Chriſt. 
B. v. Loſſow, Sebaſtian v. Loſſow)z die öſtliche Dachſpitze zierte ein Hahn. Die Lichtöffnungen 
waren ebenſo wie die Zugangstüren einfach rechteckig. Eine Tür führte auf der Süd— 
ſeite des entſprechenden Vorbaus nach der Treppe der ehemaligen Patronatsloge. 
Rechts davon gelangte man durch eine zweite Offnung nach dem flachgedeckten mit 
Mittelſtützen verſehenen Kircheninnern; außerdem dienten 2 Treppen im nördlichen 
Vorbau und je eine an der nordweſtlichen ſowie an der öſtlichen Innenſeite der 
Kirche und im Turm als Zugangs— 
treppen zu den auf der Nord- und 
Weſtſeite vorgeſehenen Emporen. 

Der Zugang zu dem nach einer 
Aufzeichnung im Kirchenrechnungs— 
buch unter dem Gebäude vorhandenen 
Gruftgewölbe iſt nachträglich ver— 
mauert worden. 

Der Altar zeigte im Mittelfeld 
ſeines z. T. zerſtörten, ſeiner Zu— 
ſammenſetzung nach dem Jahre 1602 
angehörigen Aufbaues, die anſchei— 
nend von einem älteren Ausſtattungs— 
ſtück übernommene Geſtalt Gottvaters 
in Hochrelief. Ferner erkannte man 
auf dem linken Flügel des Altar— 
ſchreins die heilige Anna, auf dem rech— 
ten Maria, während in der Predella 
und im oberſten Aufbau der damals 
üblichen Reihenfolge entſprechend die 
Darſtellungen des Abendmahls und 
der Auferſtehung angebracht waren. 

Die Kanzel war barock. Die 
Innenſeite ihrer Zugangstür wies noch bunte Bemalung auf. 

Die im Grundriß ſechseckige Renaiſſancetaufe in Kelchform (Abb. 65), deren 
zerſtörten Deckel man unter der nördlichen Emporentreppe aufbewahrte, wurde nach 
einer Inſchrift im Jahre 1750 auf Koften des Fräulein Chriſtina Loyſa v. Widawſfki 
„reſtauriert“. Die 6 Außenſeiten der oberen Hälfte zeigten abwechſelnd aufgemalte 
Engelsköpfchen und Wappen der Stifter mit entſprechend darüber angebrachten Bibel— 
ſprüchen und auf die Stifter bezugnehmenden Inſchriften. Nach der einen über dem 
Wappen des Melcher v. Loſſow, „Jacops des Eltern Sohn“, angebrachten Inſchrift 
hatte dieſer im Mai 1622 die Taufe „malen und verfertigen“ laſſen. Der anderen 
Inſchrift, die ſich auf Barbara geb. Winnig, Witwe des Jacob v. Loſſow des 
„Eltern“ bezog, war die Jahreszahl 1611 beigefügt. Das dritte Wappen endlich zeigte 
3 Sicheln und gehörte der Eliſabeth Erdmuht geb. Winnig an. Die zinnerne Tauf— 


Abb. 65. Groß-Gandern. Taufe in der Kirche. 


Kunſtdenkm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. 6 


82 Weſlſlernberg. 


ſchüſſel war laut Aufſchrift eine Stiftung der Friederike Metzner und ſtammte aus 
dem Jahre 1843. 

Die Orgel zeigte ein einfaches barockes Gehäuſe und war ſehr beſchädigt. 

Ein hinter dem Altaraufbau ſtehender zweitüriger Spätrenaiſſanceſchrank 
aus Kiefernholz mit aufgemalten reichen Ornamenten beſaß auf der Außenſeite der linken 
Tür das Wappen des Melcher v. Loſſow und die Jahreszahl 1622, das entſprechend 
auf der rechten Tür aufgemalte Wappen mit der gleichen Jahreszahl gehörte ſeiner 
Ehefrau Eliſabet geb. Ertmut an. Die Inſchrift über den Türen endlich bezeichnete 
den Schrank als „Ornaht Spindt“. 

Außer einem barocken Leſepult waren noch vorhanden: eine hölzerne Toten— 
tafel auf der Nordempore für Johanna Friederica v. Loſſow, geb. 2. Okt. 1742, 
geſt. 19. Jan. 1743; am Fuße erkannte man die Wappen derer v. Loſſow und v. Rohr. 

Zwei hintermalte Glastafeln in Holzrahmen hängen rechts und links von der 
Kanzel. Die öſtliche zeigte den Gekreuzigten zwiſchen den Schächern und zwei männliche 
und ebenſoviel weibliche Figuren am Fuße des Kreuzes, außerdem entſprechende Begleit— 
ſprüche und die Jahreszahl 1718. Die Figurengewänder und die Buchſtaben waren gold— 
farben auf braunem Grund, die Körperteile ſilbergrau. Die weſtliche zeigte eine Inſchrift, 
nach der die Anfertigung zu Ehren der Johanna Lucretia Warmborn (geb. 21. Aug. 1691, 
geſt. 12. April 1717) durch ihren Bruder Samuel Adolph Warmborn erfolgte. 

Weiter öſtlich endlich hing die hölzerne Totentafel des Predigers Chriſtian 
Warmborn, geb. 24. Dez. 1654 zu Sandow, geſt. 5. Nov. 1725; auch ſie war von 
ſeinem Sohne Samuel gemalt. 

Zwei meſſingene Renaiſſancekronleuchter waren modern. 

Zwei barocke Altarleuchter aus Zinn wurden laut Kirchenrechnungsbuch im 
Jahre 1674 für 2 Taler und 23 Silbergroſchen angeſchafft. 

Ein ſilberner Abendmahlskelch, 23 cm hoch, war 1854 von Perponcher— 
Sedlnitzky geſtiftet worden. Die zugehörige Patene war etwas jünger. 

Zwei Glocken. Die ſüdliche von 0,77 m Durchmeſſer zeigte am Hals 12 Medaillen 
mit Darſtellungen aus der Lebens- und Leidensgeſchichte des Herrn und mit Evangeliſten-“ 
ſymbolen. Die nördliche maß 0,59 m im Durchmeſſer, beide waren noch mittelalterlich. 

0 Ein großer Teil dieſer Ausſtattungsſtücke 
dürfte in die neue Kirche übernommen werden. 


Klein-Gandern. 

Klein-Gandern, Angerdorf 12,5 km ſüdlich 

von Reppen. 202 Einw., Yandgem. 231 ha, Guts⸗ 
bez. 651 ha. 

Abb. 66. Klein-Gandern. Grundriß „Gandekow“ kam 1350 an den Johanniter— 

der Nische: orden (Urk. vom 24. XII., Geh. Staatsarchiv; vgl. 

Riedel, Codex NIX, 137). Laut Lebuſer Kataſter im Geheimen Staatsarchiv war der 

Ort mit 28 Hufen, und zwar wohl ſchon in der Zeit der deutſchen Koloniſation, aus— 

geſtattet worden. Verſchiedene neumärkiſche Adelige, z. B. die v. Ilow, ſind hier als 


Groß⸗Gandern — Klein⸗Gandern. 83 


Lehnsträger des Or— 
dens im 15. und 16. 
Jahrhundert nach— 
weisbar (Wohl- 
brück, Bistum Le— 
bus III, 534). Am 
Ausgang des 18. 
Jahrhunderts ſaßen 
zu „Klein Gander“ 
die v. Oppen (Brat⸗ 
ring, Beſchreibung 
der Mark III, 279; 
vgl. Berghaus, 
Landbuch III, 304). 


Die Kirche 
(Abb. 66 und 67), 
ein im Grundriß 
rechteckiger Back— 

ſteinfachwerkbau 
mit Weſtturm, deſ— 
ſen untere Hälfte 
einſchließlich der 
beiden ſeitlichen 
Anbauten ſich der 
ganzen Breite der 
Weſtfront vorlegt, 
wurde 1780 ge— 
baut.!) Die Licht— 
öffnungen ſind eben— 
ſo wie die beiden 
Zugänge von We— 
ſten und Suͤden her 
einfach rechteckig. 
Im Innern iſt außer dem mittleren Geſtühl und den an der Süd- und Weſtwand 
ſich entlangziehenden Sitzen, in der nordweſtlichen Ecke, dem gegenüberliegenden 
Paſtorenſtuhl entſprechend, ein einfaches Chorgeſtühl eingebaut, während der Pa— 
tronatsſtuhl, ſechs Stufen über dem Kirchenſchiffboden erhöht, vor der Mitte der 
Nordwand dem Südzugang gegenüber vorgeſehen iſt. 

Der Kanzelaltar zeigt einfache ſchlichte Formen. 
Die Orgel gehört der neueren Zeit an. 


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Abb. 67. Klein-Gandern. Anſicht der Kirche von Süden. 


) Vgl. Beantwortung der Indagandaakte im Regierungsarchiv zu Frankfurt. 


84 Weſlſternberg. 


Zwei einfachere Zinnleuchter, 26 em hoch, Frankfurter Arbeit, zeigen barocke Formen. 

Ebenfalls Frankfurter Arbeiten ſind ein 24 cm hoher Zinnkelch und eine zu— 
gehörige Patene, beide mit dem Stempel: G. B. B. 62. 

Die übrigen Kirchengeräte gehören der neueren Zeit an. 

Eine ſpätgotiſche hölzerne Figurengruppe zeigt reiche Spuren von Gold und 
Silber und vielfarbiger Bemalung. 

Zwei Glocken. Die ſüdliche hat 0,60 m, die nördliche 0,55 m Durchmeſſer, 
beide laut Aufſchrift „gegoſſen von Franz Schilling i. F. Carl Friedr. Ulrich in 
Apolda Thüringen, Allenſtein Oſtpreußen, 1896“. 

Das Herrenhaus, zu deſſen in der Achſe gelegenem Zugang eine Freitreppe 
hinaufführt, iſt ein einſtöckiger, ſchlichter, maſſiver Putzbau mit mächtigem, gebrochenem 
Ziegeldach. Es gehört ſeiner Formgebung nach dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts 
an. Gleichzeitig mit dem Hauptbau iſt auch die ebenfalls überputzte Umfaſſungsmauer 
des Gutshofes, während die Dfonomiegebäude in neuerer Zeit keineswegs zum Vorteil 
des Geſamtbildes durch Neubauten völlig verdrängt wurden. 

Eine Anzahl ſtrohgedeckter Blockhäuſer ſäumen die andere Seite der Straße 
gegenüber dem Gutshof. 

Görbitſch. 

Görbitſch, Straßendorf 11 km oſtſüdöſtlich von Reppen. 372 Einw., Yandgem. 
519 ha, Gutsbez. 1867 ha. 

Im 15. Jahrhundert ſaßen zu „Gorbitz“ die v. Winning, wie u. a. aus einer 
Eintragung in ein Kurmärkiſches Lehnskopiar vom 12. März 1458 für Hans Wynnyng 
erhellt (Geh. Staatsarchiv; vgl. Riedel, Codex XIX, 161; XXIV, 194; Wohlbrück, 
Bistum Lebus III, 482). Im 17. Jahrhundert ſetzten ſich hier die v. Kettwich feſt, die 
einem im Lande Sternberg ſchon ſeit 1540 vielfach verbreiteten und 1780 erloſchenen 
Geſchlecht entſtammten (v. Eickſtedt, Beiträge zu einem neueren Landbuch, S. 186, 
255 ff.). Daneben waren hier aber auch noch die v. Newen- oder Nawendorf begütert, 
deren erſter zu „Gorbitzſch“ bereits 1518 nachweisbar iſt. Um die Wende des 
S. Jahrhunderts war Kriegsrat v. Winterfeldt im Beſitze der gutsherrlichen Gerechtſame 
in dem 180 Seelen zählenden Dorf (Bratring, Beſchreibung der Mark III, 280, ſeit 
1827 ſitzen hier die 1746 geadelten v. Riſſelmann (Berghaus, Landbuch III, 289). 

Die Kirche, ein Backſteinbau mit dreiſeitigem Oſtſchluß und Weſtturm gehört 
einſchließlich des inneren Ausbaues der Mitte des 19. Jahrhunderts an. 

Ein einfacherer Barockkelch, 21 om hoch, ſilbervergoldet, trägt folgende Inſchrift: 
„HANS ADOLI PH]. E. von RET WICK. HAVPTM [ANN] ANNO 16904, 
Frankfurter Arbeit, Silberſchmied G. E. A. W. Anſchaffungspreis einſchließlich 
Patene 12 Taler.) 

Eine Patene mit Weihkreuz zeigt die Aufſchrift: „J. E. G. V. N[EUEN]. 
DORF. HABE DIESES GOTT ZV EHREN MIR ZVM GEDECHTNIS 
VND MEINEM NECHSTFN ZV BESTEN Ao 1694. 


Vgl. auch Matrikel vom 26. September 1693 im Regierungsarchiv zu Frankfurt a. O. 


Klein⸗Gandern — Görbilſch. 85 


Zwei Glocken. Die öſtliche mißt 0,85 m, die weſtliche 0,70 m im Durchmeſſer, 
beide ſind von H. Ch. Lange in Frankfurt a. O. 1855 gegoſſen. 

Das aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ſtammende, hauptſächlich im 
Innern mehrfach umgebaute Herrenhaus (Abb. 68) iſt ein im Grundriß rechteckiger, 
zweiſtöckiger Putzbau, deſſen beide Langſeiten durch kannelierte Liſenen gegliedert werden. 
Der Hauptzugang liegt in der Achſe der nach dem herrlichen Park zugekehrten Nordfront. 


Abb. 68. Görbitſch. Herrenhaus. 


An der öſtlichen Schmalſeite ſchließt ſich ein aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts 
ſtammendes Orangeriegebäude an. Von den vielen bemerkenswerten Gegenſtänden 
im Herrenhauſe ſeien hervorgehoben: 

Im Speiſeſaal eine Standuhr aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, laut 
Inſchrift angefertigt von „Nicholas Lambert in London“ ſowie eine große Anzahl Por— 
zellantaſſen, die überwiegend dem Anfang des 19. Jahrhunderts angehören und meiſt 
aus der Berliner Manufaktur ſtammen. 

Ein Tierſtück, Olbild auf Leinwand, 18. Jahrhundert, von David De Gonind. 

Zwei ſilberne Standleuchter, Anfang des 19. Jahrhunderts. Eine Empire— 
kommode. Ein Olbild auf Leinwand ohne nähere Bezeichnung, eine Gerichtsſzene dar— 


86 Weſtlſternberg. 


ſtellend, Ende des 17. Jahrhunderts. Ein Olbild auf Holz, ohne nähere Bezeich— 
nung, darſtellend eine Eule und eine Katze, dazwiſchen eine tote Maus; bemerkens— 
werter als die Darſtellung ſelbſt iſt die erläuternde Unterſchrift: 


„ule du deiſt mie unrecht „Eule Du tuſt mir unrecht 
di Muß iſ mi Toſecht die Maus iſt mir zugeſagt 
Katt du ſolt äfent wäthen Katze du ſollſt eben warten 


un gundt Brodt werdt ock gäthen“ Ungegönntes Brotwird auch gegeſſen“ 

Im gleichen Zimmer befinden ſich ferner noch: eine ſilberne Doſe mit reichem, 
eingeritztem Barockornament, 18. Jahrhundert; eine zweite Silberdoſe mit der In— 
ſchrift: 16285; eine Kaffeekanne, ein Sahnentöpfchen und eine reich verzierte Aue e 
ſämtlich aus Silber, zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. — Eine Landſchaft, Olbild 
auf Leinwand, ohne nähere Bezeichnung, 18. Jahrhundert. 

Im kleinen Salon ein Olbild auf Leinwand mit der Darſtellung einer Stadt, 18. 
Jahrhundert; ein Olbild auf Holz, mit der Wiedergabe einer Dorflandſchaft mit Bauern— 
ſtaffage, Ende des 17. Jahrhunderts, gezeichnet J. DS. fc. (= Joost Conelisz Drooch 
Sloot). Ein Architekturbild, darſtellend eine italieniſche Renaiſſancehalle, 18. Jahrhundert. 

Im großen Salon ein Olbild auf Leinwand, ohne nähere Bezeichnung, ein 
Architekturſtück aus Venedig, 18. Jahrhundert; ein Olbild auf Leinwand, ohne nähere 
Bezeichnung, darſtellend den Markusplatz in Venedig, 18. Jahrhundert; drei Rokoko— 
ſchränkchen, endlich eine Rokokokommode. 

Im kleinen Zwiſchenzimmer zwei dreiarmige Bronzeleuchter, Empire. 

Im Obergeſchoß mehrere Stilleben, Olbilder auf Holz, 18. Jahrhundert. — 
Bildnis einer älteren Frau, Olbild auf Holz, 17. Jahrhundert. — Ein männliches Knie— 
ſtück, ohne nähere Bezeichnung, Olbild auf Leinwand; zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. 

Von den im Park befindlichen Grabdenkmälern früherer Beſitzer ſei das 
Denkmal des am 21. September 1823 verftorbenen Generalleutnants Friedrich Wilhelm 
Leopold v. Gaudi, des Vaters des Dichters Franz v. Gaudi, erwähnt. Leopold v. Gaudi 
kaufte das Gut 1819; im Jahre 1827 ging es in den Beſitz derer v. Riſſelmann über. 


Göritz. 

Güritz, Stadt. 2040 Einw., 2598 ha. 

Quellen. 

Im Städtchen ſelbſt find keine nennenswerten Archivalien erhalten; die hauptſächlichſten Göritz 
betreffenden Urkunden des Geheimen Staatsarchivs wurden von Riedel im 19. und 20. Bande des Codex 
diplomaticus Brandenburgensis (Berlin 1860/4) zum Abdruck gebracht. Akten enthält das Frankfurter 
Regierungsarchiv (vgl. Repertorium des Amtes Frauendorf) ſowie das Geh. Staatsarchiv zu Berlin 
(Rep. 21: 44, 63, 64). 

Lileralur: 

G. G. Küſter, Collectio Opusculorum historiam March, illustrantium, Stück III. 

Bratring, Statiſtiſch-Topographiſche Beſchreibung der Mark (1809) III, 274. 

Wohlbrück, Geſchichte des Bistums Lebus (1832) III, 422426 (val. auch J, 87, 138 ff.; II, 35,310 ff.). 

Berghaus, Landbuch der Mark (1856) III, 248 f. 

Der Silberbarrenfund, ausgeſtellt im Kaiſer-Friedrich-Muſeum, wurde beſprochen von Ménadier 
(Numismat. Ztſchr. XXIII, 222). 


Görbitſch — Göritz. 87 


Geſchichle. 

Der um 1400 laut Kataſter der Lebuſer Kirche im Geheimen Staatsarchiv von 
13—16 Fifchern bewohnte „Kytz zur Goritz“ weiſt darauf hin, daß die im 13. Jahr— 
hundert vordringenden Deutſchen hier ſchon eine ſlawiſche Siedlung vorfanden. Der 
Name hängt wohl mit gora = Anhöhe zuſammen; ob der Ort früher oben auf der 
Anhöhe, zu deren Füßen er ſich jetzt erſtreckt, gelegen hat, bleibt dahingeſtellt. Die 
Zahl der Hufen auf der von den Deutſchen vermeſſenen Gemarkung belief ſich auf 
etwa 86 — alſo nur rund 20 mehr als bei einem Normaldorf des Landes Sternberg —; 
der Pfarrer erhielt von vornherein 4 Freihufen. 

In „Goriza“, das in einer Urkunde von 1252 als Beſitztum des Biſchofs von 
Lebus erwähnt wird, ſchlug Biſchof Wilhelm 1276 feine Reſidenz auf, infolge eines 
Übereinkommens mit dem Erzbiſchof von Magdeburg. Biſchof Conrad ſtellte hier einen 
Ablaßbrief für das neugegründete Kloſter Bernſtein in der Neumark aus; 1347 wird 
„Goricz“ in dem Schutzbrief der Askanier für das Bistum als Städtchen, oppidum, be— 
zeichnet. Doch nachdem einer Überlieferung zufolge auf einem Kriegszuge gegen den 
Biſchof um 1326 die Stiftskirche zerſtört worden war, ſchwand aller Glanz dahin; die 
Urkunde von 1346, in der Papſt Clemens VI. dem Biſchof Apetzko erlaubte, einen 
neuen Wohnſitz zu nehmen, beleuchtet die Zerſtörung der Gebäude in dem als Biſchofsſitz 
(sedes episcopalis) bezeichneten Dorfe Göritz (villa Goricia). Freilich befand ſich noch 
immer in dem Städtchen, deſſen Wappen mit den Biſchofsſtäben im Schilde, darüber eine 
Mitra, an den Biſchofſitz erinnerte, eine Marienkapelle mit einem wundertätigen 
Marienbild, um derentwillen Biſchof Johann v. Borſchnitz zu Beginn des 15. Jahr— 
hunderts ein Gotteshaus und ein „Stift weltlicher Pfaffheit“ errichtete. Wallfahrer 
brachten viele Opfer dar, von denen zwei Drittel, wie aus Kapitelsregiſtern vom 
Anfang des 15. Jahrhunderts hervorgeht, dem Biſchof, der die Kapelle in baulichen 
Würden erhielt, zufloſſen; zwei Neuntel empfingen das Domkapitel und ein Neuntel die 
Vikarien der Lebuſer Stiftskirche. Auch hierin trat zur Zeit als der Bruder des 
Kurfürſten Joachim II., Markgraf Hans von Cüſtrin, die Marchia Transoderana be— 
herrſchte, gründlicher Wandel ein. 1551 beauftragte er nämlich den Hauptmann von Stern— 
berg, Hans v. Minkwitz, das Marienbild zu entfernen. Die Kapelle wurde zerſtört und 
dabei überhaupt, beſonders von den Droſſenern, allerlei Gewalttätigkeit verübt, ſehr zum 
Verdruß des Markgrafen, der ſeinem Bruder Joachim darüber am 5. Juli eingehend 
berichtete, um die Beſchwerde des Biſchofs und Kapitels wirkungslos zu machen. 
Nach Säkulariſation des Bistums wurde das hier beſtehende 1447 vom Biſchof 
Johann von Deher eingerichtete Vorwerk Domäne. Göritz gehörte ſpäterhin zum 
Amte Frauendorf, von wo aus Richter- und Bürgermeiſterſtellen beſetzt wurden. 

Nach dem Brande von 1757 wurde der Ort, bei dem Friedrich der Große am 
Tage vor der Kunersdorfer Schlacht die Oder überſchritt, ganz regelmäßig wieder 
aufgebaut und zwar mit drei geraden Straßen und einem großen Marktplatz. Während 
vordem bei weitem die Mehrzahl der Häuſer mit Strohdächern gedeckt war, zählte 
man 1801 90 Häuſer mit Ziegel- und nur 73 Käufer mit Strohdach; dazu gab es 
57 Scheunen. Das Städtchen mit 986 Bewohnern erfreute ſich von jeher recht frucht— 


88 Weſtſternberg. 


baren, freilich früher vielen Überſchwemmungen ausgeſetzten Ackers, jo daß um 1800 
die Ausſaat an Weizen und Gerſte diejenige an Roggen übertraf. Auch die Viehzucht 
war, da die Wieſen längs der Oder 600 Fuder lieferten, ſehr bedeutend. Bis zum 
Jahr 1850 ſtieg die Einwohnerzahl, nachdem auch der Kietz eingemeindet war, auf 2020. 
Ackerbau und Viehzucht blieben nach wie vor die Hauptnahrungszweige. Das Unter— 
tänigkeitsverhältnis zum Amte Frauendorf nahm nach deſſen Auflöſung um 1810 und 
infolge der Steinſchen Städteordnung ein Ende. 


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1 
Abb. 69. Göritz. Stadtplan 6110000). 


Denkmäler. 
Anlage der Stadt. 

Am 10. Auguſt 1757 brach in Göritz im Hauſe des Ackerbürgers Jakob Handke, 
dem zweiten rechts vom Pfarrhaus, ein großes Feuer aus, dem innerhalb zwanzig 
Stunden fünfundachtzig Wohnhäuſer mit ihren Stallgebäuden ſowie etliche ſechzig 
Scheunen zum Opfer fielen. Es geht daher die heutige Anlage der Stadt (Abb. 69) 


Göritz. 89 


auf einen Plan zurück, den der von der Königlich-Neumärkiſchen Kriegs- und 
Domänenkammer beauftragte Landbaumeiſter Schmid unmittelbar nach dem Brande 
ausarbeitete. Abweichend von dem ehemals weniger regelmäßigen Stand der Häuſer 
legte Schmid nach den Aufzeichnungen im alten Göritzer Kirchenbuche eine Anzahl von 
Oſten nach Weſten gerichteter Straßen an mit den notwendigen Verbindungsgaſſen; 
außerdem wurden die neu zu errichtenden Gebäude ſo geordnet, daß die Häuſer der Acker— 
bürger mit Rückſicht auf ihre notwendigen Scheunen „in die letzten Gaſſen“, die Häuſer 
der Kleinbürger ohne Scheunen dagegen in die „Mittelgaſſen“ verlegt wurden. Mit der 
Verwirklichung der Schmidſchen Entwürfe verſchwand die Mehrzahl der ehemaligen Giebel— 
häuſer, indem ſämtliche Neubauten mit der Breitſeite nach der Straße geſtellt wurden; 
außerdem erhielten die meiſten Häuſer Ziegeldeckung und an Stelle der früher hölzernen 
Rauchfänge maſſive Schornſteine. Um die alte dichte Stellung der Häuſer zu umgehen, 
verlegte man vier Bauerngehöfte und den ganzen Kietz von ſechzehn Wohnungen aus der 
Stadt hinaus. Endlich wurde hinter der Kirche zwiſchen der Mittel- und Hintergaſſe ein 
Marktplatz angelegt. Infolge des bereits ausgebrochenen Krieges jedoch verzögerte ſich der 
endgültige Wiederaufbau der Stadt um viele Jahre. 
Baugeſchichte. 

Nicht in unmittelbarem Zuſammenhang mit dem Brande der Stadt ſteht der 
Bau der heutigen Kirche.) Wenn auch im gleichen Jahre, jo hatte man doch ſchon 
vor dem verhängnisvollen 10. Auguſt mit Rückſicht auf die in der letzten Zeit ge— 
wachſene Seelenzahl der Ge— 
meinde eine Vergrößerung des 
Gotteshauſes beſchloſſen und 
hierzu ſofort mit dem Ab— 
bruch der ehemaligen auf der 
Nordſeite gelegenen Sakriſtei 
ſowie der „großen Halle“ be— 
gonnen; auch der heutige 
nördliche Querſchiffflügel war 
bereits fertiggeſtellt, als das 
Unglück hereinbrach und den 
Fortgang des Baues nicht 
nur ins Stocken brachte, ſon- > = FR Abb. 70. Goritz. 
dern auch die ganze Kirche e 1 
bis auf die Umfaſſungsmauern i j 
in Aſche legte. Zehn Jahre ruhte jegliche Tätigkeit, bis dann 1767 mit der Witwe des 
Mauermeiſters Abraham Lehmann aus Spandau ein Vertrag geſchloſſen wurde, wonach 
die Kirche mit einem Koſtenaufwand von 6039 Talern „von Grund“ wieder aufgebaut 
werden ſollte. Unter den näher bezeichneten Arbeiten werden genannt: „Das Anſetzen 


5 Über das wundertätige Marienbild in der mittelalterlichen Kirche und feine Entfernung val. 
Akten im Geh. Staatsarchiv, Rep. 21. 44. 


90 Weſtſternberg. 


des andern Seitenflügels, das Erweitern der vorhandenen Lichtöffnungen und das 
Hinzufügen neuer Fenſter, das Anſchaffen der Chöre, Stände und der Kanzel, ſowie 
das Aufbringen von drei neuen Glocken und zwei Uhrtafeln“; außerdem ſollte der Turm 


Abb. 71. Göritz. Kirche von Nordoſten. 


mit einer „Kuppel“, einem „Knopf“ und einer Fahne verſehen werden. Auch wurde 
der Anbau einer Sakriſtei auf der Oſtſeite beſchloſſen. Wie aus den weiteren Auf— 
zeichnungen hervorgeht und durch die Bauunterſuchung beſtätigt wird, behielt man den 
maſſiven Teil des Turmes und einen Teil der alten Umfaſſungsmauern im allgemeinen bei. 


rn. 


Göritz. 91 


Im Jahre 1768 wurde das Innere der Kirche gepflaſtert, das Außere abgeputzt und 
an der Turmkuppel gebaut, die dann im folgenden Jahre eichene Schindeldeckung erhielt. 
Langſam auch ging der innere Ausbau, bei dem 1770 nur zwei Tiſchler- und zwei 
Zimmergeſellen tätig waren, ſeiner Vollendung entgegen. Nachdem wieder ein Jahr 
ſpäter anſcheinend das Innere fertiggeſtellt und die Glocken aufgebracht waren, ſetzte am 
30. Juni 1771 der Schieferdecker Loſchetter aus Mainz den Knopf auf die Helmſtange. 
Mit der Ausmalung des Innern endlich war Meiſter Neumann aus Berlin beauftragt. 


Baubeſchreibung. 

Die in ihrer heutigen Geſtalt auf den vorerwähnten Um- und Erweiterungsbau zurück— 
gehende Kirche (Abb. 70 und 71) zeigt eine kreuzförmige Grundrißanlage mit einem an— 
nähernd der ganzen Weſtfront vorgelegten quadratiſchen Turm und einem aus ſieben Viel— 
eckſeiten gebildeten Oſtſchluß, deſſen mittlerer Polygonſeite ſich die quadratiſche Sakriſtei 
vorlegt. An den aus Backſteinen größeren Formats errichteten Umfaſſungsmauern 
des polygonal geſchloſſenen Langhauſes, ſowie an dem im Gegenſatz zu den neueren 
Teilen aus dem gleichen Bauſtoff errichteten Turm, iſt der ältere Kern des Gottes— 
hauſes leicht zu erkennen. Die an den Ecken des Chorſchluſſes erhaltenen mittelalter— 
lichen Strebepfeiler laſſen zum mindeſten auf eine ehemalige Wölbung des Oſtteils 
ſchließen, außerdem iſt noch die größtenteils in die nördliche Umfaſſungsmauer des 
Turmes verlegte urſprüngliche Turmtreppe erhalten. Abgeſehen von dem Weſtportal, 
über dem ein Backſtein mit der Jahreszahl 1679 eingemauert iſt, und der Sakriſteitür, 
führt noch von Süden und Norden her je ein Zugang nach dem im Süd-, Weit: und 
Nordflügel mit hölzernen Emporeneinbauten verſehenen, flachgedeckten Innern. Im 
Gegenſatz zu der ſpitzbogigen Turmtreppentür ſind ebenſo wie die nachträglich durch— 
weg erweiterten Fenſter auch die Hauptzugänge korbbogig geſchloſſen. Spuren ſpät— 
barocker Malerei zeigen ſich noch an den abgerundeten Ecken der Vierung in Geſtalt 
von Epitaphumrahmungen mit nicht mehr zu entziffernden Aufſchriften. 

Der von kannelierten Liſenen flankierte Kanzelaltar (Abb. 72) mit ſeinen 
zopfigen Vaſen über dem Geſims und dem von Wolken und goldenen Strahlen um— 
gebenen altteſtamentlichen Gottesſymbol als Bekrönung gehört der Zeit des Umbaues 
der Kirche an. 

Zwei meſſingene Kronleuchter ſtammen aus neuerer Zeit. 

Zwei Totentafeln zum Andenken an Gefallene aus den Befreiungskriegen 
hängen im Innern. 

Ein einfaches Kirchenſpind in der Sakriſtei trägt auf der Innenſeite der Tür 
die Jahreszahl 1784. 

Ein Abendmahlkelch, 28 em hoch, Silber, innen leicht vergoldet, mit gleich— 
zeitiger Patene, Hoſtienbüchſe und Kanne aus demſelben Metall, trägt am Fuß 
die Inſchrift: „Prediger Riedel, Burgem. I. H. G. H. M. S. K. V. S. T.“ Meiſter 
Humber. Er entſtammt den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts. 

Eine Zinnkanne, 15,5 cm hoch, iſt gezeichnet: „Geschencke an die Kirche 
zu Görliſtz I. M.“ Ende des 18. Jahrhunderts. 


— 
— 


2 Weſtſternberg. 


Ein Zinnkelch, 25, em hoch, dürfte etwas jünger ſein. 


Drei Glocken. Die ſüdliche von 0,83 m Durchmeſſer, mit dem Namen des fonigl. 


Abb. 72. Göritz. Kirche, Kanzelaltar. 


Beamten W. A. O. von Kettwie, des Predigers J. G. Keydel, des Bürgermeiſters 
C. Hancke, des Richters M. Bache und des Kantors D. F. Nitzsike, wurde 1770 von 
J. F. Thiele in Berlin gegoſſen. Die mittlere mit 0,97 m Durchmeſſer ging im Jahre 


908 
(eb) 


Göritz — Gohliß. 


1823 aus der Gußſtätte von Großheim in Frankfurt hervor.!) Die nördliche von 0,65 m 
Durchmeſſer mit den Glockenſpruch: „Gott las sein reines Wort zu seinem Wohl- 
gefallen und dieser Glocken Klang bis an das End erschallen“, gehört dem 
gleichen Jahre und der gleichen Gußſtätte wie die ſüdliche an. 

Über den allen Biſchoſſitz bei Göritz berichtet der Pfarrer M. Heinſius zu 
Frankfurt a. O. (vgl. Frankf. Stadtarchiv, Heinſius' Annalen IV. p. 120) wie folgt: „Er 
(d. h. der Pfarrer Georg Prukmann aus Schwiebus) hatte die Antiquiteten des Städtlinß 
Göritz fleisſig zuſamen geleſen Vnd in usum succeslorum & posteritatis beſchriben, 
ſampt allen einkünfften der Kirchen, der Pfarrer v. Cüſterß, vnd alleß in XII Capita 
eingeteilet. Item die Hiſtoriam deß Thumbß der Canonicorum et Epiſcopi von 
Lubuß, der bey Göritz geſtanden, davon noch die rudera v. ſchutt vorhanden, einß 
büchſen ſchuſſeß weit von dem Städtlin, auf einem Hügell gelegen, ein koſtbar gebaw, 
ſampt luſtiger Curien, darauf der Biſchopf etwa auch gewonet, wie den die burger von 
Franckfurt einen auß dem bette zu Göritz genommen, der fie in den Bau bracht hat . ..“ 


Gohlitz. 


Gohlik, Straßendorf 7,5 km ſüdlich von Göritz. 536 Einw., 1323 ha. 

Zur Zeit der deutſchen Koloniſation im 13. Jahrhundert wurde das Dorf mit 
47 Hufen ausgeſtattet, von denen Pfarrer und Kirche einige Freihufen erhielten 
(vgl. auch Sternberger Schoßregiſter von 1461, fol. 288, Geh. Staatsarch.). Laut 
Urkunde vom 3. Februar 1317 im Geheimen Staatsarchiv unterſtand „Goliz“ dem 
Biſchof von Lebus (Wohlbrück, 
Bistum Lebus I, 162 und III, 427; 
vgl. Riedel, Codex XX, 201). 
Einige Gerechtſame wie Bede und 
Wagendienſt gehörten um die Mitte 
des 14. Jahrhunderts den Frank— 0 
furter Bürgern Hokemann. An- . 
gaben über die Abgaben an Fürſten— 5 
walder Domherren u. |. f. verdanken 
wir Regiſtern von 1500 (Geh. Staats- 
archiv). Im 16. Jahrhundert wurde 
das Dorf bei der Säkulariſation des Bistums (vgl. auch Riedel XX, 335) vom 
Kurfürſten in Beſitz genommen und ſpäter dem neu gebildeten Domänenamt Frauen— 
dorf beigefügt (ogl. Bratrings Beſchreibung der Mark III, 280). 


Abb. 73. Gohlitz. Grundriß der Kirche. 


Die Kirche (Abb. 73 und 740, ein heute verputzter, im Kerne mittelalterlicher Find— 
lingsbau von rechteckigem Grundriß, beſitzt einen annähernd der ganzen Weſtfront breit 
vorgelagerten Turm mit ziegelgedecktem Pyramidendach, eine anſcheinend dem 16. Jahr— 


) Nach der Beantwortung der Indagandaakte vom Jahre 1814 war die Vorgängerin dieſer Glocke 
geſprungen und daher unbrauchbar. 


94 Weſtſternberg. 


hundert angebörige, aus Backſtein errichtete Vorhalle vor dem nördlichen Zugang und 
eine im Grundriß quadratiſche, vor dem mittleren Drittel der Oſtwand vielleicht um 
die Mitte des 19. Jahrhunderts ebenfalls aus Backſtein erbaute Sakriſtei. 

Der gleichen Bauzeit wie die Sakriſtei dürften auch die aus Backſtein hergeſtellte 
Niſchengliederung des Oſtgiebels, die aus demſelben Bauſtoff nachträglich einge- 
mauerten Umrahmungen der 
ſpitzbogigen Verbindungstür 
zwiſchen Vorhalle und Kirchen— 
ſchiff, ſowie die ebenſo durch— 
gebildete Einfaſſung des 
Turmportals angehören; die 
ſtichbogige Verbindung da— 
gegen zwiſchen Turm und 
Schiff und endlich die rund— 
bogigen ſchlanken Lichtöff— 
nungen des Kirchenraumes 
gehören einer bedeutend jün— 
geren Bauzeit an. Spuren 
der alten ſpitzbogigen Fenſter 
kann man noch heute über 
der Verbindungstür zwiſchen 
Sakriſtei und Kirchenraum, 
ſowie auf der nördlichen 
Hälfte der Innenſeite der 
Oſtwand feſtſtellen. 

Das Innere iſt flach ge— 
deckt und beſitzt auf drei 
Seiten Emporen. 

Der Kanzelaltar aus 
der Mitte des 19. Jahrhun— 
derts zeigt einfache Bieder— 
meierformen. 


i i Die i Sr HB r 
Abb. 74. Gohlitz. Kirche von Nordweſten. N Grundriß runde 
Taufe gehört wohl, nach 
den noch ſtrengen Formen zu urteilen, den zwanziger Jahren des 19. Jahr— 
hunderts an. 
Die Orgel iſt modern-gotiſch. 
Die gemalten Darſtellungen der Himmelfahrt und des Abendmahls, Reſte eines 
älteren Renaiſſancealtars, hängen an der Oſtwand. 
Ein Gemälde über der Zugangstür zur Kanzel, darſtellend die Taufe Chriſti, 
zeigt in den Wolken die Taube als Sinnbild des heiligen Geiſtes ſowie den alt— 
teſtamentlichen Gottesnamen und dürfte der Barockzeit angehören. 


Gohlitz — Gräden. 95 


Vorhanden ſind noch außer einer Erinnerungstafel an die Befreiungskriege und 
außer den aus neuerer Zeit ſtammenden meſſingenen Beleuchtungskörpern: 

Ein Biedermeierſchrank in der Sakriſtei. 

Ein Abendmahlskelch, 28 cm hoch, Silber, ehemals leicht vergoldet, mit 
zugehöriger Patene, ebenfalls aus Silber, Frankfurter Arbeit, Meiſter G. J. W. 
Anfang des 18. Jahrhunderts. 

Eine kupferverſilberte Deckelkanne, 295 em hoch einſchließlich Deckelknopf, 
mit zugehöriger gleichfalls kupferverſilberter Ziborienbüchſe, gehört der zweiten 
Hälfte des 19. Jahrhunderts an. 

Ein Zinnkelch, 15,75 cm hoch, entſtammt dem Anfang des 19. Jahrhunderts. 

Zwei Glocken. Die ſüdliche mit 0,56 m Durchmeſſer iſt von F. R. Gruhl in 
Kleinwelka bei Bautzen 1875 gegoffen. Die nördliche mit 1,15 m Durchmeſſer ſtammt 
von dem Frankfurter Meiſter Georg Hofmann und trägt die Jahreszahl 1722. 


Gräden. 

Gräden, Straßendorf 9 km ſüdlich von Reppen. 212 Einw., Yandgem. 
475 ha, Gutsbez. 970 ha. 

In einer Urkunde vom 28. Juli 1329 über die Grenzen der Stadt Reppen 
wird „Gredyn“ erwähnt (Abſchrift in Rep. 78. III. R. 19, Geheimes Staatsarchiv). 
Seit 1540 ſind hier die zu Matſchdorf hauptſächlich begüterten und 1780 ausge— 
ſtorbenen Kettwig nachweisbar (Holtze, Brandenb.-Preuß. Forſchungen, 1894, S. 506; 
vgl. Wohlbrück, Bistum Lebus III, 537). Nach Schoßregiſtern aus dem 15. Jahr— 
hundert war der Ort zu Reichenwalde eingepfarrt (Geh. Staatsarchiv, Rep. 78a. 
110, heute iſt die Mater in Matſchdorf. 


Die Kirche, ein moderner Backſteinbau mit dreiſeitiger Apſis, Weſtturm und 
flachgedecktem Innern mit Orgelempore, wurde am 16. Juli 1888 eingeweiht. 

Aus der alten Kirche ſind vorhanden: 

Eine Totentafel mit barocker vergoldeter Umrahmung zur Erinnerung an Ernſt 
Friedrich v. Ketwig, geb. 25. Okt. 1721, geſt. 29. Nov. 1732. 

Eine zinnerne Taufſchüſſel, Frankfurter Arbeit, laut Inſchrift erneuert für die 
Kirche zu Gräden 1860. 

Eine meſſingene Deckelkanne, die als Taufkanne benutzt wird. 

Zwei Glocken. Die jüdliche von 0,57 m Durchmeſſer, hat außer anderem 
ornamentalen, die Voillardſche Gußſtätte kennzeichnenden Beiwerk einen Kruzifixus 
mit der Maria am Stamm des Kreuzes und zwei ſeitliche Engelsköpfchen, außerdem 
erkennt man noch eine Madonna und das Wappen des Gießers zwiſchen den Buch— 
ſtaben F (Franz) und V Voillard) ). Gegoſſen 1661. 

Die nördliche mit 0,41 m Durchmeſſer zeigt außer dem Glockenſpruch: „Sl DEVS 
PRO NOBIS QVIS CONTRA NOS“ zwei Engelsköpfchen und ein Kreuz und 
iſt zweifellos von demſelben Meiſter ſowie im gleichen Jahr gegoſſen. 


) Vgl. Kunſtdenkmäler, „Stadt Frankfurt“ S. LXVIII. 


96 Weſtſternberg. 


Grunow. 


Grunow, Angerdorf 5 km nordnordweſtlich von Droſſen. 234 Einw., 1369 ha. 

In der Zeit der deutſchen Koloniſation wurde Grunow mit 54 Hufen ausge— 
ſtattet, von denen 4 freie der Pfarrer erhielt (vgl. Kataſter der Lebuſer Kirche von etwa 
1405, fol. 23, Geh. Staatsarchiv). Um die Mitte des 15. Jahrhunderts ging der Ort 
durch Kauf aus den Händen der v. Schlabrendorf in den Beſitz der Stadt Droſſen 
über, zu deren Kämmerei er zuſammen mit Polenzig bis ins 19. Jahrhundert hinein 
gehörte (Wohlbrück, Bistum Lebus III, 560; Bratring, Beſchreibung der Mark III, 281; 
Berghaus, Landbuch III, 245). Kirchliche Abhängigkeit von Droſſen beſteht heute noch. 


Die Kirche (Abb. 75 und 76), ein im Grundriß einfach rechteckiger, maſſiver Putzbau 
mit einer annähernd der ganzen weſtlichen Hälfte der Südwand vorgelegten Halle und 
einem im Grundriß quadratiſchen Weſtturm, dürfte ihrer heutigen äußeren Geſtalt nach 
der Wende des 15. Jahrhunderts angehören. Für 
dieſe Bauzeit ſpricht auch das jetzt ebenfalls üͤberputzte, 
einfachere Maßwerkmuſter des mit Fialen geſchmück— 
ten Oſtgiebels (vgl. auch Abb. in der kunſtgeſchicht— 
lichen Überfiht). Die Wetterfahne über der mit 
Ziegeln gedeckten Turmpyramide dagegen zeigt neben 
dem Reichsadler und den Buchſtaben J. R. MI. Jacob 
Rotenburg major [-der Ältere]) die Jahreszahl 1672. 

Sämtliche Lichtöffnungen ſind nachträglich, 
wahrſcheinlich im 17. Jahrhundert, abgeändert. 
Abb. 75. Grunow. Grundriß der Kirche. Der Zugang von Weſten her durch den 

Turmunterbau hindurch, ſowie an der Südwand 
der Vorhalle weiſt abgetreppte Leibungen auf; die Verbindungstür zwiſchen Kirchenſchiff 
und Vorhalle zeigt ein doppeltes Wulſtprofil als Umrahmung. Außer der Turmtreppe 
fuͤhrt noch ein zweiter Aufgang nach der im Innern eingebauten Süd- und Weſt— 
empore. Erwähnenswert iſt ferner die noch vorhandene ehemalige Sakramentsniſche. 

Der Altar (Abb. 77), ein Werk des 17. Jahrhunderts, zeigt in der Predella die 
Reliefdarſtellung des heiligen Abendmahls, darüber zwiſchen zwei Säulchen, deren 
Schäfte mit einem reichen Traubenornament und deren Poſtamente mit Engelsköpfchen 
verziert ſind, in einer Rundbogenumrahmung den Gekreuzigten mit Maria und Johannes. 
In den Seitenteilen des Altars erkennt man ferner die Bilder Luthers und Melanch— 
thons, während über dem Gebälk in einer eigenartigen Renaiſſancekartuſchenverzierung 
die Rundfigur des Auferſtandenen, überragt von einem Pelikan, ſichtbar iſt. Die beiden 
ſeitlich auf dem Geſims ſtehenden Engelsfiguren zeigen barocke Haltung und dürften 
darnach etwas jünger ſein. Das ganze Werk iſt leider vor mehreren Jahren vollſtändig 
übermalt und mit neuen Sprüchen verſehen worden. 

Die im Jahre 1660 erbaute) Kanzel (Abb. 77) zeigt am Deckel ſowohl wie am 


Vgl. Matrikel vom 23. September 1693. 


las) 


Grunow. 97 


( 


Kanzelkörper und am Fuß die typische Verzierungsweiſe der genannten Periode. In den 
Brüſtungsfüllungen erkennt man, gleichfalls von Säulchen eingefaßt, die Figuren 
des Matthäus, Markus und Lukas, während auf die obere Füllung der von einer 
Renaiſſanceverzierung bekrönten und mit einem gleichzeitigen Beſchlag geſchmückten 
Tür zum Predigerſtuhl die Geſtalt des vierten Apoſtels, des Johannes, aufgemalt iſt. 
Auch dieſes Werk iſt in neueſter Zeit leider vollſtändig übermalt worden. 


Abb. 76. Grunow. Kirche von Nordoſten. 


Etwas älter als die Kanzel iſt die Taufe (Abb. 78) in Kelchform einſchließlich 
ihres Deckels. Sie wurde laut Aufſchrift 1608 angefertigt, ihre urſprüngliche Bemalung 
jedoch durch handwerksmäßige Erneuerung in den Jahren 1839 und 1899 ebenfalls 
zerſtört. Dem Jahre 1839 gehört der um die Offnung gemalte Roſenkranz an. 

Das zugehörige Taufbecken aus Meſſing zeigt innerhalb einer rein dekorativen 
ſpätgotiſchen Minuskelumſchrift die Darſtellung der Verkündigung. 16. Jahrhundert. 

Zwei zinnerne Altarleuchter (Abb. 79), 38,6 em hoch, mit kanneliertem Schaft, 

Kunftdenfm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. 7 


98 Weſlſlernberg. 


wurden nach der Beantwortung der Indagandaakte von dem Apotheker Sadewaßer 
zu Droſſen bei dem Amtsantritt des damaligen Pfarrers im Jahre 1801 geſchenkt— 
Ein Kelch (Abb. SO links), 17, em hoch, ſilbervergoldet, beſitzt am Sechspaßfuß 


Abb. 77. Grunow. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten. 


einen aufgenieteten Kruzifirus und an den Quadern des Knaufes in ſpätgotiſchen 
Minuskeln den Namen Jheſys, Mitte des 16. Jahrhunderts. 

Ein Kelch (Abb. SO rechts), 1S cm hoch, ſilbervergoldet, beſitzt am Rande des 
Sechspaßfußes eingraviert die Jahreszahl 1573. Ein Signakulum mit der Darſtellung 
des Gekreuzigten zeigt am Fuße des Kreuzes an Stelle des Johannes und der Maria den 


Grunow — Hildesheim. 99 


Stifter mit feiner Frau. Unter und über dem mit Renaiſſanceornamenten verſehenen 
Knauf lieſt man in großen lateiniſchen Buchſtaben: „O MARIA“ und „IHESVS*, 

Eine ſilbervergoldete Patene mit Weihkreuz trägt die Inſchrift: „Die Kirche 
in Grunow 1660.“ 

Eine zweite filberne Patene zeigt ein Weihkreuz— 

Drei Glocken. Die füdliche von 1,00 m Durchmeſſer weiſt auf der Oſtſeite der 
Haube zwei weibliche Figuren mit einer kleineren dritten Geſtalt am Stamm des 
Kreuzes auf. Auf der Weſtſeite der Haube 
erkennt man die Madonna. Die Glocke, bei 
der die Angabe des Gußjahres fehlt, iſt laut 
Aufſchrift von Franz Sebaſtian Voillard (val. 
S. 95 Anm. 1) wahrſcheinlich in der Zeit der 
Haupttätigkeit dieſes Meiſters, in der zweiten 
Hälfte des 17. Jahrhunderts, gegoſſen. 

Die nordweſtliche Glocke mit 0,72 m 
Durchmeſſer hat folgende Aufſchrift in römi— 
ſchen Buchſtaben: „GOTT ZV EHREN 
VND EWIGEN EHRENGEDÄCHT- 
NIS HAT JACOB ROTENBVRG EL- 
TESTER VND SEIN EINIGER SOHN 
GEORGE AVF BEGEHREN SEINER 
HERZLIEBEN EHEFRAWEN VND 

MVTTER FRAW WALBVRG 
TZSCHEOW SELIGER MACHEN 
LASSEN VND DER KIRCHEN VER- 
EHRET. CHRISTIAN FINCKEN 
GOSS MICH ANNO M.D.C-XXXXI- 
(1643)°. Auffallend iſt, daß außer vier kleineren 
Münzen auf der Weſtſeite der Haube noch auf 
der Oſtſeite am Schlag eine größere Münze 
ſichtbar iſt, die wie aus der Umſchrift „Dleil. 
Glratial. DVX SAXNloniae]l. MDCLIV 
(1654) ET MONT I“ hervorgeht, elf Jahre 
jünger iſt. Wahrſcheinlich ſoll es, wie auf Abb. 78. Grunow. Taufe in der Kirche. 
dem Tragbalken der Glocke ſteht, 1683 heißen. 

Die Nordoſtglocke von 0,60 m Durchmeſſer iſt ohne Inſchrift und wahrſcheinlich 
noch mittelalterlich. 


f Hildesheim. 


Hildesheim, Straßendorf 9,5 km ſüdöſtlich von Reppen. 145 Einw., Landgem. 
456 ha, Gutsbez. 780 ha. 


7 * 


100 Weſtſternberg. 


Das von den deutſchen Koloniſten im 13. Jahrhundert mit 64 Hufen, darunter 
Pfarrhufen, ausgeſtattete „Hildebrandesſtorp“ wurde 1350 durch die Markgrafen 
zuſammen mit anderen von den v. Klepzig erkauften Gütern dem Johanniter— 
orden übereignet (Urkunde vom 24. Dezember im Geheimen Staatsarchiv; vgl. 
Abdruck auf Grund der Dickmannſchen 
Sammlung bei Riedel, Codex XIX, 
137). Im 16. Jahrhundert, als ſich der 
Name „Hilldesheim“ oder „Hildenßheim“ 
einzubürgern begann, ſaßen hier als Lehns— 
träger des Ordens die v. Loſſow, ihnen 
folgten von 1581 an die v. Winning. 
Im 18. Jahrhundert war hier Oberamt— 
mann Stegemann begütert, von 1800 
bis nach 1860 die Familie Branden— 
burg, heute v. Riſſelmann zu Görbitich. 
Von den Ritterhufen war laut Dienſt— 
verzeichnis von 1588 ein Lehnpferd zu 
ſtellen. Um 1800 wohnten in „Hildes— 
heim“, deſſen Kirche — ebenſo wie heute 
noch — Filial von Groß-Gandern war, 
S Bauern, 1 Koſſät und 6 Einlieger, zu— 
ſammen 92 Menſchen. 


Die Kirche (Abb. 81 u. 82), ein im 
Grundriß einfach rechteckiger, maſſiver 
Putzbau, deſſen ebenſo geſtalteter Weſt— 
turm ein vierſeitiges mit Ziegeln gedecktes 
Pyramidendach trägt und von einer Wetter— 
fahne mit der Inſchrift: „D. A. S. 17479 
Daniel Auguſt Stegemann) bekrönt wird, 
geht ihrer heutigen Geſtalt nach auf einem 
im Jahr 1747 vorgenommenen Neubau 
zurück. Je zwei rundbogig geſchloſſene 
Fenſter auf der Nord-, Oſt- und Süd⸗ 
ſeite führen dem flachgedeckten Innern des 
Kirchenſchiffs Licht zu. Der Bodenbelag 

Abb. 79. Grunow. Leuchter in der Kirche. beſteht aus quadratiſchen Flieſen von 
28,8 em Seitenlänge. Von den Fenſter— 

verglaſungen gehört nur noch diejenige im Türoberlicht des Weſtzugangs der Barock— 
zeit an. Auch die Zugänge, von denen der auf der Nordſeite im Gegenſatz zu der 
gegenüberliegenden, in der Mitte der Südwand angebrachten Tür und im Gegenſatz 
zu dem Weſtportal am Turm nur als Scheintür geſtaltet iſt, ſchließen nach oben rund— 


Hildesheim. 101 


bogig. An dem hölzernen Türſturz auf der Innenſeite des Weſtzugangs bemerkt man 
die Inſchrift „AN 1747 NOH. 


Abb. 80. Grunow. Kelche in der Kirche. 


Auch die hinter dem einfachen Altartiſch aufgebaute Kanzel mit dem die 
drei Buchſtaben D. A. S. (ſiehe oben) aufweiſenden Monogramm ſowie der zugehörige 
Paſtorenſtuhl, die Patronatsloge in der Südoſtecke und das Geſtühl im Schiff, 
ferner endlich die Weſtempore mit ihrer im Turmunterbau 
liegenden Zugangstreppe zeigen einfache, barocke Formen 
und find der Zeit ihrer Anfertigung nach höchſtwahr— 
ſcheinlich in das gleiche Jahr 1747 zu verlegen. 

Das geſamte Holzwerk der inneren Ausſtattung iſt 
jetzt braun überſtrichen. 

Das zinnerne Taufbecken wurde laut Inſchrift von 
Emilie Brandenburg am 31. Oktober 1847 geſchenkt. 

Zwei Zinnleuchter, 28cm hoch, zeigen die Inſchrift: 
„16 Christof Lange 96°, Frankfurter Arbeit, Meiſter S. S. 

Ein Zinnkelch, 24, om hoch, mit zugehöriger Patene, zeigt den Stempel des 
Berliner Meiſters Lieber und die Jahreszahl 1755. 


0 5 70 
Abb. 81. Hildesheim. Grundriß 
der Kirche. 


1) Die alte Kirche wird in der Matrikel vom 16. März 1694 folgendermaßen beſchrieben: „Die 
Kirche iſt von Holtz geſchrotet, iſt inwendig rund undt gemahlet, forne mit einer Hallen, das Dach iſt von 
Ziegeln.“ — Die Beantwortung der Indagandaakte (Okt. 1814) berichtet: „Die jetzige ganz maſſive Kirche iſt 
1747 erbaut ſamt dem Thurm.“ Ferner heißt es hier: „Das an die Kirche angebaute Gewölbe verlohr das Dach. 
Der ietzige Patron (Auguſt Wilhelm David Brandenburg) wollte es nicht reparieren, ſondern dereinſt lieber in 
der Erde ruhen, als nach dem Tode mit ſeiner Ausdünſtung noch die Lebendigen beläſtigen. Daher wurde das 
Gewölbe bis gleich der Erde abgetragen, die darin befindlichen Särge übermauert und mit Raſen bedeckt.“ 


102 Weſlſternberg. 


Vorhanden ſind noch mehrere z. T. farbig bemalte Bauernepitaphien, die 
größtenteils aus der erſten Hälfte des 19. Jahrhunderts ſtammen. 

Zwei Glocken. Die öſtliche zeigt 0,63 m, die weſtliche 0,75 m Durchmeſſer; 
beide ſind von Meyer in Berlin unter dem Patronat des Auguſt Wilhelm Brandenburg 
im Jahre 1802. gegoffen. 3 


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Abb. 82. Hildesheim. Kirche von Südoſten. 


Das jetzt unbewohnte Herrenhaus, ein ſchlichter einſtöckiger maſſiver Putzbau mit 
gebrochenem Ziegeldach, gehört ebenfalls der erſten Hälfte des 18. Jahrhunderts an. 
Die nach Weſten gerichtete Hauptfront zeigt zu beiden Seiten des in der Achſe ge— 
legenen Eingangs je drei ſchlanke, rechteckige Fenſter. Sechs Stufen führen zu einer 


Hildesheim — Klein-Kirjchbaum. 105 


Plattform vor dem Haupteingang. Ein zweiter Zugang befindet ſich auf der nördlichen 
Schmalſeite neben dem Eingang zum tonnengewölbten Keller. Im Innern des 
Herrenhauſes iſt nur das aus Brettern geſchnittene, für die oben angegebene Bauzeit 
charakteriſtiſche Treppengeländer bemerkenswert. 


Klein-Kirſchbaum. 


Klein-KRirſchbaum, Straßendorf 8 km öſtlich von Droſſen. 234 Einw., Land— 
gem. 625 ha, Gutsbez. 780 ha. 

Kataſter der Lebuſer Kirche aus dem 15. Jahrhundert im Geheimen Staats— 
archiv geben für „Alt-Cirßbowm“ die übliche, für das Zeitalter der Koloniſation 
bezeichnende Ausſtattung mit 64 Hufen — darunter 4 Pfarrhufen — an. In dem ſeit 
1350 den Johannitern gehörigen „Kerſebam“ ſaßen im 16. Jahrhundert als Vaſallen 
des Ordens die v. Löben, wie aus einem Lehn— 
brief von 1529 im Radacher Herrenhaus für die 
„Lobbenn“ zu „Kyrſchbaum“ hervorgeht. In 
dem 3. Bande der ſtatiſtiſch-topographiſchen 
Werke von Bratring über die Mark findet ſich 
für das damals 171 Einwohner zählende Dorf, 
wo die Borchertſchen Erben begütert waren, der 
Name „Klein-Kirſchbaum“, im Gegenſatz zu dem 
im Kreiſe Oſtſternberg belegenen größeren Dorf 
Groß Kirſchbaum. Set SR ui im Abb. 83. Klein-Kirſchbaum. Grundriß 
Beſitz des zu Radach wohnenden Ritterſchafts— der (an. 
direktors Kurd v. Pappritz, der auch Patron iſt. 

Die Kirche (Abb. 83 u. 84), ein im Grundriß einfach rechteckiger Fachwerkbau, 
beſitzt eine Nordvorhalle mit darüber liegender Patronatsloge. Der verbretterte, im 
Grundriß quadratiſche Weſtturm mit ſeinem achteckigen Aufbau und der ſchindelgedeckten 
barocken Haube zeigt in der Wetterfahne die Jahreszahl 1701). Je drei einfach recht— 
eckige Fenſter auf der Süd- und Nordſeite führen dem Kircheninnern Licht zu. Der 
Zugang liegt auf der Nordſeite der Vorhalle, eine Treppe in der nordöſtlichen Ecke 
im Innern dieſes Vorbaues führt nach der Patronatsloge, ebenſo gelangt man über 
mehrere Stufen in der nordweſtlichen und ſüdweſtlichen Ecke des Kirchenſchiffes hinweg 
nach der Empore. 

Der Kanzelaltar mit ſeiner von Säulen getragenen Dreieckverdachung dürfte 
ebenſo wie der zugehörige Paſtorenſtuhl und das Geſtühl im Schiff, nach der ſtrengen 
Formgebung zu urteilen, ſpäteſtens der erſten Hälfte des 19. Jahrhunderts angehören. 

Der noch an der Decke aufgehängte Taufengel iſt barock und ſtammt vielleicht 
aus der erſten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Über dem Taufengel bemerkt man auf 
die Decke aufgemalt eine Taube, das Sinnbild des heiligen Geiſtes. 


oO 4 107% 


) Die Matrikel vom 26. September 1693 beſagt: Die Kirche „iſt gantz von Holtz mit Zigelln ge— 
decket. Der Turm iſt von Holtz und gantz baufällig.“ 


104 Weitifernberg. 


Abb. 84. Klein-Kirſchbaum. Kirche von Nordweſten. 


Ein aus dem erſten Drittel des 17. Jahrhunderts ſtammendes barockes, z. T. be— 
ſchädigtes Epitaph (Abb. 85) fuͤr die Ehefrau des Friedrich v. Ihlow geb. v. Winterfeld 
hängt hinter dem Aufbau des Kanzelaltars. Mehrere an verſchiedenen Stellen des 


Kircheninnern aufgehängte Totentafeln gehören der neueren Zeit an. 


Klein⸗Kirſchbaum — Klauswalde. 105 


Ein Kelch, 19,5 em hoch, ſilbervergoldet, 
zeigt am Sechspaßfuß ſechs Wappen mit den 
entſprechenden Umſchriften: 1) „Catharina 
gep. von Lopen, Georg von Lopen, ellig 
(S ehelig) Havsfravw.“ 2) „Wolf von 
Lopen, weiland avf Kirschbavm seliger 
der junger“. 3) „Anna geborne von Ber- 
gerinn, Wolf von Lobens seligen elige 
(= ehelige) Havsfraw“. 4) „Friderich von 
llow auf Kirschbavm Erbsessen Anno 
16054. 5) „Eva geborne Winterfeldinn, 
Friederich von Ilowen elige (= ehelige) 
Havsfraw“. 6) „Georg von Lopen der 
jvnger auf Kirschpavm avs dem Havs 
Kvrtshav (= Kurtschow)“. Ferner bemerkt 
man auf den Quadern des Knaufes den 
Namen Maria. Die zugehörige Patene mit 
Weihkreuz weiſt außerdem noch ein hufeiſen— 
artiges Zeichen auf mit den Buchſtaben I. B. 

Drei Glocken. Die öſtliche von 0,37 m 
Durchmeſſer zeigt am Hals gleichmäßig ver— 
teilt viermal die ſpätgotiſche Minuskel m 


(S maria). 15. Jahrhundert. 


Die mittlere mit 0,55 m Durchmeſſer tt 
ohne Inſchrift und gehört ihrer ſchlanken Form 
nach vielleicht dem frühen Mittelalter an. 

Die weſtliche von 0,80 m Durchmeſſer 
zeigt am Hals die nicht gänzlich verſtänd— 
liche Minuskelinſchrift: „hilf s got s maria o 


berot s lorenc s bryſlerhevſler.“ Wende N 3 


des 15. Jahrhunderts. 


o 7 vorm 


Abb. 86. Klauswalde. Grundriß der Kirche. 


Abb. 85. Klein-Kirſchbaum. Gedächtnistafel für 
die Ehefrau des Friedrich v. Ihlow. 


Klauswalde. 


Rlauswalde, Straßendorf 10,5 km 
nordöſtlich von Droſſen. 213 Einw., Land— 
gem. 430 ha, Gutsbez. 643 ha. 

Am 18. Februar 1335 wurde Peſcho 
van Swebeſin (S Schwiebus) durch Mark— 
graf Ludwig mit „Clauswalde“ belehnt (vgl. 
Riedel, Codex B. II, 97). Auf der Gemarkung 
lagen laut Sternberger Regiſter von 1461 


106 Weſlſlernberg. 


im Geh. Staatsarchiv 40 Hufen, darunter 5 Pfarrhufen. Matthias und Hartwig 
v. Slow erhielten 1507 die Belehnung. Die hier ſchon im 17. Jahrhundert 
beſtehenden zwei Ritterſitze der v. Heyden und v. Selchow wurden in der Folgezeit 
wieder zu einem Gute vereinigt, das um 1800 dem Geheimen Juſtizrat Buſch ge— 
hörte. 1847 erkaufte Landrat Karbe das Gut für 55 500 Taler (vgl. Berghaus, Land— 
buch III, 301, ferner v. Gundling, Brandenb. Atlas von 1720). 


— 


Abb. 87. Klauswalde. Kirche von Nordoſten. 


Die Kirche wurde nach dem Klauswalder Lagerbuch im Jahre 1699 erbaut 
und 1855 „maſſiv unterfangen“. Auf das Jahr des Baues weiſt auch die Inſchrift 
H. O. S. v D HH 


NS der Wetterfahne auf dem Oſtgiebel hin, deren Inhalt durch die aus— 
AO: 1099 — 


führlichere Bauinſchrift: „ANNO 1699 IST DIESE KIRCHE NEW ERBAWET 
PATRONI WAREN HERR OTTO SIGISMUND VON DER HEIDE V. 
HERR HANS HEINRICH VON SELCHOW PASTOR H. ANDREAS 
PAPE KIRCHVATER MARTIN ZELLFISCH V. MARTIN LOZE . BAV- 
MEISTER GEORGE NEUMANN“ an dem mittleren Unterzug der geraden Decke 
des Innern erklärt wird. 


Klauswalde. 107 


= a 


Abb. 88. Klauswalde. Kanzelaltar in der Kirche. 


Das Gotteshaus (Abb. S6 u. 87) zeigt eine im Grundriß rechteckige Anlage mit drei— 
ſeitigem Oſtſchluß, einer Vorhalle auf der Nordſeite und einem im Grundriß quadratiſchen 
Weſtturm, deſſen ins Achteck übergeführte Laterne mit ihrer welſchen Haube von einer 
17380 datierten Wetterfahne bekrönt wird. 


) Beckmanns Nachlaß im Geh. Staatsarchiv zufolge wurde 1738 „ein neuer Kirchen Thurm gebauet“. 


Weititernberg. 


108 


Abb. 8g. 


Klauswalde. 


Taufe in der Kirche. 


Abb. 90. 


Klauswalde. 


Kelch in der Kirche. 


Klauswalde — Kohlow. 109 


Die rundbogigen Lichtöffnungen mit ihren Backſteinleibungen gehören dem Jahre 
1855 an, der Zeit des maſſiven Ausbaus mit Granitfindlingen. 

Das flachgedeckte Innere beſitzt eine Süd- und eine leicht geſchweifte Weſt— 
empore mit entſprechend angelegten 
Aufgängen ſowie eine über der Nord— 
vorhalle errichtete Patronatsloge. Der 
Fußbodenbelag beſteht aus quadrati— 
ſchen Flieſen von 28 cm Seitenlänge. 

Der Kanzelaltar (Abb. 88) 
ſowie die Taufe (Abb. 89) gehören 
der Wende des 17. Jahrhunderts an, 
während das Geſtühl, nach ſeinen 
Renaiſſanceformen zu ſchließen, aus 
der Vorgängerin unſerer heutigen Kirche 
mit herübergenommen fein dürfte. 

Ein Bild aus der Wende des 
18. Jahrhunderts zeigt Jeſus als 
Kinderfreund. 

Ein Kelch (Abb. 90), 22,8 em 
hoch, ſilbervergoldet, beſitzt auf ſeinem Abb. 94. Klauswalde. Zinnteller in der Kirche. 
am Rande mit reichem Renaiſſance— 
ornament geſchmückten Sechspaßfuß einen auf ein eingraviertes Kreuz genieteten Kruzi— 
firus und in den Emailleeinlagen der Quader des Kaufes die Goldbuchſtaben und 
Zeichen: J. N. ch RJ. & (Jesus Nazarenus Rex Judaeorum). Eine außerdem noch 
eingravierte Inſchrift lautet: „Das Blyt Jesv Christi vnseres Hern reiniget vns 
von al. vnsern Svnden. Johanes am. 1. (= 1. Epiſtel, 1. Kap.) 1597. 44 lot 3 8“. 
Frankfurter Arbeit, Meiſter D. F. 

Ein Zinnteller (Abb. 91) mit ſchön geſchwungenem, fein profiliertem Rand 
gehört ſeiner Formgebung nach der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an, während 
eine ſechseckige Kirchenflaſche aus demſelben Metall etwas älter fein dürfte. 

Die beiden Glocken mit 0,75 m bezw. 0,80 m Durchmeſſer find im Jahre 1900 
von Franz Schilling in Apolda gegoſſen. 


Kohlow. 


Rohlow, Angerdorf 9,5 km ſüd— 
weſtlich von Droſſen. 531 Einw., Land— 
gem. 775 ha, Gutsbez. 704 ha. 

In „Kawl“ war um 1360 der 
Droſſener Bürger Duncktmigut mit 
einigen Hufen vom Markgrafen belehnt. 
„Kauwel“ hatte einem Schoßregiſter des 
Abb. 92. Kohlow. Grundriß der Kirche. Landes Sternberg von 1461 im Ge— 


110 Weſlſternberg. 


heimen Staatsarchiv zufolge eine Gemarkung von 64 Hufen, darunter 4 Pfarrhufen; zu 
einem Bauerngut gehörten, wohl ſchon vom 13. Jahrhundert an bis in die neueſte 
Zeit, etwa 2 Hufen. Beſitzer des Ritterguts waren die v. Kökeritz, ſeit der Zeit 
des Großen Kurfürſten die 1556 geadelten v. Ludwig, die es 1804 an den Haupt- 
mann v. Berg veräußerten. Nachdem 1836 ſich hier der Major Kaſpar v. Kaphengſt 
für 53 400 Taler angekauft hatte, iſt das Gut in dem Beſitz der alt-märkiſchen, ſchon 


Abb. 93. Kohlow. Kirche, Südportal. 


1321 urkundlich auftretenden Familie der Kapehingeſt, die bis Ausgang des 18. Jahr— 
hunderts zu Breſch in der Prignitz begütert waren, verblieben. 


Die Kirche (Abb. 92), ein im Kerne frühmittelalterlicher Granitfindlingsbau, 
beſteht aus annähernd quadratiſchem Langhaus, einem rechteckigen, etwas eingezogenem 
Chor und dem das Schiff auf beiden Seiten an Breite überragenden Weſtturm. Die 
jüngere aus Backſtein errichtete obere Hälfte dieſes Bauteils mit ihrem vierſeitigen, 


Kohlow. li! 


heute zinkbedeckten Pyramidendach wird von einer Wetterfahne mit der Inſchrift: 
„v. Berg 1804“ bekrönt.) Auf der Oſtſeite des Chores find noch die drei urſprünglichen 
Spitzbogenfenſter erhalten. Von ihnen läßt das mittlere dadurch, daß es ſich über 
die heutige flache Decke bis hinein in den Dachraum erſtreckt, auf eine ehemals 
gewölbte, vielleicht tonnenartig geſtaltete Deckenbildung ſchließen. Außerdem zeigt die 
gleiche Abſchlußwand auf ihrer Außenſeite zwei flankierende Spitzbogenniſchen. Zwei 
weitere ſchmale, jetzt aber vermauerte Spitzbogenfenſter auf der Südfeite des gleichen 
Bauteils ſind ebenfalls urſprünglich; dagegen dürften die vier ebenſo durchgebildeten, 
aber größeren Fenſter des Schiffes aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ſtammen. Dieſer 
Zeit gehört auch die Verbindungstür zwiſchen 
Turm und Kircheninnern an. Der ſpitz— 
bogige Zugang auf der Südſeite des Altar— 
raumes (Abb. 93) mit ſeinem doppelt ab— 
getreppten Gewände, dem den Spitzbogen 
begleitenden vorgekragten einfachen Profil 
und einem über der Bogenſpitze ſitzenden, 
ebenfalls aus Granit aufgemauerten Kreuz 
iſt jedoch urſprünglich. 

Das Schiff beſitzt auf drei Seiten Em— 
poren, deren Zugangstreppe im Turm liegt. 

Der Kanzelaltar (Abb. 94) mit ſeinen 
ſchlichten Säulen zeigt einfache handwerks— 
mäßige Formen. 

Die Taufe aus Zinkguß iſt modern— 
gotiſch. 

Die übrige innere Ausſtattung mit 
Ausnahme des modern-gotiſchen von dem 
Kaphengſt-Rederſchen Alliancewappen über— 
ragten Patronatsſtuhls dürfte den vierziger Abb. 94. Kohlow. Kirche, Kanzelaltar. 
Jahren des 19. Jahrhunderts angehören. 

Ein Meſſingkronleuchter zeigt moderne Renaiſſanceformen. 

Ein gotiſcher Kelch (Abb. 95 links), 16,75 om hoch, ſilbervergoldet, beſitzt am 
Sechspaßfuß einen aufgenieteten Kruziftrus. 

Zwei Patenen mit Weihkreuzen beſtehen ebenfalls aus vergoldetem Silber. 

Eine ſilbervergoldete Taufkanne (Abb. 95), 20,28 cm hoch, laut Gewichtangabe 
auf der Unterſeite des Fußes 61¼ Lot ſchwer, trägt auf dem Deckel die Inſchrift: 
„Kirchenkanne zv Kohlo ano 1710“ und iſt Frankfurter Arbeit. 

Der gleichen Zeit dürfte ein ebenfalls ſilbervergoldeter, 26,5; om hoher und 61 Lot 
ſchwerer Barockkelch (Abb. 95 rechts) angehören, deſſen Knauf den Namen ſesvs aufweiſt. 

Von den drei 1866 von C. F. Voß in Stettin gegoſſenen Glocken mißt im 
Durchmeſſer die öſtliche 0,71 m, die mittlere 0,84 m und die weſtliche 0,62 m. 


) Turm und Kirche find 1803 ausgebrannt (vgl. Indagandaakte vom Jahre 1814). 


112 Weſtſternberg. 


Abb. 95. Kohlow. Altargeräte in der Kirche. 


In dem 1880 neu erbauten Herrenhaus befinden ſich nachſtehende bemerkens— 
werte Gegenſtände: 

Zwei Rokokoſchränke mit Intarſien; ein Rokokoſchrank aus der Rheins— 
berger Zeit des Prinzen Heinrich, und eine Rokokokommode, ferner ein Olbild des 
Chriſtian Ludwig v. Kaphengſt, ehemaligen Adjutanten des Prinzen Heinrich, endlich 
eine Taſſe aus der Berliner Porzellanmanufaktur, Zeit der Anfertigung etwa 1790, 


Kunersdorf. 

Runersdorf, Angerdorf 14,5 km weſtlich von Reppen. 1016 Einw., Landgem. 
1624 ha, Gutsbez. 3733 ha. 

Wie aus einer Urkunde vom 
20. Januar 1399 im Frank 
furter Stadtarchiv erhellt, ers 
laubte Markgraf Jobſt dem 
Rat von Frankfurt, „Cunerts— 
dorf“ zu kaufen (vgl. Riedel, 
Codex XXIII, 137). Noch 
heute beſitzt die Kämmerei 
Abb. 96. Kunersdorf. Grundriß der Kirche. einen zumeiſt aus Waldungen 


7 —  —— — — 
0 70 


Kohlow — Kunersdorf. 113 


beſtehenden Gutsbezirk. Im 15. Jahrhundert wohnten hier 14 Bauern und 6 Koſſäten, 
um 1800 11 Ganzbauern, 12 Ganzkoſſäten, 7 Büdner und 6 Einlieger. Der Pfarrkirche 
waren von den 40 Hufen der Gemarkung wohl ſchon im 13. Jahrhundert 4 Freihufen 


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Abb. 97. Kunersdorf. Kirche von Südweſten. 


zugewieſen worden. — Am 11. Auguſt 1759 ließ Sſaltykow auf Loudons Rat den Ort, 
der den Preußen einen guten Stützpunkt geboten hätte, niederbrennen (vgl. Geſch. des 
Siebenjährigen Krieges, hgg. vom Großen Generalſtab, X, 234). Während der 
Schlacht am 12. Auguſt wurde das Dorf zeitweilig von den Preußen genommen, 


Kunſtdenkm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weftfternberg. 8 


114 Weſlſternberg. 


der ummauerte Kirchhof aber von den Ruſſen und Oſterreichern gehalten (vgl. Kofer, 
König Friedrich der Große, II, 249 f.). — Patron iſt der Frankfurter Magiſtrat. 


Die Kirche (Abb. 96 u. 97), ein im Kerne noch mittelalterlicher Granitfindlings— 
bau, geht in der heutigen Geſtalt hauptſächlich auf einen im Jahre 1799 erfolgten 
Umbau zurück.) Das Gotteshaus beſteht aus dem älteren rechteckigen Langhaus 
und dem im Grundriß annähernd quadratiſchen Weſtturm, während ſeine ſchlanke 


Abb. 98. Kunersdorf. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten. 


Pyramide ſowie die aus Backſtein errichtete Vorhalle auf der Südſeite und die im 
Oſten vorgelegte Sakriſtei aus gleichem Material der vorſtehend genannten Zeit des 
Umbaues angehören. Gleichzeitig mit dieſem ſind auch ſämtliche Lichtöffnungen 
des Gotteshauſes ſowie der Südzugang und die Verbindungstür zwiſchen Sakriſtei 
und Kircheninnern, im Gegenſatz zu der ſpätmittelalterlich profilierten Weſtportal— 
umrahmung, aus Backſtein. Das Innere beſitzt auf drei Seiten Emporen mit Zu— 
gangstreppen in der Südweſt- und Nordweſtecke. 

Der ſchlichte Kanzelaltar (Abb. 98) mit ſeinem eigenartig in die Sakriſtei 
eingebauten Treppenaufgang (Abb. 99) gehört dem Ende des 18. Jahrhunderts an. 


) Vgl. Beantwortung der Indagandaakte vom Jahre 1814. 


Kunersdorf. 115 


Drei ſpätmittelalterliche Figuren, darunter Maria mit dem Chriſtuskind und Johannes 
der Täufer, wurden von dem Vorgänger des Altaraufbaues übernommen. 

Der einfache Tauftiſch ſowie die Orgel entſtammen ebenfalls noch dem 
18. Jahrhundert. 

Ein meſſingenes Taufbecken mit der Darſtellung der Verkündigung und einer 
rein dekorativen Umſchrift gehört dem 16. Jahrhundert an, während die Inſchrift: g, 
nachträglich hinzugefügt wurde. 

Ein Grabſtein für den am 12. Aug. 1759 in der Schlacht von Kunersdorf geblie— 
benen ruſſiſchen Offizier von Heicking iſt in den Backſteinfußboden der Kirche eingelaſſen. 

Vorhanden ſind noch zwei zopfige Kronleuchter mit Glasbehang, ſowie eine 
Anzahl etwa gleichzeitiger Yich = 
terblaker aus Blech, darunter 
ſechs mit der Inſchrift: „An den 
Gerichtsschultzen Gottfried 
Schulze zu Cunersdorf 1801“, 
endlich zwei Gedenktafeln 
zur Erinnerung an die Kriege 
1813/14 und 1864. 

Ein Kelch, 26,5 om hoch, 
ſilbervergoldet, mit zugehöriger 
Patene, wurde laut Inſchrift auf 
der Unterſeite des Kelchfußes 
im Jahre 1775 für die Kuners— 
dorfer Kirche von dem Frank— 
furter Goldſchmied L. C. Prevöt !) 
angefertigt (vgl. denſelben Kelch 
in „Kunſtdenkmäler“, Stadt 
Frankfurt, Abb. 29). 

Drei Glocken hängen im 
Turm der Kirche. Die öſtliche 
mit 0,85 m Durchmeſſer zeigt 
am Hals außer einem nach rechts 
aufſteigenden heraldiſchen Löwen 
und einer Anzahl Medaillen mit 
dem Reichsadler oder Darſtel— Abb. 99. 
lungen wie der Verkündigung 
u. a. m. noch eine anſcheinend nur dekorative Majuskelinſchrift und dürfte ſpäteſtens 
dem Ende des 14. Jahrhunderts angehören. Die mittlere hat 0,72 m Durchmeſſer 
und trägt auf der Haube den Anfangsbuchſtaben des Namens der Gottesmutter, 
die weſtliche mit 0,48 m Durchmeſſer iſt inſchriftlos. Von dieſen beiden mittelalter— 


Kunersdorf. Treppe in der Sakriſtei der Kirche. 


1) Johann Chriſtoph Prevöt, geb. 1739 in Caſſel, erwarb am 8. März 1809 in Frankfurt a. O. 
das Bürgerrecht. 


116 Weſlſternberg. 


lichen Glocken dürfte die zuletzt erwähnte, ihrer ſchlanken Form nach zu urteilen, 
die älteſte ſein und bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen. 

Ein Denkmal zur Erinnerung an die Schlacht von Kunersdorf wurde am 
22. Auguſt 1909 in der Nähe des Dorfes errichtet. Das am Denkmal angebrachte 
Bronzerelief, darſtellend die Rettung Friedrichs des Großen durch den Rittmeiſter 
v. Prittwitz zeigt dieſe Begebenheit weſentlich anders als die Schilderung im X. Bande 
des Generalſtabwerkes (vgl. auch „Kunſtdenkmäler“, Kreis Lebus, S. 122). 


Läſſig. 

Tällig, Straßendorf 5,5 km ſüdſüdöſtlich von Göritz. 320 Einw., 1032 ha. 

Laut Urkunde vom 3. Februar 1317 im Geh. Staatsarchiv gehörte „Lesk“ dem 
Lebuſer Biſchof (vgl. Riedel, Codex XX, 201); dem Zehntregiſter von 1405 zufolge 
hatte es 54 Hufen, von denen der Kirche und dem Richter je 4 Hufen bereits im 
13. Jahrhundert zugewieſen worden waren. Das nach der Säkulariſation der biſchöf— 
lichen Güter unter Joachim II. zur landesherrlichen Domäne gewordene Dorf ward 
dem Domänenamt Frauendorf unterſtellt, das aber 1815 in Privatbeſitz kam; 1844 
wurde die Herrſchaft Frauendorf mit allem Zubehör vom Königlichen Haus erworben. 
Das Filialverhältnis der hieſigen Kirche zu Göritz geht auf das Mittelalter zurück. 


Die Kirche (Abb. 100 u. 101), ein im Kerne ſpätmittelalterlicher, unregelmäßig 
gemauerter Findlingsbau, zeigt ein einfach rechteckiges Langhaus mit halbkreisförmigem 
Oſtſchluß. Der in der Achſe der Weſtfront ſitzende, im Grundriß quadratiſche, verputzte 
Backſteinturm mit ſeiner für das 18. Jahrhundert typiſchen Fenſter- und Niſchen— 
gliederung auf der Außenſeite, wird über der 
heute mit Zink gedeckten Pyramide von einer 
Wetterfahne gekrönt mit dem Monogramm 
Friedrichs des Großen und der Jahreszahl 1742. 
Auch die Sakriſtei im Oſten der Kirche ſowie 
die Vorhalle vor dem Südzugang ſind aus Back— 
ſtein, gehören jedoch der neueren Zeit an. 

Gleichfalls modern ſind die nach oben 

: rundbogig gejtalteten Lichtöffnungen des Lang— 

Abb. 100. Läſſig. Grundriß der Kirche. hauſes und des runden Oſtſchluſſes. Außer 

durch die Vorhalle auf der Südſeite gelangt 

man noch von Weſten her durch den Turmunterbau nach dem Kircheninnern mit 
ſeinen auf drei Seiten angebrachten Emporeneinbauten. 

Der einfache Kanzelaltar zeigt ſchlichte, handwerksmäßige Formen. 

Die Taufe aus Zinkguß iſt modern-gotiſch. 

Die ebenſo wie die Emporen und das Geſtühl braun geſtrichene Orgel weiſt 
noch verſchiedene jetzt vergoldete Reſte barocker Rankenſchnitzereien auf. 


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Kunersdorf — Läſſig. 117 


Eine Erinnerungstafel rechts vom Altar wurde 1816 von dem „Baron v. 
Frauendorf“ zum Andenken an zwei in den Befreiungskriegen gefallene Musketiere geſtiftet. 

Verſchiedene der neueren Zeit angehörige z. T. mit Bändern geſchmückte Toten— 
kronen und Kränze unter Glas hängen 
an den Emporenbrüſtungen. 

Die Beleuchtungskörper ſind 
aus neuerer Zeit. 

Eine mit Leimfarbe handwerks— 
mäßig auf Holz gemalte Darſtellung 
des heiligen Abendmahls, ein 
altes Altarbild, befindet ſich im erſten 
Obergeſchoß des Kirchturmes und wurde 
laut Inſchrift auf der Rückſeite der 
Holztafel von dem „Mahler und Civ. 
Akad.“ Johann Allardt in Frankfurt 
a. O.!) im Jahre 1696 verfertigt. 

Ein altes Uhrwerk auf dem 
Kirchenboden gehört anſcheinend eben— 
falls dem 17. Jahrhundert an. 

Ein ſchmiedeeiſerner Halter für 
die Predigtuhr wird in der Sakriſtei 
aufbewahrt. 

Vorhanden ſind noch: eine zinnerne 
Kirchenflaſche, 25 cm hoch ein— 
ſchließlich des Deckels, ſechseckig, Wende 
des 17. Jahrhunderts; ein zinnernes Abb. 101. 
Taufbecken mit geſchweiftem Rand, 
zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts; ein Zinnkelch, 15 cm hoch, ſowie eine kleine 
Zinnkanne, ebenfalls mit geſchweiftem Rand, dürften etwas jünger ſein. 

Ein Kelch, 23, cm hoch, ſilbervergoldet, zeigt auf der Unterſeite des Fußes 
die Inſchrift: „Lässig 1693“ und iſt laut Stempel Berliner Arbeit. Meiſterinitialen 
B. Q. Eine zugehörige, ebenfalls ſilberne Patene mit Weihkreuz zeigt die gleiche 
Inſchrift und das gleiche Meiſterzeichen. 

Drei Glocken hängen in zwei Geſchoſſen des Turmes verteilt. Von den beiden 
unteren iſt die öſtliche mit 0,60 m Durchmeſſer von Guſtav Collier in Berlin-Zehlendorf 
1884 gegoſſen; die weſtliche mit 0,93 m Durchmeſſer aus dem Jahre 1847 ſtammt von 
H. Ch. Lange zu Frankfurt a. O. Am Tragebalken eingeſchnitten lieſt man „Carl 
Fischbach 1847“. Die obere Glocke von 0,47 m Durchmeſſer hat am Hals den 
Glockenſpruch: „GLORIA IN EXCELSIS DEO“ (= Ehre ſei Gott in der Höhe) 
und auf der Haube die Inſchrift: „ICH RUFE ZUM WACHEN UND ZUM 
BETEN UND AUCH IN HÖCHSTEN NÖTEN“. 18. Jahrhundert. 


) Vgl. auch Kunſtdenkmaler, Kreis Lebus, S. 172, und Stadt Frankfurt, S. LXVII. 


Läſſig. Kirche von Südweſten. 


118 Weſtſternberg. 


Laubow. 


Taubow, Straßendorf 11 km ſüdöſtlich von Droſſen. 311 Einw., 1234 ha. 

Zugleich mit Zielenzig wurde laut Urkunde vom 27. Oktober 1286 im Geheimen 
Staatsarchiv „Lubene“ vom Markgrafen dem Templerorden übereignet (vgl. Riedel, 
Codex XIX, 125). Vom 14. Jahrhundert behauptete ſich hier der Johanniterorden 
bis zu ſeiner Aufhebung im Jahre 1810, und zwar gehörte Laubow zuſammen mit 
Krieſcht, Limmritz und anderen Dörfern zum Ordensamt Sonnenburg. Die durch das 
biſchöfliche Zehntregiſter von 1405 bezeugte Ausſtattung von „Luba“ mit 61 Hufen, 
darunter 4 Pfarrhufen, weit auf planmäßige Anlage durch deutſche Koloniſten im 
13. Jahrhundert hin (Geh. Staatsarchiv, Rep. 78 a. 11). 


Die Kirche wurde nach Aufzeichnungen in alten Kirchenbuchreſten zu Laubow 
im Jahre 1520 erbaut. Nach derſelben Quelle waren die Wände mit bunten Bildern 
bemalt.) Ferner wird berichtet, daß 
der Holzturm, deſſen Bau dem Jahre 
1546 angehört, 1693 erneuert und 
mit eichenen Bohlen bedeckt wurde. 
1621 wurde der Altar und 1686 eine 
neue Kanzel in der Kirche errichtet. 
1813 kam der ſilberne, innen ver- 
goldete Abendmahlskelch abhanden. 
Dem Jahre 1866 gehört die Orgel 
an, während die Abendmahls- und 
Taufgeräte aus Alfenide im Jahre 1883 
beſchafft und die Altarleuchter im Jahre 1887 bronziert wurden. 

Vorſtehende Notizen werden durch Aufzeichnungen, die der Lehrer Theodor 
Körner mit Rückſicht auf das Ausſehen der Kirche vor der letzten umfaſſenderen 
baulichen Inſtandſetzung niedergeſchrieben hat, beſtätigt und noch ergänzt. Sie lauten 
wörtlich: „Dieſe Kanzel iſt 1686 neu erbaut, 1621, den 25. Febr., iſt dieſes Altar 
renoviert und Gott zu Ehren aufgerichtet unter Prediger Martino Prosnacio Jacob 
Enden, Schultze, Peter Meißner und Merten Schikken, Kirchenväter, dieſen gefolgt 
Andreak Blrüh und Adam Gabriel 1686, den 20. April, das Altar neu erbaut unter 
Andreä Papis. Kirchenväter: Hans Vorwerk und Chriſtoff Hahn. Bauern zu dieſer 
Zeit Chriſtoff Ende, Hans Töpper, Martin Gerke, Adam Walde, Caspar Daubitz, 
Martin Schulz, Görge Büttner.“ Dieſe Bauernnamen ſtanden an dem Chorbalken 
deutlich geſchrieben. An der Decke über dem Fenſter ſüdlich vom Altar ſtand der 


Abb. 102. Laubow. Grundriß der Kirche. 


) Dieſe Angabe wird beſtätigt durch folgende Bemerkung in der Matrikel (20. Febr. 1694): „Die 

Kirche iſt . . . inwendig gemahlet nach Papiſtiſcher Art.“ Nachſtehende Notiz in der Beantwortung der 
Indagandaakte aus dem Jahre 1844 beſagt dasſelbe: „Das Innere der Kirche iſt mit ſoviel Schnörkeln und 
groteſken Figuren aus dem Papſtthum ausgemahlet, daß es in der benachbarten Gegend Redensart iſt: 
So bunt wie in der Lauboſchen Kirchen.“ 


x 


Laubow. 119 


Name des Erbauers der Kirche Herr v. Buch!) und darunter hing ein einfaches Brett 
als Tafel, worauf der Kopf dieſes Herrn gemalen war, ohne Bedeckung ein länglich 
Geſicht mit ſtarker Naſe, langem mehr rötlichem als blondem Bart und ähnlichem 
geſchorenem Kopfhaar. Dieſe Tafel haben die Arbeiter des Maurermeiſter Th. Michel 
aus Droſſen, welcher 1863 die Renovierung übernommen hatte ſamt den alten 


— 


Abb. 103. Laubow. Kirche von Südoſten. 


Kirchenſtühlen und Bänken nach Droſſen zum Brennholz geholt. Unter dieſem Bilde 
war der Lutherkopf, wie er auf den jetzigen Bildern dargeſtellt iſt, an die Wand 
gemalen. Derſelbe iſt mit Schlemmkreide und dem jetzigen Malerputz übertüncht. 
Die Jahreszahl 1520 war an 3 Stellen an der Decke in der kleinen runden Fläche, 
wo die Bögen zuſammenſtoßen, verzeichnet. In den andern runden Flächen waren 
verſchiedene andere Sinnbilder, z. B. über der Tür ein Affe, über dem alten Küſter— 


) Die Indagandaakte ſagen von dieſem Bilde: „Unter den Bildern befindet ſich auch ein adeliges 


Wappen mit der Unterſchrift in ſehr alter Fraktur-Schrift: S R De R G von Buchs, woraus hervorzu— 
gehen ſcheint, daß die Kirche anno 1520 adlichen Patronats geweſen iſt.“ 


120 Weſlſternberg. 


Abb. 104. Laubow. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten. 


und Schülerchor, welches auf einer hölzernen, mannsdicken Säule am vorderen Ende 
und an der Kanzel, am hinteren Ende und wo auch der Aufgang von der Kanzel— 
treppe ging und an der Wand rubete, mit einer Bank für den Küjter, vorn am Ende 
mit dem Leſepulte und der ſchwarzen Liedertafel, die noch in der Schule hängt.“ 


Laubow — Leichholz. 121 


Die Kirche (Abb. 102 u. 103) iſt eine anläßlich des oben erwähnten größeren 
Umbaues zu Anfang des 16. Jahrhunderts am Außeren mit Strebepfeilern verſehene 
mittelalterliche Anlage von rechteckiger Grundform und mit dreiſeitigem Oſtſchluß. Der 
heute noch ſtehende hölzerne, mit einer ſchiefergedeckten, ſchlanken Pyramide verſehene 
Weſtturm gehört dem Jahre 1693 (Jahreszahl in der Wetterfahne) an, während die 
Backſteinvorhalle vor dem Nordzugang des Gotteshauſes wahrſcheinlich im Jahre 1863, 
d. h. anläßlich der letzten umfangreichen Wiederherſtellung errichtet wurde. Außer der 
Vorhallentür vermittelt noch ein zweiter Zugang von Weſten her den Zutritt zu dem 
mit reichem Netzgewölbe verſehenen Kircheninnern (Abb. 104). Die wahrſcheinlich 
ſchon in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts erweiterten Lichtöffnungen ſind 
nach oben rundbogig abgeſchloſſen. Der Fußbodenbelag beſteht aus Backſteinflieſen. 

Das Geſtühl ſowie die Weſtempore wurden im Jahre 1863 erneuert. 

Der nachträglich zuſammengefügte Kanzelaltar (Abb. 104) zeigt, abgeſehen von 
der wie oben erwähnt aus dem Jahre 1686 ſtammenden Kanzel, in dem ehemaligen 
Altaraufbau ſchon Teile aus zwei verſchiedenen Stilperioden. So dürfte das jetzt als 
Kanzeltür dienende urſprüngliche Hauptbild, eine Kreuzigungsdarſtellung, ebenſo wie 
die Auferſtehung in dem von einer Chriſtusfigur bekrönten oberen Aufbau, dem Jahre 
1621 angehören, während die von Renaiſſanceſäulchen eingefaßten vier Paare von 
Heiligenfiguren zu beiden Seiten des Mittelfeldes den Typus des 16. Jahrhunderts tragen. 

Der an Stelle einer älteren hölzernen Taufe angeſchaffte Taufſtein aus 
gebranntem Ton gehört den ſechziger Jahren des 19. Jahrhunderts an. 

Ein Zinnkelch, 23,5 em hoch, mit zugehöriger Patene, zeigt am Stengel 
die Meiſterinitialen J. C. A. und die Jahreszahl 1780. 

Die jetzt bronzierten (ſiehe S. 118) einſchließlich Dorn 59 em hohen Zinnleuchter 
ſtammen aus dem 17. Jahrhundert. 

Von den beiden Glocken dürfte die inſchriftloſe Südglocke mit 0,95 m Durchmeſſer 
noch mittelalterlich ſein, die reichverzierte Nordglocke mit einem Durchmeſſer von 
0,61 m zeigt u. a. auf der Haube eine Madonna, ferner Engelgeſtalten in Ranken— 
werk, ſowie außer dem Wappen auch die Anfangs— 
buchſtaben des Namens des Glockengießers Franz 
Voillard und die Jahreszahl 1666. Ihr An— 
ſchaffungspreis betrug, laut Matrikel vom 20. Fe— 
bruar 1694, 82 Taler. 


Leichholz. 
Teichholz, Straßendorf 24 km oſtſüdöſtlich 
von Reppen. 3599 Einw., Landgem. 787 ha, Abb. 105. Leichholz. Grundriß der Kirche. 


Gutsbez. 1010 ha. 

Im Beſitz von „Leckhotz“ wurde 1460 durch den Markgrafen der Johanniter— 
orden beſtätigt, als deſſen Lehnträger ſeit 1492 die v. Loſſow hier ſaßen (vgl. Wohl— 
brück, Bistum Lebus III, 540). Um 1800 beſaß der kurländiſche Freiherr v. Medem 


122 Weſtſternberg. 


das Lehn; zudem war hier die Erbprinzeſſin von Hohenzollern-Hechingen begütert. 
1871 ging das Medemſche Gut durch Kauf vom Grafen v. Perponcher an den 
Fürſten von Hohenzollern über. 

Die Kirche (Abb. 105), ein einfach rechteckiger Fachwerkbau, ohne Turm, wurde 
am 9. Febr. 1845 % eingeweiht. Je eine Tür auf der Nord- und Oſtſeite führen nach 


dem Innern (Abb. 106). 
Die hinter dem Altartiſch errichtete Kanzel mit dem zugehörigen Paſtorenſtuhl 


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Abb. 106. Leichholz. Inneres der Kirche. 


zeigt ebenſo wie die Orgelempore auf der Oſtſeite oder das Geſtühl und die übrige 
Ausſtattung der angeführten Bauzeit entſprechend einfach ſchlichte Formen. 

Eine Anzahl Bauernepitaphien und eigenartig durchgebildete Denktafeln 
(Abb. 107) zur Erinnerung an den Krieg 1870/71 hängen an den Wänden. 

Ein großes modernes Chriſtusbild ſchmückt die Rückwand der Kanzel. 

Eine achtarmige Lichterkrone gehört ebenfalls der neueren Zeit an. 


Zwei reicher durchgebildete Zinnleuchter auf dem Altar beſitzen die In— 
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ſchrift: ENYZ. 
1714 


) Zum Bau der Kirche ſchenkte Friedrich Wilhelm IV. 400 Taler. 


Leichholz — Leiſſow. 


Ein zinnernes Taufbecken mit 
einem aus den Buchſtaben v gebildeten 
reichverſchlungenen Monogramm und der 
Jahreszahl 1688 zeigt in der Mitte der 
Vertiefung das Lamm mit der Kreuzes— 
fahne und dem Kelch, während eine 
Majuskelinſchrift: „ECCE AGNVS 
De TOLEIT PECCEATA 
MVNDI“ (= Siehe das ift Gottes 
Lamm, welches der Welt Sünde trägt) 
lautet. 

Von den der neueren Zeit ange— 
hörigen Altargeräten iſt nur ein 25 cm 
hoher Kelch mit dem Wappen und den 
Initialen C. B. v. M. (= Carl Baron 
v. Medem) bemerkenswert. Er iſt eine 
Stiftung des Freiherrn Heinrich v. Medem 
aus dem Jahre 1843 zum Andenken an 
ſeinen Bruder Karl v. Medem. 

Zwei Glocken, laut Aufſchrift vom 
Bochumer Verein Gußſtahlfabrik und 
eine Stiftung des Fürften von Hohen— 
zollern aus dem Jahre 1878, hängen in 


einem beſonders dazu errichteten Glockenſtuhl abſeits von der Kirche. 


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Abb. 107. Leichholz. Denktafel im Innern der Kirche. 


Die nördliche 


mißt 0,75 m, die ſüdliche 0,63 m im Durchmeſſer. 


Leiſſow. 


Teiſſlow, Straßendorf 10 km ſüdlich von Göritz. 


319 Einw., 676 ha. 


1412 erhielten laut Lehnsregiſtratur im Geheimen Staatsarchiv (Rep. 78. 49, 


Abb. 108. 


Leiſſow. 
Kirche. 


Grundriß der 


fol. 1 i. d.; vgl. Riedel, Codex C I, 48) Kaſpar, Hans 
und Friedrich Rotſche die Belehnung mit einem Teil 
von „Lißaw“, einem dem Johanniterorden, Kommende 


Lagow, unterſtehenden Dorf. Laut Schoßregiſter des 
Landes Sternberg von 1461 hatte „Lyſſow“ nur 
17 Hufen, darunter 2 Pfarr- und 2 Richterhufen. 1529 


kam es an die Jobſt, 1584 an die v. Wedel zu Biſchofs— 
ſee, ſpäter an die Stadt Frankfurt. Durch König 
Friedrich Wilhelm J. wurde 1734, wie aus den Akten des 
Geheimen Staatsarchivs erhellt, Leißow und Biſchofsſee 
für 30 000 Taler von dem Generalleutnant v. Bredow 
gekauft und zum Domänenamt Biſchofsſee geſchlagen. 


124 Weſlſternberg. 


Die Kirche (Abb. 108 u. 109) iſt eine im Grundriß kreuzförmige Anlage mit Vor— 
halle auf der Weſtſeite. Sie beſitzt über der Vierung einen in der Achſe des Querſchiffs 
vorgeſehenen hölzernen Dachaufbau, deſſen Satteldach einen im Grundriß quadratiſchen 
verbeſſerten Turm mit ſchiefergedeckter, ſchlanker achtſeitiger Pyramidenſpitze trägt. 
Der mittelalterliche Kern’), das rechteckige Langhaus, iſt nicht allein an dem Granit— 
material der über 1 m dicken Umfaſſungsmauern zu erkennen, ſondern auch an der 


Abb. 109. Leiſſow. Kirche von Nordweſten. 


aus Backſtein großen Formats gemauerten Leibung der Verbindungstür zwiſchen Vor— 
halle und Kircheninnern. 

Der ganze innere Ausbau, d. h. die Emporen ſowie der Altar, die Kanzel, die 
Orgel und die Taufe gehören der Neuzeit an. 

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Bemerkenswert iſt noch links vom Altar in der Oſtwand die ehemalige jetzt 
vermauerte Sakramentsniſche. 

) Matrikel d. d. 17. März 1691: „Die Kirche iſt gantz gemauert, mit einer Hallen, undt von 


Ziegeldach. Hat fünf Fenſter und Eine Thür. Die Decke von Dielen, da die Helffte ein Schwiebbogen, 
die andere Helffte gerade und gemahlet iſt.“ 


Leiſſow — Lieben. 125 


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Abb. 110. Leiſſow. Bauernhaus. 


Ein Taufbecken aus Zinn trägt die Jahreszahl 1846. 

Zwei Glocken. Die öſtliche von 0,57 m Durchmeſſer iſt 1867 von Fr. Gruhl in 
Kleinwelka bei Bautzen gegoſſen, die weſtliche von 0,75 m Durchmeſſer ſtammt von 
Großheim in Frankfurt a. O. vom Jahre 1843. 

Ein Bauernhaus mit Vorlaube (Abb. 140) ſteht weſtlich von der Kirche an 
der Dorfſtraße. 


Lieben. 
Lieben, Angerdorf 10 kKmoſtſüdöſtlich von Droſ— 
fen. 405 Einw., Landgem. 355 ha, Gutsbez. 1394 ha. 
Für „Lybnow“ iſt durch Zehntregiſter des 
Biſchofs von Lebus von 1405 im Geheimen Staats— 
archiv, ebenſo wie für ſo viele andere Dörfer der > = 
Lande Sternberg und Lebus, die auf das Zeitalter Abb. 111. Lieben. Grundriß der Kirche. 


126 Weſlſlernberg. 


Abb. 112. Lieben. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten. 


der deutſchen Koloniſation, das 13. Jahrhundert, hinweiſende Ausſtattung mit 
64 Hufen, darunter 4 Pfarrhufen, bezeugt. Die Zahl der ritterlichen Freihufen war 
ſchon um 1412, als die Rotz oder Rotſch zu „Luben“ begütert waren, ſehr groß 
(Rep. 78. 49, fol. 1. i. d.); 1536 find die v. Selchow zu „Lyvenow“ nachweisbar, 


Lick en. 127 


die ſich auf den 2 Ritterſitzen hier über 
200 Jahre behaupteten. In „Lieben“ 
dieſer Name erſcheint zuerſt 1608 — wech— 
ſelten die Beſitzer häufig: um 1800 Graf 
Reuß, um 1816 v. Sprenger, in neueſter Zeit 
Heymann, dann Neumann. 


Die Kirche (Abb. 111 u. 112), ein lang⸗ 
geſtreckter, rechteckiger turmloſer Granitbau 
mit Liſenen und Eckpfeilern aus Backſteinen, 
dürfte aus den dreißiger Jahren des 19. Jahr— 
hunderts ſtammen. Ein doppelter Eingang 
führt von Weſten her nach dem Innern 
(Abb. 112), das auf den beiden Langſeiten 
und an der Weſtwand von doriſchen Säulen 
getragene Emporen aufweiſt. Eine gleiche 
Anzahl doriſcher Holzſäulen trägt die geraden 
Decken der Süd- und Nordempore, während 
das von einer Holztonne überdeckte Mittel— 
ſchiff halbkreisförmige Lünettenfenſter auf der 
Weſt- und Oſtſeite zeigt. 

Der Altar, hinter dem ſich die mit 
der übrigen inneren Ausſtattung gleichzeitige 

Kanzel erhebt, 
zeigt in moderner 
Renaiſſance-Um⸗ 
rahmung eine 
Kreuzigungsdar— 
ſtellung aus der 
Mitte des 17. 
Jahrhunderts ). 
Ein Kelch, 
20 cm hoch, 
ſilbervergoldet, 
zeigt am Knauf 
geflügelte Engel— 
köpfchen und am 
Sechspaßfuß die 
) Nach der Be- 
antwortung der In— 
dagandaakte (1814) 


war die alte Kirche 
1645 erbaut. Abb. 114. Lieben. Dorfſchmiede. 


Abb. 113. Lieben. Kelch in der Kirche. 


128 Weſtſternberg. 


Inſchrift: „MARIA . VON ILOWN - WITWE . ANNO 16544. Meiſter: 
B. W. (Abb. 113). 

Zwei Glocken. Die öſtliche von 0,63 m Durchmeſſer zeigt am Hals die ſpät— 
gotiſche Minuskelinſchrift: „ave maria gracia plena dominus tecum bene...“ (Ge— 
grüßet ſeiſt du Maria, Gnadenvolle, der Herr ſei mit dir, Gebenedeiete ..). Die 
weſtliche von 0,80 m Durchmeſſer iſt 1864 von C. Voß und Sohn in Stettin gegoſſen. 

Eine aus Fachwerk errichtete maleriſche Dorfſchmiede mit Vorlaube ſteht 
unweit der Kirche (Abb. 114). 


Groß-Lübbichow. 


Groß-Tübbichow, Angerdorf 5 km nordweſtlich von Reppen. 305 Einw., 
1182 ha. 

In der Urkunde über die Reppener 
Grenzen vom 28. Juli 1329 (Geh. 
Staatsarchiv, Rep. 78. III, R 19) wird 
die Mühle zu „Löbbichen“ erwähnt. 
64 Hufen, darunter 4 Pfarr- und 
9 Richterhufen, beſaß „Groten Lu— 
bechyn“ laut biſchöflichem Zehnt— 
regiſter von 1400. Im 15. und 
16. Jahrhundert werden in den 
Lehnsregiſtraturen des Geheimen 
Staatsarchivs verſchiedene Bürger 
und Ritter als Inhaber von Gerecht— 
ſamen genannt: 1413 die v. Grüne— 
berg zu Reichenwalde, 1441 die Ges 
brüder Quernhamel, von 1516 an 
auf lange Zeit die v. Sydow. In 
friderizianiſcher Zeit unterſtand die 
um 1800 16 Bauern und 9 Koſſäten 
zählende Ortſchaft „Groß-Lübbichow“ 
dem Domänenamt Neuendorf. 

Die Kirche, ein modern-gotiſcher 
Backſteinbau mit kreuzgewöoͤlbtem, 
rechteckigem Chor und quadratiſchem 
Weſtturm, wurde am 7. September 
ISIS eingeweiht. 

Der aus der früheren Kirche übers 
nommene Altaraufbau (Abb. 115) 
mit gewundenen Säulchen und 
Abb. 115. Greß-Lübbichow. Kirche, Altar. Engelsfiguren zu beiden Seiten des 


Lieben — Klein⸗Lübbichow. 129 


Hauptbildes, einer Kreuzigung, enthält in der Predella eine Abendmahlsdarſtellung und 
in der auf der einen Seite noch mit geſchnitzten Ranken verzierten, geſchwungenen Giebel— 
verdachung die Geſtalt des Auferſtandenen. Eine Inſchrift auf der Rückſeite lautet: 
„Anno 1700 Hat Meister Daniel Ulerich Duchter den 25 Augustus aufs Franck- 
furht Diefef Altahr und Kantzel gemacht und aufgetzet.“ 

Von den beiden ebenfalls aus der alten Kirche übernommenen Glocken hat die 
öſtliche 0, 9 4m Durchmeſſer und iſt unter dem Patronat des Joachim Erdmann v. „Borgsdorf“ 
im Jahre 1697 von Chriſtian Heintze in Berlin ge— 
goſſen. Die weſtliche mit 0,73 m Durchmeſſer ſtammt 


1 aus dem Jahre 1706 von Johann Jacob Schultz in 
ö 9 Berlin; ihr Glockenſpruch lautet: „Ad res divinas 


opulo pia classica — canto soli deo gloria.“ 
POP P 8 

(= Ich ſinge dem Volke zum Gottesdienſt fromme 
Weiſen und Gott allein zur Ehre). 


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Abb. 116. Klein-Fübbichow. Grund— Klein-Lübbichow. 
riß der Kirche. Klein-Lübbichow, Angerdorf 7 km nördlich 


von Reppen. 134 Einw., 932 ha. 

Das laut Regiſter des Lebuſer Biſchofs von etwa 1405 (fol. 23) nur 32 Hufen, alſo nur 
halb ſoviel als Groß-Lübbichow, umfaffende „parva Lubechyn“ wurde einer Urkunde 
im Geheimen Staatsarchiv vom 
1. Januar 1447 zufolge von den 
Frankfurter Bürgern Quern— 
hamel an Martin Wins ver— 
pfändet (vgl. Riedel, Codex 
XXIII, 219f.). Später gehörte 
„Klein-Lobichau“ ebenſo wie 
das größere Nachbardorf den 
v. Grüneberg, ſodann den v. 
Sydow. Doch von der Zeit des 
Großen Kurfürſten an trat eine 
enge Verbindung mit Kohlow 
ein, deſſen Beſitzer — die v. 
Ludwig, um 1800 die v. Berg 
— auch hier begütert waren. 

Die Kirche (Abb. 116 u. 
117) iſt ein einheitlich durch— 
geführter, verputzter Fachwerk— 
bau mit dreiſeitigem Oſtſchluß, 
einer rechteckigen Vorhalle vor 
ihrem Eingang auf der Süd— 
ſeite und einem quadratiſchen, Abb. 117. Klein⸗Lübbichow. Kirche von Südoſten. 


Kunſtdenkm. d. Prov. Brdbg. VI. 3. Weſtſternberg. 9 


130 Weitjternberg. 


im oberen Teil verbretterten Weſtturm mit ziegelgedeckter, vierſeitiger Pyramide, deren 
Wetterfahne die Buchſtaben v. B. (v. Berg) und die Jahreszahl 1818 zeigt. In dieſem 


Abb. 118. Klein-Lübbichow. Kirche, Altar. 


Jahre wurde nach vorhandenen Akten der Turm an Stelle des alten, ſchadhaften neu 
erbaut, während die Kirche ſelbſt ſowie faſt die ganze innere Ausſtattung aus der 
zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ſtammen dürften. Dieſe Annahme gewinnt an 


Klein⸗Lübbichow — Malſchdorf. 131 


Wahrſcheinlichkeit durch die eingeſchnittene Inſchrift: „Anno 1669 MGx CA“ in 
der Vorhalle über dem Zugang zur Kirche. Der Fußboden beſteht aus Backſtein von 
8x135 „ 28 cm Größe. 

Der Altar (Abb. 118), deſſen Tiſch aus Backſtein maſſiv aufgemauert iſt, beſitzt 
in der Predella ſeines etwa aus der Mitte des 17. Jahrhunderts ſtammenden Auf— 
baues einen Kartuſchenſchmuck, während das von Säulchen und Engelsfiguren eingefaßte 
Hauptbild den Gekreuzigten mit Maria und Johannes darſtellt. Über der ſtichbogigen 
Verdachung endlich erkennt man zwiſchen den beiden, ſicher von einem ſpätgotiſchen Altar 
übernommenen Apoſtelgeſtalten Petrus und Paulus das von einem modernen Kreuz über— 
ragte Wappen derer „von Ludewich“ mit entſprechender Überſchrift. 

Auch die etwas einfacher geſtaltete Kanzel zeigt an ihrer Brüſtung die gleiche 
Formenſprache wie der Altar. 

Die ganz ſchlichte Taufe mit einer meſſingenen Taufſchale gehört ſpäteſtens 
dem 18. Jahrhundert an. 

Die Orgel iſt aus neuerer Zeit. 

Ein Kelch, 25, om hoch, Silber, innen leicht vergoldet, mit dem für den Anfang 
des 18. Jahrhunderts typiſchen Wulſtknauf, weiſt die Meiſterinitialen J. C. M. auf. 
Eine zugehörige Patene, gleichfalls aus Silber, iſt wie der Kelch Berliner Arbeit. 

Ein Kelch, 27 cm hoch, Silber, innen leicht vergoldet, hat ebenſo wie die 
zugehörige Patene die Aufſchrift: „Klein Lübbichow 1796“ und iſt Frankfurter Arbeit. 

Zwei Glocken. Die öſtliche von 0,40 m Durchmeſſer und ſehr ſchlanker Form 
iſt ohne Inſchrift und ſicher mittelalterlich. Die weſtliche von 0,58 m Durchmeſſer 
weiſt in ſpätgotiſchen Minuskeln den Engliſchen Gruß auf: „)K ave )K maria . gracia 
plena % dominus )K tecum e benedicta tu.“ (Gegrußet ſeiſt du Maria, Gnaden— 
volle, der Herr ſei mit dir, du Gebenedeiete). 


Matſchdorf. 


Matſchdorf, Straßendorf 10 km ſüdſüdöſtlich von Reppen. 395 Einw., 
Landgem. 678 ha, Gutsbez. 1245 ha. 

„Matzendorff“ umfaßte laut Bistumsregiſter von etwa 1405 (fol. 24) im Ge— 
heimen Staatsarchiv nur 30 Hufen und 
gehörte zur Kirche in Reipzig. Friedrich J. 
beſtätigte 1412 der Gemahlin Anna des 
Ritters Heinrich v. Oynitz „Matzdorf“ und 
„Greden“ als Leibgedinge (Geh. Staats— 
archiv, Rep. 78. 49, fol. 8; vgl. Riedel, 
Codex CI, 57). 1431 kam der Johanniter— 


— — orden durch Kauf in Beſitz von „Matsthorff“. 
1540 verkaufte der Orden den Ort dem 
0 0. 2 Dr. Wolfgang Kettwig, deſſen Nachkommen 


Abb. 119. Matſchdorf. Grundriß der Kirche. hier eine Papiermühle anlegten und ſich 


9* 


132 Weſlſlernberg. 


bis zu ihrem Erlöſchen im Jahre 1780 behaupteten (vgl. S. 95). Den Pfarr-, Kirchen— 
und Schulſachen der Parochie „Matzdorf“ im Frankfurter Regierungsarchiv zufolge 
war 1787 Beſitzer des „Ordenslehnguts“ der Oberſtleutnant v. Münchow, von 1792 
an Miniſter v. Struenſee, dann ſein Schwiegerſohn v. Königsmarck, ferner Senfft v. 
1869 v. Riſſelmann zu Görbitſch, endlich Graf Finck v. Finckenſtein. 


Pilsach, von 1828 


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Abb. 120. Matſchdorf. Kirche, Anſicht von Nordoſten. 


Die Kirche (Abb. 119 u. 120) iſt ein rechteckiger Backſteinfachwerkbau aus dem 
letzten Viertel des 18. Jahrhunderts!) mit einem im Grundriß quadratiſchen Turm, 
deſſen Pyramide in der Wetterfahne die Inſchrift „AD (= Anno Domini) v K“ 
(= v. Kettwig) und die Jahreszahl 1775 zeigt. Das Gotteshaus beſitzt außer zwei 
ſeitlichen, die ganze Breite der Weſtfront füllenden Turmanbauten eine in der Achſe 
des Kirchenraumes gelegene Nordvorhalle, einen ebenſolchen, aber kleineren Vorbau 
vor dem Zugang zu dem Patronatsſtuhl auf der Südſeite des Altars und eine nur 


etwa 7,5 qm große Sakriſtei vor der Mitte der Oſtfront. 


) Vgl. auch Beantwortung der Indagandaakte vom Jahre 1814, wonach die Kirche im Jahre 1777 
erbaut und im Jahre 1787 bis 1788 ausgeſtattet worden iſt. 


Malſchdorf. 133 


Flachbogig geſchloſſene Lichtöffnungen erhellen das Innere. Außer den erwähnten 
Türen vermitteln noch eine weitere in der Achſe der Südfront gelegene und ein Zugang 
durch den Turmunterbau hindurch den Verkehr mit dem Innern. 

Die ganze innere Ausſtattung (Abb. 121), einſchließlich des Flieſenbodens und 
der flachen Stuckdecke mit ihrer einfachen Umrahmung und der langgezogenen Voute, 
iſt noch überwiegend urſprünglich. 


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Abb. 121. Matſchdorf. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten. 


Die drei Emporen auf der Nord-, Süd- und Weſtſeite ſind dem Zeitgeſchmack 
entſprechend im Grundriß geſchwungen. 

Der Kanzelaltar zeigt an der Vorderſeite der von den beiden korinthiſchen 
Säulen und dem Rankenwerk des Aufbaus ſeitlich eingefaßten Kanzel das Johanniterkreuz. 

Der Taufengel aus der erſten Hälfte des 18. Jahrhunderts weiſt nicht mehr 
die urſprüngliche Bemalung auf. 

Die ſchlichte Taufe beſitzt ein Taufbecken aus Zinn mit der Inſchrift: „Der 
Kirche zu Matschdorf 1820“. 

Die Orgel ſtammt ebenfalls aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. 

Zwei zinnerne Altarleuchter, 54m hoch, wurden nach einem ſpäteren Zuſatz 
zur Matrikel von 1694 von Frau „Oberſt-Wachtmeiſterin“ Klara Sophia von „Kötwig“ 


134 Weſtſternberg. 


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Abb. 122. Matſchdorf. Grabdenkmäler der Familie des Staatsminiſters Struenſee von Carlsbach. 


(geb. v. Quitzow) zum Preiſe von 13 Talern beſchafft, „beſage des Inspectoris Arnolden 
hierbey Riegen ſchreiben vom 9. Junii 1704.“ 

Zwei Altarleuchter dürften dem Anfang des 19. Jahrhunderts angehören. 

Ein Kronleuchter in Renaiſſanceformen ſtammt aus neuerer Zeit. 

Drei Tafeln zur Erinnerung an die Kriegsjahre 1813, 1815 und 1866 hängen 
an den Wänden. 

Zwei rotſeidene Kommunionstücher zeigen in Gold- und Silberſtickerei die 
Inſchrift: „Christina Ritlingen Anno 1705“. 

Ein Kelch, 23,5 cm hoch, Silber, innen leicht vergoldet, mit zugehöriger Patene, 
gehört der Mitte des 19. Jahrhunderts an. Meiſter R. Beyſen. 

Ein Kelch, 15,8 cm hoch, im Herrenhaus, zeigt die Inſchrift: „maria hilf got“ 
und ſtammt aus dem au des 16. Jahrhunderts. 

Zwei Glocken. Die ſüdliche mißt 0,66 m, die nördliche 0,78 m im Durchmeſſer, 
beide ſind von C. 0 in Berlin 1857 gegoſſen. 

Südlich von der Kirche ſtehen drei nach Schadowſchen Entwürfen gefertigte 


— 


Matjchdorf. ’ 135 


Grabdenkmäler; fie gehören an: dem Staatsminiſter Carl Auguſt Struenſee von 
Carlsbach, geb. am 18. Auguſt 1735, geſt. am 17. Oktober 1804, feiner Frau Caroline 
Eliſabeth Struenſee von Carlsbach geb. Müller, geb. zu Liegnitz am 6. Dezember 1748, 
geſt. zu Matſchdorf am 27. September 1803, und beider Tochter Charlotte Wilhelmine 
Struenſee von Carlsbach, geb. in Berlin am 23. Auguſt 1782, geſt. zu Matſchdorf am 
1. September 1797. Das Denkmal des Staatsminiſters (vgl. Abb. IV in der Kunſt— 
geſchichtlichen Überſicht) zeigt über einem auf der Vorderſeite mit Inſchrifttafel und Kranz 
geſchmückten Poſtament eine mit einem Tuch drapierte ſchöne Urne; von den beiden 
Grabmälern der weiblichen Verſtorbenen gleicht das eine einem Sarkophag (Abb. 122). 


Das Herrenhaus (Abb. 123) iſt ein langgeſtreckter, zweigeſchoſſiger, maſſiver, ſpät— 
barocker Putzbau, deſſen Eingangshalle in der Achſe der Hauptfront liegt. Das 
Dach wurde in neuerer Zeit in Schiefer umgedeckt und in ſeiner Form etwas verändert. 
Im Innern iſt die eigenartig angelegte Treppe mit ihrem für die Zeit des Baues, 
das letzte Viertel des 18. Jahrhunderts, typiſchen Treppengeländer bemerkenswert. 

Von dem reichhaltigen Inventar ſeien genannt: ein Schrank aus dem Anfang des 
18. Jahrhunderts; eine Taſſe mit dem Schlachtfeld von Leipzig und der Jahreszahl 18135 
eine große Anzahl Silhouetten, die jüngſten aus der erſten Hälfte des 19. Jahrhunderts, 
kleinere und größere Bilder, darunter auf Elfenbein gemalt Frau v. Keyſerlingk geb. 
v. Ziethen; ferner ein Schränkchen mit Intarſien, Geſchenk Friedrichs des Großen an 
den Miniſter v. Finckenſtein, ein Schachſpiel mit Meißener Porzellanfiguren, 2. Hälfte 
des 18. Jahrhunderts, ein Tee- und Kaffeegeſchirr, Geſchenk Friedrichs des Großen an 


Abb. 123. Matſchdorf. Herrenhaus. 


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Weſlſlernberg. 


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Malſchdorf — Neuendorf. 1 


den General v. Tauentzien, den Verteidiger von Breslau, ein Eßſervice für 48 Perſonen 
mit dem Eiſernen Kreuz als Verzierung, Geſchenk Friedrich Wilhelms III. an den Grafen 
Tauentzien v. Wittenberg; eine Sammlung von Beſuchskarten aus dem Ende des 
18. und Anfang des 19. Jahrhunderts (Abb. 124); ſechszehn bemalte Wappen der Ahnen 
des Generals v. Tauentzien und ſeiner Frau aus dem Balkower Schloß. Außerdem ſind 
noch zu nennen: ein Stich Friedrichs II. von D. Chodowiecki; eine pompejaniſche 
Marmorplatte; ein Bild des Feldmarſchalls Kleiſt v. Nollendorf; je ein Bild des 
Generals de la Motte und ſeiner Frau geb. v. Seidlitz; ein Stich „Blücher in Zivil“ 
von Reyher; endlich ein Steindruck von Franz Krüger mit der Jahreszahl 1828, 
darſtellend ein Pferd mit einem Unteroffizier der 6. Küraſſiere. 


Neuendorf. 

Neuendorf, Straßendorf 5 km weſtlich von Reppen. 301 Einw., Landgem. 
395 ha, Gutsbez. 252 ha. 

Dem Schoßregiſter des Landes Sternberg von 1461 (fol. 302) im Geheimen Staats- 
archiv zufolge gehörte Neuendorf der Stadt Reppen, um 1538 dem Frankfurter Bürger 
Günter. Markgräfin Katharina, die Gemahlin des Hans von Cüſtrin 1535 — 1571), erfaufte 
Vorwerk und Seen. Das 1574 nach ihrem Tode Domäne gewordene Dorf wurde Mittel— 
punkt eines Amtes, deſſen Inventar von 1626 das Frankfurter Regierungsarchiv birgt 
(Ordensamt Sonnenburg, Fach 17). Die umliegende Heide wurde 1627 vom Kurfürſten 
Georg Wilhelm dem Grafen v. Schwarzenberg „zugewendet“ (Geh. Staatsarchiv, Rep. 
78. III. R 19). Um 1800 wohnten hier ein Ganzbauer, S Koſſäten, 10 Büdner, 24 Ein— 
lieger, im ganzen 265 Menſchen. Die Domäne beſteht noch heute, das Patronat iſt königlich. 


Die Kirche, ein einfach rechteckiger Backſteinbau aus der erſten Hälfte des 
19. Jahrhunderts, beſitzt über der Weſtfront einen verbretterten Dachaufbau mit vier— 
ſeitiger, geſchieferter Pyramide. Sämtliche Fenſter ſowie der auf der Südſeite gelegene 
Zugang find nach oben rundbogig geſchloſſen. Das Innere iſt flach gedeckt. 

Der weißgeſtrichene Kanzelaltar zeigt handwerksmäßige Formen und dürfte 
dem Anfang des 19. Jahrhunderts angehören. 

Die Orgel ſtammt aus neuerer Zeit. 

Ein Kelch, 24,5 cm hoch, und eine Abendmahlskanne find aus Alfenide und 
gehören der Mitte des 19. Jahrhunderts an. 

Eine Glocke von 0,5 m Durchmeſſer zeigt auf der Haube neben verſchiedenen 
ſchmückenden figürlichen Beigaben, wie Chriſtus am Kreuz, die Figur einer Heiligen 
u. a. m., das Wappen und die Anfangsbuchſtaben des Meiſternamens Franz Voillard. 
Die Inſchrift lautet: „Heller als die Zymbeln klingen will ich meinen Schall 
erschwlin]gen. Anno 1661.“ 


Das Herrenhaus der Domäne (Abb. 125), eine im Grundriß rechteckige Anlage 
mit einem in der Mitte der Hauptfront ſitzenden Dachaufbau wurde im Anfang des 
18. Jahrhunderts von König Friedrich I. als Jagdhaus erbaut. Im Innern iſt der 


— 


138 Weſlſternberg. 


Abb. 125. Neuendorf. Herrenhaus. 


mit römiſchen Kreuzgewölben verſehene Keller bemerkenswert, ſowie eine hölzerne 
ſpäte Renaiſſancetreppe und der Reſt einer ganz einfachen Stuckdeckenprofilierung im 
Treppenhaus. 

Der auf der Oſtſeite anſchließende Fachwerkbau iſt mit dem ehemaligen Jagd— 
haus etwa gleichzeitig. 

Ein großer ſchöner Park dehnt ſich auf der Nordſeite des jetzigen Gutshauſes aus. 

Die an die Südweſtecke der Kirche anſchließende Mauer des Gutshofes gehört 
ebenfalls dem Anfang des 18. Jahrhunderts an. 

Endlich ſei noch auf das Haus in der Südoſtecke des Gutshofes hingewieſen, 
das etwa gleichzeitig mit dem Hauptgebäude anſcheinend zu Wohnzwecken für Arbeiter 
errichtet wurde. 

Oetſcher. 

Vellcher, Straßendorf 2 km ſüdlich von Göritz. 262 Einw., 707 ha. 

Das nur mit 20 Hufen ausgeſtattete Fiſcherdörfchen „Ovezar“ — mit einer Filial— 
kirche von Göritz erſcheint laut Urkunde vom 3. Februar 1317 im Geheimen Staats— 
archiv unter den Beſitzungen des Biſchofs von Lebus (ogl. Riedel, Codex XX, 201). 
In der Nacht vom 12. zum 13. Auguſt 1759 fand hier Friedrich der Große in einem 
verlaſſenen Bauernhaus Unterkunft, von wo aus er an den Miniſter v. Finckenſtein 
ſchrieb: „je ne survivrai point à la perte de ma patrie. Adieu pour jamais“ 
(vgl. M. Laubert, Schlacht bei Kunersdorf, Berlin 1900, S. 113). — Um 1802 unter⸗ 
ſtand „Oetſcher“ dem Domänenamt Frauendorf, das aber nach 1810 aufgelöſt wurde. 
Das Erblehngut gehört ſeit langem der Familie Pauly. 


Neuendorf — Pinnow. 139 


Das jetzt in Göritz eingepfarrte Dorf beſaß noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts 
eine eigene Kirche, die jedoch ſchon in einem Bericht des Pfarrers und Inſpektors 
Riedel vom 19. Januar 1790 als ſehr ausbeſſerungsbedürftig geſchildert wird. Nach einem 
im Jahre 1806 ausgebrochenen Brande wurde das Gotteshaus nicht wieder aufgebaut. 
Von den nach der Beantwortung der „Indagandaakte“ im Jahre 1814 noch vorhandenen 
Gegenſtänden iſt nur die Glocke erhalten, die damals in einem hölzernen Schuppen am 


Abb. 126. Pinnow. Grundriß der Kirche. 


Pinnow. 


Pinnow, Angerdorf 
13 km öſtlich von Reppen. 
404 Einw., Landgem. 938 ha, 
Gutsbez. 731 ha. 

1355 erhielt der Vogt 
des Landes Sternberg Dietrich 
v. Weiſſenſee „Pynnow“ vom 
Markgrafen Ludwig zu Lehn 
vgl. Abſchrift in der Dick— 
mannſchen Sammlung im Ge— 
heimen Staatsarchiv, Abdruck 
bei Riedel, Codex XIX, 142); 
die Feldmark umfaßte, wie durch 
ein Regiſter des Lebuſer Biſchofs 
(fol. 25) im Geheimen Staats— 
archiv bezeugt iſt, 64 Hufen, 
davon 4 Pfarrhufen. 1484 
wurde, wie eine Eintragung in 
ein Lehnskopiar des Staats— 
archivs beſagt, Fritz Grunenberg 
„mit Pynnow halb“ belehnt. 


Kirchhofe hing, heute aber im Schulhaus— 
giebel untergebracht iſt. Von der Straße 
aus geſehen ſcheint die jetzt ſchwer zugäng— 
liche Glocke noch mittelalterlich zu ſein. 

Das auf einer Anhöhe am Nord— 
rand des Dorfes gelegene ſchlichte ein— 
geſchoſſige Gukshaus beſitzt noch tonnen— 
gewölbte Keller, die dem 17. Jahrhundert 
angehören. Von den heutigen Ausſtat— 
tungsſtücken der Wohnräume ſind vor 
allem einige Barock- und Rokokomöbel 
zu nennen. 


Abb. 127. Pinnow. Kirche von Südoſten. 


140 Weſtſlernberg. 


Die v. Grüneberg ſaßen hier nur vorübergehend, bis etwa 1750 dagegen die v. Winning 
zu Sternberg; 1795 kauften ſich für 36000 Taler die v. Sydow an, an deren Stelle 
nach 1817 bürgerliche Beſitzer traten. Um 1800 gab es 10 Ganzbauern, 1 Halbbauer 
und 13 Koſſäten (vgl. auch „Heimatsbote“ für Görbitſch-Pinnow, 1911/12). 

Die Kirche (Abb. 126 u. 127), eine im Grundriß langgeſtreckte Anlage aus Fachwerk 
mit dreiſeitigem Oſt- und Weſtſchluß, zeigt vor dem mittleren Drittel der Nord- und 
Südſeite je einen Anbau. Der annähernd der ganzen mittleren Polygonſeite des Weſt— 
ſchluſſes vorgelegte, im Grundriß quadratiſche, verbretterte Turm beſitzt eine an Stelle 
der alten Schindelverkleidung (Größe der ehemaligen Schindel 8,5% 26 cm) in neuerer 


Abb. 128. Pinnow. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten. 


Zeit mit Schiefer eingedeckte Pyramide. Das Gotteshaus wurde im Jahre 1755 
erbaut (vgl. Riehl und Scheu S. 504). 

Die ganze innere Ausſtattung (Abb. 128), darunter das zentral angelegte Geſtühl, 
die Logen im Süd- und Nordvorbau ſowie die Weſtempore und der Kanzelaltar, dürfte 
nach ihrer Formgebung zu ſchließen, der oben angegebenen Bauzeit angehören. Die guß— 
eiſerne Taufe ſchenkte 1858 Oberamtmann Hamann (vgl. Riehl und Scheu S. 504). 

Ein zinnernes Taufbecken iſt geſtiftet von dem Erbmühlenmeiſter Chriſtian 
Wilhelm Klopſch im Jahre 1802. 

Eine hölzerne Tafel zur Erinnerung an die Befreiungskriege, ſowie eine guß— 
eiſerne Tafel zum Andenken an das Jahr 1870 hängen an den Wänden. 

Die beiden Altarleuchter und der Kelch, die Patene und die Oblaten— 
ſchachtel ſind aus Neuſilber und ſcheinen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts 
anzugehören. 


» 


Pinnow — Polenzig. 141 


Ein Zinnkelch, 25 om hoch, zeigt ſpätbarocke Formen. 

Vorhanden find noch auf dem Kirchenboden Reſte einer älteren Barock— 
ausſtattung, ſo unter anderem zwei Engelsfiguren, zwei geflügelte Engelsköpfe und 
die obere Endigung eines Altaraufbaus mit dem altteſtamentlichen Gottesnamen in 
hebräiſchen Buchſtaben, ferner die zugehörigen ornamentalen Seitenverzierungen des 
Aufbaus und die Reſte eines hölzernen Taufgeſtells. 

Zwei Glocken. Die ſüdliche von 0,56 m Durchmeſſer zeigt am Hals 16 ſpät— 
gotiſche Minuskeln, anſcheinend ohne Inhalt. Die nördliche von 0,72 m Durchmeſſer 
iſt inſchriftlos und ebenfalls noch mittelalterlich. 


Polenzig. 


Polenzig, Straßendorf 7 km ſüdſüdöſtlich von Droſſen. 362 Einw., 2226 ha. 

Laut Regiſter des Biſchofs von Lebus von etwa 1405 im Geh. Staatsarchiv (Rep. 
7 Sa. 11) hatte „Polentzigk“ die größte Hufenzahl im Kreiſe und zwar wohl ſchon ſeit der Zeit 
der deutſchen Koloniſation des 13. Jahr— 
hunderts, nämlich 74, freilich z. T. 
recht ſandige Hufen, einſchließlich von 
t Pfarrhufen. 1461 erſcheint es als 
Beſitztum der Stadt Droſſen, deren 
Kämmerei hier etwa 4 Jahrhunderte 
hindurch gutsherrliche Gerechtſame, je— 
doch keine Freihufen beſaß; der Ort 
war alſo von jeher, ähnlich wie Groß— 
und Klein-Rade, durchaus ein Bauern— 
dorf, woſelbſt um 1800 ein Lehnſchulze, 
13 Ganz- und 3 Halbbauern, ferner 
4 Ganz und 10 Halbkoſſäten ſaßen. 

Die Kirche (Abb. 129 u. 130), deren Umfaſſungsmauern zum größten Teil aus ſchlech— 
tem Findlingsmauerwerk, untermiſcht mit Backſteinen, errichtet ſind, dürfte ihrer heutigen 
Geſtalt nach in der Hauptſache auf einen Umbau aus der Mitte des 15. Jahrhunderts 
zurückgehen. Sie zeigt ein im Grundriß rechteckiges vierjochiges rippenkreuzgewölbtes 
Langhaus (Abb. 131) mit dreiſeitigem Oſtſchluß und einen in der Achſe der Weſt— 
front ſitzenden, annähernd quadratiſchen Backſteinturm mit ſchiefergedeckter Pyramide. 
Eine Wetterfahne auf dem Oſtende des mit Ziegeln gedeckten Hauptbaues trägt die 
Jahreszahl 1864. Während die dem öſtlichen Drittel der Nordſeite des Langhauſes 
vorgelegte, ſtichbogig gewölbte Sakriſtei mit ihrem jetzt verſtümmelten, nach Norden 
gerichteten Maßwerkgiebel aus Backſtein nicht viel jünger als der Hauptbau ſelbſt 
ſein dürfte, gehört die verputzte Südvorhalle aus demſelben Material wohl erſt dem 
17. Jahrhundert an. Dieſe Schlußfolgerung ergibt ſich aus der Tatſache, daß eines 
der ſpitzbogigen Fenſter durch den nachträglich aufgeführten Bau verdeckt und deshalb, 
weil überflüſſig, vermauert wurde; dazu kommt noch, daß einer der Strebepfeiler faſt 


Abb. 129. Polenzig. Grundriß der Kirche. 


142 Weſtſternberg. 


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Abb. 130. Polenzig. Kirche von Nordoſten. 


Polenzig. 143 


vollſtändig in dem Mauerwerk der öſtlichen Umfaſſungsmauer des ſüdlichen Anbaues 
aufgegangen iſt. Außer dem Zugang auf der Südſeite, einer Verbindungstür zwiſchen 
dem Turmunterbau und dem Kirchenſchiff und einer Tür nach der Sakriſtei, war 
urſprünglich noch ein heute vermauertes, ſpitzbogig geſchloſſenes Portal auf der Nord— 
ſeite vorgeſehen. Der Fußbodenbelag beſteht aus Backſtein. Im Innern wurden in 
neuerer Zeit auf der Nord- und Weſtſeite Emporen eingebaut. 


Abb. 131. Polenzig. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten. 


Der Altar (Abb. 132) beſitzt einen im Jahre 1901 leider vollſtändig übermalten, 
in der urſprünglichen Geſtalt aus der erſten Hälfte des 17. Jahrhunderts ſtammenden 
reichgeſchnitzten Aufbau, deſſen plaſtiſcher Figurenſchmuck, d. h. die zwölf Apoſtel, die 
heilige Barbara und die heilige Katharina, ſowie der das Werk bekrönende Salvator 
mundi von einem älteren, anſcheinend aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts ſtammenden 
Altar mitverwendet wurden. Die ſeitlich von einer Abendmahldarſtellung in der 
Predella angebrachten Sprüche ſind ebenſo modern wie die Schrift in dem Spruch— 
band über dem Gekreuzigten im Hauptfeld und die Unterſchrift unter dem Auferſtehungs— 
bild des oberen Aufbaues. 

Die ebenfalls in neuerer Zeit übermalte, an den Ecken mit Konſolen und Säulchen 


Weſtſlernberg. 


144 


Altar. 


Kirche, 


Polenzig. 


Abb. 132. 


Polenzig. 145 


Abb. 133. Polenzig. Bennewitzſches Epitaph in der Vorhalle der Kirche. 


beſetzte Kanzel zeigt in ihren Schnitzereien die gleiche Formenſprache wie die jüngeren 


Teile des Altaraufbaues. 
Die Taufe iſt modern-gotiſch. 
Das Orgelgehäuſe gehört der neueren Zeit an. 


Verſchiedene Wandleuchterzeigen wie die Kronleuchter moderne Renaiſſanceformen. 


Kunſtdenkm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. 10 


146 Weſtſternberg. 


Eine Tafel zur Erinnerung an die Befreiungskriege iſt im Innern der Kirche 
aufgehängt. 

Ein mit Säulchen und Rankenſchnitzwerk geſchmücktes hölzernes Epitaph (Abb. 133) 
für den im Jahre 1729 verſtorbenen Paſtor Bennewitz ſowie für die beiden verſtorbenen 
Kinder, gewidmet von der Ehefrau, hängt an der Weſtwand im Innern der Vorhalle. 

Zwei ſilberne Kelche, 17 cm hoch, mit zugehörigen Patenen ſind datiert 1817. 

Eine zinnerne Abendmahlskanne, Meiſter L. H. P., gehört dem 18. Jahr— 
hundert an. 

Ein Taufengel auf dem Kirchenboden iſt barock. 

Zwei Glocken. Die ſüdliche von 0,68 m Durchmeſſer wurde 1855 von H. Lange in 
Frankfurt a. O. gegoſſen. Die nördliche von 0,92 m Durchmeſſer zeigt auf der Oſtſeite 
der Haube einen Chriſtophorus, auf der Weſtſeite eine Madonna. Am Hals lieſt 
man zwiſchen zwei ſchön ornamentierten Frieſen die ſpätgotiſche Minuskelumſchrift: 
„ anno s d[omilni © m? © cccc s XXVII* 1427). Die einzelnen Wörter werden durch 
Medaillen mit Darſtellungen wie die Verkündigung, das Monogramm Chriſti und durch 
das dreimal wiederkehrende Bild einer Eule getrennt. 


Radach. 


Radach, Angerdorf 6,5 km nordnordöſtlich von Droſſen. 641 Einw., Yandgem. 

913 ha, Gutsbez. 1839 ha. 
Schloß „Radachow“ gehörte laut Urkunde vom 24. Dezember 1367 dem Petz 
v. Loſſow (Geh. Staatsarchiv, Rep. 17. 3b; vgl. Riedel, Codex XX, 238), auch das 
etwa 8 Jahre darauf entſtandene Land— 
buch Kaiſer Karls IV. nennt die Loſſow, 
Vaſallen des Markgrafen, als Beſitzer 
des feſten Platzes „Radechow“. Von 
dieſem castrum ſind Nachrichten aus 
der Folgezeit nicht erhalten. „Radekow“, 
das Bistumsregiſtern aus dem 15. Jahr— 
hundert zufolge (Geh. Staatsarchiv, 
8 Rep. 78a. 11) 64 Hufen, davon 4 Pfarr⸗ 
Abb. 134. Radach. Grundriß der Kirche. hufen, hatte und dieſe Ausſtattung wohl 
den Koloniſten verdankte, gehörte den 
v. Grüneberg: 1413 empfingen Hans und Heinrich Grünberg vom Burggrafen Frie— 
drich VI. die Belehnung mit dem vom Vater ererbten „Rodochow“ (Geh. Staatsarchiv, 
Rep. 78. 49, fol. 11). Auf die Horn, die 1442 mit „Radichow“ belehnt wurden, folgten, 
wie aus Urkunden von 1515, 1529 und 1532 im Radacher Herrenhauſe erhellt, die v. Loben, 
„Lobbenn“, zu deren Zeit ſich 5 Ritterſitze bildeten, ſo daß hier auch noch die Ihlow, Winning 
u. a. begütert waren. An die Stelle der Löben traten laut Urkunden von 1704 und 1713 die 
Elert. 1802 endlich, zur Zeit als „Radach, Dorf und Gut“ 166 Einwohner, darunter 4 
Bauern, 23 Koſſäten, 5 Büdner, zählte, kaufte ſich der Kammerdirektor Pappritz an, der die 


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Kirche von 


Radach. 


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13 


Abb. 


148 Weſlſternberg. 


beiden damals noch beſtehenden 2 Höfe öſtlich und weſtlich des heutigen Herrenhauſes ver— 
einigte und deſſen Nachkommen, 1902 geadelt, noch heute im Beſitz ſind. In friderizianiſcher 
Zeit wurde beim Dorfe ein Kupferhammer vom Domänenamt Neuendorf aus angelegt. 


Die Kirche (Abb. 134 u. 135), ein Backſteinfachwerkbau aus dem Anfang des 
18. Jahrhunderts, zeigt eine im Grundriß langgeſtreckte, rechteckige Anlage mit dreiſeitigem 
Oſtſchluß, einer Vorhalle auf der Südſeite mit anſchließendem Geräteraum und einem 
hölzernen Dachaufbau mit vierfeitiger Pyramide über der Weſtfront. Die Lichtöffnungen 
ſind rechteckig geſtaltet. Außer jener Verbindungstür zwiſchen Vorhalle und Kircheninnerm 
und einem gegenüber auf der Nordſeite vorgeſehenen Zugang vermittelt noch eine 
dritte Offnung in der Nähe der Südweſtecke den Zutritt zum Gotteshaus. 

Das Geſtühl ſowie die Patronatsloge zu ebener Erde nördlich vom Altar wurden 
ebenſo wie die übrigen Ausſtattungsgegenſtände in neuerer Zeit braun überſtrichen. 

Die flache Decke des Kirchenraumes wird von einer Reihe von Mittelſtützen 
getragen. Die Kirche beſitzt eine von einem älteren Bau übernommene Weſtempore, 
deren mit handwerksmäßiger Renaiſſanceſchnitzerei verzierte Balkenkonſtruktion eine 
bemerkenswerte Zimmermannstechnik aufweiſt. 

Die in den barocken Aufbau des Altars nachträglich eingefügte Kanzel mit ihren 
den Ecken vorgelegten Renaiſſanceſäulchen und den rundbogig geſchloſſenen Brüſtungs— 
füllungen gehört dem 17. Jahrhundert an. 

Die kelchförmig aufgebaute, barocke Taufe zeigt handwerksmäßige Formen und 
enthält ein kupfergetriebenes Becken von 48,5 cm Durchmeſſer. In der Vertiefung des 
Beckens erkennt man einen von Blattornamenten umgebenen Hirſch, während die Rand— 
inſchrift lautet: „KOMPt © HER e IHR GESEGNEt EN e MEINES > VAt ERS 
oe ERERbEt o DAS e REICH e GOtt ES e 186840“. 

Ein achtarmiger Meſſingkronleuchter iſt barock. Eine in neueſter Zeit an— 
gefertigte Tafel zur Erinnerung an Gefallene aus dem letzten Kriege hängt an der Süd— 
wand. Ein Kaſten mit Kriegsdenkmünzen befindet ſich in der hinter dem Altar 
eingebauten Sakriſtei. 

Zwei Glocken hängen im Dachaufbau der Kirche. Die ſüdliche von 0,92 m Durch- 
meſſer zeigt am Schlag die Inſchrift: „ICH LASSE MEINEN SCHALL ZU 
GOTTES RUHM UND EHREN UND DERER MENSCHEN NUTZ IN 
RADACH TAEGLICH HOEREN HIER SCHALE GOTTES WORT 
GANTZ UNVERFAELSCHT UND REIN BIS HIMMEL ERDE LUFT 
UND MER NICHT MEHR WIRD SEYN“. 

Auf der Haube werden als Patrone genannt Bernhard Friedrich Gladow, Friedrich 
Chriſtian v. Ihlow, Karl „Ludewich“ v. Lucke und die Erben des Leutnants v. Byzeski. 
Ferner lieſt man die Namen des Paſtors Gottlieb Fabricius, Jacob Metzner und des 
Küſters Johann Lehmann. Laut Inſchrift iſt die Glocke gegoſſen von Johann Friedrich 
„Tiehle“ (S Thiele) in Berlin am 26. Auguſt 1725. Endlich ſteht am Hals der 
Glockenſpruch: „SOLI DEO GLORIA“ (= Gott allein die Ehre). “) 


Vgl. Pappritz, Dorf und Rittergut Radach. „Bär“ 1897. 


Radach — Groß-Rade. 149 


Die nördliche Glocke mit 0,64 m Durchmeſſer iſt ohne Inſchrift und anſcheinend 
noch mittelalterlich. 


Das im Jahre 1802 gebaute, aus einem Sockel- und einem Hauptgeſchoß be— 
ſtehende, ſchlichte Herrenhaus mit einer Eingangshalle in der Mitte der Längsfront 
wurde 1907 einer durchgreifenden Veränderung unterworfen. Von den bemerkens— 
werten Gegenſtänden im Innern ſeien hervorgehoben: zwei Rokokoſchränke, ein Bild 
Friedrichs des Großen, geſchenkt von General v. Meyerink; eine ſilberne Schale, Anfang 
des 19. Jahrhunderts und ein Bild des Präſidenten Alsleben aus dem Jahre 1820. 
Ein Barockſchrank auf dem Flur trägt die Inſchrift: „ANNO 1745 HILLE 
SCHMIDTS VON LIN SWEGE«. 


Groß-Rade. 

Groß-Rade, Straßendorf 10 km ſüdöſtlich von Göritz. 365 Einw., 1037 ha. 

Das bereits am 3. Februar 1317 unter den Gütern des Lebuſer Bistums auf— 
geführte magnum Radowe“ war durch die deutſchen Koloniſten im 13. Jahrhundert 
mit 53 Hufen, darunter 5 Pfarr- und 4 Schulzenhufen, ausgeſtattet worden (vgl. Urk. 
im Geheimen Staatsarchiv — abgedr. Riedel, Codex XX, 201 — und Bistums— 
regiſter, Rep. 78a 14, fol. 51). Bei der Säkulariſation geiſtlicher Güter unter Joachim II. 
kam „Groß-Rade“ um 1560 an den Landesherrn; ein Ritterſitz hat hier nicht beſtanden. 
Die 48 bäuerlichen Hufen wurden um 1800 
von einem Lehnſchulzen und 9 Ganzbauern, 
neben denen es noch 7 Büdner gab, ge— 
nutzt, die alle Untertanen des erſt nach 1810 
aufgelöſten Domänenamts Frauendorf waren. 


Die Kirche (Abb. 136) dürfte nach 
dem ſorgfältigen Granitquadermauerwerk 
vornehmlich des eingezogenen, annähernd 
Abb. 136. Groß⸗Rade. Grundriß der Kirche. quadratiſchen Chores zu ſchließen, in die 

früheſte Zeit der Koloniſation zurückgehen. 
(Bemerkenswert ſind an der nordöſtlichen Ecke zwei ſchachbrettartig ſcharrierte Granit— 
quader.) Der ganzen Weſtfront des verhältnismäßig kurzen Langhauſes legt ſich der 
maſſige Unterbau des ehemaligen Weſtturmes vor. Noch heute ſind an der Außenſeite 
der Oſtwand des Chores die urſprünglichen ſchmalen Spitzbogenfenſter als Niſchen zu 
erkennen. Die zweiteiligen Rundbogenfenſter mit ihrer Backſteinumrahmung ſowie das 
Fenſter auf der Südſeite des Turmunterbaues gehören der neueren Zeit an. Eine 
ebenfalls rundbogige moderne Backſteinumrahmung zeigen die den Zugang durch den 
Turmunterbau hinweg vermittelnden Türen ſowie der in neuerer Zeit umgeſtaltete 
Triumphbogen, während ein jetzt vermauertes Portal auf der Südſeite des Chores 
noch deutlich die alte ſpitzbogige Form erkennen läßt. Die Weſtempore einſchließlich 
der Orgel ſowie das Geſtühl ſind modern-gotiſch. 


150 Weſlſlernberg. 


Der Kanzelaltar (Abb. 137) zeigt im Gegen— 
ſatz zu den ſtrengen, für den Anfang des 19. Jahr— 
hunderts typiſchen Formen rechts und links vom 
Zugang zur Kanzel als Stützen des Deckels zwei 
kannelierte, am unteren Drittel des Schaftes mit 
Renaiſſanceflachornamenten beſetzte Säulen”). 

Eine Taufe aus Kunſtſandſtein in modern: 
gotischen Formen enthält ein zinnernes Taufbecken, 
das laut Inſchrift von J. Maria Tobieſſen am 
24. November 1759 geſtiftet wurde. 

Zwei Altarleuchter, 345 cm hoch, aus 
Bronze, zeigen derbe für das 16. Jahrhundert 
typiſche Formen. 

Eine Totentafel für einen im Jahre 1813 
Gefallenen hängt im Chore. 

Eine Wetterfahne (Abb. 138) mit dem bran⸗ 
— denburgiſchen Adler und der nicht mehr vollſtän— 

Abb. 137. Groß-Rade. Kanzelaltar digen Jahreszahl 1708 ſowie ein altes Uhrwerk 
in der Kirche. liegen auf dem Kirchenboden. 

Ein ſilberner Kelch, 22,5 cm hoch, mit dem für den Anfang des 18. Jahrh. 
typiſchen Wulſtknauf, iſt Berliner Arbeit. Meiſter O. Tile. Eine zugehörige Patene 
zeigt ein Weihkreuz. 

Eine runde Poſtienbüchſe iſt aus Zinn bergeitellt. 

Drei Glocken hängen in einem freiſtehenden Glockenſtuhl öſtlich von der Kirche. 
Die ſüdliche mit 0,59 m Durchmeſſer wurde 1620 gegoſſen. Die mittlere mit 0,95 m 
Durchmeſſer zeigt außer einigen vielleicht nur dekorativ angebrachten ſpätgotiſchen 
Minuskeln die mit einer Majuskel beginnende, von der üblichen Datierungsweiſe ab— 
weichende Inſchrift: „Anno domiſni] x (im Jahre Vierzehnhundert) XXXVIIII“ (39). 
Die nördliche von 0,75 m Durch— 
meſſer mit Maria und Johannes am 
Kreuze wurde 1605 gegoſſen. 


Klein-Rade. 

Klein-Rade, Angerdorf 8 Km 
ſüdöſtlich von Göritz. 323 Einw., 
1057 ha. 

Das Dorf, das trotz ſeines Bei— 
namens „Klein“ im 13. Jahrhundert 
durch die deutſchen Koloniften mit 
derſelben Hufenzahl wie Groß-Rade, nämlich 54 Hufen, darunter 4 Pfarrhufen, aus— 
geſtattet wurde und deſſen Kirche auch von je Mater der Filia in Groß-Rade war, 


Abb. 138. Groß-Rade. Wetterfahne in der Kirche. 


Nach der Indagandaakte 1814 iſt der Aufbau 1804 angefertigt. 


Groß-Rade — Klein⸗Rade. 151 


erfcheint als „parvum Radowe“ bereits in der Urkunde vom 3. Februar 1317 unter 
den Beſitzungen des Bistums Lebus (vgl. Urk. im Geh. Staatsarchiv, abgedr. Riedel, 
Codex XX, 201, und „Kataſter der Lebuſer Kirche“, Rep. 78 a. 11, fol. 2); einige 
Hufen gehörten im 15. und 16. Jahrhundert Frankfurter Bürgern, der Familie Günter und 
dem Profeſſor der Rechte Lorenz Schreck. Das nach Einziehung des biſchöflichen Amtes 
Lebus von der Landesherrſchaft in Beſchlag genommene Dorf, in dem kein Ritterſitz 
beſtand, zählte um 1800 einen Lehnſchulzen, 12 Bauern, 4 Koſſäten und 8 Büdner, ins— 
geſamt 171 Einwohner, und unterſtand bis etwa 1810 dem Domänenamt Frauendorf. 


Die Kirche (Abb. 139 u. 140) dürfte mit dem älteſten Kern, den aus ſchlechtem 
Findlingsmauerwerk untermiſcht mit Backſteinen errichteten Umfaſſungsmauern des recht— 
eckigen Langhauſes, früheſtens bis in das 15. Jahrhundert zurückgehen. Der vor der 
Mitte der Weſtfront völlig aus Backſtein er— 
richtete, im Grundriß annähernd quadratiſche, 
verputzte Turm iſt nachträglich hinzugefügt. 
Die vierſeitige mit Ziegeln gedeckte Pyramide 
zeigt eine Wetterfahne mit der Inſchrift: 545 
(= Klein-Rade 1643). In den Zwickeln des 
Zifferblattes der ehemaligen Turmuhr, deren 
jetzt zerſtörtes Werk in der Kirche aufbewahrt 
wird, lieſt man die einzelnen Ziffern der Jahres— 
zahl 1780. Die Außenſeite der Oſtfront zeigt 
ebenſo wie die der Süd- und Nordſeite außer 
den in ihrer urſprünglichen Geſtalt noch deutlich 
erkennbaren Lichtöffnungen auch mehrere Niſchengliederungen. Der Zugang auf der 
Nordſeite beſitzt eine unverputzte Backſteinvorhalle aus neuerer Zeit. Eine ältere Ver— 
bindungstür zwiſchen Turm und Kircheninnern iſt jetzt ebenſo vermauert wie eine auf 
der Außenſeite der Südfront noch deutlich erkennbare ſpitzbogige Zugangsöffnung. An 
die vorreformatoriſche Zeit erinnert noch eine in die Oſtwand des flachgedeckten Innen— 
raumes rechts vom Altar eingelaſſene ehemalige Sakramentsniſche. Die Brüſtungs— 
malereien an der im Mittelteil vorgezogenen Weſtempore (Abb. 141) tragen hand— 
werksmäßig primitiven, bäuerlichen Charakter. Dieſer ganze Emporeneinbau gehört 
ebenſo wie das Geſtühl im Schiff und an den Wänden der Zeit einer um die Mitte 
des 17. Jahrhunderts vorgenommenen Inſtandſetzung an, anläßlich der auch an den 
Bänken die Namen verſchiedener heute z. T. ausgeſtorbener Bauernfamilien aufgemalt 
wurden. 

Der Kanzelaltar wurde wahrſcheinlich um die Mitte des 18. Jahrhunderts 
unter Benutzung einer älteren, an den Ecken mit Säulchen beſetzten Spätrenaiſſance— 
kanzel aufgebaut. 

Die kelchförmige Taufe zeigt handwerksmäßige ſpäte Formen. In der Ver— 
tiefung des wahrſcheinlich aus dem 16. Jahrhundert ſtammenden meſſingenen Tauf— 
beckens erkennt man die Darſtellung der Verkündigung. 


Abb. 139. Klein-Rade. Grundriß der Kirche. 


152 Weſlſternberg. 


Ein hölzernes Epitaph mit größtenteils beſchädigter Inſchrift dürfte den ſiebziger 
Jahren des 18. Jahrhunderts angehören. 

Neben verſchiedenen einfacheren Bauernepitaphien mit Totenkronen und 
Bändern iſt noch eine Tafel zur Erinnerung an zwei Mitkämpfer von 1813 und eine 
ebenſolche für einen Gefallenen von 1870 anzuführen. 


Abb. 140. Klein-Rade. Kirche von Südweſten. 


Ein zinnerner Abendmahlskelch, 23,5 em hoch, mit zugehöriger Patene, 
ferner zwei Zinnleuchter, 34 cm hoch ausſchließlich Dorn, und eine zinnerne 
Ziborienbüchſe ſind barock. 

Eine ſechseckige zinnerne Deckelkanne, 28 cm hoch, mit den Buchſtaben M. B. 
gehört dem 17. Jahrhundert an. 

Zwei Glocken. Die öſtliche von 0,77 m Durchmeſſer hat am Hals die ſpätgotiſche 
Minuskelinſchrift: „+ o > rex o glorie = veni © cvm © pace s o ihesv © salva © nos > 


Klein⸗Rade — Rampih. 193 


Abb. 141. Klein-Rade. Inneres der Kirche, Blick nach Nordoſten. 


omnes s amen“ (S O König der Ehren komm in Frieden, o Jeſu, erlöſe uns alle. 
Amen). Die weſtliche von 0,82 m Durchmeſſer weiſt außer neun am Hals angebrachten 
Medaillen mit Darſtellungen aus der Lebens- und Leidensgeſchichte des Herrn noch 
auf der Südſeite der Haube das Monogramm der Gottesmutter M fowie eine auf 
die heilige Zahl ſieben hinweiſende entſprechende Anzahl Kreiſe auf. 


Rampitz. 

Rampiß, Straßendorf zu km 
ſüͤdſüdöſtlich von Reppen. 1217 
Einw., Landgem. 1108 ha, Guts— 
bez. 2673 ha. 

„Rampicz“, von jeher, ob— 
wohl vielfachen Oderüberſchwem— 
mungen ausgeſetzt, das am ſtärkſten 
bevölkerte Dorf im Lande Stern— 
berg, wird auch am früheſten 
urkundlich erwähnt und erſcheint 
bereits vor 1236 als Beſitztum des ſchleſiſchen Kloſters Leubus, dem es durch den 
Kaſtellan von Schiedlow, Peregrinus (Dirzislaus) geſchenkt worden war (ogl. Wohl— 


Abb. 142. Rampitz. Grundriß der Kirche. 


154 Weitjternberg. 


brück, Bistum Lebus I, 3, 113, u. Leubuſer Totenbuch). Schloß „Rampiz“ gehörte um 
1375, laut Landbuch Kaiſer Karls IV. im Geheimen Staatsarchiv, als marfgräf- 
liches Lehn dem heute erloſchenen Vaſallengeſchlecht der v. Oynitz. Nach mehr— 
fachem Beſitzwechſel — 1430 erhielten u. a. die v. Schlieben, „Sliwen“, die Belehnung — 


Abb. 143. Rampitz. Kirche von Südoſten. 


kamen Hof und Dorf ſamt „Cloppet, Melſenicz, Matſthorff und Gerden“ durch Kauf 
1431 an den Johanniterorden. Hier entſtand der Mittelpunkt eines Amtes, das der 
Orden durch feine Hauptleute verwalten ließ und deſſen Inventarium von 1576 ſich 
in der Frankfurter Regierung befindet; auch ſammelte der Ordensprediger Joh. Gottfr. 
Richter in ſeinem 1740 zu Frankfurt erſchienenen „Büchlein“ „glaubwürdige“ Nach— 
richten z. B. über „Alt-Rampitz unterm Weißen Berg,“ den Kirchbau von 1738 u. a. m. 
(vgl. auch Geh. Staatsarchiv, Prov. Brdbg., Rep. 9, Amt R., Nr. 25: Verfügungen des 


Rampiß. 155 


Herrenmeiſters betr. Kirchenbauholz, 1773). Laut Edikt vom 30. X. 1810 wurden die 
Ordensgüter ſäkulariſiert; damals gehörten zu Rampitz, woſelbſt 2 Lehnſchulzen, 12 Bauern, 
31 Ganz⸗ und 20 Halbkoſſäten, 34 Büdner und verſchiedene Handwerker, insgeſamt 
770 Menſchen wohnten, das Dorf Kloppitz und die beiden Vorwerke Kreſem und 
Melſchnitz; eine Generalkarte vom Ordensamt mit einem Plan vom Amtshaus von 
1795 liegt in der Domänen-Plankammer der Frankfurter Regierung. 


Die Kirche (Abb. 142 u. 143), ein einfach rechteckiger Fachwerkbau in Saal— 
form mit einer dem mittleren Drittel der Oſtfront vorgelegten, im Grundriß quadra— 
tiſchen Sakriſtei, beſitzt eine Vorhalle auf der Süd- und Nordſeite ſowie einen 
Dachaufbau über der Weſtfront, deſſen zinkgedeckte Pyramide auf eine im Jahre 1827 
vorgenommene Inſtandſetzung Jahreszahl in der Wetterfahne) zurückgeht. Das 
Gotteshaus wurde an Stelle eines 1772 durch Feuer zerſtörten Baues errichtet, der 
nach dem alten „Hauß- oder Ambt Buch“ vom Jahre 16609 gleichfalls ein 
Fachwerkbau?) geweſen war. Außer dem Südzugange und der Sakriſteitür vermittelt 
noch ein Eingang von Weſten her den Zutritt zum flachgedeckten Innern (Abb. 144). 
Zu den auf der Süd-, Weſt- und Nordſeite eingebauten Emporen führt je eine in 
den beiden Vorhallen und in der ſüdweſtlichen Ecke des Kirchenraumes gelegene 
Treppe hinauf. 

Die in den Altaraufbau nachträglich eingefügte Kanzel, deren Brüſtungs— 
füllungen aus Zedernholz angefertigt ſind, ſtammt laut Inſchrift aus dem Jahre 1653. 
Der Aufbau ſelbſt mit dem von dem Johanniterkreuz und dem Monogramm P F 
(Prinz Ferdinand) gekrönten Deckel ſowie das Geſtühl und die anderen gleichzeitigen 
Einbauten zeigen die Formen der vorerwähnten Bauzeit der Kirche. 

Die Taufe gehört der neueren Zeit an. 

.Die Orgel iſt im Jahre 1835 von Bucker aus Hirſchberg in Schleſien angefertigt. 

Außer verſchiedenen Bauernepitaphien aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts 
und zwei Erinnerungstafeln zum Andenken an mehrere in den Feldzügen 1866 
und 1870 gefallene Mitkämpfer ſei vor allem der vielfarbig bemalte Grabſtein der 
Frau Johanna Friederika Paetſchigen geb. Dumke, geb. 26. Jan. 1755, geſt. 
8. Jan. 1793, angeführt. 


) Vgl. „Hauß- oder Ambt Buch des Ritterlichen Ordens Ambtes RuAMpII TZ aus dem Alten 
abgeſchrieben des 1660 ten Jahres. Durch Chriſtian Lubrecht der Zeitt Ambtſchreiber.“ im Regierungsarchiv 
zu Frankfurt a. O. 

) Genauer beſchreibt ihn die Matrikel, d. d. „Sonnenburg den 13t Martij anno 1694”: „Das 
Kirchen⸗gebäude iſt von Holtzwerck, mit ſteinen undt Kalck außgeflochten . .. Inwendig am obertheil mit 
Taffelwerck, und an wänden mit gemählden gezieret, hat Zehen fenſter, undt die Sacriften iſt gemauert, undt 
mit einer eyßernen Thüre verwahret . .. Der Thurm iſt von holtz, darinnen ein Uhrwerck, undt drey glocken 
hängen, derer die größeſte keine Schrift oder Jahrzahl hat, die Mittlere aber undt kleinere iſt anno 1626 
zu Zeiten des HEn Graffen von Schwartzenberg gegoßen werden.“ — Die Beantwortung der Indagandaakte 
vom Jahre 1814 gibt an: „Das iezige Kirchengebäude iſt 1774 vollendet... Es iſt von Fachwerk mit 
Steinen ausgefüllt. An der Abendſeite der Kirche iſt eine Mauer aufgeführet, ſo daß der Thurm auf der 
Kirche ſtehet. Jener iſt mit Brettern verſchlagen und angeſtrichen; es hängen in demſelben die drey ſehr 
alten im Feuer geretteten Glocken ...“ 


156 Weſlſternberg. 


Endlich ſind noch an einer der oberen Scheiben des ſüdweſtlichen Fenſters und 
in der Verglaſung der nach Oſten zu folgenden Lichtöffnung die Inſchriften: 
„Ferdinand Golofski Glaser auß Frfurt (Frankfurt a. O.) 1774“ bezw. „Carl Bügler 
Glasermeister aul Reppen d. 7 September 1835 und Samuel Weber Glafser 
Gesell Gebirtig von Droſsen den 18 ten Januar 1834“ erwähnenswert. 

Ein Kelch, 24 cm hoch, ſilbervergoldet, mit zugehöriger Patene, zeigt die für 
den Anfang des 18. Jahrhunderts typiſchen Barockformen. 


Abb. 144. Rampitz. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten. 


Zwei Zinnleuchter, 48 cm hoch, jetzt bronziert, Meiſter G. Liebe, Berlin, 
Mitte des 18. Jahrhunderts. 

Drei Glocken. Die öſtliche von 0,64 m Durchmeſſer wurde 1876 von Fr. Gruhl 
in Kleinwelka bei Bautzen gegoſſen. Die mittlere von 0,85 m Durchmeſſer iſt ohne 
Inſchrift und anſcheinend noch mittelalterlich. Die weſtliche mit einem Durchmeſſer 
von 0,78 m trägt nachſtehende Inſchrift: „AN. MDCXXVI. DN. JLLVSTRI ET 
AMPLISSIIMII: DIGNITATI DN. ADAM YU, COMES A SCHWATZEN- 
BERG ORDINIS EQVITVM S. JOHAN: MAGISTER CAMP. HANCFVNDI 
ET FIERI VOLVIT. PSAL. XVI. CONSERVA ME DOMINE QVONIAM 
SPERAVIIN TE.“ (= Im Jahre 1626 ließ zu Ehren des erlauchten und hoͤchſten 
Herrn der Herr Graf Adam v. Schwarzenberg, Herrenmeiſter des St. Johanniter— 


Rampiß. 157 


Ordens, dieſe Glocke gießen und fertigitellen. Ps. 16. Bewahre mich, Herr, da ich 
auf dich gehofft habe). Dann folgt auf der anderen Seite: „DIV. ERASMVS 
GREILICHIVS PASTOR MATTHAEVS PAVST PRAGENSIS FVSOR.“ 
(S pfarrer Erasmus Greilich und Matthäus Pauſt, Gießer aus Prag). 

Das ehemalige Ordenshaus mit ſeiner geſamten großartigen Schloßplatz— 
anlage!) iſt mit den letzten Reſten im Jahre 1830 durch die jetzige ſchlichte Gebäude— 
gruppe verdrängt worden. Vorhanden ſind nur noch einige nicht mehr überbaute 
tonnen- und kreuzgewölbte Keller, die von einem ringförmig verlaufenden Waſſer— 
graben umzogen ſind. 

Erwähnenswerter noch als die 
jetzigen älteren einfachen Gutsgebäude 
iſt ein mitten im Hofe, etwa gleich— 
zeitig mit ihnen errichtetes, ſchoͤn grup— 
piertes Geflügelhaus (Abb. 145). 


) Nachſtehende genaue Abſchrift aus 
dem oben erwähnten „Hauß- oder Ambt Buch“ 
gibt eine eingehende Beſchreibung des Zu— 
ſtandes des Amtes Rampitz um die Mitte des 
17. Jahrhunderts: 

„Erſtlichen vndt zum Anfangk 

Von denn Gebewden des 
Ambts RUMPITF. 

Anfenglichen, den Ritterſiez des Ordens— 
haußes Rampitz belangende, derſelbe hat Sechs 
Vnterſchiedtliche gebewde mit Einem Waſſer— 
graben ein einer Abſchrift von 1665 heißt es: 
„verfallene Graben“) ümbfangen. Als 
1. Zur Auffardt des Schloß Platzes, iſt Ein 

New gebewde, fünff gebindt langk, das Abb. 145. Rampitz. Geflügelhaus. 
Thorhauß genandt, hat vnten auf der Rechten 

handt Eine Stube vndt Eine Cammer, überm Thore auch Eine Stube vndt Eine Cammer, darunter 
unterm Dache Ein boden mit Lehm beſchlagen das gebewde mit Ziegell behangen vnt ins holtz gemaurt. 


2. Das Ander gebewde auf der Lincken handt am Schloß Platze, hat unter ſich Einen Vngewelbten Kellerr, 
doch an denn Seitten außgemauret, über dehme iſt Eine Stube vndt Eine Schlaff-Cammer, darueber 
ferner das fürſtliche gemach, alß Eine Stube vndt Eine Schlaff-Cammer vndt Eine abgeſonderte 
Cammer dabey, Ob ſolchem gemache iſt Ein boden unterm Dache mit Ziegelln behengt vndt ins Holz 
außgemaurt. Fünf gebindt langk. 

3. Das dritte vndt hohe gebewde iſt Neuen gebindt langk, drey gemach hoch, bis vnters Dach, hat unter 
ſich Einen von Mauerwerck mit einem gewelbe geſchloſſenen Keller, über demſelben iſt die Hoff Stube. 
Auffs Ander gemach nwr zwei lediege Cammern Auffs dritte gemach Eine Stube, Eine Cammer vndt 
Ein Saall davor iſt von unten an biß auffs dritte Gemach von Steinen blendtwerck (1665: „Uffs ander 
gemach zwey Cammern dabei eine zur ſtuben gemachet. Über dieſem andern gemache iſt vor dieſem noch 
eins geweſen, vndt darauff eine Stube, eine Cammer u. ein Sahl davor, ſelbiges aber iſt weil es zu 
hoch geweſen abgenommen u. davon ein boden geworden, welches der alte Kornboden genannt wird. Iſt 
von unten an bis unter u. an das Dach von Steinen blendwerk ꝛc.) außgemauret darueber in Holzwerck 
mit Steinen außgeſazt, vndt mit Ziegelln gedecket, 


158 Weſlſternberg. 


Reichenwalde. 


Reichenwalde, Straßendorf 9,5 km ſüdſüdöſtlich von Reppen. 616 Einw., 
Landgem. 691 ha, Gutsbez. 1067 ha. 

Das zur Zeit der deutſchen Koloniſation laut Bistumsregiſter von etwa 
1405 Geh. Staatsarchiv, Rep. 78 a. 14, fol. 
24) mit 60 bäuerlichen und 4 Pfarrhufen 
ausgeſtattete Dorf wird in der Urkunde 
über die Grenzen der Stadt Reppen von 
1329 erwähnt (Kopie, Rep. 78. III, R. 19, 
Geheimes Staatsarchiv). Im 15. Jahr- 
hundert ſaßen hier die v. Grünberg 
(Rep. 78. 49, fol. 11). Zum Jahre 1608 
notierte der Landreiter: „Reichenwaldo 
gehört Frantz und Hans v. Loſſo“; von 
ihnen erkauften das Gut laut Lehn— 
Abb. 146. Reichenwalde. Grundriß der Kirche. regiſtratur von 164 die v. Löben (vgl. 

v. Eickſtedt, Beiträge zu einem neueren 
Landbuch, S. 256 und 286). Auf dem Ritterſitz wohnte 1782 der Landrat Hans 
Friedrich v. Winning, bald darauf Hauptmann v. Zaſtrow, ſodann von 1847 an der 


4. Das Vierdte iſt neben dem hohen Gebewde das Brawhauß, Ein Gemach hoch, biß an das Dach, vndt 
Sechs gebindt langk gar bawfelliegk, 

5. Das Alte Hauß iſt Acht gebindt langk, hat vnter ſich Einen mit Mauerziegell gewelbten Keller, 
darueber zwei kleine Fleisch Cammern vndt dan überwarts zweene bohdenn, it gar Alt bawfelliegk vndt 
ſambt vorgenandten Hauße mit Ziegell gedecket vndt Lehmwenden gekleibet, 

6. Das Sechſte Gebewde iſt die Kuche zehen gebindt langk, unten vf der Rechten handt Eine Stube vnd 
Eine Cammer aneinander, uber der Kuchen Eine Stuben. Zweene Cammern vndt Ein Saall, dan 
über demſelben Ein Lehmbohden vnterm Dache, iſt mit Ziegel Steinen gedecket, vnd ins Holz ausgemaurt. 
Dieſe Sechß gebewde find rings umb aneinander gelegen, vor demſelben her ſeindt zwene Brücken übern 
graben am Thore iſt Eine Uffziehebrucke, 

Zwiſchen denn beyden Brücken liegt der Marſtall fo Neun gebindt laugk, uber demſelben findet zweene 
bohden vnters Dach, iſt mit Schindelln gedeckt, vndt die Wände mit Lehm außgekleibet, 

Nachträge. 

Zu 4 und 5. Dort heißt es 1665 bei 

4. Das Vierdte iſt 11 gebind lang, hatt unter ſich einen mit Mauer Ziegel gewölbten Keller, darüber das 
Brawhauß, wovon eine Cammer zum Holtze, geſpinſte und ſonſt etwas darin zu bewahren. Und dan 
uͤberwärts ein Maltzboden, iſt alt und ſambt vorgenanntem Haufe mit Ziegeln gedecket und mit ſteinen 
ins Holtzwerck gußgemauert. 

5. Das fünffte gebewde iſt die Küche zehen gebind lang, unten uff der rechten Hand zween Speiſekammern, 
und zur linken Hand zween Cammern aneinander darin die Magde ſchlafen. Über der Küchen drey 
Cammern. Dan über demſelben ein Lehmboden unterm Dache iſt mit Ziegelſteinen gedecket undt ins 
Holtz außgemauert, gar alt und baufällig. 

Dieſe fünff gebewde ſind rings umb aneinander gelegen, Vor denſelben iſt eine Lange und in 
a0 1663 neu verfertigte Brücke über beede verfallene Graben bis ans Thor. Uff beyden ſeyten der Brücken 
find anitzo zween Kleine Blumgärtchen, alwo zu bawen der Marſtall, davon in dem alten Haußbuch 
meldung geſchicht geſtanden.“ 


De 


Reichenwalde. 159 


durch Erbſchaft in Beſitz des Ortes gekommene Graf Haslingen. Um 1800 gab es in 
dem 183 Seelen zählenden Dorf nur 6 Ganz- und 2 Halbbauern ſowie 9 Halbkoſſäten. 

Die Kirche (Abb. 146), ein Fachwerkbau von rechteckigem Grundriß mit dreiſeitigem 
Oſtſchluß, einer quadratiſchen Vorhalle vor dem Südzugang und einem im Grundriß 
ebenſo geſtalteten quadratiſchen verbretterten Weſtturm, deſſen ziegelgedeckte Pyramide 
eine Wetterfahne mit der Inſchrift: 
„P. L. V. Z. (P. L. v. Zaſtrow) Anno 
1793* trägt, wurde laut Akten im 
Pfarrarchiv zu Sandow im Jahre 
1712 neu erbaut. 

Die in die nordweſtliche Ecke 
zwiſchen Turm und vorſpringendem 
Kirchenſchiff eingebaute Vorhalle ge— 
hört der neueren Zeit an. 

Das Kircheninnere, deſſen flache 
Decke von einer Reihe Mittelſtützen 
getragen wird, beſitzt eine Süd- und 
eine Weſtempore, zu denen die Treppen— 
aufgänge (Abb. 147) in der Südvor— 
halle untergebracht ſind. 

Der gotiſche Flügelaltar(Abb. 
148) iſt leider vollſtändig weiß über— 
ſtrichen. In der Mitte des Altar— 
ſchreins erkennt man die Gottesmutter, 
zu deren beiden Seiten, getragen von 
den Halbfiguren zweier Propheten mit 
Spruchbändern, die hl. Hedwig und 
ein Biſchof in ſegnender Haltung zu 
erkennen ſind. Von den zu je zwei 
Paaren auf die Flügel verteilten acht 
Heiligenfiguren ſind mit Sicherheit der Abb. 147. Reichenwalde. Geländer der Vorhallentreppe. 
hl. Moritz, die hl. Dorothea mit der 
Salbbüchſe, der hl. Lorenz mit dem Roſt und die hl. Barbara mit der Kirche zu nennen. 

Eine modern-gotiſche Totentafel aus Holz für Ferdinand Graf v. Haslingen, 
geb. 28. Juli 1835, geſt. 21. März 1887, und eine ebenfalls modern-gotiſche, aber aus 
Metallguß angefertigte Totentafel für den am 29. Aug. 1870 in Charny bei Verdun 
geſtorbenen Hermann Grafen v. Haslingen hängen neben verſchiedenen Kriegserinne— 
rungs- und Veteranentafeln an den Wänden. 

Vorhanden iſt noch der Torſo eines barocken Taufengels. 

Zwei Zinnleuchter (Abb. 149), 34,5 cm hoch, mit den eingravierten Buchſtaben 
H. V. L. S. (H. v. Löben Sandow?) ſtehen auf dem Altar; erſte Hälfte des 
17. Jahrhunderts. 


160 Weſtſternberg. 


Eine zinnerne Taufſchüſſel zeigt auf dem Rand die Buchſtaben C. L. V. D. XI. 
(C. L. v. d. Marwitz) und gegenüber E. D. V. L. (E. D. v. Löben) und iſt laut Stempel 
von Hoffmann (Gießerzeichen: Anker) in Frankfurt a. D. gegoſſen. 

Ein ſilberner Barockkelch, 24 em hoch, und die zugehörige Patene tragen die 
Inſchrift: „Urchula- Catharina -Loßoin gebohrne Knobelsdorffin.* Anfang des 
18. Jahrhunderts, Meiſter S. M. (Berlin?). Ein zinnerner Krankenkommunionskelch 
trägt die Inſchrift: „Martini 1836“. Eine ſtarkverſilberte Abendmahlkanne und 
eine Oblaten büchſe ſtammen laut Aufſchrift aus dem Jahre 1849. 


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ET EDER 5 


Abb. 148. Reichenwalde. Flügelaltar in der Kirche. 


Drei Glocken. Die ſüdliche mit 0,63 m Durchmeſſer wurde aus einer älteren 
unter dem Patronat des H. Dietlof Hennig v. Löben, Johann Georg v. Thierbach und 
Johann Georg v. Löben von Georg Hofmann in Frankfurt a. O. gegoſſenen älteren 
Glocke auf Koſten der Urſula Catharina v. Loſſow geb. v. Knobelsdorf im Jahre 1701 
(nach einer Notiz in einer Chronik von Sandow zum Preiſe von etwa 40 Reichstalern) 
umgegoſſen. Die mittlere Glocke von 0,80 m Durchmeſſer zeigt am Hals in ſpätgotiſchen 
Minuskeln die Inſchrift: „O rex glorie xpe veni cvm pace m » CCCC - XC 
- ave maria gracia - plena - dominus - tecum.“ (= O Chriſtus, König der Ehren, 
komme in Frieden. 1495. Gegrüßet ſeiſt du Maria, Gnadenvolle, der Herr ſei mit dir). 
Die nördliche Glocke von 0,62 m Durchmeſſer trägt am Hals ebenfalls den Engliſchen 
Gruß: „ave + maria + gracia + plena + dominus + tecum“. 


Reichenwalde — Reipzig. 161 


Reipzig. 

Reipzig, Straßendorf 17 km weſtſüd— 
weſtlich von Reppen. 876 Einw., 1235 ha. 

Das hart an der Oder gelegene Dorf, 
deſſen Name wohl mit ſlawiſch Ryba — Fiſch 
zuſammenhängt, wurde nach deutſcher Art 
etwa um 1250 mit gegen 50 Hufen ausge— 
ſtattet. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts 
beſtanden Beziehungen zwiſchen Frankfurt und 
dem Dorfe, das dem Bürger Liphard ge— 
hörte; deſſen Schwiegerſohn, der Gubener 
Schulze Frenkelyn, verkaufte „Ribetiz“ dem 
Kloſter Neuzelle, dem es Markgraf Waldemar 
laut einer früher im Frankfurter Stadtarchiv 
befindlichen Urkunde am 21. Mai 1311 über— 
eignete (Riedel, Codex XXIII, 10 u. 451). 
1437 gelangte „Ripzt“ durch Kauf an die 
Stadt, die hier einen Damm- und Brückenzoll 
erhob, im 16. Jahrhundert Walkmühlen für 
die ſtädtiſchen Tuchmacher ſowie eine Papier— 
mühle anlegen ließ und auch 2 ausgekaufte 
Bauernhöfe 1588 in ein Vorwerk umwandelte. 
Das große Bauerndorf, 1608 „Reipzigk“ ge— 
nannt, zählte zu Beginn des 19. Jahrhunderts 


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Reichenwalde. Zinnleuchter in 


der Kirche. 


Abb. 149. 


17Ganzbauern, 18 Ganzkoſſäten und 18 Büdner, insgeſamt 400 Einwohner. Die Frankfurter 
Kämmerei erzielte noch um 1840 aus der Verpachtung ihrer Ländereien gegen 3000 Taler. 


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Abb. 150. 


Reipzig. Grundriß der Kirche. 


Kunitdenfm. d. Prov. Bdbg. VI. 3. Weſtſternberg 


Die Kirche (Abb. 150 u. 151) iſt ein 
im Kerne mittelalterlicher Bau, der nach 
den z. T. noch erhaltenen Strebepfeilern 
zu urteilen gewölbt war. Das Gottes— 
haus mit ſeinem halbrunden Oſtſchluß 
und dem der Weſtfront vorgelegten, im 
Grundriß quadratiſchen Turm mit vier— 
ſeitiger Pyramide (Jahreszahl 1774 in 
der Wetterfahne) wurde nach der Schlacht 
bei Kunersdorf mit dem Dorfe durch 
die Ruſſen niedergebrannt und erſt im 
Anfang der ſiebziger Jahre des 18. Jahr— 
hunderts in ſeiner heutigen Geſtalt als 
kreuzförmige Anlage mit einer im Oſten 
vorgelegten Sakriſtei neu aufgebaut. 

11 


162 Weſlſlernberg. 


Abb. 151. Reipzig. Kirche von Nordoſten. 


Die Weihe erfolgte nach dem Kirchenbuch am 23. Okt. 1775. Sämtliche neuen Bauteile 
ſind im Gegenſatz zu dem älteren unregelmäßigen, mit gebrannten Steinen untermiſchten 
Findlingsmauerwerk durchweg aus Backſtein hergeſtellt. Während eine ſpitzbogige Blende 
über dem Weſtportal noch mittelalterlich iſt, wurden die urſprünglich ebenſo angelegten 


Reipzig. 


Lichtöffnungen ſowie die Zugänge auf der Süd-, 
Weſt- und Nordſeite im 18. Jahrhundert ſtichbogig 
umgeſtaltet. Das Innere iſt flach gedeckt und beſitzt 
auf drei Seiten Emporen. 

Der einfach barocke Kanzelaltar mit einer 
das Gebälk des Aufbaus tragenden ſeitlichen 
Säulenſtellung zeigt über dem Kanzeldeckel in 
gleichſeitigem Dreieck, dem Symbol der Dreieinig— 
keit, den altteſtamentlichen Gottesnamen, während 
an der Unterſeite des Deckels eine Taube, das 
Sinnbild des hl. Geiſtes, angebracht iſt. Ein auf 
Leinwand gemalter Ecce homo vor der Kanzel— 
brüſtung dürfte ebenfalls der Zeit des Umbaues 
angehören. 

Ein von einem Hahn bekröntes, ſchmiede— 
eiſernes Geſtell einer Predigtuhr (Abb. 152) 
rechts vom Aufgang zur Kanzel läßt die Buchſtaben 
J GF und die Jahreszahl 1776 erkennen. 

Auch eine hölzerne Taufe in der Sakriſtei 
ſowie die Orgel gehen in das letzte Viertel des 
18. Jahrhun— 
derts zurück. 

Zwei meſ— 
ſingene Kron— 
leuchter in 
modernen Re— 
naiſſanceformen 
wurden 1875 

geſtiftet. 


163 


Abb. 152. Reipzig. Predigtuhrgeſtell 
in der Kirche. 


Zwei Tafeln zur Erinnerung an die Befreiungs— 


Abb. 153. Reipzig. Abendmahlskelch 
in der Kirche. 


kriege ſowie an die Jahre 1866 und 1870/71, ferner 
ein Glaskaſten mit Kriegsdenkmünzen hängen an 
den Wänden. 

Erwähnenswert ſind noch in der Sakriſtei außer 
einem barocken Tonofen mehrere Kirchenrech— 
nungsbücher aus dem 17. Jahrhundert und ver— 
ſchiedene mit dem 18. Jahrhundert beginnende Tauf— 
und Geburtsregiſter. 

Ein Kelch (Abb. 153), 25 cm hoch, ſilberver— 
goldet, mit Sechspaßfuß aus dem 16. Jahrhundert, 
jedoch mit barocker Kuppa, zeigt auf den vier Quadern 
des ziemlich flachgedrückten Knaufes das Mono— 

11 


164 Weſtſlernberg. 


gramm IHS, während man an der Unterſeite neben der Gewichtsangabe von 53 Lot 
und der Jahreszahl 1582 noch nachfolgende, anſcheinend zum Andenken an eine Wieder— 
herſtellung nach dem Dreißigjährigen Kriege angebrachte Inſchrift bemerkt: „Dieser 
Kelch gehöret der Kirchen zu Reipzigk kostet 40 Thaler Pastor war (Name 
weggebrochen) Anno 1650 Die Kirchvät ter sein Casper Hercke, Hans Nile, 
Hans Greber, Andres Hercke.“ Meiſter der Kuppa M. K., Frankfurter Arbeit. 


Abb. 154. Reipzig. Zinngeräte in der Kirche. 


Eine ſilbervergoldete Patene mit Weihkreuz weiſt das auf der Unterſeite des 
Randes einpunktierte Wort Reipzigk auf. 

Eine ſchön ornamentierte zinnerne Deckelkanne (Abb. 154 links), ohne Deckel 
19 cm hoch, trägt die Inſchrift „1638 J. W. FECHNERIN 1770. 

Auf einem ähnlich reichgeſchmückten Zinnkelch (Abb. 154 rechts) lieſt man: 
„Kirche zv Ripisgh 1651“. 

Drei Glocken. Die ſüdliche von 0,85 m Durchmeſſer iſt 1784 von Gebr. Fiſſeſher 
in Königsberg NM. gegoſſen. Die mittlere von 1,05 m Durchmeſſer wurde 1839 von 
Heinrich Lange in Frankfurt verfertigt. Die nördliche mit 0,63 m Durchmeſſer ſtammt 
aus dem gleichen Jahre und aus derſelben Gußſtätte wie die ſüdliche. 


Reipzig — Reppen. 165 


Meppen. 
Reppen, Stadt, 1530 Einw., 2102 ha. 


Quellen. 

Rathaus: Die mittelalterlichen Archivalien find 1641 bis auf geringe Reſte verbrannt; die alteften 
Urkunden betreffen z. B. Beſtätigung der Privilegien durch den Großen Kurfürſten; Pfarre: Kirchenbuch 
bis etwa 1552 zurückreichend, Matrikel ven 1693. Urkunden über Reppen ſowie Eintragungen in die Kopiar- 
bücher im Geheimen Staatsarchiv zu Berlin aus dem 13. bis 16. Jahrh. wurden z. T. von Riedel im 
19., 20., 23., 21. Band, ſowie im 2. und 3. Band der 2. Abteilung feines Codex diplomat. Branden- 
burgensis abgedruckt; das Landbuch Kaiſer Karls IV. im Geh. Staatsarchiv gab Fidicin heraus (Berlin, 1857). 
Akten hauptſächlich des 16. und 17. Jahrhunderts ſewie Abſchriften von Urkunden des 14. Jahrhunderts in 
Rep. 21. 130 und Rep. 78. III. X. 19. Materialien zur Geſchichte des 17. und 18. Jahrhunderts bieten 
Beckmanns und Wohlbrücks Nachlaſſe im Geheimen Staatsarchiv (Rep. 92). 

Literatur: 

Eine Zuſammenſtellung faſt der geſamten das 13. bis 16. Jahrhundert betreffenden Nachrichten 
bot Wohlbrück in den 3 Banden feiner Geſchichte des Bistums Lebus (Berlin, 1829— 1832) J, 588 f., 
607 f.; II, 100 f., 200 f. und beſonders III, 117-122. Über die neuere Zeit unterrichten Bratring, 
Beſchreibung der Mark (Berlin, 1809): III, 263; Berghaus, Landbuch der Mark (Brandenburg, 1856): 
III, 255 f., Sowie Wedekind, Sternbergiſche Kreischronik (Zielenzig, 1853), z. B. S. 89, 158 f., 236 f. 


Geſchichle. 

Der in Polen vielfach vertretene Name der in einem „wäſſerigen Grunde“ ge— 
legenen Stadt iſt ſlawiſchen Urſprungs: es iſt in ihm der Stamm ryp-ati (= aufwühlen, 
ſtechen, hauen) oder auch repa (= Rübe) zu ſuchen, aber nicht von ryba (= Fiſch). 

Auf dem Wege nach Oſten, nach Poſen hin, wurde Reppen wohl ſchon um 1250 
ein wichtiger Haltepunkt für die Kaufleute, die nach Überſchreitung der Oder bei 
Frankfurt hier die erſte Raſt machten, wo ſich ein von Schleſien aus zur Warthe— 
mündung hinziehender Handelsweg mit der vielbegangenen, weſtöſtlich gerichteten 
deutſch-polniſchen Heerſtraße kreuzte. Daraus, daß 1373 ein „castrum Reppin“ er— 
wähnt wird und daß Markgraf Jobſt 1403 dem Lebuſer Biſchof geſtattete, zu „Reppyn“ 
ein feſtes, „Burgfrieden“ genanntes Gebäude neu zu errichten, läßt ſich ſchließen, daß 
hier ſchon von früh auf ein Kaſtell beſtand; in den vielen Fehden war es zerſtört 
worden und ſollte nun wieder aufgebaut werden. 

Die infolge ihrer ungeſchützten Lage vielen „Anfechtungen“ ausgeſetzte Stadt 
wird verhältnismäßig ſpät urkundlich erwähnt, nämlich erſt 1329, als am 28. Juli 
Markgraf Ludwig der Altere die Grenzen von „Newen Reppin“ beſtätigte; den Zuſatz 
„Neu“ führte ſie im Gegenſatz zu dem heutigen Neuruppin, das damals einfach 
Reppin hieß. Wie aus der in Frankfurt a. O. ausgeſtellten Urkunde hervorgeht, wurde 
der Zins der vier Gewerke der Gewandſchneider, Fleiſcher, Bäcker und Schuhmacher 
der Stadt überlaſſen, ebenſo wie die Abgaben von den regelmäßig ſtattfindenden 
Jahrmärkten. Am 18. Februar 1335 erhielt Peſcho von Suebeſin durch denſelben 
Herrſcher 10 Schock Groſchen jährlicher Hebung aus dem landesherrlichen Geleit zu 
„Nyen Ryppin“, und eine Woche darauf gelobten die Ritter Stange und Dyſſen, die 


166 Weſlſternberg. 


ihnen verkaufte Stadt „Nyen Reppen“ in den Kriegen dem Markgrafen offen zu 
halten. Der junge Wittelsbacher, Ludwig der Römer, übertrug 1353 feinem getreuen 
Ritter Johann v. Waldow ganz „Reppin“ mit allen Nutzungen und Gerechtſamen und 
behielt ſich dabei nur vor, daß ihm alle Zeit der Eintritt in die Stadt freiſtehen 
ſollte. Um 1375 gehörte „Reppin“ wieder unmittelbar dem Landesherrn, wie aus 
dem Landbuch Kaiſer Karls IV. hervorgeht; ihm hatte die Stadt an Orbede ebenſo— 
viel wie Droſſen, nämlich 24 Mark oder 27 Schock 12 Groſchen, eine verhältnismäßig 
große und die Bedeutung der Stadt kennzeichnende Summe, zu entrichten; vom Zoll 
kamen alljährlich 100 Schock Groſchen ein. Doch die unmittelbaren Beziehungen zum 
Landesherrn hörten bald wieder auf. In den Jahren 1403 und 1104 bereits erhielt der 
Lebuſer Biſchof Johann v. Borſchnitz vom Markgrafen Jobſt die Erlaubnis, hier ein 
Kaſtell neu zu errichten ſowie den jährlich rund 200 Schock Groſchen einbringenden 
Zoll zu erheben, und 1409 wurde von Jobſt ſogar die geſamte Stadt dem Johanniter— 
orden verpfändet, — eine Verſchreibung, die durch den zollerſchen Kurfürſten Friedrich II. 
1417 beſtätigt wurde; doch ebenſowenig wie der Orden die ihm 1409 zugleich über— 
tragene Vogtei über das Land Sternberg behauptete, waren auch ſeine Beziehungen 
zu Reppen von Dauer. 

Noch 1477 trieben die Bürger, als fie von dem fehdeluſtigen Hans von Sagan 
angegriffen wurden, die Feinde mit heißem Brei zurück. Doch alles in allem war 
die Entwicklung der Stadt, die 1437 bezeichnenderweiſe „Kleinen Reppyn“ genannt 
wird, nicht den vielverheißenden Anfängen entſprechend vorwärtsgegangen. Manche 
Umſtände hemmten die kräftige Fortentwicklung. Zuerſt die allzugroße Nähe Droſſens 
und der beſonders privilegierten, den Verkehr der Umgegend aufſaugenden Stadt 
Frankfurt, deren Bürger ſich im 16. Jahrhundert durch Kauf ſogar in den Beſitz der 
Gerichtsbarkeit ſetzten. Sodann die geringe Ertragfäbigfeit der im „wäſſrigen Grunde“ 
gelegenen Gemarkung, die um 1850 von Berghaus, einem guten Kenner märkiſcher 
Verhältniſſe, als ſchlecht, leicht und ſandig bezeichnet wurde. Endlich kam hinzu, 
daß ähnlich wie auf Droſſen ſo auch auf Reppen von 1535 an das Übergewicht der— 
zum Sitz der neumärkiſchen Behörden durch Markgraf Hans erhobenen ſtarken Feſtung 
Cüſtrin drückte. Waldungen und Heiden, Walk-, Loh- und Schneidemühlen mußten 
Bürgermeiſter und Ratmannen 1553 an Johann abtreten, und zwar „weil ſie in der 
Schoßrechnung nicht hatten beſtehen können, um die Strafe zu wenden, welche ſie 
deshalb wohl verdient hätten“. 

Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges waren in dem „armen, unvermöͤgen— 
den“ Städtlein, wie ſich bei der Muſterung von 1623 herausſtellte, nur noch 251 Bürger, 
von denen die meiſten lediglich mit Hellebarden bewaffnet waren. Sehr hatte man unter 
den Schweden zu leiden. „Das Rathaus, auf dem Markt, — ſo heißt es im Beck— 
mannſchen Manuſkript im Märkiſchen Muſeum — iſt beim Stalhanſiſchen Durchmarſch 
Anno 1641 mit allen Dokumenten eingeäfchert worden, nachdem dieſe Volker viel 
Stroh und ander Rauhfutter das Vieh zu futtern hinaufgebracht.“ Neue Kriegs— 
gefahr drohte 1656, als die Kurfürſtin-Mutter, deren Sitz zu Droſſen war, vom 
polnischen König einen in den Akten des Magiſtrats in Abſchrift erhaltenen Schuß: 


Reppen. 167 


brief erhielt. Doch die Stadt hatte noch „auf der einen Seite 3 fache Wälle und 
doppelte Gräben“, auf der andern viel Sümpfe, ſo daß die polniſche Armee „nichts 
darwieder ſchaffen konnte“. 

„Die abgebrannten, verwüſteten und von den Soldaten niedergeriſſenen Häuſer— 
lein“ wurden in der Folgezeit mit Beihilfe der Regierung wieder aufgebaut. Jakob 
Paul v. Gundling rühmt in feinem Brandenburgiſchen Atlas 1724 (S. 306) 
das gute Tuch, das hier aus der ſchönen Sternbergſchen und Polniſchen Wolle ver— 
fertigt werde, und meinte, die Stadt, die durch Krieg und Brand zwar viel gelitten 
hätte, wäre doch auf dem Wege, eine andere Geſtalt zu gewinnen, „indem die polniſche 
Art zu bauen daſelbſten aufhören wird“. In friderizianiſcher Zeit wuchs die Zahl 
der überwiegend mit Ziegel gedeckten Häuſer von 262 im Jahre 1719 auf 330 im 
Jahre 1801, die Bevölkerung von etwa 1600 auf 2192 Menſchen. Die Tuchmacher 
ſtellten damals auf 135 Stühlen für nahezu 50000 Reichstaler Waren her, die ſie 
etwa zur Hälfte nach Leipzig, Hamburg und dem Reiche hin abſetzten. Es gab rund 
36 brauberechtigte Bürger. Die „ganz gut gebaute“ Stadt war auf der einen Seite 
ſeit 1730 nur mit Paliſaden, auf der anderen von dem Flüßchen Eilang umgeben. 
Der Oberprediger war — ebenſo wie noch heute — Paſtor zu Groß- und Klein-Lübbichow. 

So war der Stadt im 18. Jahrhundert eine kurze Nachblüte beſchieden. Nach 1815 
aber ging die Tuchfabrikation, beſonders da Rußland ſeine Märkte verſchloß und die 
Fabrikanten das Gewerbe nur auf 1 bis 2 Stühlen betrieben und nicht zum Groß— 
betrieb übergingen, zurück, und das drückte auf die ganze Stadt! Dazu hatte ſie in 
der Franzoſenzeit 30000 Taler Schulden gemacht und erzielte nur 1600 bis 1700 Taler 
jährliche Einnahmen. Der 1830 abgetragene Kirchturm konnte deshalb bis 1853 nicht 
wieder hergeſtellt werden. Immerhin ſtieg die Bewohnerzahl bis zu dieſer Zeit auf 
3500 Seelen an; von den 368 Wohnhäuſern waren 1853 erſt 58 ganz maſſiv. In 
neueſter Zeit hat das ſtille Ackerbürgerſtädtchen als Eiſenbahnknotenpunkt und ſeit 1904 
als Sitz des Landratsamts für Weſtſternberg neue Bedeutung gewonnen. Freilich die 
Bewohnerzahl hat ſich kaum vermehrt, zumal auch die Blüte der zeitweilig ſehr 
emporſtrebenden Schuhmacherei nicht von Dauer war. Im Wappen iſt ein den 
rechten Vorderfuß erhebender Hirſch mit ſchönem Geweih, der ſchon in dem „Sigil der 
Stat Reppen“ von 1573 zu erblicken iſt. 


Denkmäler. 
Anlage und Befeſtigung der Stadt. 

Wie Droſſen ſo dürfte auch Reppen, der erſte Raſtplatz für die von Frankfurt 
nach dem Oſten ziehenden Kaufleute, zu jenen Städten der Provinz zu zählen ſein, 
die um die Mitte des 13. Jahrhunderts emporgewachſen ſind, nachdem ſie durch die 
Markgrafen Johann und Otto ihre ſtädtiſche Verfaſſung erhalten hatten. Die in 
Aufzeichnungen im Reppener!) Rathaus von etwa 1740 erhaltene Nachricht, daß 


) Dieſe Aufzeichnungen find allem Anſchein nach für den jüngeren Beckmann gemacht und zwar im An— 
ſchluß an einen durch Friedrich II. am 19. November 1740 erlaſſenen Befehl, dem Profeſſor am Joachimstalſchen 
Gymnaſium Bernh. Ludwig Becmann zur Vervollſtändigung der Märkiſchen Geſchichte feines Vetters, des 


168 Weititernberg. 


Kaiſer Otto III. auf feiner Wanderung nach Polen zum Grabe des heiligen Adalbert 
ein Privileg erteilt habe, iſt geſchichtlich nicht glaubwürdig. 

Volle Beſtätigung findet die eingangs ausgeſprochene Vermutung von einer 
Gründung durch die Askanier bei einem eingehenderen Studium des Stadtplanes, der 
die urſprüngliche Anlage und ſpätere Entwicklung ſelbſt heute noch unſchwer erkennen 
läßt. Auch hier wird dieſe Arbeit weſentlich erleichtert durch den in der Karten— 
kammer des Miniſteriums der öffentlichen Arbeiten aufbewahrten, im Jahre 1725 von 
Euchler angefertigten Stadtgrundriß (Tafel 7). Hiernach erkennt man deutlich die 
für eine Stadtgründung des 13. Jahrhunderts typiſche Anlage. Rechtwinklig ſich 
kreuzende Straßenzüge zerlegen ähnlich wie bei anderen gleichzeitigen ſtädtiſchen 
Gründungen, den im Grundriß annähernd rechteckigen Kern in ebenſolche Häuſer— 
inſeln, wobei genau wie bei der im Jahre 1253 vorgenommenen Erweiterung von 
Frankfurt inſofern zwiſchen Haupt- und Nebenſtraßen ein merklicher Unterſchied gemacht 
wird, als jene, die Längsſtraßen, vor den Querſtraßen durch ihre größere Breite 
deutlich hervortreten. Abgeſehen von der rings um den Stadtkern verlaufenden Wall— 
ſtraße und außer der kleinen Pfarrgaſſe werden im Jahre 1713 (vgl. S. 167 Anm. 1) 
von Seiten des Reppener Magiſtrats noch die Hinter-, die Droſſener und die Rehm— 
gaſſe genannt. Im Euchlerſchen Plane führt die Fortſetzung der Hinterſtraße die 
Bezeichnung Roſenſtraße, während die entſprechende Verlängerung der Droſſener Straße 
die „Peterſiligen Straße“ heißt. Der Name der dritten Hauptſtraße dagegen iſt durch 
die Bezeichnungen Schloß- und Mühlenſtraße ſchon vollſtändig verdrängt. Ergänzend 
ſeien noch von den bedeutenderen Querſtraßen die Viehſtraße, deren Fortſetzung die 
Gaſthofſtraße bildet, ferner die Herrenſtraße und endlich die ſogenannte Neue Straße 
genannt, zu denen von den kleinen Verkehrswegen nur noch die Brauhausgaſſe als be— 
merkenswertere Straße hinzutritt. Hervorgehoben ſei noch die Tatſache, daß der alte Plan 
von Reppen auch in der Anzahl der urſprünglichen Feuerſtellen ſowie hinſichtlich der 
Größe der bebauten Grundfläche, von Rathaus und Kirche abgeſehen, eine auffallende 
Übereinſtimmung aufwies mit anderen gleichbedeutenden Gründungen wie etwa der 
Städte Müncheberg oder Droſſen. Nur in einer Hinſicht ſcheint Reppen eine Aus— 
nahme zu bilden. Während nämlich bei anderen ſtädtiſchen Gemeinweſen das 
Vorhandenſein einer maſſiven Stadtbefeſtigung, deren Bau zumeiſt ſchon wie bei 
Müncheberg im 14. Jahrhundert in Angriff genommen wurde, entweder an der Hand 
urkundlicher Aufzeichnungen oder zum mindeſten durch die jüngeren aber genauen 
Aufnahmen wie die Euchlerſchen Karten und nicht zuletzt durch noch vorhandene z. T. 
umfangreiche Reſte wie bei Droſſen, Jüterbog oder Kottbus bezeugt wird, iſt bei 
Reppen ein ähnlicher Nachweis von dem ehemaligen Vorhandenſein eines ſolchen 
Schutzes nicht möglich; dagegen wird des öfteren, ſo z. B. auf eine Anfrage 
Beckmanns berichtet, daß die Stadt mit Paliſaden umgeben ſei. 

Profeſſors zu Frankfurt g. O., die gewünſchten Unterlagen zuſammenzuſtellen. Schon Friedrich Wilhelm IL 
hatte am 15. April 1713 allen Magiſtraten aufgetragen, dem Hofrat und Hiſtoriographen Jakob Paul Gundeing 
allen forderſahmen Willen zu erweiſen, ihm mit allen verlangenden Nachrichten an Hand zu gehen, die 


nötigen Uhrkunden und Documenta vorzuzeigen und zu communiciren, auch mit ihm alles dasjenige zu 
erwegen und zu berahtſchlagen, was zu der Städte Flor und zur Aufnahme ihrer Nahrung gereichen kann ...“ 


** 


Weſtſternberg. 


Reppen. Stadtplan nach Euchler. 


Reppen. 169 


Es iſt daher nicht unwahrſcheinlich, daß der bloß von einem Verhau!) umgebene 
Ort, zu dem im Südoſten das Mühlentor, im Norden dagegen das Droſſener Tor den 
Zugang vermittelte, durch die Eilang im Oſten, auf den übrigen drei Seiten aber 
durch dreifachen Wall und Graben genügend geſchützt war. Berückſichtigt man noch die 
ſumpfige Niederung, ſo ſcheint ein derartiger Schutz ohne feſte Mauern völlig aus— 
reichend geweſen zu ſein, um ſelbſt größere feindliche Überfälle, wie den Angriff des 
kampfesluſtigen Hans von Sagan im Jahre 1477 mit Erfolg zurückzuweiſen. Im 
Schweden; die große Feuersbrunſt vom Jahre 1673 tat ihr übriges, ſo daß man 
aus dem Bild, das die Schilderungen aus dem Ende des 17. und dem Anfang des 
18. Jahrhunderts geben, keinen günſtigen Geſamteindruck von dem Zuſtand der Stadt 
gewinnt. Zwar war das mit all feinen Dokumenten 1611 eingeäſcherte Rathaus ſofort 
wieder „auf- und ausgebauet“ worden. Die mehrfach erwähnte Matrikel vom 23. Sep— 
tember 1693 jedoch nennt das Hoſpital, mit dem gleichzeitig auch die heute noch z. T. 
erhaltene Begräbniskirche erwähnt wird, völlig baufällig. „Des Ober-Pfarrers Hauß 
nebſt denen darzu gehörigen Scheunen und Ställen“ war ebenfalls „ganz alt und hat“, wie 
hinzugefügt wird, „die Bürgerſchaft 200 Thlr. zur erbauung eines neuen Pfarrhauſes ge— 
wiedmet.“ In gleich ungünſtigem Lichte erſcheint auch der Zuſtand der Wohnung des 
Diakonus ſowie der zugehörigen Scheunen und Ställe, ſo daß man annehmen darf, daß wie 
in anderen Städten der Provinz ſo auch in Reppen am Anfang des 18. Jahrhunderts 
eine umfangreiche Bautätigkeit einſetzte. Vielleicht gehörte dem oben erwähnten Bau— 
jahr 1641 der Vorgänger des heutigen Rathauſes an, ein Fachwerkbau, der dann neuer— 
dings wieder durch den jetzigen ſchematiſchen Backſteinrohbau verdrängt wurde, in dem 
gleichzeitig mit den Räumen für die ſtädtiſche Verwaltung auch die Zimmer für das Amts— 
gericht untergebracht wurden. Da auch alle anderen von den vorſtehend genannten Gebäuden 
im 19. Jahrhundert, ſoweit ſie Beachtung verdienten, durch Neubauten erſetzt wurden, ſo 
ſollen neben der kurzen Aufzählung einiger bemerkenswerter Privathäuſer nur die Stadt— 
pfarrkirche und die Begräbniskapelle vor dem Droſſener Tor eingehender gewürdigt werden. 


Die Sl. Kakharinen- oder Stadfpfarrkirche wird in der Matrikel von 1693 
im Gegenſatz zu den als baufällig geſchilderten übrigen Gebäuden „ganz gemauert 
und wohl ausgebauet“ genannt. Dieſe günſtige Beſchaffenheit des Gotteshauſes 
nach dem Großen Kriege iſt darauf zurückzuführen, daß vornehmlich der aus Feldſteinen 
errichtete frühmittelalterliche Kern der Zerſtörung leichter Widerſtand leiſten konnte. 
Wenn in der gleichen Quelle der Turm als von Holz errichtet angeführt wird, ſo 
dürfte ſich dieſe Schilderung auf einen jüngeren Ausbau über mittelalterlichem Unterteil 
beziehen. Daß aber auch an dem Hauptgotteshaus die Stürme der Jahrhunderte 


) Wenn auch eine ſolche Befeſtigungsart, zu der wahrſcheinlich auch die „leimernen“ Mauern 
Droſſens gerechnet werden dürfen, in anderen Städten der Provinz bis jetzt nicht nachgewieſen werden 
konnte, ſo iſt ſie doch im übrigen Deutſchland urkundlich bezeugt; ſie wird unter dem Namen „Hagen“ 
erwähnt für Stralſund bis zum Jahre 1274, für Holzminden und Seeſen im Herzogtum Braunſchweig bis 
ins 18. Jahrhundert. Endlich hat der von Heinrich dem Löwen gegründete Stadtteil Hagen der Geſamt— 
ſtadt Braunſchweig ſeinen Namen von dieſer Befeſtigung. 


Baugeſchichte. 


170 Weſtſternberg. 


nicht ſpurlos vorübergegangen waren, zeigte ſich bald an dieſer mit dem „Holzturm“ 
verſehenen Weſthälfte. Nachdem nämlich ſchon im Jahre 1709, wie aus einer Auf— 
zeichnung im Frankfurter Regierungsarchivs hervorgeht, plötzlich ein Teil des Gottes— 
hauſes eingeſtürzt war, meldete im Jahre 1741 der Magiſtrat auf Beckmanns Anfrage, 
daß der Turm, deſſen Knopf und Hirſch ein Sturm bereits 1725 herabgeworfen hätte, 
ſich beim Winde in den letzten drei Jahren ſo ſtark bewegt habe, „daß er immer den 
Einfall gedräuett, dahero“ ſo fährt der Bericht fort, „Gefahr und ſchaden zu verhüten, 
derſelbige 1740 abgeriffen worden, und nunmehro die Kirche noch ohne Thurm ſtehet— 
Die größte Glocke auf der Erden lieget, zu zweyen andern aber ein Gerüſte gemacht 
worden, daß man doch zur Kirche leiten könne .. .“ Dieſem unhaltbaren Zuſtand 
ſuchte man durch 
eine Inſtandſetzung 
in der zweiten Hälfte 
des 18. Jahrhun— 
derts zu begegnen. 
Der am 6. April 
1772 ausgefertigte 
Anſchlag ſieht neben 
dem Ausbau der ein— 
gefallenen oberen 
Turmhälfte auch ein 
Umdecken des Daches 
vor, ferner ſolle die 
Kirche ausgeweißt, 
die Gänge gepflaſtert, 
Fenſter und Kanzel 
eingeſetzt, ein neuer 
Abb. 155. Reppen. Grundriß der St. Katharinenkirche. Altar angefertigt, ſo— 

wie das eingefallene 

Gewölbe in der Sakriſtei erneuert werden. Kleinere Ausbeſſerungsarbeiten werden gegen 
Ende des Jahrhunderts verzeichnet, nachdem von dem Zimmermeiſter Marquart 1782 die 
Hauptreparatur namentlich mit der Fertigſtellung der „doppelten Turmlaterne“ beendet 
war. Jedoch kaum fünfzig Jahre ſpäter traf dieſen Erſatzbau das Schickſal ſeines Vor— 
gängers. Er mußte ebenfalls wegen Baufälligkeit im Jahre 1831 abgetragen werden. Nun 
begann die Gemeinde, deren Mitgliederzahl inzwiſchen erheblich gewachſen war, ſich nicht 
bloß mit dem Plane einer Inſtandſetzung, ſondern auch mit dem Gedanken an eine Erweite— 
rung der Kirche zu tragen. Achtundvierzig Jahre währten die Verhandlungen, die endlich mit 
einem völligen Umbau des Gotteshauſes, deſſen Einweihung am 22. Dez. 1879 ſtattfand, 
beendet wurden. Die Reppener St. Katharinenkirche war dem Schickſal nicht entgangen, 
das auch der Droſſener Jakobikirche gedroht hatte; ſie war, bis auf einen kleinen Reſt 
auf der Nordſeite, einem modern-gotiſchen Bauplan zum Opfer gefallen. Die Geſamtbau— 
koſten betrugen, nach einer Zuſammenſtellung vom 8. Okt. 1885, 101700 Markts Pfennig. 


Reppen. Il 


Abb. 156. Reppen. St. Katharinenkirche. Nordkapelle. 


Das umgebaute Gotteshaus zeigt ein im Grundriß (Abb. 155) einfach rechteckiges . Ban 
a de 2 E 8 == = 3 ” , beſchreibung 
Langhaus, einen eingezogenen, gerade geſchloſſenen, annähernd quadratiſchen Chor, eine 
in der Nähe der Nordoſtecke jenes Bauteils errichtete nach Norden dreiſeitig geſchloſſene 
Kapelle (Abb. 156) und den völlig neuen, im Grundriß quadratiſchen Backſteinturm an 


12 Weſtſlernberg. 


der Südoſtecke des Langhauſes. In dem Verbindungsbau zwiſchen dem die Sakriſtei 
bildenden Turmuntergeſchoß und dem Chor liegt die Turmtreppe. Soweit die anläßlich 
des Umbaues um etwa drei Meter erhöhten Umfaſſungsmauern aus ſauber bearbeiteten 
Granitquadern beſtehen, dürften ſie einer frühmittelalterlichen Kirche angehört haben; 
für die Richtigkeit biefer Vermutung ſpricht auch die für das 13. und 14. Jahrhundert 
typiſche Anlage von Langhaus und Chor; hier ſind ferner auf der Außenſeite der Oſtwand 
heute noch die ehemaligen in ihrer Dreizahl für dieſe Bauzeit ebenfalls charakteriſtiſchen, 
fchlanfen, jetzt vermauerten Spitzbogenfenſter an ihren Umrißlinien deutlich ſichtbar. 
Alle jetzigen Lichtöffnungen des Kirchenſchiffs und des Chores ſind modern und bieten 
ebenſowenig etwas Bemerkenswertes wie die anderen der neueren Zeit angehörigen 
Schöpfungen einſchließlich des Turmes. Dagegen beſitzt die Kirche in der aus Back— 
ſteinen errichteten Nordkapelle einen wertvollen mittelalterlichen Baureſt. Ahnlich 
wie die reichgeſchmückte aus Werkſtein hergeſtellte fürftliche Stiftung an der Frankfurter 
Marienkirche ſpannt ſich hier das allerdings ungleich beſcheidenere, nur durch eine 
reiche Profilierung hervorgehobene, oberhalb durch einen Maßwerkfrieß abgeſchloſſene 
Backſteinportal zwiſchen die beiden nördlichen, ſchlichten Eckſtrebepfeiler, während die 
über dem Fries ſitzende Mauerſchräge auch hier auf ein ehemals vorhandenes Schutz— 
dach ſchließen läßt. Ein aus Rundſtab und Hohlkehle beſtehendes Profil umrahmt 
die ſonſt ſchlichten Lichtöffnungen der Polygonſeiten und ein Maßwerkfries aus Back— 
ſtein ziert unter dem Hauptgeſims die in ihrem oberen Viertel aus geſpaltenen Find— 
lingen aufgemauerten Umfaſſungsmauern. Seiner Bauzeit nach dürfte dieſer im Innern 
gewölbte Bauteil etwa gleichzeitig ſein mit der aus dem letzten Viertel des 14. Jahr— 
hunderts ſtammenden Kapelle an der Frankfurter Marienkirche. Die Wetterfahne über 
dem Dachfirſt der Kapelle zeigt die Jahreszahl 1683. Das Backſteinmaß beträgt 
10,5 X 14,5 X 30 cm. Der Verband weiſt einen regelmäßigen Wechſel von 2 Läufern 
und 1 Binder auf. Auf m Höhe kommen 16½ Schichten. 

Außer einer doppelten Weſtempore aus Holz beſitzt die Kirche noch auf der 
Nord- und Südſeite ebenfalls aus Holz eingebaute Emporen, durch deren Stützen 
das Innere gleichſam in drei Schiffe geteilt wird; von ihnen ſind die Seitenſchiffe 
flachgedeckt, während die freitragend konſtruierte Decke des Mittelſchiffs ſowie die des 
Chorraumes ſatteldachartig in den Dachraum hineinreichend geſtaltet find. Der ge: 
ſamte innere Ausbau iſt modern-gotiſch. 

An nennenswerten älteren Gegenſtänden ſind vorhanden: 

Zwei hölzerne Rundfiguren auf Konfolen an den Stirnſeiten des ſpitzbogigen 
Triumphbogens ſtehend. Von ihnen ſtellt die Figur auf der Südſeite den Evangeliſten 
Lukas, die Geſtalt auf der Nordſeite den Auferſtandenen dar. Allem Anſchein nach 
ſtammen beide von einem ehemaligen Renaiſſancealtar. 

Ein Olbild auf Leinwand hängt auf der Suͤdempore und zeigt die Ganzfigur 
eines Geiſtlichen in der Tracht des 18. Jahrhunderts. 

Ein jetzt noch zweiarmiger, meſſingener Kronleuchter in der Sakriſtei zeigt die 
Inſchrift: „Christian Rehfeld: P. P. Burgermevster Anno 1667“, 

Von den Abendmahlsgeräten ſind zu nennen: 


Reppen. 173 


Ein Abendmahlskelch, 20 em hoch, Silber, trägt die Jahreszahl 1822. 

Eine Patene, ſilbervergoldet, mit Weihkreuz, dürfte dem 16. Jahrhundert angehören. 

Eine Abendmahlsfanne aus Neuſilber ſtammt laut Inſchrift aus dem Jahre 1865. 

Ein zweiter Kelch, eine Oblatenbüchſe ſowie eine Patene ſind modern. 

Fünf Glocken find in drei Geſchoſſen des Turmes verteilt: 

Die älteſte im Obergeſchoß mit 0,50 m Durchm. zeigt am Rand in ſpätgotiſchen 
Minuskeln die Inſchrift: „Oesv (Jesu) gyt (gott?) maria“. Wende des 15. Jahrhunderts. 

Die ſüdliche im mittleren Geſchoß mit 0,45 m Durchmeſſer und 18 em Höhe 
läßt ſofort an ihrer geringen Höhe und der dadurch gedrückten Geſtalt ihre Be— 
ſtimmung als Uhrglocke erkennen und dürfte dem 17. Jahrhundert angehören ſowie 
vielleicht von dem Gießer Voillard ſtammen. 

Die nördliche Glocke mit 1,16 m Durchmeſſer wurde ebenſo wie im unterſten 
Geſchoß die öſtliche mit 1,30 m und die weſtliche mit 0,92 m Durchmeſſer von dem 
Berliner Gießer Hackenſchmidt im Jahre 1812) gegoſſen. 


Die Hofpitale oder Begräbniskirche vor dem Droſſener Tor wird in der 
Matrikel von 1693 kurz als Kirche erwähnt, „worinnen die Leichenpredikten und 
Parentationes gehalten werden.“ Dieſen Zwecken diente ſie auch noch während des 
ganzen 18. Jahrhunderts, bis ſie dann im 19. Jahrhundert viele Jahre als Bretter— 
magazin benutzt wurde. Erſt am 5. April 1875 wurde von dem Kreisbaumeiſter Giebe 
ein Bauprogramm aufgeſtellt?), in dem ſämtliche Arbeiten aufgeführt wurden, die für 
die notdürftigite Inſtandſetzung des Gebäudes zum Zwecke feiner Wiederverwendung 
als Gotteshaus notwendig waren. Inwieweit dieſes Bauprogramm verwirklicht wurde, 
läßt ein Vergleich mit dem heutigen Zuſtand erkennen. 

Die Kirche, deren Breite bei einer durchſchnittlichen Länge von 16,20 m etwa 
Sm beträgt, beſteht aus der vermittelſt Backſtein maſſiv aufgemauerten mittelalterlichen 
Weſthälfte und einer in der Richtung nach Oſten in jüngerer Zeit vorgenommenen, 
aus verputztem Fachwerk errichteten dreiſeitig geſchloſſenen Erweiterung. Das Backſtein— 
maß beträgt an der Weſtfront 914 30 cm, an den beiden Langſeiten 8X 13,5X29 cm. 
Auf Am kommen 19 Schichten. Der Verband weit einen regelmäßigen Wechſel von 
einem Läufer und einem Binder auf. Die urſprüngliche heute noch im Innern ſpitz— 
bogig geſtaltete Weſttür iſt jetzt zu einem Fenſter umgebaut; außer dieſer Lichtöffnung 
führen noch auf der Süd- und Nordfeite der Weſthälfte des Baues je zwei nachträglich 
erweiterte, ſtichbogig abgeſchloſſene Fenſter dem Innern Licht zu, während je eine rund— 
bogige, tief herabreichende Lichtöffnung die entſprechenden Seiten des jüngeren Oſtbaues 


) Vgl. Akten im Regierungsarchiv zu Frankfurt. 

) Als notwendig werden nachſtehende Arbeiten verzeichnet: „1. Das Ziegeldach muß umgedeckt werden. 
2. Von den 6 kleinen Fenſtern ſind 4 Stück zu vergrößern, um das nötige Licht nach Aufſtellung der doppelten 
Emporen an den Frontwänden zu ſchaffen. 3. Das Pflaſter iſt ſtellenweiſe zu repariren und die Wände find 
zu weißen. 4. Die Thür in der Nordfront wird vermauert und die im Weſtgiebel niedriger gemacht, um 
auch an dieſer Wand eine Empore aufſtellen zu können . . . . Außerdem hat der Superintendent und der 
Bürgermeiſter den Antrag geſtellt, über den Balken eine Bretterdecke zu legen .. .. auch ſoll am Eingange 
des Kirchhofes ein Glockengerüſt gufgeſtellt werden .. . .“ 

5 


174 WWeililernberg. 


durchbricht. Außer dem erwähnten ehemaligen Weſtportal vermittelte einſt auf der 
Südſeite eine Tür den Zutritt zum Innern. Eine dritte in der nordweſtlichen Ecke 
angelegte ſpitzbogige Zugangsöffnung dient heute noch neben der zweiflügligen, auf der 
nordweſtlichen Polygonſeite angebrachten Haupttür ihrem urſprünglichen Zwecke. 

Wie am Außern die Strebepfeiler, fo weifen auch die Schildbögen im Innern 
des mittelalterlichen Bauteils auf eine ehemalige Wölbung hin. Heute blickt man von 
dem auf drei Seiten mit Emporeneinbauten verſehenen Innern in den offenen Dach— 
ſtuhl. Die Zugangstreppe zu den Emporen liegt in der nordweſtlichen Ecke. 

Den maſſiv aufgemauerten, noch mittelalterlichen Altartiſch ſchmückt eine jetzt 
leider weiß überſtrichene, ſpätmittelalterliche Beweinung. Der darüber angebrachte, 
ebenfalls weiß übertünchte, annähernd lebensgroße Kruziftrus dürfte ſpäteſtens aus 
dem Anfang des 16. Jahrhunderts ſtammen (Abb. 157). 


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Abb. 157. Meppen. Hoſpitalkirche, Altar. 


Eine große Anzahl Grabdenkmäler auf dem in der Umgebung der Kirche ge— 
legenen älteren Teil des Friedhofes gehört dem erſten Drittel des 19. Jahrhunderts 
an. Bemerkenswert iſt das noch klaſſiziſtiſch aufgebaute Denkmal der Anna Charl— 
Friederike Wilh. Bolfras verehelichte Herzberg, geb. 8. Jan. 1809, geſt. 21. Febr. 
1831 (Abb. 158). Das gemeinſame Grabmal für den Ratszimmermeiſter Joh. Adam 
Schultze, geb. 11. Sept. 1765, geſt. 17. Sept. 1826, und feine Frau Charl. Louiſe Schultze 
geb. Herzberg, geb. 22. Okt. 1767, geſt. 2. Febr. 1850, zeigt ein von einer Vaſe befröntes 
Poſtament mit Inſchrifttafel. Von zwei einfachen noch dem 18. Jahrhundert ange— 
hörenden Grabplatten am Weſtende des älteren Teils des Kirchhofs iſt nur noch der 
Stein des Johann Chriſtian Gottlieb Ungnad, „Statt Secretarius zu Reppen“, geb, den 
27. Juni 1733, geft. den 21. Juni 1766, einigermaßen zu entziffern. 

Von den monumentaleren Denkmalbauten des Friedhofes ſei das Erbbegräbnis der 
Familie Herzberg (Abb. 159) genannt. Vier den Dreieckgiebel des Daches tragende 


Reppen. 175 
Säulen gliedern die Hauptfaſſade, in deren Achſe ein rundbogiges Portal den 
Zugang vermittelt; zwei ebenfalls rundbogige, ſeitlich angebrachte Fenſter beleuchten 
das Innere. 

Von den älteren Wohnhäuſern ſind die beiden maſſiven Putzbauten, Frankfurter 
Straße Nr. 5 (Abb. 160) und Richterſtraße Nr. 22 (Abb. 161), die bemerkenswerteſten. 


Abb. 158. Reppen. Friedhof, Bolfrasſches Grabdenkmal— 


Jenes landhausartig mitten in einem Garten gelegene Gebäude dürfte der Formgebung nach 
der Wende des 18. Jahrhunderts angehören. Die nach der Straße zugekehrte eingeſchoſſige 
Hauptfaſſade mit ihrem in das gebrochene Dach einſchneidenden zweigeſchoſſigen 
Mittelbau zeigt über den von ſchmalen Liſenen flankierten rechteckigen Lichtöffnungen 
die für die angegebene Bauzeit charakteriſtiſchen Girlanden, ſowie die gleichſam das 
Hauptgeſims ſtützenden ſtraff geſpannten Konſolen. Ahnlich dekoratives Beiwerk ſchmückt 


176 Weſlſlernberg. 


den Mittelbau, deſſen von Pilaſtern eingefaßte, im Grundriß geſchwungene Vorlage 
im Erdgeſchoß von dem rundbogigen Hauptportal durchbrochen wird. 

Nicht viel älter dürfte das Haus Richterſtr. 22 ſein, deſſen von zwei kannelierten 
Liſenen flankierte Straßenfront mit ihrem abgewalmten Giebel durch eine ebenfalls 
kannelierte Mittelliſene halbiert wird. Die kräftig umrahmten rechteckigen Licht— 
öffnungen des Giebelgeſchoſſes zeigen unter den Brüſtungen die für das Ende des 
18. Jahrhunderts typiſchen Gehänge, während die ebenſo eingefaßten, mit Schluß— 
ſteinen verſehenen Fenſter des erſten Obergeſchoſſes mit Konſolen geſchmückte Brüſtungen 


Abb. 159. Reppen. Friedhof, Erbbegräbnis der Familie Herzberg. 


aufweiſen. Der korbbogig geſchloſſene Zugang der linken Hälfte mit der ge— 
nagelten Tür iſt urſprünglich, der rechteckige Ladeneingang dagegen gehört der neueren 
Zeit an. 

Von den übrigen maſſiven Putzbauten ſei nur noch das ebenfalls aus der Wende 
des 18. Jahrhunderts ſtammende zweigeſchoſſige Haus Schloßſtr. Nr. 26 erwähnt mit 
feinem liſenenflankierten Mittelbau und der Dreieckgiebelverdachung über dem forbbogig 
geſchloſſenen Zugang, ferner das ebenfalls zweigeſchoſſige Haus Schloßſtr. 59 (Abb. 162) mit 
dem vorgezogenen Mittelbau und den flankierenden Eckriſaliten. Sein für den Anfang 
des 19. Jahrhunderts charakteriſtiſcher Balkoneinbau in der Achſe des Obergeſchoſſes 


Reppen. 


Kunftdenfm. d. Prov., Bedbg— 


VI. 3. 


Weſtſternberg. 


5. 


ße Nr. 


traf 


kfurter S 


Fran 


Haus 


Meppen. H 


160. 


Abb. 


178 Weſtſternberg. 


erinnert an gleichzeitige Bauten des benachbarten Frankfurt. Einfacher geſtaltet ſind 
endlich die ebenfalls hierher gehörigen Häuſer Richterſtr. Nr. 46, 50 und 54. 

Die älteſten Häuſer der Stadt Reppen dürften unter den noch heute in überwiegender 
Zahl vorhandenen Fachwerkbauten zu ſuchen fein. So gehört das zweigeſchoſſige Haus 


Acarret 
Farb 


Abb. 161. Meppen. Haus Richterſtraße Nr. 22. 


Schloßſtr. 11 mit dem vorgekragten Obergeſchoß nach der noch frühen Balkenproftlierung 
zu ſchließen ſpäteſtens dem Ende des 16. Jahrhunderts an. Nicht viel jünger dürfte das 
zweigeſchoſſige Fachwerkhaus Schloßſtr. 34 fein mit feinem der Straßenſeite zugekehrten ab— 
gewalmten Giebel, ſowie das ebenſo aufgebaute Haus Herrenſtr. 4. Jüngere erwähnens— 
werte Fachwerkhäuſer find ferner: am Kirchplatz das zweigeſchoſſige forſttechniſche Inſtitut, 


Reppen. 179 


Abb. 162. Reppen. 


Anfang des 19. Jahrhunderts, und das 
nicht viel ältere, eingeſchoſſige „zweite“ 
Pfarrhaus; in der Richterſtraße die 
eingeſchoſſigen Häuſer Nr. 5 und 21, 
ſowie der hauptſächlich wegen des 
gebrochenen Daches erwähnenswerte 
Fachwerkbau Nr. 58. In der Schloß— 
ſtraße ſind Bauten dieſer Art die 
Häuſer Nr. 27, 67 und 70. In der 
Wallſtraße endlich beſteht namentlich 
die Weſtſeite aus zumeiſt eingeſchoſſi— 
gen Fachwerkhäuſern. 
Bemerkenswerte Türen beſitzen 
die Häuſer: Herrenſtr. Nr. 23, Fül— 
lungstür aus dem Anfang des 
19. Jahrhunderts; Richterſtr. Nr. 26, 
genagelte Tür mit trefflich geſchmie— 
detem Rokokobeſchlag; die ebenfalls 
genagelte Tür Richterſtr. Nr. 44 zeigt 
einen Meſſingbeſchlag aus der Wende 
des 18. Jahrhunderts. Andere ge— 
nagelte Türen befinden ſich u. a. in 
der Schloßſtr. Nr. 15, 17, 21 und 22 
(Abb. 163), ferner am Haus Nr. 27, 


Haus Schloßſtraße Nr. 59. 


Abb. 163. Reppen. Tür am Hauſe Schloßſtraße Nr. 22. 


12* 


180 Weſlſlernberg. 


während das Haus Nr. 74 
(Abb. 164) in derſelben Straße 
ſich durch eine ſchön geſchnitzte 
Rokokotür auszeichnet. Zum Schluß 
ſeien noch die beiden genagelten 
Türen Wallſtr. 21 und 14 genannt. 


Isis Fu) 
Handels Säpzig. 


Häpzig, Angerdorf 5 km 
nordöſtlich von Göritz. 1051 Einw., 
1374 ha. 

Laut Urkunde vom 3. Fe— 
bruar 1317 im Geheimen Staats— 
archiv (Lebus Nr. 5) gehörte „Sa— 
bytz“ dem Bistum Lebus (vgl. 
Riedel, Codex XX, 201); die 
Gemarkung von „Sebitz“ zählte 
36 Hufen, davon 2 Pfarrhufen. 
Nach der Reformation ging der 
Ort ebenſo wie die übrigen bi— 
ſchöflichen Güter in den Beſitz 
des Landesherrn über und gehörte 
bis etwa 1810 zum Domänen— 
amt Frauendorf. Damals zählte 
Abb. 164. Reppen. Tür am Hauſe Schloßſtraße Nr. 74. man zu „Sepzig“ oder „Seepzig“ 

278 Einwohner; darunter waren 
ein Lehnſchulze, 10 Bauern, je 11 Koſſäten und Büdner; ein größeres Gut gab es nicht. 
Das Patronat ſteht den Prinzen von Preußen zu, die ſeit 1844 Frauendorf beſitzen. 


Die Kirche (Abb. 165 u. 166) iſt ein im Grundriß rechteckiger, verputzter Findlings— 
bau mit einem über kreisrundem Sockel fünfſeitig geſtalteten Oſtſchluß, einer neueren 
Backſteinvorhalle vor der Nordtür und einem 
quadratifchen, in der oberen Hälfte aus ver— 
putztem Fachwerk hergeſtellten Weſtturm, deſſen 
ziegelgedecktes Pyramidendach eine Wetterfahne 
mit der Jahreszahl 1829 trägt. Außer dem 
erwähnten Nordportal führt noch ein zweiter 
Zugang von Weſten her nach dem flachge— 
deckten Innern der Kirche, deren Fenſter mit 
flachen Korbbogen abgeſchloſſen ſind. 

Der größte Teil der inneren Ausſtattung Abb. 165. Sapzig. Grundriß der Kirche. 


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181 


Reppen — Säpzig. 


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) Nach der Beantwortung der Indagandaakte bei der Frankfurter Regierung vom Jahre 1814 


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ahrhunderts vorgenommenen Erneuerungsbau zurück 


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Hälfte des 18. 


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70 „von Grund auf neu erbaut“. 


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dow bekam für den Bau... 


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wurde die Kirche in den 


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182 Weſtſlernberg. 


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Abb. 167. Säpzig. Kanzelaltar in der Kirche. 


Der Kanzelaltar (Abb. 167), deſſen Aufbau ebenfalls aus der ſpäteren Barockzeit 
ſtammt, beſitzt in der an den Ecken mit Säulchen verſehenen und in den Brüſtungs— 
füllungen mit den Bildern der vier Evangeliſten geſchmückten Kanzel einen älteren 


Säpzig — Sandow. 183 


Renaiſſancereſt. Bemerkenswert iſt noch die 
am Aufbau angebrachte Predigtuhr mit 
vier gläſernen Behältern. 

Die einfache Taufe enthält ein zin— 
nernes Becken mit der Inſchrift: „Säpzig 
1857 

Ein achtarmiger Kronleuchter dürfte 
mit dem Taufbecken gleichzeitig fein. 

Zwei Altarleuchter (Abb. 168) aus 
Bronze, 38 cm hoch, mit Meiſterzeichen am 
Fuß, ſind ſpäteſtens dem 16. Jahrhundert 
zuzuweiſen. 

Zwei Zinnkelche, 23,5 cm und 21 em 
hoch, mit zugehörigen Patenen, ſowie eine 
zinnerne Kanne, 22 cm hoch, ſtammen 
anfcheinend aus der Mitte des 19. Jahr- 
hunderts. 

Eine runde zinnerne Hoſtienbüchſe 
mit der Deckelinſchrift: „Zur Saepzigschen 
Kirche“ ſowie mit dem Namen Säpzig 
auf der Unterſeite dürfte der zweiten Hälfte 
des 18. Jahrhunderts angehören. 

Zwei Glocken. Die öſtliche mit 
0,78 m, die weſtliche mit 0,62 m Durch— 
meſſer, beide ohne Inſchrift, mittelalterlich. 


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Sandow. 


Sandow, Straßendorf 15 km ſüd— 
lich von Reppen. 1102 Einw., Landgem. 657 ha, Gutsbez. 2979 ha. 

Sandow erſcheint im 14. Jahrhundert unter den befeſtigten Städtchen, „muni— 
ciones“ und „opida“, des Landes Sternberg und gehörte laut Urkunde vom 24. De— 
zember 1350 dem Johanniterorden, der den Ort zugleich mit anderen Gütern von 
den v. Klepzig erkauft hatte (Geh. Staatsarchiv, vgl. Riedel, Codex XIX, 137), zur 
Zeit der Abfaſſung des Karoliniſchen Landbuchs aber, um 1375, dem markgräflichen 
Lehnmann, Ritter (miles), Johannes Sak (Ausg. von Fidicin, S. 37). 1486 beſtätigte 
Kurfürſt Johann dem Orden das Eigentum dieſes Städtchens ſowie des Dörfchens 
Bergen, nachdem er ſich überzeugt hatte, daß dieſe Güter, welche ehrbare Leute, 
u. a. die Schaffe, als Lehen beſaßen, von alter Zeit her des Ordens Eigentum ge— 
weſen ſeien. 1581 wurden die Gebrüder Dietrich und Dietlof v. Winterfeldt auf 
Dallmin vom Ordensmeiſter mit Sandow belehnt, ein Jahr darauf aber vom Kurfürſten, 
der Sandow gegen Ziebingen eingetauſcht hatte. Der Ort, in dem 1572 laut Erb— 


Abb. 168. Säpzig. Altarleuchter in der Kirche. 


184 Weſlſlernberg. 


regiſter 14 Hüfner und 16 Koſſäten wohnten (vgl. Chriſtoph Senfft v. Pilſach, For— 
ſchungen zur Brand.-Preuß. Geſch., 22. Bd., S. 450 f.), konnte ſich als Städtchen 
nicht behaupten; 1809 wird es in Bratrings Beſchreibung der Mark Dorf genannt. 
Das Gut gehörte ſeit etwa 1752 den aus Weſtfalen ſtammenden Piper, die 1736 von 
Friedrich Wilhelm J. in der Perſon des Präſidenten der Oberrechenkammer geadelt 
wurden. Das Rittergut ſamt Sierzig und Bergen beſaßen um 1828 die v. Burgsdorff; 
1840 übernahm Freiherr Senfft v. Pilſach, der Gemahl einer v. Burgsdorff, den Beſitz 
käuflich für 60000 Taler. 


Die Kirche (Abb. 169) wurde an Stelle eines in der Nacht vom 10. zum 11. Juni 1798 
niedergebrannten älteren Gotteshauſes im Jahre 1801 völlig neu erbaut. Die im 
Grundriß rechteckige Anlage beſitzt einen der ganzen Weſtfront vorgelagerten, aus Vor— 
halle und zwei flankierenden Türmen beſtehenden Bauteil. Die von einem ſchweren 
Zinnenkranz befrönten und von je einer ins Achteck übergeführten ſchiefergedeckten 
Pyramide abgeſchloſſenen Türme 
zeigen in den Wetterfahnen die 
Inſchriften: enz (Burgsdorff) und 
4% (Burgsdorff). Das von je vier 
Fenſtern auf der Süd- und Nordſeite 
und von einer in der Mitte der Oſt— 
ſeite angebrachten Lichtöffnung er— 
hellte, flachgedeckte Innere (Abb. 170) 
mit ſeiner Weſtempore wird durch 
zwei Reihen ſchlanker Säulen mit 
korinthiſierenden Kapitälen gewiſſer— 
maßen in drei Schiffe geteilt. 

Die heutige Stellung der urſprünglich hinter dem Altar angebrachten Kanzel 
geht auf eine aus den Mitteln des Patrons beſtrittene, durch Adler im Jahre 1866 
vorgenommene Inſtandſetzung zurück, die einen Koſtenaufwand von 5000 Reichstalern 
erforderte. Gleichzeitig wurden auch die im Altarraum angebrachten Emporen entfernt. 
Die Glasmalereien im Oſtfenſter, die im dreigeteilten Hauptfeld Chriſtus und die 
vier Evangeliſten nach den bekannten Dürerſchen Vorbildern erkennen laſſen und aus 
der königlichen Glasmalerei in Berlin ſtammen, ſind von der Baronin v. Senfft geb. 
v. Block-Bibra geſtiftet. 

Die Orgel, von Dünfel in Berlin, ſtammt aus dem Jahre 1869. 

Eine Tafel zum Andenken an die Jahre 1813/14 hängt im Innern der Kirche. 

Ein zinnernes Taufbecken mit aufgelegtem Ornament trägt am Rand die 
Inſchrift: „C. K. Engel 17. 12 18937. 

Ein einfacher Barockkelch, 25, cm hoch, Silber, mit zugehöriger Patene, 
zeigt neben den Namen und den Wappen des Carl Heinrich Piper und ſeiner 
Frau Carolina Friedericke geb. Lehmann noch die Jahreszahl 1798; Meiſter 
Müller, Berlin. 


Abb. 169. Sandow. Grundriß der Kirche. 


Sandow. 185 


Zwei Glocken. Die füdliche mit 0,65 m Durchmeſſer iſt von H. Lange in 
Frankfurt a. O. 1842 gegoſſen. Die nördliche mit 0,51 m Durchmeſſer ſtammt von 
dem gleichen Gießer aus dem Jahre 1847. 


Das Herrenhaus (Abb. 170 iſt ein zweigeſchoſſiger, von Liſenen gegliederter, maſſiver 
Putzbau. Das Jahr des Baues ſowie der Name des Bauherrn werden durch folgende 
an der Südfront angebrachte Inſchrift: „J: C: FUCHS CON SUL FIRSTEN- 


Abb. 170. Sandow. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten. 


WALDENSIS 1734“ genannt. Außerdem lieſt man den von einem Ornament 
umrankten Spruch: „SOLI DEO GLORIA“ (= Gott allein die Ehre). Die beiden 
im Norden und Süden anſchließenden Erweiterungsbauten ſowie der Vorbau vor dem 
in der Achſe gelegenen Zugang gehören der Mitte des 19. Jahrhunderts an. 

Von den Gegenſtänden im Innern des Herrenhauſes ſeien genannt: ſieben 
Familienbilder, darunter das Bild des Friedrich Ehrentreich v. Burgsdorff und die 
Bildniſſe zweier Herren v. d. Recke. 

In der Bibliothek ſind erwähnenswert fünf Stammbäume, von denen einer 
Bezug nimmt auf die Nachkommen des Georg Heinrich v. Burgsdorff, geb. den 26. April 
1704, und der Theodora Jacobaea v. Burgsdorff, geb. am 7. Sept. 1713. Zwei 


186 Weſtſternberg. 


Abb. 171. Sandow. Herrenhaus. 


andere Stammbäume endlich gehen zurück auf Karl Ehrentreich v. Burgsdorff, 
geb. 1672, und Johanna v. Hackeborn aus Bahrendorf. 

Eine Sonnenuhr in dem auf der Südſeite des Herrenhauſes ſich anſchließenden 
Park ſtammt von Möllinger in Berlin, Anfang des 19. Jahrhunderts, mit der Inſchrift: 
„Ich zähle nur die heiteren Stunden.“ (vgl. Kunſtdenkm., Stadt Frankfurt, S. 235). 


Schmagorei. 


Bchmagorei, Straßendorf 9,5 km öſtlich 
von Droſſen. 572 Einw., Landgem. 546 ha, 
Gutsbez. 1137 ha. 

„Smagaria“, deſſen ſlawiſcher Name im 
litauiſch-polniſchen Sprachgebiet oft vertreten iſt 
und mit gora (Berg) zuſammenhängt, wurde im 
13. Jahrhundert mit der Normalzahl von 64 Hufen 
ausgeſtattet, darunter 4 Pfarrhufen, wie aus dem Bistumsregiſter im Geheimen Staats— 
archiv zu erſehen iſt (Rep. 78 a. 14, fol. 25). Nach 1400 waren in „Smagerye“ die 
Winning, Oynitz (Rep. 78. 49, fol. 1), dann die Slaberndorf anſäſſig, die nach 


9 5 form 


Abb. 172. Schmagorei. Grundriß der Kirche. 


Sandow — Schmagorei. 187 


dem Schoßregiſter von 1461 die Mehrzahl der Hufen beſtellten. Nachdem zeitweilig 
Frankfurter Bürger hier begütert geweſen waren, erhielt 1536 Hartwig v. Slow 
auf Klauswalde die Belehnung, deſſen Nachkommen auf zwei Ritterſitzen bis 1785 
ſaßen; der Sohn des Martin v. Slow und der Margarete v. Mörner war der durch 
Schillers „Wallenſtein“ bekannte Feldmarſchall. Nach 1785, zur Zeit als die 


Abb. 173. Schmagorei. Kanzelaltar und Taufe in der Kirche. 


Ihlows im Mannesſtamm erloſchen, kamen Dorf und Gut an Friedrich Gottlieb 
v. d. Oſten (vgl. „Beſchreibung der Nachrichten von den Adlichen Dörffern des Sterns 
bergſchen Creyſes“ im Regierungsarchiv zu Frankfurt); damals zählte man auf 
34 Feuerſtellen 211 Einwohner, darunter nur 5 Bauern. Um 1840 gelangten die 
Grafen v. Haslingen durch Erbſchaft in den Beſitz des Gutes, das ſie von 1849 ab 
für 3250 Taler verpachteten und 1850 an den ſpäteren Landrat des Weſtſternberger 
Kreiſes Bohtz verkauften; im Beſitze dieſer Familie befindet es ſich noch heute. 


188 Weſlſlernberg. 


Die Kirche (Abb. 172) iſt eine im Grundriß rechteckige Anlage, deren heute ver— 
putzte, im Kerne mittelalterliche Umfaſſungsmauern aus Findlingen errichtet ſind. Der in 
einem Abſtand von 35 cm von der Weſtfront des Gotteshauſes erbaute, im Grundriß 
quadratiſche, verbretterte Holzturm!) zeigt über feinem ziegelgedeckten Pyramidendach 
eine Wetterfahne mit der Inſchrift: 4. Der im Innern flachgedeckte Kirchenraum 
(Abb. 173) mit ſeinen auf der ganzen Nordweſt- und der halben Südſeite eingebauten 
Emporen wird durch Fenſter beleuchtet, die 
ebenſo wie der in der Mitte der Südſeite 
gelegene Zugang nachträglich umgebaut ſind. 
Im Gegenſatz zu dem modernen Fußboden— 
belag des Altarraumes iſt noch unter dem 
Geſtühl der aus Backſtein mittelalterlichen 
Formates hergeſtellte Boden erhalten.“) 

Der Kanzelaltar zeigt ebenſo wie 
die Taufe die ſtrengen Formen aus der 
Wende des 18. Jahrhunderts. Das Chriſtus— 
bild auf dem Altar gehört dem 19. Jahr— 
hundert an. Die Vorgängerin der jetzigen 
Taufe, ein ſtehender barocker Taufengel 
(Abb. 174), wird noch in der Kirche auf— 
bewahrt und trägt die Umſchrift: „H. Höne 
Friedrich v. Ilow hab Gott zu Ehren d. 
Taufe machen Lassen 1693.) 

Die Orgel ſtammt aus neuerer Zeit. 

Mehrere Gedächtnistafeln, darunter 
eine gußeiſerne zur Erinnerung an einen im 
Jahre 1870 gefallenen Mitkämpfer, hängen 
an den Wänden. 

Die Beleuchtungskörper ſowie der 
Kruzifixus auf dem Altar und ſämtliche 
Abb. 174. Schmagorei. Taufengel in der Kirche. aus Alfenide gefertigten Abendmahlsgeräte 

wurden 1858 von dem Amtmann Bohtzgeſchenkt. 

Zwei Glocken. Die ſüdliche von 0,78 m Durchmeſſer zeigt auf der Haube den 


) Indagandaakte von 1814: „Der Kirchthurm iſt ganz von Holz, mit Dielen verkleidet, mit 
Schindeln gedeckt und iſt von den Kirchengebäuden separirt.“ — Viſitationsprotokoll vom 23. Auguſt 1780: 
„Der Thurm mit 2 Glocken iſt ebenfalls von der Familie v. Now, vor einigen Jahren gantz neu aufgeführt, 
mit Brettern bekleidet, und in vollkommen guten baulichen Stand geſetzt worden“. — 

) In der Matrikel vom 27. September 1693 heißt es: „Die Kirche iſt Jetzo umb undt umb guht 
Mauerwerck, die Decke Holtzwerck und der boden Steinern, iſt nunmehr auff beyden Seiten mit einem ein— 
fachen Ziegeldache gedeckt. Die Halle . . . ſoll reparirt werden... Der Thurm welcher nur ein glocken— 
gerüfte zu nennen iſt gantz niedrig .. .“ 

) Die Matrikel (27. September 1693) beſagt: „Die Tauffe iſt gantz neu, beſtehet aus etwas bild— 
ſchnitzer undt Tiſchlerarbeit . 


Schmagorei — Seeſeld. 189 


Gekreuzigten mit Maria, Magdalena und Johannes, ferner eine Madonna und das 
Voillardſche Gießerwappen. Die Inſchrift am Halſe lautet: „Gegossen unter dem 
Patronat des Caspar von Ilow und seiner Frau Barbara Elena g. v. Schmulken 
(= v. Schmolke), ferner Haino Friederich Ilow. Gießer: Franciscus Sebastianus 
Voillard, 1676“. Außerdem lieſt man am Rand, abgeſehen von der üblichen 
Namensnennung des Predigers und der Kirchenälteſten ſowie der Bezeichnung eines 
Bibeltextes: „Aus Antrib Godfridt Beils bin ich gegossen worden“. Die nördliche 
mit 0,56 m Durchmeſſer zeigt am Hals eine Anzahl Medaillen mit Darſtellungen aus 
der Lebens- und Leidensgeſchichte Chriſti ſowie das Symbol des Evangeliſten Matthäus. 

In der Südweſtecke des ummauerten Friedhofes ſteht ein im Grundriß recht— 
eckiger verputzter Backſteinbau, die Gruft der Familie v. d. Oſten. Der Bau zeigt am 
Außeren ſchlichte Liſenengliederung, ſowie rechteckig umrahmte Fenſterniſchen mit ovalen 
Lichtöffnungen in der Mitte. Der auf der Nordſeite gelegene Zugang zu dem von 
einem Pyramidendach überdeckten Bau iſt nach oben korbbogig geſchloſſen. Das Innere, 
in deſſen flacher Decke eine kreisrunde Offnung Zutritt nach dem Dachraum geſtattet, 
birgt ſieben große Särge und einen kleinen. Ein zweiter, für die Ihlowſche Familie 
errichteter Gruftbau wurde wegen Baufälligkeit um die Mitte des 19. Jahrhunderts 
niedergelegt und das Gruftgewölbe durch eine Platte geſchloſſen. 

Das Herrenhaus auf der Nordſeite der Dorfſtraße beſitzt noch gewölbte Keller 
aus dem 17. Jahrhundert. Derſelben Zeit angehörige Kellerräume auf der Südſeite der 
Dorfſtraße find Reſte eines zweiten, der Ihlowſchen Familie einſt gehörigen Gutshauſes. 


Seefeld. 

Heefeld, Angerdorf 6,5 km weſtlich von Droſſen. 316 Einw., 1163 ha. 

Das von deutſchen Koloniften im 13. Jahrhundert mit einer Gemarkung 
von 64 Hufen ausgeſtattete „Seveld“ ge— 
hörte laut Urkunde vom 3. Februar 1317 
im Geheimen Staatsarchiv dem Bistum 
Lebus (vgl. Wohlbrück, Geſchichte des 
Bistums Lebus II, 134, und Riedel, Codex 
XX, 201). Von vornherein waren 4 Frei— 
hufen für den Pfarrer ausgeſondert worden, 
zu denen ſpäter noch 2 Hufen für die 
Kirche kamen. Zur Zeit der Reformation 
landesherrlicher Beſitz geworden, wurden Abb. 175. 
Dorf und Vorwerk dem Amt Lebus, ſpäter 
dem Amt Frauendorf unterſtellt. Während man im 15. Jahrhundert nur 15 Häuſer 
zählte, waren um 1800 28 Feuerſtellen von einem Lehnſchulzen, 13 Bauern, 10 Büdnern, 
insgeſamt 160 Menſchen, bewohnt. 


Seefeld. Grundriß der Kirche. 


Die Kirche (Abb. 175 u. 176) iſt ein im Kerne mittelalterlicher verputzter Findlings— 
bau mit einer Fachwerkvorhalle vor dem Südzugang und einem von einer Pyramide 


190 Weſlſternberg. 


abgedeckten Dachaufbau über der Weſtfront. Der aus Backſtein errichtete, mit einfachen 
Fialen geſchmückte und von einer Wetterfahne gekrönte, verputzte Oſtgiebel zeigt die 
für den Anfang des 16. Jahrhunderts typiſche Maßwerkgliederung. Im Gegenſatz zu 
den im Jahre 1784 ſtichbogig umgebauten Lichtöffnungen an den Längsſeiten zeigen 
die Oſtfenſter, von denen das mittlere heute vermauert iſt, neben den abgetreppten 
Leibungen noch den Spitzbogen. Die im Innern auf der Süd-, Weſt- und Nordſeite 
eingebauten, im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts ebenfalls veränderten Emporen, 
ſind mittelſt zweier Treppen 
rechts und links vom Weſt— 
portal zugänglich und ent— 
halten ebenſo wie das Ge— 
ſtühl noch verſchiedene Re— 
naiſſancereſte. Der Fuß— 
bodenbelag beſteht aus 
quadratiſchen Flieſen von 
30 cm Seitenlänge. 

Der Kanzelaltar (vgl. 
Tafel 8) weiſt an feiner Rück— 
wand die Formenſprache 
aus dem Anfang des 17. 
Jahrhunderts auf, während 
die Verzierungen über dem 
eee * . Dedel jowie an der nach⸗ 

n träglich eingebauten Kan— 
f zel etwa dem Ende des 
Jahrhunderts angehören 
dürften.?) 

Die einfachere Taufe 
in Kelchform mag mit 

Abb. 176. Seefeld. Kirche von Nordoſten. der Rückwand des Altar— 

aufbaues gleichzeitig ſein. 

Das zinnerne Taufbecken mit kreisförmiger Vertiefung und ſechseckigem, mit 

zwei Henkeln verſehenem Rand, trägt neben dem Wortlaut der Bibelſtellen: Joh. III 

V. 5, Akt. CActa Apostolorum, Apoſtelgeſchichte) II, V. 38, ferner Mark. XVI, V. 16, 

die Inſchrift: „Anno Christi 1693 den 18 April“ und „See Feldt Pastore Johanne 

Bobertag. Crosna Silesio.“ 

Die Orgel ſtammt aus neuerer Zeit. 


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) Dal. Akten im Regierungsarchiv zu Frankfurt. 

Nach Aufzeichnungen in den Akten des Frankfurter Regierungsarchivs bezeugt am 20. Oktober 1786 der 
Pfarrer Loſſow dem Tiſchlermeiſter Henze aus Sonnenburg, daß er in der Kirche zu Seefeld „die erforderliche 
Tiſchler Arbeit . . . . völlig zu Stande gebracht hat als nemlich die Stände; die Kanzel ins Altar gebracht 
die Treppen, das Chor, die Lucken und alles erforderliche fertig gemacht, auch mit Farben Kantzel und Altar 
angeſtrichen“. 


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Weſtſternberg. Tafel 8. 


Seefeld. Kanzelaltar in der Kirche. 


Da 
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Seefeld. 191 


Ein reichornamentierter, ſechsarmiger Meſſingkronleuchter (Abb. 177), gekrönt 
von dem typiſchen Doppeladler, gehört dem 17. Jahrhundert an. 

Zwei Tafeln zur Erinnerung an die Befreiungskriege und die Kämpfe von 
1866 hängen an den Wänden. 

Ein Zinnkelch, 24 em hoch, zeigt einfachere, ſpäte Barockformen. 


Abb. 177. Seefeld. Kronleuchter in der Kirche. 


Eine ſechseckige Kirchenflaſche aus Zinn, 18,5 cm hoch, dürfte dem Anfang 
des 18. Jahrhunderts angehören. 

Zwei Glocken hängen in dem nach dem Kirchenbuch i. J. 1786 umgebauten Glocken— 
ſtuhl. Die ſüdliche mit 0,86 m Durchmeſſer zeigt am Rand in deutſcher Sprache nach— 
ſtehende verſtümmelte ſpätgotiſche Minuskelinſchrift, deren einzelne Worte z. T. durch 
kleine Reichsadler, z. T. durch Kreuze voneinander getrennt werden: „gsv ich ir mane dich 
dorch biv o aller gytter gesv o aller unig“. Anfang des 16. Jahrhunderts. Die nörd— 
liche von 0,85 m Durchmeſſer hat am Hals 18 Medaillen größtenteils mit Darſtel— 
lungen aus der Lebens- und Leidensgeſchichte Chriſti; ebenfalls mittelalterlich. 


192 Weſlſternberg. 


Spudlow. 


Spudloiv, Angerdorf 6 km 
öſtlich von Göritz, 303 Einw., 1188 ha. 

„Spudlow“ war eines der vielen 
Dörfer, die laut Urkunde vom 3.11.1317 
im Geheimen Staatsarchiv Biſchof 
Stephan II. von den Markgrafen 
Woldemar und Johann beſtätigt erhielt 
(vol. Riedel, Codex XX, 201). Auf 
der Gemarkung lagen, wie aus dem Bistumsregiſter des 15. Jahrhunderts erhellt, 
54 Hufen, von denen von vornherein 4 für den Pfarrer ausgeſondert waren. Nach der 
Reformation wurde das von einem Lehnſchulzen, 10 Bauern und wenigen Koſſäten 
bewohnte Dorf, in dem kein Ritterhof beſtand, zum Domänenamt Lebus, ſpäter zum Amt 
Frauendorf geſchlagen. 1844 wurde aus der Herrſchaft Frauendorf ein Fideikommiß 
für die Prinzen von Preußen errichtet, denen daher das Patronat zuſteht. 


Abb. 178. Spudlow. Grundriß der Kirche. 


Abb. 179. Spudlow. Kirche von Süden. 


Spudlow. 


Die Kirche (Abb. 178 und 179), ein im 
Kerne mittelalterlicher Findlingsbau, zeigt 
eine langgeſtreckte, rechteckige Anlage mit 
dreiſeitigem Oſtſchluß, deſſen mittlerer Poly— 
gonfeite eine in neuerer Zeit aus Backſtein 
errichtete,im Grundriß quadratiſche Sakriſtei 
vorgelegt iſt. Eine Vorhalle vor dem mit 
ſpätgotiſch profilierter Backſteinumrahmung 
verſehenen ſpitzbogigen Südportal beſteht 
ebenſo aus Backſteinfachwerk wie der Ober— 
teil des im Grundriß quadratiſchen Weſt— 
turmes. Der Turmunterbau dagegen tt 
aus gebrannten Steinen größeren Formats 
aufgemauert und wird wohl ſpäteſtens in 
das 16. Jahrhundert zu ſetzen ſein. Die 
ziegelgedeckte Pyramide trägt eine Wetter— 
fahne mit der Inſchrift: T. Während die 
Strebepfeiler an den Ecken des Oſtteils auf 
eine urſprünglich zum mindeſten beabſichtigte 
maſſive Wölbung ſchließen laſſen, zeigt die 
Konſtruktion des Dachſtuhls, daß das jetzt 
von rundbogig geſchloſſenen Fenſtern be— 
leuchtete flachgedeckte Innere des Kirchen 
ſchiffs in ſpäterer Zeit vorübergehend tonnen— 
förmig 
über 


193 


Kanzelaltar in der Kirche. 


Abb. 180. Spudlow. 


Abb. 181. Spudlow. Taufe in der Kirche. 


deckt war. Außerdem bemerkt man noch einen älteren 
Giebelreſt an der Oſtſeite des Turmes über dem 
heutigen Dachanſchluß. 

Das Kirchenſchiff beſitzt auf drei Seiten 
Emporen, zu denen eine im Unterbau des Turmes 
gelegene Treppe hinaufführt. 

Der nachträglich zuſammengefügte Kanzel— 
altar (Abb. 180) zeigt einen der ſpäteren Renaiſſance— 
zeit angehörigen einfacheren Aufbau; die Kanzel 


dagegen mit ihren Eckſäulchen und den reichen 
Schnitzereien in den Brüſtungsfüllungen ebenſo 


wie der zugehörige Deckel dürften etwas älter ſein. 
Die Bemalung ſtammt aus neuerer Zeit. 

Die einfache hölzerne Taufe (Abb. 181) iſt 
barock. Ihr zinnernes Becken zeigt die Buchſtaben 
M. S. und die Jahreszahl 1764. 


Kunftdenfm. d. Prov. Brdbg. VI. 3. Weſtſternberg. 13 


194 Weſlſternberg. 


Die Orgel gehört der Mitte des 19. Jahrhunderts an. 

Zwei Tafeln zur Erinnerung an die Befreiungskriege und an die Kämpfe von 
1870 hängen an den Wänden. 

Ein ſilbervergoldeter Kelch (Abb. 182), 26, cm hoch, mit einer zugehörigen 
Patene zeigt an dem mit einem aufgenieteten Kruzifixus geſchmückten Sechspaßfuß 
ebenfo wie an dem die Inſchrift IHESVS aufweifenden Knauf reicheres Renaiſſance— 
ornament. Außerdem lieſt man auf der 
Oberſeite des Fußes: „Jost von Karlwitz, 
Haubtman auf Lebus vnd Fvrsten- 
walde — Christofforvs Jaeger. Pfhar- 
herr — Marcvs Matthias — Jvrgen 
Coppe — Anno 1615“, während die 
Unterſeite die Gewichtsangabe von 51 Lot 
aufweiſt. 

Eine runde Ziborienſchachtel aus 
Zinn wurde laut Stempel 1774 angefertigt. 

Ein Zinnkelch, 21, cm hoch, mit 
zugehöriger Patene, ſtammt aus dem 
19. Jahrhundert. 

Ein zinnerner Deckelkrug, 22, cm 
hoch, iſt datiert 1842. 

Drei Glocken. Die ſüdliche mit 
0,92 m Durchmeſſer goß George Hoff— 
mann im Jahre 1721, die nördliche mit 
0,72 m und die im nächſten Obergeſchoß 
hängende mit 0,60 m im Durchmeſſer 
wurden 1900 von Guſtav Collier in 
Zehlendorf angefertigt. 


Stenzig. 
f Htemzig, Angerdorf 10 km öſtlich 
Abb. 182. Spudlow. Kelch in der Kirche. von Göritz. 306 Einw., 1364 ha. 


Laut Urkunde vom 3. Febr. 1317 im 
Geheimen Staatsarchiv war „Stanck“ im Beſitz des Bistums Lebus (Riedel, Codex 
XX, 201). Wie aus der durch biſchöfliche Regiſter des 15. Jahrhunderts bezeugten 
Ausſtattung mit der auch im Kreiſe Lebus ſo häufig wiederkehrenden Zahl von 
64 Hufen hervorgeht, war „Stentzk“ zur Zeit der deutſchen Koloniſation eingerichtet 
worden, wobei man für den Pfarrer 4 Freihufen ausgeſondert hatte (Rep. 78 a. 14, 
fol. 23, Geh. Staatsarchiv). Laut einer noch ungedruckten Urkunde vom 28. Sep— 
tember 1502 bekannte Heinrich Kaull, Bürger zu Landsberg a. W., dem Lebuſer 
Biſchof Renten im Dorfe „Stenzigk“ verkauft zu haben. Gleich Spudlow, Seefeld 


Spudlow — Slenzig. 195 


und anderen bifchöflichen Dörfern wurde der Ort, in dem kein Ritterſitz war, um 
1560 landesherrlicher Beſitz. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wohnten in „Stenzig“ 
unter dem Amte Frauendorf ein Lehnſchulze, 10 Ganzbauern und 10 Büdner, insgeſamt 
179 Menſchen. Das Dorf, wo ſich etwa 5382 Morgen an bäuerlichen Beſitzungen 
befanden, teilte die Schickſale des Amtes, das 1844 ein königliches Fideikommißgut 
der Prinzen von Preußen wurde, daher ſteht das Patronat dieſen Prinzen zu. 


Die Kirche (Abb. 183 u. 184) zeigt eine im Grundriß rechteckige Anlage mit halb— 
kreisförmigem Oſtſchluß!). Ihre überputzten Umfaſſungsmauern beſtehen im Kerne aus 
Feldſteinmauerwerk, während der in der Achſe der Weſtfront ſitzende, nachträglich 
hinzugefügte, im Grundriß quadratiſche Weſtturm mit ſeinem von einer Wetterfahne 
gekrönten ziegelgedeckten Pyramidendach, voll— 
ſtändig aus Backſtein aufgemauert iſt. Auch die 
zwei auf der Oſtſeite vorgelegten Strebepfeiler 
ſind nachträgliche Zutaten. Im Gegenſatz zu den 
ſpäter erweiterten, ſtichbogig geſchloſſenen Licht— 
Öffnungen an den Langſeiten dürften die beiden 
ſchmalen Fenſter an dem halbrunden Oſtſchluß 
urſprünglich ſein, während das zweiteilige Fenſter 
Abb. 183. Stenzig. Grundriß der Kirche. an dieſem Bauteil dem N 16. Jahrhundert ange— 

hören wird. Zwei ſpitzbogige Zugänge, der 
eine auf der Südſeite, der andere auf der Weſtfront, vermitteln den Verkehr mit 
dem flachgedeckten Innern. Das Turmportal jedoch iſt ſtichbogig geſchloſſen. Der 
Fußboden beſteht z. T. noch aus Backſtein großen Formats. Eine kleine Niſche, rechts 
unterhalb des zweiteiligen Fenſters, mag wohl als ehemalige Depoſitenniſche zu deuten 
ſein. Die innere Ausſtattung gehört verſchiedenen Bauzeiten an; ſo zeigt der Stuhl 
weſtlich vom Predigerſitz ebenſo wie die im Geſtühl des Schiffes mitverbauten Reſte 
noch deutlich ſpätere Renaiſſanceformen. 


) In des Inſpektors M. Heinsius handſchriftl. Annalen (Stadtarch. Frankf. a. O. Bd. IV, S. 338) 
findet ſich folgende Beſchreibung: „Dz Kirchengebewd zu meiner Zeit war ſehr fein, rings herumb gemawert 
mit feld v. gebacken ſteinen biß ans Dach, inwendig mit Spundtdielen vnd wol ausgearbeiteten Balken 
darunter gezogen, geſchickt belegt. Der Altar war 1612 gebawet mit geſchnitzten Bildern von gemehlden 
gezieret, mit ſtülen v. einem Chor wol außmundiret, ein Baptifterium von Holtz mit ein Deckel v. gemahlet, 
mit Bildern ſo geſchnitzt.“ 


„Der Thurm war von lauter Holtz, doch zimlich hoch, von großen eichen Balken bekleidet mit Dielen 
von oben biß vnten. Darin hingen 3 Glocken von gutem refonantß. An der Ecken nordweſt ſtund eine 
ſehr alte groſſe Linde in zwo ſtemme aufgewachſen. Und im Winkel deß Kirchhoffs nord oft ſtund die 
Kirchſcheüne, NB. [dazu am Rande der Seite, rechts N B.: „anitzo auf einen platz von der Kirchen etwaß 
ab.“] darin dz gotteß getredig geſamlet wird. Derſelbe Kirchhoff war rings herümb mit feldſteinen v. Kalk 
wol gemauret, eines mannes hoch, v. hatte Er Chriſtoff Jäger Pfarrer auf ſeine unkoſten ringß herumb 
gegen Pfeiler ziehen laſſen, deſto baß ſolche mawr zu ſterken, ſo an der nordſeiten zimlich zerfallen waren. 
Ligt erhaben auf einem Berge, vnd außer dem kirchhoff gen morgen auf einem ebenen Platz des Bergeß 
hatte er 3 Linden geſetzt, die zimlich groß waren.“ 


13° 


196 Weſlſlernberg. 


Altar und Kanzel!) find um die Wende des 18. Jahrhunderts aus verſchiedenen 
Stücken zuſammengeſtellt. Am Schalldeckel der Kanzel erkennt man die gleichen guten, dem 
17. Jahrhundert angehörigen Formen im Gegenſatz zu der handwerksmäßigen Arbeit des 
barocken Kanzelkorbes. 

Auch die Taufe 
iſt barock, zeigt aber 
reicheren Ornament— 
ſchmuck. 

Das Taufbecken 
aus Zinn trägt die 
Inſchrift: „W. R. 
Wilda Pastor. Jac. 

Gro/wend. Dan. 

Waldow. Jurati 

MDCCLXXII.“ 
(1772). 

Die Orgel iſt aus 
neuerer Zeit. 

Im Innern der 
Kirche befinden ſich 
noch: 

Ein gemeinſamer 
Denkſtein für den 
Prediger David Rein— 
hardt, geb. 1648, geſt. 
1740, und für Frau 
Urſula Katharina Ket— 
tel, geb. 1671, geſt. 
1739. 

Eine hölzerne Ge— 
denktafelmitbarocker 
Blattwerkumrahmung 


) In einem Schreiben 
d. d. „Stentzig bei Droſſen, 
d. 10. Jan. 1799“ bittet 
der Pfarrer Joh. Chriſtian 
Franke „um ein neues Altar 
in der Kirche zu Stentzig, 
und daß zugleich die Kanzel nach itzigem allgemeinen Gebrauche in das Altar geſetzt werden möge.“ Am 
28. Dezbr. 1799 reichte Bauinſpektor Berger zu Frankfurt a. O. „Anſchläge zur erforderlichen Reparatur, 
und Anfertigung einer neuen Kantzel bey der Kirche zu Stentzig, und verſchiedene Reparaturen in der Kirche 
des Filials Spudlow Amts Frauendorff zur hohen Genehmigung“ ein. Das Oberbau-Departement ſetzte, 
am 9. Februar 1800, die Koſten auf 200 Taler 3 Gr. 8 h feſt. (Regierungsarchiv in Frankfurt.) 


Abb. 184. Stenzig. Kirche von Nordweſten. 


Slenzig — Storkow. 197 


für den Prediger Johann Michael 
Hirſekorn, geb. 1696, geſt. 1747. 

Eine hölzerne Tafel, eben— 
falls mit reicher Barockum— 
rahmung, zeigt eine handwerks— 
mäßige Darſtellung der Aus— 
gießung des heiligen Geiſtes 
und dürfte der Zeit des Kanzel— 
deckels beziehungsweiſe der Taufe 
angehören. 

Eine ovale Totentafel 
(Abb. 185) für Gottlieb Buchholz, 
geb. 4. Aug. 1826, geſt. 12. Juli 
1846, ſitzt in einem reich ge— 
ſchnitzten älteren Barockrahmen. 

Eine von dem „Grafen de 
la Rivallière“ 1816 geſtiftete 
Tafel zur Erinnerung an die 
Befreiungskriege ſowie eine 
zweite zum Andenken an einen 
Mitkämpfer von 1866 hängen 
ebenfalls im Innern der Kirche. 

Eine Votivtafel in der 
Turmvorhalle nimmt Bezug auf 
Mark. 14, V. 7 und iſt 1625 
von dem Pfarrer Chriſtoph Jäger und den Kirchenvätern Hantz Großwendt und 
Valtin Thieme geſtiftet. 

Ein barockes Holzepitaph endlich dient dem Andenken des Karl Friedrich 
Wilberg, geb. 26. März 1777, geſt. 22. Juni 1794. 

Eine hölzerne Lichterkrone, mit ſechs unteren und vier oberen Armen, iſt eine 
einfache barocke Arbeit. 

Zwei zinnerne Altarleuchter, 44 cm hoch, ſind in neuerer Zeit bronziert. 

Zwei Altarleuchter, die ebenſo wie der Kruzifixus aus Gußeiſen beſtehen, 
gehören der erſten Hälfte des 19. Jahrhunderts an. 

Eine Weinkanne aus Zinn, 22 cm hoch, iſt 1842 datiert. 

Drei Glocken, Die ſüdliche mit 0,75 m, die mittlere mit 1,00 m und die nördliche 
mit 0,60 m Durchmeſſer find von Guſtav Collier im Jahre 1900 gegoſſen. 


Storkow. 
Storkow, Straßendorf 12 km nordweſtlich von Reppen. 294 Einw., 1431 ha. 
Im 14. Jahrhundert waren, wie aus einem Lehnbrief von 1351 erhellt (vgl. 
Riedel, Codex XXIV, 54: nach Hackwitzſcher Abſchrift), zeitweilig die Frankfurter 


Abb. 185. Stenzig. Totentafel in der Kirche. 


198 Weſtſlernberg. 


Bürger Hokemann „in Storkow über der Oder“ 
begütert, von deſſen 64 Hufen laut Regiſter des 
15. Jahrhunderts die deutſchen Koloniſatoren 
6 für Pfarrer und Kirche ausgeſondert hatten 
(Geh. Staatsarchiv, Rep. 78 a. 14, fol. 23). Der 
Lebuſer Biſchof Johann v. Borſchnitz, der das 
Dorf von dem Ritter v. Oinitz erkauft hatte, 
übereignete es am 29. Mai 1443 dem neuer- Abb. 186. 
richteten Kollegiatſtift bei der Marienkirche zu 

Göritz (vgl. Wohlbrück, Geſch. des Bistums Lebus II, 62). Nach der Reformation wurde 
das Dorf Domäne, war ſpäterhin im Beſitze des Amtes Frauendorf und kam dann 1844 
in den Fideikommißbeſitz der Prinzen von Preußen. Ein Ritterſitz beſtand nie; hier 
wohnten um 1800 ein Lehnſchulze, 12 Bauern und 5 Büdner. 

Die Kirche (Abb. 186 u. 187) beſteht aus einem aus Findlingen aufgemauerten, 
rechteckigen Langhaus, einer in ſpäterer Zeit gebauten Backſteinvorhalle vor dem flach— 
ſtichbogig geſchloſſenen Südzugang und dem im Grundriß quadratiſchen, nahezu der 
ganzen Weſtfront vorgelegten verputzten Backſteinturm. Die Architektur dieſes Bauteils 
läßt in der von einfachen Liſenen 
gegliederten und von ſchlichten 
rechteckigen Fenſtern durchbro— 
chenen oberen Hälfte auf einen 
im Anfang des 19. Jahrhunderts 
vorgenommenen Umbauſchließen. 
Hierfür ſpricht auch die In— 
ſchrift: „Anno 1801“ in der 
Wetterfahne des ziegelgedeckten 
Turmpyramidendachs. Im Ge— 
genſatz zu den nachträglich er— 
weiterten ſtichbogig geſchloſſenen 
Fenſtern des Schiffes ſind die 
drei bedeutend ſchmaleren Licht— 
öffnungen an der Oſtfront rund— 
bogig geſtaltet. Von ihnen greift 
das mittlere über die Scheitel 
der beiden anderen in die Lünette 
der tonnenförmig geſtalteten 
Holzdecke. 

Der Altaraufbau (Abb. 
188), ein treffliches barockes 
Werk aus dem Anfang des 18. 
2 ı a Jahrhunderts, zeigt in feinem 
Abb. 187. Storkow. Kirche von Nordwerten, von korinthiſchen Säulen und 


0 


Storkow. Grundriß der Kirche. 


Abb. 188. Storkow. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten. 


200 Weitjternberg. 


Pilaſtern ſowie von reichem Rankenſchnitzwerk eingeſchloſſenen Hauptfelde eine etwas 
handwerksmäßig gemalte Abendmahlsdarſtellung. Die beiden vor den Pilaſtern ſtehenden 
Figuren in dreiviertel Lebensgröße ſind, abgeſehen von ihrer manirierten, für die Zeit 
ihrer Anfertigung charakteriſtiſchen Haltung, gute barocke Schnitzwerke. Der Aufſatz 
in Geſtalt eines Dreiecksgiebels wird auf beiden Seiten von zwei Geſtalten, den Sinn— 
bildern von Glaube und Liebe, eingefaßt und von einer halbkreisförmigen Offnung 
durchbrochen, vor der das von Wolken umgebene Auge Gottes angebracht iſt. Wie 
die Spruchinſchrift in der Kartuſche, ſo iſt auch die Bemalung des ganzen Werkes 
leider nicht mehr urſprünglich.“) 

Die Kanzel zeigt an ihrem an den Ecken mit Säulchen geſchmückten und in 
den Füllungen mit reichem Schnitzwerk verſehenen Kanzelkorb ſowie an der gleichartig 
behandelten Rückwand und an der Unterſeite des Kanzeldeckels dieſelbe Formenſprache 
wie der Altar. Die an der Brüſtung des Aufgangs und an der Rückwand hand— 
werksmäßig gemalten Bilder ſtellen Moſes und Johannes den Täufer und einen 
ſegnenden Chriſtus dar. 

Auch der größte Teil des Geſtühls ſowie ein jetzt im oberen Turmgeſchoß 
aufbewahrter Taufengel find mit Kanzel und Altar gleichzeitig. 

Eine Taufe aus Zinkguß gehört dem erſten Drittel des 19. Jahrhunderts an. 

Ein kleiner, ſechsarmiger, meſſingener Kronleuchter dürfte in die gleiche 
Zeit zu ſetzen ſein. 

Zwei Glocken. Die öſtliche mit 0,8t m und die weſtliche mit 0,65 m Durch— 


— 


meſſer ſind 1802 von J. F. Thiele in Berlin gegoſſen. 


Tornow. 

Tornow, Angerdorf 5,5 Em öſtlich von Reppen. 236 Einw., Landgem. 
509 ha, Gutsbez. 756 ha. 

In der Urkunde über die Reppener Grenzen von 1329 (vgl. Wedekind, Stern— 
bergiſche Kreischronik, 1853, S. 90) wird Tornow genannt, das im 13. Jahrhundert zur 
Zeit der deutſchen Koloniſation eine Gemarkung von 64 Hufen, darunter 4 Pfarr- und 2 
Kirchhufen, erhalten hatte (Geh. Staatsarch. Rep. 78 a. 11, fol. 25; Rep. 78. III, K 19). 
In der Folgezeit ſaßen auf dem adligen Gut markgräfliche Lehnsmannen, zuerſt 
Dietrich v. Weiſſenſee, ſpäter die v. Grünberg, Ende des 16. Jahrhunderts Chriſtoph v. 
Löben aus dem Hauſe Döbernitz, zu Beginn des 18. Jahrhunderts die v. Mörner, um 
1785 der Rittmeiſter v. Sydow (vgl. „Beſchreibung der Nachrichten von den Adlichen 
Dörffern des Sternberger Creyſes“ im Reg.-Arch. zu Frankfurt). Damals zählte das 
Dorf 153 Einwohner auf 30 Feuerſtellen. 1817 wurde das Rittergut, deſſen Wert auf 
27614 Taler geſchätzt wurde, durch den Ordenskammerrat Schmiedecke gekauft und ver— 
blieb ſeitdem im Privatbeſitz. Tornow, früher eine ſelbſtändige Pfarre, heute Schweſter— 
kirche von Reppen, hat ein bis zum Dreißigjährigen Krieg zurückreichendes Kirchen— 
buch, das u. a. Nachrichten über den ſchwediſchen General Stalhans enthält. 

) In der Matrikel vom 4. Juni 1716 heißt es: „Der Althar, welcher noch neu von Holtz mit 
Schnitz- und Schranckenwerck verſehen, mit Farben gemahlet, und Zier verguldet, desgleichen die Cantzel.“ 


Storkow — Trellin. 201 


Die Kirche, ein einfacher rechteckiger Backſteinfachwerkbau aus dem Jahre 1741, 
mit einer ebenſo ſchlicht aufgebauten Vorhalle vor dem Südzugang wurde im Jahre 
1890 anläßlich des Baues des Backſteinturmes auch mit einer maſſiven Weſtfront 
verſehen. Der alte Turm war ſchon 1840 niedergelegt worden. Das Innere beſitzt 
eine flache Decke mit einem kreisförmigen Stuckprofil in der Mitte. Ein Teil der 
Fenſterverglaſung iſt noch barock. Der in neuerer Zeit im Mittelgang und in der 
Umgebung des Altars mit modernen 
roten Flieſen belegte Fußboden zeigt 
noch unter den Bänken in der vorderen 
Hälfte Backſteine großen Formats, in 
der hinteren Hälfte Findlinge. 

Der barocke Kanzelaltar (Abb. 189) 
iſt nachträglich zuſammengefügt. Hierbei 
wurde der Unterteil des Kanzelkorbes 
in roher Weiſe durchſchnitten. 

Reſte eines alten barocken Taufge— 
ſtells befinden ſich auf dem Kirchenboden. 

Die Orgel ſtammt ebenſo wie die 
Weſtempore aus der zweiten Hälfte 
des 19. Jahrhunderts. 

Ein einfaches zinnernes Taufbecken 
iſt ohne Inſchrift. 

Verſchiedene Kriegserinnerungs— 
tafeln hängen an den Wänden. 

Ein Kelch, 23,8 cm hoch, Alfenide, 
mit zugehöriger Patene, iſt ebenſo wie 
die Kanne laut Inſchrift ein Geſchenk 
Friedrich Wilhelms III. 

Zwei Glocken. Die ſüdliche von 
0,50 m Durchmeſſer zeigt am Hals in 
ſpätgotiſchen Minuskeln die z. T. ver— 
ſtümmelte lateiniſche Inſchrift: „+ )Cre- 

Abb. 189. Tornow. Kanzelaltar in der Kirche. gina 5 celi 0 letare o alleluia )« quia 

quem % mervisti s“ (Freue dich, 
Königin des Himmels, Hallelujah, denn welch' einen haſt du verdienſtlicherweiſe geboren). 
Die nördliche mit 0,71 m Durchmeſſer iſt 1862 von Hackenſchmidt in Berlin gegoſſen. 

Die urſprüngliche alte maleriſche Findlingsmauer des Kirchhofs iſt z. T. 

noch erhalten. 


Trettin. 


Trettin, Straßendorf 13 km ſüdlich von Droſſen. 561 Einw., 1254 ha. 
Laut Urkunde vom 2. Juli 1308 im Frankfurter Stadtarchiv verkauften die Mark— 


202 Weititernberg. 


grafen Otto und Waldemar „Dretthyn“ famt 
der Mühle, der Gerichtsbarkeit, Abgaben und 
Dienſten der Bauern für 400 Mark Silber 
an die Bürger von Frankfurt (vgl. Riedel, 
Codex XXIII, 
7), und noch heute 
gehört hier der 
Kämmerei ein Vor— 
werk. Nach Brat- 
rings Statiſtik von 
Abb. 190. Trettin. Grundriß der Kirche. Alk: 1809 zählte das 


win 


8 


Abb. 191. Trettin. Kirche von Nordweſten. 


Trellin. 203 


Dorf auf 48 Feuerſtellen 279 Einwohner, darunter waren ein Lehnſchulze, 8 Ganz-, 
2 Halbbauern, 16 Ganzkoſſäten, 11 Büdner und 10 Einlieger. 


Die Kirche (Abb. 190 u. 191), ein überputzter maſſiver Bau, zeigt an dem recht— 
eckig angelegten Langhaus ſowie an dem im Grundriß quadratiſchen Weſtturm ſchlechtes 
Findlingsmauerwerk untermiſcht mit Backſtein und dürfte darnach dem ſpäteſten Mittelalter 
angehören. Die beiden auf der Süd- und Nordſeite vor den entſprechenden Zugängen 


Abb. 192. Trettin. Inneres der Kirche. Blick nach Oſten. 


nachträglich hinzugefügten Vorhallen ſind aus Backſtein kleinen Formats errichtet. 
Das ziegelgedeckte Pyramidendach des Turmes ziert eine achteckige Laterne mit welſcher 
Haube. Die Lichtöffnungen ſind nachträglich umgebaut; ihre urſprüngliche Geſtalt 
dürfte an einer Niſche zu erkennen ſein, die heute noch in der Mitte der Oſtwand 
im Innern des auf der Weſt-, Nord- und Oſtſeite mit Emporen verſehenen Kirchen— 
raumes (Abb. 192) ſichtbar iſt. Die Unterzüge der Decke zeigen ſpätgotiſche Profilierung. 

Der nachträglich zuſammengebaute, in den einzelnen Teilen ſtark verſtümmelte 
Kanzelaltar dürfte der Mitte des 17. Jahrhunderts angehören. Die den Aufbau 
zierenden Figuren ſind nach ihren Symbolen als die vier Evangeliſten zu deuten. 
Das Bild im oberen Aufbau ſtellt eine auf Holz gemalte Kreuzigung dar, 


204 Weſlſlernberg. 


Eine einfache Taufe aus Holz iſt barock. Ein zinnernes Taufbecken trägt die 
Inſchrift: „Trettin 1736“, Meiſter L. Hfoffmann]., dahinter Hoffmannſches Wappen 
mit Anker. Frankfurt. 

Die Orgel gehört der neueren Zeit an. 

Ein ſilberner, leicht vergoldeter Abendmahlskelch, 24,5 em hoch, mit zuge— 
höriger Patene, trägt an der Unterſeite des Fußes die Inſchrift: „Trettiner Kirchen 
1775 Kelch“. Meiſter L. C. Prevot, Frankfurt (vgl. auch Kunſtdenkmäler, Stadt 
Frankfurt, S. 13, Abb. 29 desgl. Weſtſternberg, S. 115. 

Ein Zinnkelch, 22,5 em hoch, iſt barock. 

Zwei Glocken. Die öſtliche mit 0,58 m Durchmeſſer iſt 1817 von Hackenſchmidt 
in Berlin gegoffen. Die weſtliche zeigt den Glockenſpruch: „GOTT GIB FRIED IN 
DEINEN LANDE GLÜCK UND HEYL ZU ALLEN STANDE.“ Ge 
goſſen von J. F. Schramm und „um einen halben Zentner verſtärkt“ im Jahre 1737. 


Tſchernow. 


Tlchernoſw, Straßendorf 8 Em oſtnordöſtlich von Göritz. 1224 Einw., 1892 ha. 
Um 1354 gehörte die Hälfte von „Czernow“ den v. Uchtenhagen zu Sonnenburg 
(vol. Wohlbrück, Geſchichte des Bistums Lebus, 1832, III, 436). 1401 ging ganz 


Abb. 193. Tſchernow. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten. 
U * 


Trellin — Wildenhagen. 205 


„Czernow“ mitſamt dem Patronat durch Kauf von dem Ritter Jan v. Wulkow an 
das Bistum Lebus über, wurde dann nach der Reformation ſäkulariſiert und ſpäter zum 
Domänenamt Frauendorf geſchlagen. Während die Bistumsregiſter des 15. Jahr— 
hunderts nur von 51 Hufen, darunter 4 Pfarrhufen, ſprechen, hatte „Tſcharnow“ oder 
„Tſchernow“, Dorf und Vorwerk, um 1800 75 Hufen; 
die Bevölkerung belief ſich ſchon damals auf 559 Seelen, 
eine Zahl, die ſich im Verlaufe des 19. Jahrhunderts noch 
mehr als verdoppelt hat. 

Die 1824 abgebrannte Kirche wurde in den Jahren 
1826 und 1827 unter Beibehaltung des in ſeiner unteren 
Hälfte aus Feldſteinen errichteten Turmes wieder auf— 
gebaut. Das Gotteshaus iſt ein einfacher, flachgedeckter, 
im Grundriß rechteckiger Saalbau, deſſen Außenſeiten eine 
für die angegebene Bauzeit charakteriſtiſche Pilaſterarchi— 
tektur zeigen. Der nach dem Brande aufgeführte obere 
Teil des Turmes iſt im Grundriß achteckig geſtaltet. 
Durch die zwei Reihen einfacher achteckiger Stützen 
wird das mit je einer Empore auf der Nord-, Weſt— 
und der halben Südſeite verſehene Innere (Abb. 193) in Abb. ao. 
drei Schiffe geteilt. 

Die auf einer doriſchen Säule ruhende Kanzel lehnt ſich an die einſpringende 
Ecke der in den Kirchenraum eingebauten Sakriſtei an. 

Ein kleiner meſſingner, ſechsarmiger Kronleuchter mit einem Doppeladler als 
Bekrönung gehört dem 17. Jahrhundert an. 

Verſchiedene Tafeln zur Erinnerung an die Befreiungskriege ſowie an die 
Kämpfe von 1866 und 1870/71 hängen an den Wänden. 

Mehrere Totentafeln aus der erſten Hälfte des 19. Jahrhunderts ſowie ein 
verſtümmelter barocker Taufengel (Abb. 194) und die Figur des Evangeliſten 
Matthäus werden im Turmgeſchoß aufbewahrt. 

Zwei Glocken. Die öſtliche mit 0,65 m und die weſtliche mit 0,54 m Durch— 
meſſer ſind 1878 von Fr. Gruhl in 
Kleinwelka bei Bautzen gegoſſen. 


Tſchernow. Taufengel— 


Wildenhagen. 


Wildenhagen, Straßendorf 8,5 
km ſüdöſtlich von Reppen. 458 Einw., 
Landgem. 764 ha, Gutsbez. 599 ha. 

Im 13. Jahrhundert begründet, 
hatte das Dorf von vornherein eine 
Kirche, zu der 4 Hufen auf der 64 Hufen umfaſſenden Gemarkung gehörten. Der dortigen 
Mühle geſchieht bereits in der Urkunde über die Grenzen der Stadt Reppen von 


7 5 om 


Abb. 195. Wildenhagen. Grundriß der Kirche. 


206 Weſlſternberg. 


1329 Erwähnung (Geh. Staatsarch., Rep. 78. III., R 19; vgl. Wedekind, Kreischronik, 
S. 90). Laut Urkunden von 1459 und 1485 (vgl. Riedel XIX, 162 und XX, 168) ſaßen 
auf den adligen Freihufen als markgräfliche Lehnsträger die v. Loſſow zu Bottſchow, ſpäter 
die v. Slow, 1785 der Major v. Oppen; 1793 kaufte ſich für 23000 Taler v. Briefen 


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Abb. 196. Wildenhagen. Kirche von Südweſten. 


an, 1850 für 61000 Taler der Oberamtmann Müller. Seit 1893 gehört das Gut 
den v. Bonin zu Bottſchow. . 

Die Kirche (Abb. 195 u. 196), eine im Kerne ſpätmittelalterliche Anlage, deren 
Umfaſſungsmauern aus Findlingen errichtet ſind, zeigt einen rechteckigen Grundriß 
mit dreiſeitigem Oſtſchluß. Der Bau des in ſeinem Unterteil aus Backſteinen kleinen 
Formats errichteten Weſtturmes mit ſeinem ziegelgedeckten Pyramidendach geht, wie 
aus Beckmanns Nachlaß erhellt, ebenfo wie die Überhöhung der Umfaſſungs— 
mauern der Kirche mit ihren erweiterten und wie der Südzugang korbbogig ge— 


Tafel 9. 


lltar in der Kirche. 


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Weſtſternberg. 


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Wildenhagen 


Wildenhagen — Zerbow, 207 


ſchloſſenen Lichtöffnungen auf eine im Jahre 1725 vorgenommene Erneuerung zurück. 
In der ſpäter aufgeſetzten Wetterfahne ſteht die Inſchrift: „W. C. E. V. IAO 1774“ 
(Wulff Chriſtian Erdmann v. Ihlow). Der Aufgang zu den Emporen des flachgedeckten 
Kirchenraumes liegt in der Turmvorhalle. 

Der Kanzelaltar iſt ein reicheres barockes Werk (Tafel 9). 

Der einfache Tauftiſch enthält eine zinnerne Taufſchale mit geſchweiftem Rand. 

Vorhanden ſind noch drei gußeiſerne Grabtafeln und zwar für Eleonore Erneſtine 
Louiſe v. Oppen, geb. 25. Okt. 1772, geſt. 3. Nov. 1772 (Bruchſtück), ferner für Ernſt 
Gottlob v. Oppen, geb. 24. Okt. 1711 zu Ernſtwalde in Preußen, geſt. 12. Juli 1785, 
ſowie für Wulff Chriſtian Erdmann v. Ihlow, geb. 13. Okt. 1688, geſt. 5. Mai 1771. 
Ferner zwei Gedenktafeln unter Glas für den Rittergutsbeſitzer Heinrich Penther, 
geb. 5. Aug. 1820, geſt. 25. Jan. 1869, und für Georg Hugo Max Weidemann, geb. 
25. Febr. 1855, geſt. 4. März 1874. Eine hölzerne Tafel zum Andenken an 
Mitkämpfer von 1813 und 1870 ſowie einige Kriegsdenkmünzen hängen an der 
Nordwand. Verſchiedene Bauernepitaphien mit Totenkronen ſchmücken die Wand 
auf der Orgelempore. 

Zwei Glocken. Die ſüdliche von 0,50 m Durchmeſſer trägt außer der Wieder— 
gabe einer Madonna, einer Geißelung, eines Ritters, der Hirten im Stall zu Bethlehem 
und eines St. Georg am Hals die Inſchrift: „o IHESVS o ANNA ο MARIA o 
OSANNA IN EXCELSIS (= in der Höhe) e FRENTILGSHVSELER O, 16. Jahr- 
hundert. Die nördliche mit 0,78 m Durchmeſſer trägt am Schlag den Glockenſpruch 
vertieft: „AUS DEN FEUER FLOS ICH © JACOB ZUNCKEL GOSS 
MICH, ALLEN CHRISTEN RUF ICH“ und wurde laut Auffchrift im Jahre 
1751 durch die Witwe des Johann Friedrich Schramm umgegoffen. 

Zwei Kartuſchen über den beiden Torpfeilern des Kirchhofzugangs zeigen das 
v. d. Heydeſche Wappen mit der Unterſchrift E. C. v. d. H. Ao 1725 und das Shlowfche 
Wappen mit den Buchſtaben WC EVI Ao: 1725 (Wulff Chriſtian Erdmann v. Ihlow). 

Das Gukshaus, ein eingeſchoſſiger Bau, beſitzt einen Dreiecksgiebelaufſatz über dem 
in der Achſe der Parkfront gelegenen Eingang. Zu beiden Seiten dieſes Eingangs 
zählt man je drei ſtichbogig geſchloſſene Fenſter. Nach der ſchlichten Architektur und 
dem gebrochenen Dach zu ſchließen dürfte das Gebäude der erſten Hälfte des 18. Jahr— 
hunderts angehören. 


Zerbow. 

Zerbow, Straßendorf 7 km ſüdweſtlich von Droſſen. 249 Einw., Landgem. 
621 ha, Gutsbez. 393 ha. 

Die Kirche in „Czerbow“ wird um 1405 in Bistumsregiſtern im Geheimen 
Staatsarchiv erwähnt (Rep. 78. a. 11. fol. 6); ihnen zufolge war „Szerbow“ 
mit 64 Hufen, von denen 4 dem Pfarrer zuſtanden, ausgeſtattet, woraus ſich ſchließen 
läßt, daß es von deutſchen Koloniſten im 13. Jahrhundert begründet worden war. 1560 
kaufte ſich hier der Hauptmann Peter v. Czannewitz auf Wüſtenhain bei Cottbus an. 
1729 fiel das Lehngut an den Landesherrn zurück, und ſo wurde aus dem ehemals „adligen“ 


208 Weſlſlernberg. 


ein „Königlich Preußiſches Dorf“ unter dem Domänen— 
amt Neuendorf. 1846 gelangte das ehemalige Amts— 
vorwerk für 44500 Taler an den Freiherrn Heinrich 
v. Maltzahn und iſt heute im Beſitz des Ritterſchafts— 
rats Douglas. 


Die Kirche, inmitten eines von ſeiner alten 
Feldſteinmauer noch umgebenen Friedhofs gelegen, 
beſteht aus dem im Grundriſſe rechteckigen, im Kerne 
mittelalterlichen Langhaus, einem modernen, der 
Oſtwand vorgelegten fünfſeitigen Chor mit ſeitlichen 
Anbauten, von denen der eine als Sakriſtei benutzt wird. 

Ebenſo gehören der Weſtturm ſowie die Vor— 
halle vor dem Südzugang der neueren Zeit an. Das 
mit einem hölzernen Tonnengewölbe verſehene, ebenfalls 
erneuerte Innere beſitzt eine Weſtempore. 

Zwei barocke Leuchter (Abb. 197), je 45 cm 
hoch, ſtehen auf dem einfachen Altartiſch. 

Ein Kelch, 255 em hoch, Silber, iſt datiert 
1714, Meiſter G. F. W., Frankfurter Arbeit. 

Ein barockes, zinnernes Taufbecken mitgeſchweif— 
tem Rand trägt den Stempel Gottlieb Liebe 1755. 

Drei Glocken hängen in zwei Geſchoſſe des 
Turmes verteilt. Die untere mit 1,05 m Durchmeſſer 
trägt am Hals die ſpätgotiſche Minuskelumſchrift: 
„ihesus xps (= christus) maria vnde berate anno LXXI ©“ (— 1471). Von den 
beiden oberen trägt die öſtliche mit 0,67 m Durchmeſſer wiederum in ſpätgotiſchen 
Minuskeln den Glockenſpruch: „e maria o hilf o vnd berate allles vege.“ Wende des 
15. Jahrhunderts. Die weſtliche von 0,48 m Durchmeſſer iſt ohne Inſchrift und an- 
ſcheinend ebenfalls noch mittelalterlich. Außerdem lieſt man auf dem Tragebalken 
der großen Glocke 
„Anno 1706. 


Abb. 197. Zerbow. Leuchter in der 
Kirche. 


Ziebingen. 

Ziebingen, Dorf 
20 km ſüdlich von 
Reppen. 3127 Einw., 
Landgem. 2551 ha, 
Gutsbez. 1789 ha. 

Laut „Kataſter der 
lebuſiſchen Kirche“ im Abb. 198. Ziebingen. Grundriß der Kirche. 


Zerbow — Ziebingen. 209 


Geheimen Staatsarchiv (fol. 6) gehörte die Kirche in „Czebingen“ zur sedes Reppen. 
1472 erhielten die v. Winning vom Kurfürſten Albrecht Achilles die Belehnung mit 
21 Hufen; ihnen folgten die Loben (Geh. Staatsarchiv, Rep. 22. 179 a). Das Obereigen— 
tum ſtand 1582 bis 1804 dem Johanniterorden zu, der dafür tauſchweiſe dem Kurfürſten 
Sandow überlaſſen hatte. Laut Lehnbrief von 1751 ſaßen hier die v. Burgsdorff. Von dem 
Komtur Joach. Friedr. Ehrenreich v. Burgsdorff erkaufte 1807, nach Akten im Familien— 
archiv zu Alt-Madlitz, der Regierungspräſident Graf v. Finckenſtein Ziebingen „mit allen 
Pertinenzien“ und übernahm „den Ausbau und die Ausmeublierung des neuen Wohn— 
hauſes“. 1845 ging der Beſitz für 
305000 Taler an das Königliche 
Haus zur Bildung eines Fideikom— 
miſſes für die Prinzen über, wurde 
aber ſchon 1857 von der v. Fincken— 
ſteinſchen Familie zurückerworben. 

Der Ort war an einer viel be— 
ſuchten Straße gelegen, hatten doch 
ſchon Joachim II. und fein Bruder 
Markgraf Hans 1539 verordnet, 
daß alle von Süden herkommenden 
Fuhrwerke, auf dem Wege nach 
Frankfurt oder Cüſtrin, Ziebingen 
zu paſſieren hätten. Daher erklärt 
ſich die ſtarke Bevölkerung, die um 
1800 auf 140 Feuerſtellen 522 
Menſchen betrug und 60 Jahre 
darauf ſchon auf 1600 Seelen an— 
gewachſen war; zudem hatte bereits 
im Zeitalter der Koloniſation die 


Gemarkung eine das Normalmaß Abb. 199. Ziebingen. Kirche von Norden. 
weit überſteigende Zahl von Hufen, 
nämlich 70 erhalten, ſo daß 28 Ganzbauern, 29 Halbkoſſäten — eine ſonſt im 


Lande Sternberg außer in Rampitz nicht erreichte Zahl — beſtehen konnten. Daneben 
wurden faſt alle ſtädtiſchen Hantierungen und einige Gewerbe betrieben, weshalb die 
Bewohner den Ort einen Marktflecken nannten, obwohl Jahrmärkte nicht abge— 
halten wurden. Die Kirche gehörte damals noch zur Inſpektion Sonnenburg. 


Die Kirche (Abb. 198 u. 199) iſt eine im Grundriß rechteckige Anlage mit 
quadratiſchem, achſial vorgelegtem Weſtturm, deſſen ſchiefergedecktes, geſchweiftes 
Dach eine Laterne mit einer ebenfalls mit Schiefer gedeckten, welſchen Haube trägt. 
In der Wetterfahne lieſt man auf der rechten Hälfte: 1736 Ziebingen)/ auf der linken 


G. v. F. (Graf v. Einckenstein) 1816 1 
Hälfte: v. . (v. Burgsdorff) Das Gotteshaus wurde in den Jahren 1785 
1893 


Kunſtdenkm. d. Prov. Broͤbg. VI. 3. Weititernberg. 14 


210 Weſlſternberg. 


Abb. 200. Ziebingen. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten. 


Siebingen. all 


bis 1786 an Stelle einer älteren Holzkirche neu erbaut‘) und anläßlich eines Umbaus 
im Jahre 1866 um ein Drittel ihrer urſprünglichen Länge nach Oſten hin erweitert. 
Gleichzeitig wurde an der Oſtecke der Nordſeite eine im Grundriß quadratiſche Sakriſtei 
hinzugefügt und dem öſtlichen der beiden Südzugänge eine Vorhalle vorgelegt. Außer 
dieſen beiden Türen und der Verbindungstür nach der Sakriſtei zu führt noch von Oſten 
und durch den Turmunterbau von Weiten her ein Zugang nach dem Innern (Abb. 200). 
Zwei Reihen übereinander angebrachter 
ſtichbogiger Fenſter entſprechen den auf 
der Süd- und Nordſeite im flachgedeckten 
Kirchenſchiff eingebauten Emporen mit 
Zugangstreppen in den vier Ecken des 
Kirchenraumes. 

Der ebenſo wie das geſamte Innere 
im Jahre 1905 leider völlig überſtrichene 
Kanzelaltar iſt ein reiches Werk aus 
dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Über 
einem von joniſchen Säulen flankierten 
Unterbau ſitzt rechts und links von reichem 
Schnitzwerk und zwei kariatydenähnlichen, 
die alte (Geſetzestafel) und die neue Heils— 
lehre Lamm) verſinnbildlichenden Figuren 
eingeſchloſſen die nicht minder reich ge— 
ſchnitzte Kanzel. Singende und muſtzierende 
Engel ſowie ein Pelikan beleben den Kanzel— 
deckel und die reich umrankte Bekrönung 
mit dem Burgsdorffſchen Alliancewappen, 
während auf den geſchwungenen Ver— 
dachungen zu beiden Seiten ruhende Ge— 
ſtalten ſichtbar werden. 

Der Taufſtein iſt modern⸗-gotiſch. 

Die Orgel gehört ebenfalls der 
neueren Zeit an. 

Zwei meſſingene Kronleuchter ſowie 
zwei Wandarme aus demſelben Metall 
in der Nähe der Kanzel und fünfundzwanzig einfachere meſſingene Lichterhalter zeigen 
z. T. die Formen der ſpäten Renaiſſance und der Barockzeit. Zwei ohne Dorn 69 cm hohe 
ſilberne, reich ornamentierte Altarleuchter (Abb. 201) aus dem Ende des 17. oder dem 
Anfang des 18. Jahrhunderts wurden in neuerer Zeit angekauft und der Kirche geſchenkt. 


Abb. 201. Ziebingen. Leuchter in der Kirche. 


) Am 28. Januar 1780 überreicht nach einer Aufzeichnung in den Akten des Regierungsarchivs zu 
Frankfurt Joachim Friedrich Ehrentreich v. Burgsdorff Plan und Anſchlag des Maurermeiſters Andreas 
3 l urg 
Rumpelt aus Sommerfeld zum Neubau einer Kirche in Ziebingen. (Vgl. auch die Geſchichte der Ziebinger 
Kirche von O. Kohtz in der Ziebinger Zeitung, November 1905.) 
14* 


Abb. 202. Ziebingen. Burgsdorffſches Epitaph in der Kirche 
(nach einer Aufnahme im Beſitze des Herrn Pfarrers Richter in Görbitſch). 


Weſtſternberg. Tafel 10. 


dem Kirchſpiel. 


— 
=: 
S 
= 
— 
— 
= 
— 
— 
— 


N 
x 


jebingen. 


5 


* 


Siebingen — Zohlow. 213 


Ein reichgeſchnitztes Holzepitaph (Abb. 202) für Joachim Ehrentreich v. „Burgs— 
torff“, geb. 28. Aug. 1665, geſt. 9. Juni 1710, befindet ſich im Innern der Kirche. Das 
reiche Schnitzwerk eines konſolartigen Unterbaus hängt an der Südempore. 

Eine Kartuſche mit Inſchrift zur Erinnerung an die Erneuerung der Kirche 
wurde im Jahre 1905 an der Orgelemporenbrüſtung angebracht. Außerdem ſind noch 
nennenswert: 

Zwei gußeiſerne und drei hölzerne Kriegserinnerungstafeln. 

Ein Marmorbildnis der Gräfin Anna Finck v. Finckenſtein, geb. 14. April 
1852, geſt. 21. April 1861, das in einer durch eine Glasſcheibe geſchloſſenen Niſche 
der Patronatsloge untergebracht iſt. 

Ein Gedenkblatt an Wilhelm Maximilian Emil Reichsgraf Finck v. Fincken— 
ſtein, geb. 26. Sept. 1777, geſt. 27. Jan. 1843, hängt ebendaſelbſt. 

Ein auf Leinwand gemaltes Olbild, Chriſtus unter den Phariſäern, aus dem 
Anfang des 19. Jahrhunderts, befindet ſich in der Sakriſtei. Es wurde von dem damaligen 
Pfarrer Johann Gottfried Kadach (geb. den 6. Juni 1773) der Kirche geſchenkt. 

Drei Glocken. Die öſtliche mit 0,81 m und die weſtliche mit 0,65 m Durchmeſſer 
find von Johann Jacob Schultz aus Berlin in Croſſen 1710 gegoſſen. Die mittlere 
von 0,85 m Durchmeſſer zeigt die Minuskelumſchrift: „so rex ss glorie © criste © 
(veni) [c] vm s pace.“ = O König der Ehren, Chriſtus, komme in Frieden). 

Das Herrenhaus, ein am Anfang des 19. Jahrhunderts von Hans Chriſtian 
Genelli errichteter Bau!) wurde leider vor etwa 10 Jahren einer durchgreifenden 
Veränderung unterworfen. Nach Ausſage des jetzigen Beſitzers, Grafen Finck v. Fincken— 
ſtein, ſind keine Gegenſtände von Denkmalwert vorhanden. 

Die Bewohner des Ziebinger Kirchſpiels bewahren z. T. noch heute eine auffallend 
farbenreiche Tracht (Tafel 10). 


Zohlow. 


Zohlow, Straßendorf Skm nord— 
weſtlich von Reppen. 381 Einw., Land— 
gem. 1069 ha, Gutsbez. 177 ha. 

„Czawl“ lautete in Bistumsre— 
giſtern des 15. Jahrhunderts im Ge— 
heimen Staatsarchiv (Rep. 78 a. 11) 
der ſicherlich ſlawiſche Name des von den deutſchen Koloniſten im 13. Jahrhundert 
mit 54 Hufen, darunter 4 Pfarrhufen, ausgeſtatteten Dorfes, mit dem am 9. April 
1428 der Frankfurter Bürger Große durch Markgraf Johann belehnt wurde (vgl. 
Riedel, Codex XXIII, 183). 1554 ging „Zawl“ durch Kauf von dem v. Röbel 
an Vicenz v. Wedel über. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges beſaß den Ritterſitz 
der Kanzler des Kurfürſten Joachim v. Kökeritz (vgl. Beckmanns Nachlaß, Geh. 
Staatsarchiv, Rep. 92. V D, Nr. 15, ſowie Lehnsakten von 1641 in Rep. 62. 260 a); 


1) Vgl. Varnhagen van Enſe, Gallerie von Bildniſſen aus Rahels Umgang, Leipzig 1836, T. 1, S. 176. 


Abb. 203. Zohlow. Grundriß der Kirche. 


214 Weſtſternberg. 


er führte im Wappen 3 Lilien. Um 1730 kam „Zohlow“, woſelbſt um 1800 9 Bauern 
und 4 Koſſäten ſaßen, an den Landesherrn und wurde dem Domänenamt Neuendorf 
unterſtellt. Heute iſt das Gut Privatbeſitz, das Patronat aber noch königlich. 


Abb. 204. Zohlow. Kirche von Nordoſten. 


Die Kirche (Abb. 203 u. 204), ein im Grundriß rechteckiger, mittelalterlicher Find— 
lingsbau mit einem im Jahre 1737 aus Backſtein errichteten Weſtturm und einer 
etwa gleichaltrigen Vorhalle aus demſelben Bauſtoff vor dem Südportal, wurde in 
neueſter Zeit auf der Oſtſeite mit einer fünfſeitigen, ebenfalls aus Backſtein errichteten, 
jedoch unverputzten Apſis verſehen. Ein ehemaliger Zugang auf der Nordſeite iſt 
heute vermauert. Die vierſeitige, von einer welſchen Haube gekrönte Laterne über 
dem Ziegeldach des Turmes ſchmuͤckt der brandenburgiſche Adler. Ein Teil des ſechs— 
ſeitigen Flieſenbelags unter dem Geſtühl iſt barock. 

Der barocke Kanzelaltar (Abb. 205) zeigt breit angelegtes Schnitzornament. 


Sohlow. 215 


Die übrige innere Ausſtattung einschließlich der Orgelempore mit ihren vor— 
ſpringenden Seitenflügeln gehört mit Ausnahme einiger mitverbauter barocker Reſte 
der neueren Zeit an. 


Abb. 205. Zohlow. Kanzelaltar in der Kirche. 


Eine Tafel zur Erinnerung an die Befreiungskriege hängt im Innern. 

Ein einfacherer barocker Zinnkelch, 21, cm hoch, trägt die Jahreszahl 1786. 

Eine ſechseckige Kirchenflaſche, 18 em hoch, dürfte ebenfalls dem 18. Jahr— 
hundert angehören. 


216 Weſtſternberg. 


Reſte eines barocken Taufengels ſowie eine hölzerne Kartuſche aus derſelben 
Zeit werden auf dem Kirchenboden aufbewahrt. 

Zwei Glocken. Die öſtliche von 0,76 m Durchmeſſer zeigt am Hals die Inſchrift: 
AVS DEM VEIWER FLOS ICH DIT ERICH BESLER ZW CVSTRIN 


* 


nt [I Te 


Tr I Bi 


Abb. 206. Zohlow. Bauernhaus. 


GOS MICH“. Außerdem erkennt man auf der Haube drei geflügelte Engelsköpfe 
und unter dem Schliebenſchen Wappen die weitere Inſchrift: „ANNA GEBORNE 
SCHLIEIBIEN, H. JOACHIM von KOKERITZ CHVRE: BRAND: CANZ E- 
LERS S. NACHGELASSENE WITTIB AVF ZOLO 1648“. Die weſtliche von 
0,59 m Durchmeſſer zeigt auf der Nordſeite der Haube Maria und Johannes am Kreuze 
und auf der Südſeite Adam und Eva am Baum der Erkenntnis. Außerdem erkennt 
man am Schlag neben zwei kleineren Münzen eine größere mit dem Bildnis des 
Großen Kurfürſten. Die Umſchrift am Hals der Glocke lautet: „+ VIGILANDVM 
ET ORANDVM (= zum Wachen und zum Beten) ANNO MDCXLIX (= 1649) 
SAMEL FINKE“, 

Ein ſtrohgedecktes Bauernhaus (Abb. 206) 
aus Fachwerk mit Vorlaube, deſſen vordere Hälfte 
die Wohnungen und deſſen von der Straße ab— 
gelegener Teil Okonomieräume enthält, liegt an 
der Dorfſtraße unweit der Kirche. 


2 
— 


HIT 


Zweinert. 
Zweinert, Angerdorf 5 km ſüdweſtlich 
von Droſſen. 275 Einw., 1046 ha. 
„Swinar“ war eines der vielen Dörfer, deren Beſitz dem Biſchof Stephan II. 


Abb. 207. Zweinert. Grundriß der Kirche. 


Zohlow — Zweinert. DAT 


von Lebus am 3. Febr. 1317 laut Urkunde im Geheimen Staatsarchiv (Lebus Nr. 5, 
vgl. Riedel, Codex XX, 201) durch die Askaniſchen Markgrafen beſtätigt wurde. 
In Bistumsregiſtern des 15. Jahrhunderts wird der ſlawiſche Name „Swiner“ oder 
„Czweyner“ geſchrieben (Rep. 78 a. 11, fol. 50 und 279), zu Beginn des 17. Jahr: 


Abb. 208. Zweinert. Kirche von Südweſten. 


hunderts jedoch Zweinert. Die durch die Regiſter bezeugte Einteilung der Feldmark in 
Hufen, von denen je 4 dem Pfarrer und dem Lehnſchulzen gehörten, deutet auf eine 
Gründung zur Zeit der deutſchen Koloniſation. Nach 1555 ſäkulariſiert, gehörte das 
um 1800 nur 118 Einwohner zählende Dorf, wo kein Amtsvorwerk beſtand, zum Domänen— 
amt Frauendorf. Das Patronat ſteht heute den Prinzen von Preußen zu (vgl. S. XII). 


Die Kirche (Abb. 207 u. 208), ein im Grundriß einfach rechteckiger Findlingsbau 
mit einem in ſeiner unteren Hälfte der ganzen Weſtfront vorgelagerten Turm, beſitzt 


2 
5 


Zweinert. Kanzelaltar in der Kirche. 


Abb. 209. 


Zweinerl. 219 


vor ihrem ſpitzbogigen Zugang auf der Südſeite mit dem abgetreppten Gewände eine 
aus Fachwerk errichtete Vorhalle. Der ins Achteck übergeführte hölzerne Turmaufbau 
mit ſeiner ſchlanken ſchiefergedeckten Pyramide gehört der neueren Zeit an. Von den 
Lichtöffnungen ſind nur noch die drei ſpitzbogigen Fenſter in der Oſtwand mittel— 
alterlich. Das flachgedeckte Innere hat auf der Weſt- und der halben Nordſeite 
Emporen, deren Zugangstreppe in der nordweſtlichen Ecke liegt. 


Abb. 210. Zweinert. Leuchter in der Kirche. 


Der nachträglich zuſammengefügte Kanzelaltar (Abb. 209) zeigt im Gegen— 
ſatz zu dem jüngeren Kanzelkorb eine Rückwand aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts, 
die in ihrer Geſamtheit ſowohl wie in den Einzelheiten ſtark an ganz gleiche Arbeiten 
im Lebuſer Kreiſe, wie z. B. in Lichtenberg bei Frankfurt a. O. (vgl. Kunſtdenkmäler, 
Lebus, S. 172, Abb. 168), erinnert. 

Die kelchförmige Taufe mit ihrem einfachen meſſingenen Taufbecken iſt barock. 


220 Weſtſternberg. 


Die Orgel gehört der neueren Zeit an. 

Ein kleiner ſechsarmiger meſſingener Kronleuchter mit einem Doppeladler als 
Bekrönung gehört der ſpäten Renaiſſancezeit an. 

Zwei meſſingene Altarleuchter (Abb. 210), 55,8 cm hoch, find barock. 


Ali 
iin 


Abb. 211. Zweinert. Bauernhaus. 


Eine hölzerne, eine eiſerne und eine marmorne Tafel zur Erinnerung an die 
Kämpfe von 1813 und 1870 hängen in der Kirche. 

Ein einfacher Barockſchrank ſteht im Turmunterbau. 

Drei Glocken. Die ſüdöſtliche mit 0,55 m Durchmeſſer iſt ebenſo wie die weſtliche 
mit 0,70 m Durchmeſſer aus Gußeiſen. Beide wurden im Jahre 1879 von den Bochumer 
Vereinigten Gußſtahlwerken gegoſſen. Die nordöftliche mit 0,75 m Durchmeſſer fertigte 
Lorentz Köckeritz im Jahre 1678 in Stettin. 

Bemerkenswert iſt endlich noch die den Kirchhof einfriedigende alte Feldſteinmauer. 

Ein Bauernhaus mit Vorlaube (Abb. 211) ſteht in der Nähe der Kirche. 


Aurith . 
Balkow. 
Beelitz . 
Bergen . 
Biberteic, . 
Biſchofſee n. 
Bottſchow . 
Buchholz 
Döbbernitz. 
Drenzig 
Droſſen 
Frauendorf. 
Groß⸗Gandern 
Klein-Gandern 
Görbitſch . 
Göritz 

Gohlitz . 
Gräden. 
Grunow 
Hildesheim 


Klein-Kirſchbaum 


Klauswalde 
Kohlow 
Kunersdorf 
Läſſig 
Laubow 
Leichholz 
Leiſſow. 
Lieben 


Orlſchaftsverzeichnis. 


Ortſchaftsverzeichnis. 


Seite 


103 


109 
112 
116 
118 
121 
123 


Groß-Fübbichow . 
Klein-Fübbichow . 


Matſchdorf 
Neuendorf. 


Oetſcher 


Pinnow 
Polenzig 
Radach. 


| Groß-Rade 


Klein-Rade 
Rampitz ; 
Reichenwalde . 
Reipzig . 
Neppen . 
Säpzig . 
Sandow 
Schmagorei 
Seefeld. 
Spudlow 
Stenzig. 
Storkow 
Tornow 
Trettin . 
Tſchernow .. 
Wildenhagen . 
Zerbow. 
Ziebingen . 
Zohlow. 
Zweinert 


ID 
1 
— 


222 
Abb. Seite 
I. Nordſeite der Jakobikirche zu Droſſen XVI 
II. Kirche zu Reipzig XVII 
III. Kirche zu Grunow XIX 
b) Im Verzeichni 
Abb. Seite 
1. Aurith, Grundriß der Kirche 1 
2 5 Kirche von Südoſten 2 
3. 5 Inneres der Kirche . 3 
4. 1 Bauernhaus, Grundriß. 4 
55 7 75 Anſicht 4 
6. 1 15 Inneres 5 
7. Balkow, Blockhaus 6 
8. 75 Grundriß des e vor 
dem Umbau . 7 
9. m Herrenhaus, Anficht 8 
10. Beelitz, Grundriß der Kirche 9 
11 75 Kirche, Kanzelaltar 10 
12. 7 „ Taufe. 4 
13. Biberteich, Grundriß der Kirche 12 
14. 0 Juneres der Kirche 13 
15. 1 Taufe in der Kirche 14 
16. 5 Glockenturm. 15 
17. Biſchofſee, Kelch in der Kirche 16 
18. Bottſchow, Kelch in der Kirche 15 
19. 15 Taufbecken in der Kirche a 17 
20. Buchholz, Taufe 18 
21. Drenzig, Grundriß der Kirche a) 
22. 7 Taufbecken in der Kirche. 20 
23. 7 Bauernhaus. 21 
24. Droſſen, Mauer mit Weichhausreſt 27 
25. 7 Mauerturm 28 
26. 1 75 . 29 
Sir 75 Jakobikirche, Grundriß 37 
28. 75 7 Anſicht von Süd: 
oſten . 38 
29. 1 7 Inneres. 39 
30. 5 5 nördliches Seiten— 
ſchiff . BE) 
31. 5 5 ſüdliches Seitenſchiff 11 
. 77 1 Kanzel 11 


Weſtſternberg. 


Verzeichnis der Textabbildungen. 


a) In den Einleitungen: 


Abb. Seite 
IV. Grabdenkmal des Miniſters v. Struenſee 
auf dem Kirchhof zu Matſchdorf XXVII 
V. Altere und neuere Zinngeräte in der 
Kirche zu Frauendorf . XXIX 
s der Denkmäler: 

Abb. Seite 
33. Droſſen, Jakobikirche, Taufſtein 15 
31. 5 5 Taufſchuſſel. . 46 
35. 75 75 Opferſtock 47 

36. 5 7 Gedenktafel fur den 

Oberbürgermeiſter 
Kleiner 19 
5 + 15 Prunkwappen 53 
38. 77 17 Beſchlag. 54 
39. 5 7 Kelch und Taufkanne 56 
10. br Kelche Bl 
41. ” Grundriß der Gertraudenkirche . 59 
42. 55 Gertraudenkirche, Weſtanſicht 60 
43. 7 Inneres der Gertraudenkirche 61 

14. 7 Friedhof, Erbbegrabnis der Familie 
Bennewitz. . 62 

45. 75 „ Erbbegräbnis der Familie 
Kraufe . . 63 
16. h „ Grabmal 64 
47. 75 Rathaus und Kirche 65 

18. 7 Altes Rathaus auf einer Schutzen— 
ſcheibe vom Jahre 1841 66 
19. 5 Breite Straße, Blick nach Oſten 67 
50. 75 Kirchſtraße . 68 

51. 7 Jakobikirche, Südſeite, ü im B 
grund das Pfarrhaus . Se) 

52 m Lange Straße, Blick nach Nord: 
weiten . e 71 

ns} 75 Lange Straße, Blick nach Sud— 
oſten 5 4 5 

54. er Grundriß des Hauſes Poſtſtraße 
Nr. 1 8 72 
55. 75 Eingang zur Roſenſtraße 2 73 
56. 15 Frankfurter Vorſtadt 74 
el 7 Kietzer Straße 5 . 7⁵ 
58. 55 Fachwerkhauſer in der Parkstraße 76 


Verzeichnis der Terfabbildungen. 


Abb. Seite Abb. Seite 
59. Frauendorf, Grundriß der Kirche 76 102. Laubow, Grundriß der Kirche 118 
60. 75 Kirche von Südoften . 10 1 Kirche von Südoſten 119 
61. 5 Denkmal in der Kirche 78 | 104. m Inneres der Kirche. 120 
62. 5 Kelch in der Kirche 79 | 105. Leichholz, Grundriß der Kirchen. 121 
63. 15 Taufkanne und Oblaten— 106. 05 Inneres der Kirche 122 

fchachtel in der Kirche 80 | 107. 0 Denktafel in der Kirchen. 123 
64. Groß-Gandern, Grundriß der Kirche 80 108. Leiſſow, Grundriß der Kirche 123 
65. 15 Taufe in der Kirche 81109. m Kirche von Nordwerten . 124 
66. Klein-Gandern, Grundriß der Kirche 82 | 110. 5 Bauernhaus 125 
67. 75 Anſicht der Kirche von 111. Lieben, Grundriß der Kirchen. 125 
Süden . 83 | 112. 7 Inneres der Kirche 126 
68. Görbitſch, Herrenhaus 88 113. 75 Kelch in der Kirche 127 
69. Göritz, Stadtplan 5 88 | 114. 5 Dorfſchmiede . „ e 
1 Grundriß der Kirche . 89 115. Groß-Lübbichow, Kirche, Altar 128 
71 15 Kirche von Nordoſten 90 116. Klein-Lübbichow, Grundriß der Kirche 129 
72 15 Kirche, Kanzelaltar 92 117. 55 Kirche von Südoſten 129 
73. Gohlitz, Grundriß der Kirche 93118. Pr Kirche, Altar 130 
74 7 Kirche von Nordwerten . 94 119. Matſchdorf, Grundriß der Kirche 131 
75. Grunow, Grundriß der Kirche 96 120. 7 Kirche von Nordoſten 132 
76. 5 Kirche von Nordoſten . 9 AH: 75 Inneres der Kirche 133 
1 5 Inneres der Kirche 98 | 122. er Grabdenkmäler der Familie 
78. 15 Taufe in der Kirche 99 des Staatsminiſters 
79. 17 Leuchter in der Kirche 100 Struenſee von Carlsbach 134 
80. 0 Kelche in der Kirche . 101 | 123. > Herrenhaus 135 
81. Hildesheim, Grundriß der Kirche .. 101 124. 5 Herrenhaus, Beſuchskarten 
82. 15 Kirche von Südoften .. 102 aus der Sammlung v. Finckenſtein 136 
83. Klein-Kirſchbaum, Grundriß der Kirche 103 | 125. Neuendorf, Herrenhaus 138 
84. nn Kirche von Nord» 126. Pinnow, Grundriß der Kirche . 139 
weiten „ e e 15 Kirche von Südoſten 139 
85. 7 Gedächtnistafel für 128. 5 Inneres der Kirche. 140 
die Ehefrau des 129. Polenzig, Grundriß der Kirche . 141 
Friedrich v. Ihlow 105 130. 5 Kirche von Nordoſten 142 
86. Klauswalde, Grundriß der Kirche .. 105 131. > Inneres der Kirche 143 
87. 75 Kirche von Nordoſten . 106 132. hr Kirche, Altar 144 
88 Pr Kirche, Kanzelaltar oz e 1 Bennewitzſches Epitaph in 1975 
89. er Taufe in der Kirche .. 108 Vorhalle der Kirche 145 
90. 55 Kelch in der Kirche . . 108 134. Radach, Grundriß der Kirche 146 
91. Zinnteller in der Kirche 109 | 135 7 Kirche von Südoſten 147 
92. Ger Grundriß der Kirche 109 | 136. Groß-Rade, Grundriß der Kirche .. 149 
93. 77 Kirche, Südportal „ eee ar 5 Kanzelaltar in der Kirche 150 
94. 55 „ Kanzelaltar . „ ae e 1 Wetterfahne in der Kirche 150 
95. 177 Altargerate in der Kirche . . 112 139. Klein-Rade, Grundriß der Kirche. 151 
96. Kunersdorf, Grundriß der Kirche .. 112 140. 7 Kirche von Südweſten . 152 
97. Pr Kirche von Südweſten . 113 | 141. „ Inneres der Kirche 153 
98. 5 Inneres der Kirche 114 142. Rampitz, Grundriß der Kirche 153 
99. 5 Treppe in der Sakriſtei der 143. 15 Kirche von Südoſten 154 
Kirche 115 | 144. 15 Inneres der Kirche . 156 

100. Läſſig, Grundriß der Kirche . 146145. 75 Geflügelhaus . „ 07 

101 75 Kirche von Südweſten . 117 146 Reichenwalde, Grundriß der Kirche 158 


224 Weitjfernberg. 

bb Seite | Abb. Seite 
147. Reichenwalde, Geländer der Vorhallen— 176. Seefeld, Kirche von Nordoſten 190 
treppe . 159 | 177. 5 Kronleuchter in der Kirche 191 
118. 775 Flügelaltar in der Kirche 160 178. Spudlow, Grundriß der Kirche . 192 
149. 7 Zinnleuchter in der Kirche 161 | 179. 75 Kirche von Süden 192 
150. Reipzig, Grundriß der Kirche . 161 | 180, 1 Kanzelaltar in der Kirche . 193 
151. 15 Kirche von Nordoſten 162 184. 75 Taufe in der Kirche . 193 
152. 75 Predigtuhrgeſtell in der Kirche 163 | 182. 7 Kelch in der Kirche 191 
153. 1 Abendmahlskelch in der Kirche 163 | 183. Stenzig, Grundriß der Kirche 195 
154. 7 Zinngeräte in der Kirche . 164 | 184. „ Kirche von Nordweſten 196 
155. Reppen, Grundriß der St. Katharinen— 185. 75 Totentafel in der Kirche 197 
kirche . 170 186. Storkow, Grundriß der Kirche . 198 
156. 5 St. e Nord- 187. 17 Kirche von Nordweſten 198 
kapelle 17188. 15 Inneres der Kirche 199 
157. br Hoſpitalkirche, Altar . 174 189. Tornow, Kanzelaltar in der Kirche. . 201 
158. 75 Friedhof, Bolfrasſches Grab— 190. Trettin, Grundriß der Kirche 202 
denkmal 175 191. „ Kirche von Nordweſten. 202 
159. hr Friedhof, Erbbegräbnis der ee 192. 75 Inneres der Kirche . 203 
milie Herzberg . 176 193. Tſchernow, Inneres der Kirche . 204 
160. 5 Haus Frankfurter Straße Nr. 5 177 194. 75 Taufengel . 205 
161. m „ Richterſtraße Nr. 22 . 178 | 195. Wildenhagen, Grundriß der Kirche 205 
162. 7 „ Schloßſtraße Nr. 59 179 196. 7 Kirche von Südweſten . 206 
163. 7 Tür am Hauſe Schloßſtraße 197. Zerbow, Leuchter in der Kirche . 208 
N ; 179 198. Ziebingen, Grundriß der Kirche 208 
164. 75 Tür am Bau Straß 199. m Kirche von Norden 209 
N . 180 200. 75 Inneres der Kirche 210 
165. Säpzig, Grundriß der Kirche 180 201 1 Leuchter in der Kirche 211 

166. m Kirche von Werten 181 | 202 5 Burgsdorffſches Epitaph in 
167. „ Kanzelaltar in der Kirche . 182 der Kirche . 212 
168. 57 Altarleuchter in der Kirche 183 203. Zohlow, Grundriß der Kirche 213 
169. Sandow, Grundriß der Kirche 181 | 204. 75 Kirche von Nordoſten . 214 
170. a Inneres des Kirche 185 205. 75 Kanzelaltar in der Kirche .. 215 
171. 1 Herrenhaus 186 206. 17 Bauernhaus 216 
172. Schmagorei, Grundriß der Kiuche 186 207. Zweinert, Grundriß der Kirche . 216 
173. 7 Kanzelaltar und Taufe in 208. 15 Kirche von Südweſten 217 
der Kirche 187 | 209. 5 Kanzelaltar in der Kirche . 218 
174. 7 Taufengel in der 1 183 | 210. 1 Leuchter in der Kirche 219 
175. Seefeld, Grundriß der Kirche 189 | 211. 11 Bauernhaus . 220 


Verzeichnis der Karlen und Tafeln. 225 


Verzeichnis der Karten und Tafeln. 


a) Karten: 


Geographiſche Karte des Kreiſes Weſtſternberg. uberſichtskarte der im Verzeichnis erwähnten Orte. 
9 


b) Tafeln: 


1. Balkow, Frauentrachten. 6. Droſſen, Altar in der Jakobikirche. 
2. Droffen, Stadtplan nach Euchler. 7. Reppen, Stadtplan nach Euchler. 
85 m Auſicht nach Merian. 8. Seefeld, Kanzelaltar in der Kirche. 
4 75 Modell eines Hochaltars im Beſitz 9. Wildenhagen, Altar in der Kirche. 
der katholiſchen Gemeinde. 10. Ziebingen, Trachten aus dem Kirchſpiel. 
br 5 Jakobikirche, Anſicht von Süden. 


Kunſtdenkm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. 15 


Weſlſlernberg. 


Verzeichnis der Familien, Stifter u. ſ. w. 


Seite 
ae ede 8 
Albrecht Achilles, Kurfürſt . .. „ 24, 209 
Albrecht Conrad, General XII 
Alsleben, Präfident 119 
Apetzko, Biſchof von Lebus. VI, 87 
Areldus : 50, 56 
v. Arnim, Joachim VIII 
Arnold, Inſpektor. 134 
Bache, M., Richter . e 92 
Banner, ſchwediſcher General. .. „ IX 
Beil, Familie 24, 50, 56, 189 
Bennewitz, Familie XXIV, 58, 64, 146 
v. Berg 10, 14% 9 80 
v. Berger 105 
Bielitz, Familie 2 50, 56 
Bi hond G 5 
Bloch, Johanne. 22 
v. Block-Bibra 18 
Blrüh (= Brühl, Andreak (Andreas) 118 


v. Blumenthal, Georg, Biſchof von Lebus VIII 


Bobertag, Joh., Paſtor 190 
Bobertags, Marg. 18 
Bocatius, Caſpar, Diakon . ER 52 
Bohtz, Familien. XII, 187, 188 
Bolfras, Wilh. 0 174 
v.Bonin. 0 5 50 * 8 
v. Borſchnitz, Johann, Biſchof von Lebus 87, 

166, 198 
Brackow, Peter „ „2 
Brandenburg, Familie . 100, 101, 102 
v. Bredow 2 
v. Brieſ en 2908 
b. Buche el) 
Buchholz, Gottlieb 197 
Büttner, Görge : 118 
Buntſch Bong) ; vn, 12 


v. Burgsdorff (Burgstorff, Borgsdorß) XI, XXVII., 


6, 129, 184, 185, 186, 209, 211, 213 
Buſch, Geh. Juſtizrat. . XI, 106 
v. Byzeski 9 118 
Caſimir, König von Polen . IX 


Seite 

Clemens VL, Papſt. 2 87 
Conrad, Erzbiſchof von Magdeburg re 
Conrad, Biſchof von Lebus 87 
Coppe, Jürgen . 2 191 
v. ene Peter, 70 207 
Daubitz, Caſpar 118 
v. b, Deher, Johann, Viſchof v von Lebus 87 
Douglas, Ritterſchaftsrat 208 
Dumke, Joh. Friederika . 155 
Duncktmigut 109 
Dyſſen, Ritter. 165 
v. Eichendorf, Heinrich. VII 
Eick, Pfarrer 21 
Elert, Familie . Da 146 
Eliſabeth Charlotte, Kurfürſtin-Witwe IX 
Ende, Chriſtoff . 118 
Enden, Jacob 118 
Engel, C. A. 184 
Ertmut sr 82 
Fabricius, Gottlieb, Paſtor 148 
ln J. W. IR 161 
Fendius, * 4 


ee Prinz . x, XXIll, 155 


Grafen Finck v. Finckenſtein XII, XXVI, 17, 
132, 135, 138, 209, 213 
Firnhaber 12 
Fiſchbach, Carl FE 117 
Franke, Joh. Chriſt., Prarrer . 196 
Frenkelyn 161 
Friedrich J., Kurfürſt N Friedrich VI. 
| von Nürnberg) VII, 131, 146 
Friedrich II., Kurfürſt VIII, 166 
Friedrich J., König 34% 
Friedrich II., der Große X, XXV, 87, 116, 135, 
137, 138, 149, 167 
Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürſt 
IX, XXIII, XXV, 30, 110, 129, 216 
Friedrich Wilhelm J., König XII, 30, 77, 123, 
168, 184 
Friedrich Wilhelm III., König . 31, 137, 201 
Friedrich Wilhelm IV., Könige 122 


Verzeichnis der Familien, Stifter u. ſ. w. 


Seite 
Fuchs, J. C., Bürgermeiſter 185 
Gabriel, Adam 118 
v. Gaudi. } 86 
Georg Wilhelm, Kurfürſt 137 
Gerke, Martin. 118 
Gieſe, Generalmajor . 25 
Gladow, Bernd. Friedr.. 148 
v. Grävenitz 17 
Greber, Hans 4 164 
Greilich, Erasmus, 0 157 
Große, Frankfurter Bürger . 213 


Großwend (Großwendt) 8 196, 197 
v. Grüneberg (Grünberg, Grunenberg) VII, 6, 7, 
128, 129, 139, 140, 146, 158, 200 


Günter, Familie 137, 151 
Haack, Familie . 79 
v. Hackeborn 186 
Hahn, Chriſtoff . 118 
Hamann, Oberamtmann. 140 
Hancke, C., Bürgermeiſter 92 
Handke, Jakob. 8 
Hans von Sagan, Herzog VII, 24, 29, 166, 169 
Grafen v. Haslingen. XII, 159, 187 
v. Heicking, ruſſiſcher Offizier 115 
Heinrich der Löwe 169 
Heinrich, Herzog von Schleſien VI 
Hercke, Andres und Caſper . 161 
Herrmann, Joh. Jacob, Ratmann 50 
Herzberg, Familie „ 0 ale 
v. d. Heyde (Heyden, Heide) . 106, 207 
Heymann 3 127 
nn David, Sekretär 2 50 
Hirſekorn, Johann Michael, Prediger 197 
Hoffmann, Joh. Wilh., Oberbürgermeiſter . 50 
Hokemann . 93, 198 
v. Holle IR 
Horn, Familie : 146 
Horneburg, Biſchof von Lebus VIII 
Hübner, A. M. 64 


Jäger, Chriſtophorus, Pfarrer XXIv, 194, 195, 197 
v. Jena ee. 19 
v. Ihlow (Slow, Illo) VII, XI, XXIV, 

17, 82, 104, 128, 146, 148, 187, 
188, 189, 206, 207 

Joachim J., Kurfürſt . VIII, 24 
Joachim II., Kurfürſt . 33, 87, 116, 149, 209 
Jobſt von Mähren, Markgraf VII, VIII, XVIII, 
23, 112, 165, 166 
123 


Ilowen, 
105, 106, 


Jobſt, Familie 


227 


Seite 
Johann XXII., Papſt VI 
Johann J., Markgraf IV, 167 
Johann IV., Markgraf 192 
Johann der Alchimiſte, 213 
Johann, Kurfürft . ; 49, 183 
Johann von Cüſtrin, Markgraf VIII, XII, 24, 


30, 
Johann Georg, Kurfürſt 


33, 87, 137, 166, 209 
24, 33, 76 


Graf Johann Moritz von Naſſau, Herren— 
meiſter X 
Ka dach, Joh. Gottfr., Pfarrer . 213 
v. Kalckreuth N 11 
v. Kaphengſt apehingeſt) , ee, 144,402 
Karbe, Landrat. 106 
Karl IV., Kaiſer XVIII 
v. Karlwig, Joſt 8 194 

Katharina, Gemahlin des Hans von Cüſtrin 
VIU, 137 
Kaull, Heinrich . 194 
Keller, Ernſt Tobias, Ratmann 50 
Kettel, Urſula Catharina 196 


v. Kettwig (Ketwig, Kettwich, Kettwic, Ket— 


wick, u) IX, 84, 92, 95, 131, 132, 133 
Keydel, J. G., Prediger. 92 
v. e 135 
Kleiner, Familie 3 18, 56 
Kleiſt von Nollendorf, Selbmarfchall . 137 
v. Klepzig. 2 19, 79, 100, 183 
Klopſch, Ehrift. Wilh., S 110 


DICHELEDER Er 2. 7 
v. Knobelsdorff 0 
v. Kökeritz Kokeritz) 110, 213, 216 
v. Königsmarck 132 
Koſer, Paſtor 17 
Krauſe, Familie 664 
Kuhlwein . , e e 
Kuhmeiſe, Oberſt. 5 24 
Kuntzius, Joh. David, Richter 50 
Lange, Chriſtof. 101 
Laub, Johann, Richter 52 
Lehmann, Johann, Küſter 148 
Leupoldt, Barth., Ratmann 52 
Liphard ** 161 
v. Löben (Lobbenn, Weben Lope) WII e, 

103, 105, 146, 158, 159, 160, 200, 209 
Lokietek, Wladislaus, Polenkönig VI 
Loſſow, Pfarrer rl, 190 
v. Loſſow (Loſſo) VII, XI, 17, 19, 79, 80, 84, 82, 


100, 121, 146, 158, 160, 206 
15* 


228 Weſtſternberg. 
Seite Seite 
Loudon (Laudon 9 ..... 113 Penther, Heinrich, Rittergutsbeſitzer. .. 207 
Loze, Marti’ꝭn nn... 106 Peregrinus Dirzislaus), Kaſtellan . . 153 
v. Lucke 14148 Grafen v. Perponcher⸗Sedluitzey 82 
v. Ludwig (Ludewich) . . .. 110, 129, 134 Peſcho van Swebeſin (Schwiebus) 105, 165 
Ludwig der Baier, Kaiſe r! D ipe?ßnn Eee 
Ludwig der Ältere, Markgraf 1, 33, 105, 165 | Porkus, Genera ... .. 24 
Ludwig der Römer, Markgraf 1, 23, 139, 166 v. Prittwitz, Rittmeiſter . ... 146 
v. Lüderitz „„ „ „„ „ 77 Prosnacius, Martin, Predigen 
Lutkelius, Paulus, Kuſtos. „ ern „„ 412 
d. Maltzahn, Freiherrn Ai d if, 
v. Mandelsloh .. „„ „„ „„ 12 eld Neck en, NE 
Mangold, Johannes, i VIII, 24, 88 s. Reden 32 A 
Martini, Martin, Bürgermeifter . ... 52 —Rehfeld, Chriſtian, Bürgermeister 3 
d. Marwi z 1460 Nein bavde Soi Prediger u 
Matthias, Marcus 194 Graf Neon 
v. Medem, Freiherren „124% 122, 128 Richter, A M;; ?N. 
Meißner, Peter 1418 Niedel, Prediger,. 
Metzner, Friederike 82 | v.Riffelmann . XII, 84, 86, 100, 132 
Metzner, Joh 8 Ritlingen, Ehriftna. . .. . 134 
Meurer, Martin, Ratnann . .. 52 | Graf de la Rivalliere XII, XXVvIII, 115, 197 
W Meydeb urg 2 Röbel, a 
b. Meyerink, Genera 4 Rh rr ee 
v. Minkwitz, Hans 87 Rotenburg, Jacob 96, 99 
v. Mörner „ͤð ù ũÜ 87 00 och (noise 123, 126 
dien la Motte, General ar. 487 Sack, Gebrüdere 2 2.2 re 
Müller, Oberamtmann 206 Sack, Johannes BT VII, 183 
Müller, Johann, Bürgermeiſter .. 18, 53. Sadewaßer, Apotheke 
v. MünchowW̃wwwW̃w̃w 132 Schaffmñr]ʃ;'kt 
Mylex, Blrgermeiſes Schafe), 7 
Myler, Johann, Richter .. „„ 52 Schefiſch hh 
v. Nauendorf (Newendorf, Nawendorf) 8 e Metten 3 
Neumann, Familie . .. „ Schlabrendorf Slaberndorß) 24, 96, 186 
Neumann, Franz, 1 VIII a Eſaias, Ratmann 52 
Nile, . 8 ... 164 v. Schlieben (Sliwen) IX, 11, 154, 216 
Nitzsike, D. F., Kanter 333 Schmid ee? 2 
v. Oinitz On . ö VII, 431, 154, 186, 198 | Schmiedede, onen e 
b. Oppen A, 80, 88, 0 207 b Schmorze Schüufen 
v. d. Oſten 48 189 Schober, Samuel Friedrich er 
Oi Air, Kale 8 Se BE: 7 
Otto III., Markgraf .. IV, 167 Schönberg, Georg Benedikt Friedr. kr Archi⸗ 


Oro I, Marge, 10 
Oer der Finne, Maorkgraßß 
Paetſchigen, Joh. Friederike. . . 155 
v. Pannewitz IH e 
Pape, Andreas, Paſ top 06 
Pape, Wilhelm, Eigentümer . .. 22 
Mapis, one 118 
v. Papppi ß, EERTER 103, 146 
Pauly, Fam ie A 88 


diakon 50 


Schramm, Superintendent. .. N 
Schramm, Ehrift. Georg, Diakon.. 50 
Schreck, Lorenz, Profeſſor der Rechte .. 151 
Schroeer, Bürgermeiſte er 2 
v. d. Schulenburg. .. 3 ZERIR 

Schultz, Carl Auguſt, Bihgermeifter . 0 


N Joh. Adam, Ratszimmermeiſter . 174 
Schulz, Mort JAsE 


Verzeichnis der Familien, Slifler u. j. w. 


Seite 
Schulze, Gottfried 5 115 
Grafen v. Schwarzenberg . 137, 155, 156 
v. Seidlitz Fe N 137 
v. Selchow (Selcho) . 11, 12, 14, 16, 106, 126 
Senfft v. Pilſach, Freiherren XII, 132, 184 
Seſſelmann, Friedrich, Biſchof „VIII 
Siepmann, Chriſt. Friedr., Hülfskämmerer . 50 
Sigismund, König von Polen 24 
v. Sprenger 127 
Sſaltykow, ruſſiſcher e 113 
Stalhans, ſchwediſcher General 166, 200 
Stange, Ritter 165 
Stegemann, Daniel Auguſt, 1 100 
Stellmacher, Bernhard, Ratmann 52 
Stephan II., Bifchof von Lebus . VI, 192, 216 
Stern, Leonhard, Bürgermeiſter 52 
v. Stoſch. 8 8 
Struenſee von Carlsbach XXVIII, 132, 135 
v. Sydow . 128, 129, 140, 200 
v. Tauentzien e , e, , e 
v. Thiele, Generalmajor . 8 
Thieme, Valtin 197 
v. Thierbach 160 
v. Thümen, Veit VIII 


een, J e, 185 


Toepffer, Pfarrer. 1 
Töpper, Hans. n 118 
Trautwein, Joh. Chriſt., Ratmann 50 
v. Uchtenhagen 204 
Ungnad, Joh. Chriſt. Goltl. 174 


Der ns? 118 


Seite 

| Walburg-Tzfcheow . 99 
Walde, Adam 8 
Waldemar, Markgraf VI, 161, 192, 202 
Waldemar, Der falſche, Markgraf VI 
v. Waldow VII, IX, XI, 166 
Waldow, Daniel 9 196 
Wales 0 
Walther, David 1 Pfarrer 50 
Warmbor ne. 82 
Wecker, Sebaftian . ale) 
v. Wedeln. 123, 213 
Wedel. 3 X 
Weidemann, Georg Hugo Mar . 207 
v. Weiſſenſee, Dietrich, Vogt. 139, 200 
Weimann 938 
v. Weſenbeck er 8% 7% 8, 12, 15 
v. Widawſki, Chriſtina Loyſa s1 
Wilberg, Carl Friedr. 197 
Wilbrand, Erzbiſchof von Magdeburg 23 
Wilda, W. R., Paſtor 196 


v. Winning (Wynnyng, Winnig) VII, XI, 18, 81, 


84, 100, 140, 146, 158, 186, 209 
Wilhelm, Biſchof von Lebus 23, 87 
Wins, Martin . 129 


v. Winterfeldt (Wiuterfeld) IX, XI, 77, 84, 


104, 105, 183 


v. Wulkow, Haupfmann . VI 
Wulkow, Jan . 205 
v. Zaſtrow 158, 159 
Zellfiſch, Martin . 106 
v. Ziethen 135 


230 Weſlſternberg. 


Meiſterverzeichnis. 


Seite 
Allapdt, Johann, Male. ee 
Berg, Zimmermelſte r Re 3 
Berger, Bauinfpektor eee En RE TE 
Bergman, Michell, Ziingieger '..... .. Meyer An N ee 
Besler, Dietrich, Olockengießen, une se ee ⁵ 
Behyſen, R., SUberichnitenä)l 2 0. ran Em a RE NE GER R ) E EEE 
Birkenhagen, Maurermeiſt r N TE 
Boumann, Regierungsraa . ö 
Bücker, Irgelbauerrrr SRH NE 
Bügler, Carl, Glaſermeiſte !; d ᷑ ũ V) EEE 
Ghodiowiecki, D., Malet1.AtW 
Collier, Guſtav, Glockengieſe n g , ERRE 
de Co ninck, David, Male m 
Drooch Slot, Spoit Cpnelisz (ſiehe J. . S), Male) ys 
Duchter, Daniel Ulerich, Molzbilöhaner 2 Ä 
Duͤnſel, Orgelbauer , e ae ker non Bor. 184 
Ewald, Joh Gottit.,, Simmermeifter. 22 k ) 
Flaminius, Resierüngss nd Bürge 
Francke, Goktfried, Siogengiereun. 2. Re 
Finde, Samuel, Gfodengiepevis ı 20.2 N 
Fincken, Chriſtian, Glockengießennmd Ä 
Fiſcher, (Gebr; Glockengießenrnr,‚‚‚d 
Geittner, W., Glockengie ßend ᷑ 2T⅜:T!b⅛Iÿ 
Genelli, Baumeiſte n ST ST EEE 
Siebe, Kreisbaumeiſter᷑rr N N  EE 
Golofski, Ferdinand, Glaſe ee 
Großheim, Gottlieb, Glockengieß er!) „% 


) Carl Ferdinand Rudolph Beyſen, Sohn des Domänenpächters Friedrich B., geb. 16. Mai 1818 
zu Harnekopf im Oderbruch (Kreis Oberbarnim, bei Wriezen), erwarb am 30. November 1847 das Bürger: 
recht in Frankfurt g. d. Oder und gründete dort ein Goldwarengeſchaft, das ſpäter fein Sohn Max B. 
(geb. 15. Dezember 1854, geſt. 13. Juli 1905) fortſetzte. R. Beyſen ſtarb am 29. Oktober 1889. Das Ge— 
ſchäft beſteht noch jetzt, wenn auch unter anderer Firma. 

Joſt Conelisz Drooch Sloot, gewöhnlich Droogsloot genannt. Einer der fruchtbarſten 
holländiſchen Maler des 17. Jahrhunderts. Maler von Dort oder von Gorcum, wurde 1616 in die 
St. Lukasgilde zu Utrecht als Meiſter aufgenommen, und von 1623 bis 1624 bekleidete er die Stelle eines 
Dekans dieſer Anſtalt. 1638 wählte ihn das „St. Hiobs-Gaſthuis“ zum Regenten. Das ſpäteſte Datum 
auf feinen Bildern iſt 1655. Er ſtarb in Utrecht. Seine Werke find in Utrecht ſehr zahlreich; fie find 
jedoch nicht von ſonderlicher Bedeutung. (Jahrmärkte, Kirchweihen, Bauerntanze, auch zeitgeſchichtliche und 
bibliſche Motive.) 

) Vgl. Seite 5, Anmerkung. Großheim verzogen am 16. November 1864 nach Minden. In Franke 
furt a. O. wohnte er Lindenſtraße Nr. 16. 


Meiſlerverzeichnis. 


Gruhl, Fr., Glockengießer 
Grund, Tiſchler 5 5 
Haberkern, Carl, ee 
Hackenſchmidt, Glockengießer . 
Helling, Carl Gottlieb, Se e 
Heintze, Ch., Glockengießer . 
Henze, Tiſchlermeiſter x 
Hermann (Familienname nicht zu 1 e 
Herrmann, Tobias, Baumeiſter 
Hiebel, Gottlieb, Zimmerpolier 
Hofmann, Georg, Glockengießer 
Hoffmann, L., Zinngießer 
Humber, Silberſchmied 
Huſeler, Glockengießer 
Köckeritz, Lorentz, Glockengießer 
Koppin, Maurermeiſter 
Krüger, Franz, Maler 
Lambert, Nicholas, Uhrmacher 
Lange, H. Ch., Glockengießer!“) 
Lehmann, Abraham, Maurermeiſter 
Liebe, G., Zinngießer 8 5 
Lorenz (Familienname nicht zu entziffern), Glockengießer e 
Loſchetter, Schieferdecker 
Marquart, Zimmermeiſter . ; 
Maukiſch, Johann George, Glockengießer 
Meurer, J. P., Stückgießer 
Meyer, Glockengießer 
Meyer, Goldſchmied ; 
Michel, Th., Maurermeiſter 
Mockert, Zimmermeiſter . 
Möllinger, Uhrmacher 
Müller, Silberſchmied 
Münchhoff, Landbaumeiſter 
Neumann, Maler 
Neumann, Georg, Baumeilker. 
Pauſt, M., Glockengießer 
Prevöt, L. C., Goldſchmied 
Reyher, Maler 
Rubon, C., Glockengießer 
Rumpelt, Andreas, Maurermeiſter 
Schadow, Bildhauer . 

Schilling, Franz, Olokenaieket 
Schmidt, Landbaumeiſter 
Schober, Maurermeifter . 
Scholtz, Johan Carl, eee 


) Heinrich Chriſt. Lange, geb. 1791 zu Langenſalz in Schleſien, 
Geſtorben am 14. Dezember 1857. Er wohnte 


als Glockengießer das Bürgerrecht in Frankfurt a. d. Oder. 
Breite Straße Nr. 4 in Frankfurt g. O. 


231 


Seite 

95, 125, 156, 205 
21 

. 9 
173, 201, 204 

N 9 
XXV, 129 
XXVI, 190 
7 

XXIII, 34 

XXV, 95, 160, 194 
160, 204 

5 8 91 

XXII, 207 

XXV, 220 

21 

137 
I 85 
18, 85, 117, 146, 164, 185 
A So, 181 
XXVI, 101, 156, 208 
XX, 105 

91 

170 

XXVI, 58 

XXVI, 59 

XXVII, 102 
XXVI, 29 

119 

6 

186 

184 

20 

91 

XXIII, 106 

„ eee 457 

115, 204 

137 

7, 134 

211 
XXVII, 134 

12, 84, 109 

20, 89 

XXVI, 8, 9 


erwarb am 18. Oktober 1826 


939 


Schramm 
Schramm 
Schultz, 
Schultz, 
Schultze, 
Schulze, 


Weſtſlernberg. 


a 


1, J. F., Glockengießer 

1, J. F., Witwe, Glockengießer 
Zimmermeiſter : 

Joh. Jac., Glockengießer . 
Johann Gottl., Zimmermeiſter 
Samuel, Zimmermeiſter . 


Sieber, Tiſchlermeiſter 


Siedler, 


Bauinſpektor 


Specht, Johann Friedrich, Kupferſchmied 
Suchel, Greger, Baumeiſter 
Tam, Sraelbalier 


Thiele, 
Tile, 5, 
Ulrich, C 
Voillard 
Voß und 


J. F., Glockengießer 
Goldſchmied 

F., Glockengießer . 
„Franz, Glockengießer 
Sohn, Glockengießer 


Weber, Samuel, Glaſergeſelle . 


Wenzel, 


Wetzſtein, 


Ambroſ., Glockengießer 5 
Johann Kaſpar, Tiſchlermeiſter 


Wurm, Maurermeiſter 


Zernbach, 


Zimmern 
Zunckel, 


98 Ke 


DEN, 
F. W., 
"HB, 
S 


Bee 


a 


M., Bauinſpektor 
nann, Bauinſpektor 
Jacob, Glockengießer 


Meiſterinitialen: 


lch in der Kirche zu Lieben. 


„Kelch in der Kirche zu Klauswalde, Frankfurter Arbeit. 
Barockkelch in der Kirche zu Görbitſch, Frankfurter Arbeit 


„Os, Kelch und Patene in der Kirche zu Laſſig, Berliner Arbeit 


Barockkelch in der Jakobikirche zu Droſſen, Berliner Arbeit 


Kelch in der Kirche zu Zerbow, Frankfurter 


Arbeit . 


Patene in der Kirche zu Klein-Gandern, Frankfurter Arbeit 


Abendmahlskelch in der Kirche zu Gohlitz, Frankfurter Arbeit 


E 15 Zinnkelch in der Kirche zu Laubow 8 
I. C. M., Kelch in der Kirche zu Klein-Lübbichow, Berliner Arbeit 
J. 0 s (ſiehe Drooch Sloot) 


„Abendmahlskanne in der Kirche zu lenz 


L. 

9 5 a in der Kirche zu Reipzig, Frankfurter Arbeit. 
O. M., Brodteller in der Jakobikirche zu Droſſen, Berliner Arbeit 
8. 
Sh 


ar Kelch in der Kirche zu Reichenwalde, Berliner Arbeit? 


8., Zinnleuchter in der Kirche zu Hildesheim, Frankfurter Arbeit 


XXV, XXVI, 


95, 99, 


Seite 
XXV, 204 
XXVII, 207 

1, 2, 3 


XXV, 129, 213 


121, 


20 


33 
92, 148, 200 
XXIV, 150 

59, 84 


137, 173, 189 


111, 128 


Seite 
XXIv, 117 
128 
XXI, 109 
84 

58 

208 

84 

95 

121 

XXIV, 131 
86 

146 

164 

XXIV, 58 
160 

101 


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Die Kunstdenkmäler der Provinz 
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